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Freitag, 1. Januar 2010

Pfarrer, Internet– und Notfallseelsorger


Michael Kenkel

Michael KenkelPfarrer Michael Kenkel ist Gemeindepfarrer in Holdorf und Handorf-Langenberg, zwei Gemeinden im südoldenburgischen Teil des Bistums Münster. Er ist Gründungsmitglied der Karl-Leisner-Jugend, Internetseelsorger und arbeitet in der Krisenintervention / Notfallseelsorge mit.

Als Jugendlicher habe ich versucht, nach christlichen Werten zu leben und bin zur Messe gegangen, weil mir das meine Eltern so beigebracht und vorgelebt haben. Als ich in das Alter kam, wo man alles hinterfragt, hatte ich Gott sei Dank eine Gruppe von Jugendlichen getroffen, die fest im Glauben standen und über diesen diskutierten. Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er uns den Sinn der Schrift erschloss? Ich hab noch ein vergilbtes Bild bei mir an der Pinnwand, wo wir mit ca. zehn Leuten nachts auf den Tischen sitzen und über Gott und das Leid in der Welt diskutiert haben.

Es ist schon interessant - 23 Jahre später sind zwei dieser Freunde von damals Familienväter in der Gemeinde, in der ich nun Pfarrer bin - und ihre Kinder sind Messdiener bei uns. Heute sind diese dabei, dem Leben auf die Spur zu kommen und ich darf ihnen Hilfestellungen dabei geben. (Ich habe keinen Kaplan bei mir in der Gemeinde und bin selber für die Jugendarbeit zuständig.) Das ist das, was mich an der Jugendarbeit so fasziniert: jungen Menschen, die auf der Suche sind nach dem Sinn des Lebens, die vieles ausprobieren und hinterfragen, die Wahrheit, den Sinn überhaupt vermitteln zu dürfen!

Ich habe lange Zeit spektakuläre Jugendgottesdienste organisiert mit Big Band, Kutsche in der Kirche, einem Besoffenen im Beichtstuhl oder einem eingemauertem Altarraum. Und dadurch haben wir sicherlich auch viele Menschen zum Nachdenken bringen können. Heute erlebe ich das Interesse der Jugendlichen z.B. auf einer Santiago-Wallfahrt (www.santiago-pilger.de) an Anbetung und Stille und einer Eucharistiefeier mit persönlichem Glaubenszeugnis. So gilt es immer wieder neue Formen für die altbekannten Fragen und Antworten zu finden.

Nach der Jugendarbeit ist die Arbeit mit Kindern nun zu einem Schwerpunkt in meinem priesterlichen Dienst geworden. Besonders die Kinderbibelwochen haben es mir angetan. Drei halbe Tage platzen unsere Pfarrheime aus allen Nähten, weil die Kinder zahlreich und mit Begeisterung dabei sind. Wir können auch heute Kindern von Gott erzählen, ohne dass ihnen langweilig ist; die Geschichte von Gott und seinen Menschen ist auch heute noch in unserem verweltlichten Deutschland begeisterungsfähig. Und über die Kinder erreichen wir auch die Eltern, die der Kirche eher fern stehen.

Natürlich ist es frustrierend, wenn die Kommunionkinder, erst Weihnachten wieder in die Kirche kommen, obwohl wir Seelsorger sie mit Hilfe von ehrenamtlichen Katecheten mühevoll und intensiv auf den Empfang der Sakramente der Beichte und der Kommunion vorbereiten haben und wir müssen uns auch immer prüfen, ob wir nicht Perlen vor die Säue werfen. Doch ob es diese beiden Sakramente oder die anderen sind, stets weiß ich, dass ich es nicht alleine mache, dass wir Menschen es nicht alleine zu machen brauchen - Gott wirkt in diesen Sakramenten. Und ich darf sein Werkzeug sein.

Das war für mich ein Grund, nicht Pastoralreferent zu werden sondern als Abiturient mit meiner damaligen Freundin Schluß zu machen und das Theologiestudium als Priesteramtskandidat zu beginnen: ich wollte den Menschen nicht nur durch meine nette Art helfen, nicht nur die Hoffnung auf Gott in Aussicht stellen, sondern ganz konkret Seine Zusage geben, wie es letztlich nur die Sakramente können.

Daneben bin ich als Pfarrer auch Arbeitgeber und Verwalter eines Filialbetriebes mit 51 Angestellten (alleine 32 in drei Kindergärten). Das erzeugt auch viel Schreibtischarbeit, die nicht immer Freude bereitet. Und doch schätze ich auch daran etwas: ich kann Einfluss nehmen, ich kann bei der Renovierung der Kirche, des Pfarrheims, des Kindergartens oder des Friedhofs auch Rahmenbedingungen schaffen, die für eine Seelsorge von Vorteil sind, die eine gute Liturgie ermöglichen, usw.

Wenn ich mich selber so lese komme ich zu dem Schluß, den ich schon des öfteren Menschen gesagt habe, die mich angesichts der Arbeitsflut bedauern: der Priesterberuf ist der schönste der Welt; abwechslungsreich: man hat mit Alt und Jung zu tun, mit dem Obdachlosen und dem Bürgermeister und (das freut mich besonders!) mit Freud und Leid: ich darf den Menschen nahe sein wenn sie in Not sind: schwere Krankheit und Tod - und wenn die Freude am Größten ist: bei der Trauung und Taufe des Kindes. Der Priester ist als Gottes Hand dann gefragt, wenn es wichtig wird!


