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Dienstag, 1. Januar 2008

Die Berufungsgeschichte


von P. Klaus Einsle LC

Klaus Einsle LCEr sprang höher als alle anderen, und mit seinem Kopf machte er mehr Tore als die meisten anderen mit ihren Füßen. Als ich zwölf Jahre alt war, spielten wir in zwei Allgäuer Dorfmannschaften gegeneinander. Er sollte bald berühmt werden als Torjäger beim BvB Dortmund und der Nationalmannschaft. In Rom sollten wir uns wieder nahe sein: er bei Lazio, ich bei den Legionären Christi.

So waren einige Stationen der Wege von Karlheinz Riedle, dem Mittelstürmer und Nationalspieler aus dem Westallgäu, und dem kleinen Jungen, der auch gerne Fußball spielte, den Gott aber später, viel später, zu seinem Priester machen wollte.

Aufgewachsen in dem kleinen idyllischen Dorf Grünenbach in der der deutschen Voralpenlandschaft verbrachte ich meine Kindheit mit Fußball, Skifahren und Tennis. Tagein tagaus war Sport angesagt. Meine vier älteren Brüder waren auch alle sehr aktiv. Ob bei der Allgäuer Meisterschaft im Langlauf oder bei alpinen Wettbewerben, bei stundenlangen Tennisspielen mit Freunden oder dort am Baggersee: das Umfeld war gesund, einfach und schlicht. Und Gott hatte von Klein auf dank meiner Mutter immer einen Platz in meinem Leben. Zuerst einen sehr wichtigen, später wurde er von den vielen Aktivitäten auf den zweiten Rang verdrängt. Mit 14 Jahren musste er schließlich noch einmal weichen, da ich in der Musik meine große Leidenschaft erkannte. Bald schon begann ich, nachdem ich nun seit 4 Jahren in den Fußstapfen meines Vaters in der Blaskapelle des Dorfes ging, ein Musikstudium am Landeskonservatorium für Vorarlberg in Bregenz (Österreich) am Bodensee. Nach meiner Schulzeit, die nicht immer nur von glorreichen Ergebnissen geprägt war, war mein Berufswunsch klar. Ich wollte Musiker werden entweder in einem klassischen Orchester als Posaunist, oder in einer Bigband, Tanzorchester oder Blasmusik. So führte ich mein bereits begonnenes Musikstudium fort und beendete es innerhalb weniger Jahre mit zwei Abschlüssen: Orchestermusiker und staatlich geprüfter Musiklehrer.

Inzwischen hatte auch der Staat an unserer Tür geklopft, denn er wollte, dass auch ich meine Pflichten als guter Bürger erfülle und meinen Wehrdienst ableiste. Für mich war klar, dass ich das nur in einem der wenigen über Deutschland verstreuten Musikcorps tun wollte. Am liebsten in Garmisch-Partenkirchen beim Gebirgsmusikcorps 1, denn diese waren bekannt und berühmt, weil sie immer wieder in Volksmusiksendungen mitmachten. Nichtsahnend begab ich mich also eines Tages nach Garmisch, um mich dort einem Testvorspiel zu unterziehen, in dem entschieden wurde, ob man geeignet ist oder besser seinen Wehrdienst andersweitig ableistet. Ich wurde angenommen. Allerdings mit der Einschränkung, dass ich nicht nach Garmisch, sondern in ein anderes Musikcorps kommen würde. Ich fand es schade, aber immer noch besser, als einfach im Dreck rödeln.

Nach einigen Wochen erhielt ich dann einen bereits erwarteten Brief, der mich allerdings doch überraschte. Obwohl mir noch kurze Zeit vorher mitgeteilt wurde, dass ich sicher nicht nach Garmisch eingezogen werden sollte, kam nun doch der Bescheid, dort nach der Grundausbildung die restliche Wehrdienstzeit zu verbringen. Später wurde mir klar, dass Gott bereits seine Fühler ausgestreckt hatte und die Fäden schon in der Hand hielt. Er hatte für mich schon seit langem die Berufung zu einem seiner Priester bestimmt, aber ich war noch weit, so weit entfernt. Nicht nur eine langjährige Freundschaft mit einem Mädchen, sondern auch die Leidenschaft für die Musik und der viele Sport liesen ihn immer mehr ins Hinterfeld abrutschen, so dass er letztlich nur noch eine Statistenrolle zu spielen hatte. Aber er gab nicht auf.

