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Dienstag, 9. April 2013

Die Nähe Gottes bringen


Wilfried Hagemann

Wilfried HagemannIch habe den schönsten Beruf der Welt, nämlich Priester Jesu Christi zu sein.

Dabei habe ich diesen Beruf nicht wirklich gewählt, sondern ich kann sagen, dass ER mich erwählt hat. Als Priester bin ich mit vielen Menschen in Kontakt und kann ihnen helfen, neuen Sinn in ihrem Leben zu entdecken, eine authentische Erfahrung mit Gott zu machen und dabei Jesus Christus und seiner Kirche immer tiefer zu begegnen. Wie vielen Menschen konnte ich bisher helfen, zu einer echten bleibenden Freude zu finden!!

Dies war mir zunächst nicht in die Wiege gelegt. Ich bin als Ältester von fünf Kindern am 30. August 1938 in einer gut katholischen Familie in Duderstadt im Eichsfeld geboren. Der Zweite Weltkrieg erschütterte mein Leben ganz spürbar, als wir von amerikanischen Soldaten aus unserer Wohnung geworfen wurden. Meine Eltern lebten mir in dieser Situation vor, wie der Glaube an Gott Halt gibt und tragfähig ist. Ich kam dadurch der Kirche näher und durfte schon mit sechs Jahren, vier Wochen nach Kriegsende, vorbereitet durch eine Ordensschwester zur Erstkommunion gehen.

Wir zogen aus beruflichen Gründen von Duderstadt nach Wilhelmshaven. Dort erlebte ich als Schüler mit nur drei Katholiken in der Klasse und vielen Nichtglaubenden tiefe Diaspora. Wegen meiner klaren Haltung hatte ich es schwer, weil ich einem aggressiven Klassenklima begegnete. Das machte mich fertig. Es fiel mir nicht leicht, die vielen kleinen Nadelstiche in der Klasse auszuhalten und zu überwinden. In dieser Zeit aber senkte gleichzeitig der Glaube an Jesus tiefe Wurzeln in meine Seele. Fünfzig Jahre später, bei der Feier des Goldenen Abiturs, baten mich meine Mitschüler offiziell um Verzeihung.

1957 ging ich nach Münster, ermutigt durch die Worte meines Kaplans, der sagte, ich hätte das Zeug zum Priester, und begann das Theologiestudium. In mir entwickelten sich eine klare Zustimmung und echte Freude. Ein Semester später wurde ich zum Weiterstudium nach Rom eingeladen. Dort sollte ich zehn Jahre bleiben.

Rom das bedeutete für mich Nähe zu den Päpsten Johannes XXIII. und Paul VI.. Das war auch das Zweite Vatikanische Konzil und die Auseinandersetzung mit den großen Fragen der Kirche, die heute noch aktuell sind: Kirche als Zeichen der Nähe Gottes in der Welt, als Stifterin von Frieden und Einheit mit Menschen aller Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen. In Rom lernte ich aber auch die Fokolar-Bewegung kennen, die mein priesterliches Leben bis heute prägt und mir hilft, das Evangelium jeden Tag und in jeder Situation Ernst zu nehmen.

Der Bischof von Münster gab mir sehr schöne Aufgaben. Ich war Kaplan und Pfarrer und durfte in verschiedenen Phasen meines Lebens in der Priesterausbildung tätig sein, von 1968 bis 1974 als Spiritual, von 1996 bis 2004 als Regens. Heute leite ich das Exerzitienhaus Gertrudenstift in Rheine und bin für etwa 80 ausländische Priester verantwortlich, die in der Seelsorge des Bistums mitarbeiten.

Wie sehe ich die Zukunft?

Ich bin voller Hoffnung, denn auch heute gibt es junge Menschen, die sich mit Haut und Haar Gott verschreiben wollen. Die Gemeindestrukturen wandeln sich, es kommt zu großen Gemeindeverbünden. Und darin wird es Raum geben für kleine Zellen echter christlicher Gemeinschaften. Um Laien, die sich an ihren Lebensorten treffen, um Ehepaare und Familien, die ihren Auftrag als kleine Hauskirchen neu entdecken, um Hauptamtliche, die sich als Teams im Glauben verstehen. Die Hauptaufgabe der Priester ist hier der Dienst an diesen Gemeinschaften, sie durch das Evangelium und die Eucharistie zu nähren.

Ich spüre täglich wie stark der Hunger nach Gott bei den Menschen ist.

Für mich gibt es nichts Schöneres, als diesen Hunger zu stillen. In der Spendung der Beichte oder, wie ich lieber sage, der Annahme, erlebe ich das Tiefste, das ich als Priester tun darf: den Menschen die Nähe und Barmherzigkeit Gottes zu bringen und erfahrbar zu machen.