Pfarrer, Internet– und Notfallseelsorger

Pfarrer, Internet– und Notfallseelsorger

Michael KenkelPfarrer Michael Kenkel ist Gemeindepfarrer in Holdorf und Handorf-Langenberg, zwei Gemeinden im südoldenburgischen Teil des Bistums Münster. Er ist Gründungsmitglied der Karl-Leisner-Jugend, Internetseelsorger und arbeitet in der Krisenintervention / Notfallseelsorge mit.

Als Jugendlicher habe ich versucht, nach christlichen Werten zu leben und bin zur Messe gegangen, weil mir das meine Eltern so beigebracht und vorgelebt haben. Als ich in das Alter kam, wo man alles hinterfragt, hatte ich Gott sei Dank eine Gruppe von Jugendlichen getroffen, die fest im Glauben standen und über diesen diskutierten. Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er uns den Sinn der Schrift erschloss? Ich hab noch ein vergilbtes Bild bei mir an der Pinnwand, wo wir mit ca. zehn Leuten nachts auf den Tischen sitzen und über Gott und das Leid in der Welt diskutiert haben.

Es ist schon interessant - 23 Jahre später sind zwei dieser Freunde von damals Familienväter in der Gemeinde, in der ich nun Pfarrer bin - und ihre Kinder sind Messdiener bei uns. Heute sind diese dabei, dem Leben auf die Spur zu kommen und ich darf ihnen Hilfestellungen dabei geben. (Ich habe keinen Kaplan bei mir in der Gemeinde und bin selber für die Jugendarbeit zuständig.) Das ist das, was mich an der Jugendarbeit so fasziniert: jungen Menschen, die auf der Suche sind nach dem Sinn des Lebens, die vieles ausprobieren und hinterfragen, die Wahrheit, den Sinn überhaupt vermitteln zu dürfen!

Ich habe lange Zeit spektakuläre Jugendgottesdienste organisiert mit Big Band, Kutsche in der Kirche, einem Besoffenen im Beichtstuhl oder einem eingemauertem Altarraum. Und dadurch haben wir sicherlich auch viele Menschen zum Nachdenken bringen können. Heute erlebe ich das Interesse der Jugendlichen z.B. auf einer Santiago-Wallfahrt (www.santiago-pilger.de) an Anbetung und Stille und einer Eucharistiefeier mit persönlichem Glaubenszeugnis. So gilt es immer wieder neue Formen für die altbekannten Fragen und Antworten zu finden.

Nach der Jugendarbeit ist die Arbeit mit Kindern nun zu einem Schwerpunkt in meinem priesterlichen Dienst geworden. Besonders die Kinderbibelwochen haben es mir angetan. Drei halbe Tage platzen unsere Pfarrheime aus allen Nähten, weil die Kinder zahlreich und mit Begeisterung dabei sind. Wir können auch heute Kindern von Gott erzählen, ohne dass ihnen langweilig ist; die Geschichte von Gott und seinen Menschen ist auch heute noch in unserem verweltlichten Deutschland begeisterungsfähig. Und über die Kinder erreichen wir auch die Eltern, die der Kirche eher fern stehen.

Natürlich ist es frustrierend, wenn die Kommunionkinder, erst Weihnachten wieder in die Kirche kommen, obwohl wir Seelsorger sie mit Hilfe von ehrenamtlichen Katecheten mühevoll und intensiv auf den Empfang der Sakramente der Beichte und der Kommunion vorbereiten haben und wir müssen uns auch immer prüfen, ob wir nicht Perlen vor die Säue werfen. Doch ob es diese beiden Sakramente oder die anderen sind, stets weiß ich, dass ich es nicht alleine mache, dass wir Menschen es nicht alleine zu machen brauchen - Gott wirkt in diesen Sakramenten. Und ich darf sein Werkzeug sein.

Das war für mich ein Grund, nicht Pastoralreferent zu werden sondern als Abiturient mit meiner damaligen Freundin Schluß zu machen und das Theologiestudium als Priesteramtskandidat zu beginnen: ich wollte den Menschen nicht nur durch meine nette Art helfen, nicht nur die Hoffnung auf Gott in Aussicht stellen, sondern ganz konkret Seine Zusage geben, wie es letztlich nur die Sakramente können.

Daneben bin ich als Pfarrer auch Arbeitgeber und Verwalter eines Filialbetriebes mit 51 Angestellten (alleine 32 in drei Kindergärten). Das erzeugt auch viel Schreibtischarbeit, die nicht immer Freude bereitet. Und doch schätze ich auch daran etwas: ich kann Einfluss nehmen, ich kann bei der Renovierung der Kirche, des Pfarrheims, des Kindergartens oder des Friedhofs auch Rahmenbedingungen schaffen, die für eine Seelsorge von Vorteil sind, die eine gute Liturgie ermöglichen, usw.

Wenn ich mich selber so lese komme ich zu dem Schluß, den ich schon des öfteren Menschen gesagt habe, die mich angesichts der Arbeitsflut bedauern: der Priesterberuf ist der schönste der Welt; abwechslungsreich: man hat mit Alt und Jung zu tun, mit dem Obdachlosen und dem Bürgermeister und (das freut mich besonders!) mit Freud und Leid: ich darf den Menschen nahe sein wenn sie in Not sind: schwere Krankheit und Tod - und wenn die Freude am Größten ist: bei der Trauung und Taufe des Kindes. Der Priester ist als Gottes Hand dann gefragt, wenn es wichtig wird!

 

Michael Kenkel

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Freitag, 31. Januar 2009

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