Im Gebirgsmusikcorps Garmisch sollte er das erste Mal so richtig kräftig anklopfen. Dort nämlich bemerkte ich bald eine eigenartige Gruppe von Männern, die immer wieder mit den anderen diskutierten und über die Bibel sprachen: Bibelchristen. Auch ich wurde in diese Gespräche verwickelt, und da ich keine Ahnung von der Bibel hatte, aber doch auch mitdiskutieren wollte, legte ich mir bald eines dieser dicken Bücher zu. Mehr und mehr las ich darin und mischte mich auch langsam ein. Bald wandte ich mich von der katholischen Kirche, in der ich großgeworden war, ab, denn ich fand einige doch nicht gerade geringe scheinbare Widersprüche mit der Bibel. In vielen Gesprächen, Diskussionen und intellektuellen Kämpfen erkannte ich, dass nur wenige Katholiken ihren Glauben tiefer kannten.

Durch einen Freund aus der Blasmusik kam ich nun zu einem Theologiestudenten, der mir in der Diskussion bei weitem stand hielt. Was mich aber viel mehr beeindruckte als sein Wissen, was seine liebevolle und gütige Art. Bei den Bibelchristen hatte ich eine gewisse Härte entdeckt, die mir zwar nicht gefiel, aber durch die vielen Argumente überdeckt wurde. Bei diesem jungen Mann dagegen waren es nicht Argumente, sondern ein Herz, das nicht überzeugen, sondern helfen wollte. Immer wieder trafen wir aufeinander. Ich lernte auch seine Freunde kennen, nahm an Veranstaltungen wie Jugendkatechesen, Pilgerfahrten und gemeinschaftlichen Unternehmungen teil. Eine sehr schöne Gemeinschaft eröffnete sich mir da. Diese Zeit war sehr schwer für mich: hin und her gerissen wusste ich nicht, wo ich mich überhaupt noch festhalten konnte. Gott war mir kein Partner, den ich gut genug gekannt hätte. Die katholische Kirche war mir langsam zuwider, denn viele Kritiken und böse Worte über sie von Seiten der Bibelchristen gingen nicht spurlos an mir vorbeit. Aber die katholische Jugendgruppe zog mich stark an. Ein inneres Ringen begann. Mit Gott darf ich nicht spielen, das war mir inzwischen klar. Aber wo war mein Fels. Weit und breit nichts, wo ich mich festhalten konnte.

Mit dem Ende der Bundeswehr löste sich diese schneidende innere Frage dann langsam wie von selbst. Der Kontakt mit den kritischen Bibelchristen war sowieso schon sehr belastet sie waren einfach sehr hart und negativ. Deshalb riss er nach der Bundeswehrzeit sofort ab. Mehr und mehr wandte ich mich, begleitet von diesem neuen katholischen Bekanntenkreis, wieder meiner Kirche zu. Maria sollte eine immer wichtiger werdende Rolle spielen, die sie bis heute nicht aufgegeben hat. In dieser Zeit nun begann ich, regelmäßig zu beten, gute Bücher zu lesen und lernte immer wieder junge Priester kennen, die mich beeindruckten: vor allem durch ihre offensichtliche innere Zufriedenheit, die ausstrahlte.

Diese Eindrücke nutzte Gott nun, nachdem er mich innerhalb von eineinhalb Jahren so weit gebracht hatte, um mir auf ganz unscheinbare und sanfte Weise seinen Ruf ins Herz zu legen. Doch von dem Gedanken, dass diese Priester richtig glücklich sind bis hin zu der Entscheidung Ich will auch Priester werden, sollten immerhin noch fast zwei Jahre vergehen. Es war vor allem die Lösung einer Freundschaft, die nun immerhin schon fast drei Jahre dauerte. Und das tat weh. Gott war zwar sanft, aber auch klar. Er wollte mich, und er ließ mich nicht mehr los. Eines Tages war es dann soweit: die Freundschaft ging auseinander, der Weg war frei, die Entscheidung gefallen. Gott, hier bin ich. Ich will ein Priester werden.