Die Nähe Gottes bringen

Die Nähe Gottes bringen

Wilfried HagemannIch habe den schönsten Beruf der Welt, nämlich Priester Jesu Christi zu sein.

Dabei habe ich diesen Beruf nicht wirklich gewählt, sondern ich kann sagen, dass ER mich erwählt hat. Als Priester bin ich mit vielen Menschen in Kontakt und kann ihnen helfen, neuen Sinn in ihrem Leben zu entdecken, eine authentische Erfahrung mit Gott zu machen und dabei Jesus Christus und seiner Kirche immer tiefer zu begegnen. Wie vielen Menschen konnte ich bisher helfen, zu einer echten bleibenden Freude zu finden!!

Dies war mir zunächst nicht in die Wiege gelegt. Ich bin als Ältester von fünf Kindern am 30. August 1938 in einer gut katholischen Familie in Duderstadt im Eichsfeld geboren. Der Zweite Weltkrieg erschütterte mein Leben ganz spürbar, als wir von amerikanischen Soldaten aus unserer Wohnung geworfen wurden. Meine Eltern lebten mir in dieser Situation vor, wie der Glaube an Gott Halt gibt und tragfähig ist. Ich kam dadurch der Kirche näher und durfte schon mit sechs Jahren, vier Wochen nach Kriegsende, vorbereitet durch eine Ordensschwester zur Erstkommunion gehen.

Wir zogen aus beruflichen Gründen von Duderstadt nach Wilhelmshaven. Dort erlebte ich als Schüler mit nur drei Katholiken in der Klasse und vielen Nichtglaubenden tiefe Diaspora. Wegen meiner klaren Haltung hatte ich es schwer, weil ich einem aggressiven Klassenklima begegnete. Das machte mich fertig. Es fiel mir nicht leicht, die vielen kleinen Nadelstiche in der Klasse auszuhalten und zu überwinden. In dieser Zeit aber senkte gleichzeitig der Glaube an Jesus tiefe Wurzeln in meine Seele. Fünfzig Jahre später, bei der Feier des Goldenen Abiturs, baten mich meine Mitschüler offiziell um Verzeihung.

1957 ging ich nach Münster, ermutigt durch die Worte meines Kaplans, der sagte, ich hätte das Zeug zum Priester, und begann das Theologiestudium. In mir entwickelten sich eine klare Zustimmung und echte Freude. Ein Semester später wurde ich zum Weiterstudium nach Rom eingeladen. Dort sollte ich zehn Jahre bleiben.

Rom das bedeutete für mich Nähe zu den Päpsten Johannes XXIII. und Paul VI.. Das war auch das Zweite Vatikanische Konzil und die Auseinandersetzung mit den großen Fragen der Kirche, die heute noch aktuell sind: Kirche als Zeichen der Nähe Gottes in der Welt, als Stifterin von Frieden und Einheit mit Menschen aller Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen. In Rom lernte ich aber auch die Fokolar-Bewegung kennen, die mein priesterliches Leben bis heute prägt und mir hilft, das Evangelium jeden Tag und in jeder Situation Ernst zu nehmen.

Der Bischof von Münster gab mir sehr schöne Aufgaben. Ich war Kaplan und Pfarrer und durfte in verschiedenen Phasen meines Lebens in der Priesterausbildung tätig sein, von 1968 bis 1974 als Spiritual, von 1996 bis 2004 als Regens. Heute leite ich das Exerzitienhaus Gertrudenstift in Rheine und bin für etwa 80 ausländische Priester verantwortlich, die in der Seelsorge des Bistums mitarbeiten.

Wie sehe ich die Zukunft?

Ich bin voller Hoffnung, denn auch heute gibt es junge Menschen, die sich mit Haut und Haar Gott verschreiben wollen. Die Gemeindestrukturen wandeln sich, es kommt zu großen Gemeindeverbünden. Und darin wird es Raum geben für kleine Zellen echter christlicher Gemeinschaften. Um Laien, die sich an ihren Lebensorten treffen, um Ehepaare und Familien, die ihren Auftrag als kleine Hauskirchen neu entdecken, um Hauptamtliche, die sich als Teams im Glauben verstehen. Die Hauptaufgabe der Priester ist hier der Dienst an diesen Gemeinschaften, sie durch das Evangelium und die Eucharistie zu nähren.

Ich spüre täglich wie stark der Hunger nach Gott bei den Menschen ist.

Für mich gibt es nichts Schöneres, als diesen Hunger zu stillen. In der Spendung der Beichte oder, wie ich lieber sage, der Annahme, erlebe ich das Tiefste, das ich als Priester tun darf: den Menschen die Nähe und Barmherzigkeit Gottes zu bringen und erfahrbar zu machen.

 

Wilfried Hagemann

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Dienstag, 8. April 2013

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