Der Weg war allerdings noch lange nicht zu Ende. Nun stellte sich mir die Fragen, wo dieser Wunsch den Wirklichkeit werden konnte? Ich kannte nur ganz wenige Gruppen, die mich aber nicht sonderlich anzogen. Auch Diözesanpriester wollte ich nicht werden, da ich wohl die Gemeinschaft brauche. Eines Tages lernte ich bei einem Einkehrtag einen irischen Priester kennen, der mich durch seine lebendige und mit Christus so vertraute Predigt beeindruckte. Am selben Abend hatte ich bereits eine Einladung nach Italien in der Tasche, um dort die Gemeinschaft von diesem Pater Kelly, die Legionäre Christi kennen zu lernen.

Nachdem auch meine Eltern den Iren mit einem R kennen und schätzen gelernt hatten, fand ich mich also wenige Wochen später vor der süditalienischen Insel Capri wieder, wo die Legionäre Christi ein Ferienhaus für den Sommer unterhielten. Dort tummelten sich gerade 100 junge Seminaristen dieser erst 1940 gegründeten Ordensgemeinschaft im Mittelmeer, genossen die stechende Sonne und tauchten, hechteten ins Wasser, erforschten Unterwasserhölen… Ein lustiger Haufen, dachte ich. So froh und freudig, wie ich das nie zuvor erlebt hatte. Ich war sehr angetan. Abends dann, wir waren alle wieder zurück im Sommerhaus, klingelte plötzlich eine Glocke, und in Windeseile verschwanden alle Legionäre in irgendeinem Loch… Eben noch fröhlicher Lärm, heiße Tischtennisspiele, Lachen, klatschender Applaus für einen eineinhalbfachen Salto vom Einmeterbrett, und dann auf einmal Totenstille. Ich stand alleine auf der Terrasse. Was war geschehen? Ich begab mich auf die Suche. Nach einigen Minuten Herumirrens fand ich die jungen Ordensleute mehr als 100 kniend und im Gebet versunken in der hauseigenen Kapelle wieder. Ich war sprachlos. Ein Leben, wie ich es erträumt, aber nie vorher gefunden hatte, tat sich mir hier auf. Ein Leben in Fülle! So wollte ich auch sein. Auch ich wollte ein Leben leben, wo ich glücklich und erfüllt werden konnte. Vielleicht als Legionär?

Aber wieder war es nicht so einfach: Noch einmal sollte sich ein innerer Kampf entspinnen, der mich die Berufung vergessen lies. Die Arbeit in einem Radiosender, Begleitung von Jugendgruppen auf Pilderfahrten und das Mitleben in einer Gemeinschaft junger aktiver Christen zerstreuten meine Pläne. Doch ein Jahr später, bei einem erneuten Besuch der Gemeinschaft der Legionäre, diesmal in Rom, sollten die Würfel fallen. Ich konnte nicht mehr widerstehen. Ich spürte es klar und deutlich: Hier gehörst du hin, hier bist du zuhause. Die Entscheidung war nun endgültig. Es hatte ja auch schon lange gegärt. Im Sommer des Jahres 1991 begann ich also meine Kandidatur. Da die Legionäre in Deutschland noch fast inexistent waren, sollte ich diese drei Monate im Sommer eine Art Schnupperwochen in den USA im dortigen Noviziat verbringen. So flog ich also nach New York und fuhr von dort mit dem Bus in das zwei Stunden entfernte Cheshire. Da fand ich fast 60 junge Männer vor, die wie ich Priester werden wollten. Eine herrliche Zeit, in der meine Entscheidung nicht mehr revidiert werden sollte, sondern nur fester wurde und reifte. Die Legion war mein Zuhause. Hier wollte ich ganz Gott gehören.

Nach dem Noviziat in Roetgen bei Aachen und dem Studium in Salamanca (Spanien) begann ich ein Praktikum, das viel forderte, aber auch viel gab. In so verschiedenen Bereichen wir Unterricht, Jugendarbeit und Fundraising konnte ich Erfahrungen sammeln. Im Jahr 1997 begab ich mich in die Stadt, in die alle Wege führen: Rom, um dort die Studien weiter zu führen. Philosophie und Theologie begeisterten mich und rundeten diese so umfassende Ausbildung der Legionäre Christi harmonisch ab. Im Jubiläumsjahr 2001 führte mich Gott, der mich in diesen Jahren immer treu begleitete, dann die Stufen des Altares hinauf, um mich gemeinsam mit 36 Mitbrüdern durch die Hände des Bischofs und Kardinals Castrillón Hoyos zum Priester zu weihen.

Ein Geschenk, das man nicht gut mit Worten beschreiben kann. Es birgt in sich eine einzigartige Beziehung zu diesem Gott, der mich vor Jahren aus einem Leben herausrufen wollte, das ihn leider immer mehr ins Abseits gedrängt hatte. Und diese vertraute und innerliche Beziehung mit dem Schöpfer, dem Vater und dem Freund, ist das, was unser Leben mit einer Freude und einer Sicherheit erfüllt, der nichts in dieser Welt das Wasser reichen kann. Es ist eine Sicherheit und Erfüllung, die auf der Gewissheit beruht, das endgültige Zuhause gefunden zu hat, und der Sinn und die Fruchtbarkeit des Daseins wird vom Schöpfer selber garantiert wird. Die Ewigkeit bei ihm lässt in diesem weltlichen Leben bereits seine Strahlen aufscheinen.

Die Geschichte einer Berufung Geschichte eines Gottes, der sich auch von unseren Fehlern nicht aufhalten lässt, sondern zur Freundschaft mit ihm einlädt und ein Leben in Fülle schenkt.

Klaus Einsle LC


Die Berufungsgeschichte

Die Berufungsgeschichte

Klaus Einsle LCEr sprang höher als alle anderen, und mit seinem Kopf machte er mehr Tore als die meisten anderen mit ihren Füßen. Als ich zwölf Jahre alt war, spielten wir in zwei Allgäuer Dorfmannschaften gegeneinander. Er sollte bald berühmt werden als Torjäger beim BvB Dortmund und der Nationalmannschaft. In Rom sollten wir uns wieder nahe sein: er bei Lazio, ich bei den Legionären Christi.

So waren einige Stationen der Wege von Karlheinz Riedle, dem Mittelstürmer und Nationalspieler aus dem Westallgäu, und dem kleinen Jungen, der auch gerne Fußball spielte, den Gott aber später, viel später, zu seinem Priester machen wollte.

Aufgewachsen in dem kleinen idyllischen Dorf Grünenbach in der der deutschen Voralpenlandschaft verbrachte ich meine Kindheit mit Fußball, Skifahren und Tennis. Tagein tagaus war Sport angesagt. Meine vier älteren Brüder waren auch alle sehr aktiv. Ob bei der Allgäuer Meisterschaft im Langlauf oder bei alpinen Wettbewerben, bei stundenlangen Tennisspielen mit Freunden oder dort am Baggersee: das Umfeld war gesund, einfach und schlicht. Und Gott hatte von Klein auf dank meiner Mutter immer einen Platz in meinem Leben. Zuerst einen sehr wichtigen, später wurde er von den vielen Aktivitäten auf den zweiten Rang verdrängt. Mit 14 Jahren musste er schließlich noch einmal weichen, da ich in der Musik meine große Leidenschaft erkannte. Bald schon begann ich, nachdem ich nun seit 4 Jahren in den Fußstapfen meines Vaters in der Blaskapelle des Dorfes ging, ein Musikstudium am Landeskonservatorium für Vorarlberg in Bregenz (Österreich) am Bodensee. Nach meiner Schulzeit, die nicht immer nur von glorreichen Ergebnissen geprägt war, war mein Berufswunsch klar. Ich wollte Musiker werden entweder in einem klassischen Orchester als Posaunist, oder in einer Bigband, Tanzorchester oder Blasmusik. So führte ich mein bereits begonnenes Musikstudium fort und beendete es innerhalb weniger Jahre mit zwei Abschlüssen: Orchestermusiker und staatlich geprüfter Musiklehrer.

Inzwischen hatte auch der Staat an unserer Tür geklopft, denn er wollte, dass auch ich meine Pflichten als guter Bürger erfülle und meinen Wehrdienst ableiste. Für mich war klar, dass ich das nur in einem der wenigen über Deutschland verstreuten Musikcorps tun wollte. Am liebsten in Garmisch-Partenkirchen beim Gebirgsmusikcorps 1, denn diese waren bekannt und berühmt, weil sie immer wieder in Volksmusiksendungen mitmachten. Nichtsahnend begab ich mich also eines Tages nach Garmisch, um mich dort einem Testvorspiel zu unterziehen, in dem entschieden wurde, ob man geeignet ist oder besser seinen Wehrdienst andersweitig ableistet. Ich wurde angenommen. Allerdings mit der Einschränkung, dass ich nicht nach Garmisch, sondern in ein anderes Musikcorps kommen würde. Ich fand es schade, aber immer noch besser, als einfach im Dreck rödeln.

Nach einigen Wochen erhielt ich dann einen bereits erwarteten Brief, der mich allerdings doch überraschte. Obwohl mir noch kurze Zeit vorher mitgeteilt wurde, dass ich sicher nicht nach Garmisch eingezogen werden sollte, kam nun doch der Bescheid, dort nach der Grundausbildung die restliche Wehrdienstzeit zu verbringen. Später wurde mir klar, dass Gott bereits seine Fühler ausgestreckt hatte und die Fäden schon in der Hand hielt. Er hatte für mich schon seit langem die Berufung zu einem seiner Priester bestimmt, aber ich war noch weit, so weit entfernt. Nicht nur eine langjährige Freundschaft mit einem Mädchen, sondern auch die Leidenschaft für die Musik und der viele Sport liesen ihn immer mehr ins Hinterfeld abrutschen, so dass er letztlich nur noch eine Statistenrolle zu spielen hatte. Aber er gab nicht auf.

Im Gebirgsmusikcorps Garmisch sollte er das erste Mal so richtig kräftig anklopfen. Dort nämlich bemerkte ich bald eine eigenartige Gruppe von Männern, die immer wieder mit den anderen diskutierten und über die Bibel sprachen: Bibelchristen. Auch ich wurde in diese Gespräche verwickelt, und da ich keine Ahnung von der Bibel hatte, aber doch auch mitdiskutieren wollte, legte ich mir bald eines dieser dicken Bücher zu. Mehr und mehr las ich darin und mischte mich auch langsam ein. Bald wandte ich mich von der katholischen Kirche, in der ich großgeworden war, ab, denn ich fand einige doch nicht gerade geringe scheinbare Widersprüche mit der Bibel. In vielen Gesprächen, Diskussionen und intellektuellen Kämpfen erkannte ich, dass nur wenige Katholiken ihren Glauben tiefer kannten.

Durch einen Freund aus der Blasmusik kam ich nun zu einem Theologiestudenten, der mir in der Diskussion bei weitem stand hielt. Was mich aber viel mehr beeindruckte als sein Wissen, was seine liebevolle und gütige Art. Bei den Bibelchristen hatte ich eine gewisse Härte entdeckt, die mir zwar nicht gefiel, aber durch die vielen Argumente überdeckt wurde. Bei diesem jungen Mann dagegen waren es nicht Argumente, sondern ein Herz, das nicht überzeugen, sondern helfen wollte. Immer wieder trafen wir aufeinander. Ich lernte auch seine Freunde kennen, nahm an Veranstaltungen wie Jugendkatechesen, Pilgerfahrten und gemeinschaftlichen Unternehmungen teil. Eine sehr schöne Gemeinschaft eröffnete sich mir da. Diese Zeit war sehr schwer für mich: hin und her gerissen wusste ich nicht, wo ich mich überhaupt noch festhalten konnte. Gott war mir kein Partner, den ich gut genug gekannt hätte. Die katholische Kirche war mir langsam zuwider, denn viele Kritiken und böse Worte über sie von Seiten der Bibelchristen gingen nicht spurlos an mir vorbeit. Aber die katholische Jugendgruppe zog mich stark an. Ein inneres Ringen begann. Mit Gott darf ich nicht spielen, das war mir inzwischen klar. Aber wo war mein Fels. Weit und breit nichts, wo ich mich festhalten konnte.

Mit dem Ende der Bundeswehr löste sich diese schneidende innere Frage dann langsam wie von selbst. Der Kontakt mit den kritischen Bibelchristen war sowieso schon sehr belastet sie waren einfach sehr hart und negativ. Deshalb riss er nach der Bundeswehrzeit sofort ab. Mehr und mehr wandte ich mich, begleitet von diesem neuen katholischen Bekanntenkreis, wieder meiner Kirche zu. Maria sollte eine immer wichtiger werdende Rolle spielen, die sie bis heute nicht aufgegeben hat. In dieser Zeit nun begann ich, regelmäßig zu beten, gute Bücher zu lesen und lernte immer wieder junge Priester kennen, die mich beeindruckten: vor allem durch ihre offensichtliche innere Zufriedenheit, die ausstrahlte.

Diese Eindrücke nutzte Gott nun, nachdem er mich innerhalb von eineinhalb Jahren so weit gebracht hatte, um mir auf ganz unscheinbare und sanfte Weise seinen Ruf ins Herz zu legen. Doch von dem Gedanken, dass diese Priester richtig glücklich sind bis hin zu der Entscheidung Ich will auch Priester werden, sollten immerhin noch fast zwei Jahre vergehen. Es war vor allem die Lösung einer Freundschaft, die nun immerhin schon fast drei Jahre dauerte. Und das tat weh. Gott war zwar sanft, aber auch klar. Er wollte mich, und er ließ mich nicht mehr los. Eines Tages war es dann soweit: die Freundschaft ging auseinander, der Weg war frei, die Entscheidung gefallen. Gott, hier bin ich. Ich will ein Priester werden.

Der Weg war allerdings noch lange nicht zu Ende. Nun stellte sich mir die Fragen, wo dieser Wunsch den Wirklichkeit werden konnte? Ich kannte nur ganz wenige Gruppen, die mich aber nicht sonderlich anzogen. Auch Diözesanpriester wollte ich nicht werden, da ich wohl die Gemeinschaft brauche. Eines Tages lernte ich bei einem Einkehrtag einen irischen Priester kennen, der mich durch seine lebendige und mit Christus so vertraute Predigt beeindruckte. Am selben Abend hatte ich bereits eine Einladung nach Italien in der Tasche, um dort die Gemeinschaft von diesem Pater Kelly, die Legionäre Christi kennen zu lernen.

Nachdem auch meine Eltern den Iren mit einem R kennen und schätzen gelernt hatten, fand ich mich also wenige Wochen später vor der süditalienischen Insel Capri wieder, wo die Legionäre Christi ein Ferienhaus für den Sommer unterhielten. Dort tummelten sich gerade 100 junge Seminaristen dieser erst 1940 gegründeten Ordensgemeinschaft im Mittelmeer, genossen die stechende Sonne und tauchten, hechteten ins Wasser, erforschten Unterwasserhölen… Ein lustiger Haufen, dachte ich. So froh und freudig, wie ich das nie zuvor erlebt hatte. Ich war sehr angetan. Abends dann, wir waren alle wieder zurück im Sommerhaus, klingelte plötzlich eine Glocke, und in Windeseile verschwanden alle Legionäre in irgendeinem Loch… Eben noch fröhlicher Lärm, heiße Tischtennisspiele, Lachen, klatschender Applaus für einen eineinhalbfachen Salto vom Einmeterbrett, und dann auf einmal Totenstille. Ich stand alleine auf der Terrasse. Was war geschehen? Ich begab mich auf die Suche. Nach einigen Minuten Herumirrens fand ich die jungen Ordensleute mehr als 100 kniend und im Gebet versunken in der hauseigenen Kapelle wieder. Ich war sprachlos. Ein Leben, wie ich es erträumt, aber nie vorher gefunden hatte, tat sich mir hier auf. Ein Leben in Fülle! So wollte ich auch sein. Auch ich wollte ein Leben leben, wo ich glücklich und erfüllt werden konnte. Vielleicht als Legionär?

Aber wieder war es nicht so einfach: Noch einmal sollte sich ein innerer Kampf entspinnen, der mich die Berufung vergessen lies. Die Arbeit in einem Radiosender, Begleitung von Jugendgruppen auf Pilderfahrten und das Mitleben in einer Gemeinschaft junger aktiver Christen zerstreuten meine Pläne. Doch ein Jahr später, bei einem erneuten Besuch der Gemeinschaft der Legionäre, diesmal in Rom, sollten die Würfel fallen. Ich konnte nicht mehr widerstehen. Ich spürte es klar und deutlich: Hier gehörst du hin, hier bist du zuhause. Die Entscheidung war nun endgültig. Es hatte ja auch schon lange gegärt. Im Sommer des Jahres 1991 begann ich also meine Kandidatur. Da die Legionäre in Deutschland noch fast inexistent waren, sollte ich diese drei Monate im Sommer eine Art Schnupperwochen in den USA im dortigen Noviziat verbringen. So flog ich also nach New York und fuhr von dort mit dem Bus in das zwei Stunden entfernte Cheshire. Da fand ich fast 60 junge Männer vor, die wie ich Priester werden wollten. Eine herrliche Zeit, in der meine Entscheidung nicht mehr revidiert werden sollte, sondern nur fester wurde und reifte. Die Legion war mein Zuhause. Hier wollte ich ganz Gott gehören.

Nach dem Noviziat in Roetgen bei Aachen und dem Studium in Salamanca (Spanien) begann ich ein Praktikum, das viel forderte, aber auch viel gab. In so verschiedenen Bereichen wir Unterricht, Jugendarbeit und Fundraising konnte ich Erfahrungen sammeln. Im Jahr 1997 begab ich mich in die Stadt, in die alle Wege führen: Rom, um dort die Studien weiter zu führen. Philosophie und Theologie begeisterten mich und rundeten diese so umfassende Ausbildung der Legionäre Christi harmonisch ab. Im Jubiläumsjahr 2001 führte mich Gott, der mich in diesen Jahren immer treu begleitete, dann die Stufen des Altares hinauf, um mich gemeinsam mit 36 Mitbrüdern durch die Hände des Bischofs und Kardinals Castrillón Hoyos zum Priester zu weihen.

Ein Geschenk, das man nicht gut mit Worten beschreiben kann. Es birgt in sich eine einzigartige Beziehung zu diesem Gott, der mich vor Jahren aus einem Leben herausrufen wollte, das ihn leider immer mehr ins Abseits gedrängt hatte. Und diese vertraute und innerliche Beziehung mit dem Schöpfer, dem Vater und dem Freund, ist das, was unser Leben mit einer Freude und einer Sicherheit erfüllt, der nichts in dieser Welt das Wasser reichen kann. Es ist eine Sicherheit und Erfüllung, die auf der Gewissheit beruht, das endgültige Zuhause gefunden zu hat, und der Sinn und die Fruchtbarkeit des Daseins wird vom Schöpfer selber garantiert wird. Die Ewigkeit bei ihm lässt in diesem weltlichen Leben bereits seine Strahlen aufscheinen.

Die Geschichte einer Berufung Geschichte eines Gottes, der sich auch von unseren Fehlern nicht aufhalten lässt, sondern zur Freundschaft mit ihm einlädt und ein Leben in Fülle schenkt.

Klaus Einsle LC

 

von P. Klaus Einsle LC

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Dienstag, 31. Januar 2007

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