Donnerstag, 2. Februar 2012

Glaube, Hoffnung, Liebe


Brief von P. Álvaro Corcuera LC über die göttlichen Tugenden

P. Álvaro Corcuera LC, Generaldirektor der Legionäre Christi und des Regnum Christi, schrieb im Oktober letzten Jahres diesen Brief über die göttlichen Tugenden, den wir Ihnen heute, am 2. Februar, Tag des gottgeweihten Lebens in der Kirche, in seiner deutschen Übersetzung präsentieren möchten.






Dein Reich komme!

Rom, den 20. Oktober 2011

An die Legionäre Christi
und die gottgeweihten Mitglieder des Regnum Christi

Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

Schon seit einiger Zeit wollte ich Ihnen schreiben, um Ihnen wieder einmal meine Wertschätzung und Dankbarkeit für Ihren großzügigen Einsatz, den Sie in der Legion und der Bewegung für Gott leisten, zum Ausdruck zu bringen. Als ich am 2. Oktober im Zentrum für Höhere Studien die ewigen Gelübde einiger unserer Brüder entgegen nahm, dachte ich daran, wie diese sich nun in die große Schar von Ordensleuten, gottgeweihten Frauen und Männern einreihten, die über den Erdball verstreut ihre Weihe an Gott in Treue und Freude leben. Ich dachte dabei auch an jene spanische Ordensfrau, die ihre Profess am Tag der Geburt des Papstes ablegt hat. Ihr ganzes Leben war mit Christus dem Heil der Seelen geweiht!

Jetzt, da in der nördlichen Hemisphäre das akademische Jahr beginnt, wollte ich als Ihr Bruder einige Gedanken mit Ihnen austauschen, die uns helfen können, enger verbunden mit Gott zu wandeln und diese Zeit der Unterscheidung und Reinigung als Familie zu leben. Bisweilen kommt es vor – was nicht ungewöhnlich ist –, dass wir unruhig und verwirrt sind und dass in unserer Seele eine unwiderstehliche Sehnsucht nach Ruhe und Frieden aufsteigt. Ich lade Sie dazu ein, alle offenen Fragen und Sehnsüchte mit ins Gebet hinein zu nehmen. Hier – im Innersten unserer Seele – bitten wir den Heiligen Geist um Erleuchtung, um Stärke und darum, dass er uns die Gnade zuteil werden lasse, uns vertrauensvoll an der mütterlichen Hand der Kirche führen zu lassen. Vermehren wir also – in qualitativem wie auch im quantitativen Sinne – die Augenblicke, die wir dem Gebet und der Reflexion widmen. Hier in der Gemeinschaft des Generalates hat man beispielsweise spontan begonnen, tagsüber turnusweise Anbetung zu halten. Könnte Gott womöglich weghören, wenn wir uns alle, jeder an dem Ort, der ihm durch den Gehorsam zugewiesen wurde, in diesen Gebetsstrom einbringen?

Das Gebet – der vertraute Umgang mit Gott – wird in unseren Herzen den göttlichen Tugenden Nahrung schenken, den einzigen Tugenden, die uns in diesem Prozess Halt verleihen können. Ja, sie werden uns nicht nur Halt schenken, sondern uns dabei helfen, geistlich und im Apostolat zu wachsen, denn „wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind“ (Röm 8,28). Wie wir es von Kindeszeit an gelernt haben, sind diese Tugenden Gaben Gottes, die uns der Heilige Geist am Tag unserer Taufe verleiht. Sie haben Gott selbst zum Ziel. Wir glauben an Gott, hoffen auf ihn und lieben ihn. So beten wir denn unaufhörlich, wie die Apostel den Herrn baten: „Stärke unseren Glauben!“ (Lk 17,5).

An erster Stelle haben wir also den Glauben, der nicht allein darin besteht, dass wir das, was der Herr uns durch die Vermittlung der Kirche geoffenbart hat, annehmen, sondern weit darüber hinaus geht. Glaube heißt, mit seiner ganzen Person Gott, der höchsten Wahrheit, der höchsten Liebe, anzuhangen. Dank des Glaubens erkennen wir in allen Lebenslagen Gottes liebevolle Gegenwart. Gleichgültig ob es sich um angenehme oder schwierige Situationen handelt, wer Glauben hat, kann in allen Dingen die göttliche Vorsehung erkennen und vermag mit dem Psalmisten zu sagen: „Denn seine Huld währt ewig“ (Ps 136). Andererseits ist der Glaube keine passive Haltung. Wer wirklich an Gott und an seine unendliche Liebe glaubt, wird sich ihm ganz hingeben. Und in dieser vollständigen Hingabe wird er den Frieden und jene Gewissheit finden, die sein Herzen ersehnt. In Zeiten der Prüfung, wenn uns jeder menschliche Beistand fehlt und wir uns lediglich an Gottes Hand – dem einzig Notwendigen und unserem einzigen Felsen – festhalten können, werden dieser Glaube und diese Hingabe gestärkt und gereinigt.

Der Papst hat kürzlich ein „Jahr des Glaubens“ ausgerufen, was zweifelsohne für die Kirche ein Segen darstellt und eine wunderbare Gelegenheit bietet. Wie sehr müssen wir Gott darum bitten, dass er in uns den Glauben erhalte und mehre! Bitten wir also inständig um diese Gabe, damit in uns nicht Haltungen Überhand gewinnen, die uns dazu verleiten könnten, unser Augenmerk lediglich auf das zu richten, was durch die menschliche Vernunft erkannt werden kann. Der Glaube verlangt von uns nicht, die Augen vor dem zu verschliessen, was man mit menschlicher Vernunft  klar zu erkennen vermag. Er verlangt von uns, die Augen mehr, ja, viel mehr zu öffnen, um die tiefere Realität, die allgegenwärtige Liebe Gottes, zu entdecken. Der Glaube macht uns offen für Gott und den Mitmenschen.

Die Hoffnung ist die zweite göttliche Tugend. Gerade weil wir an die unendliche Liebe glauben, die Gott uns in Christus offenbart hat, setzen wir auf ihn all unser Vertrauen, all unsere Sicherheit. Die Hoffnung spornt uns dazu an, uns nach unserem letzten Ziel, dem Himmelreich, zu sehnen. Sie regt uns auch dazu an, nicht etwa im Vertrauen auf unsere menschlichen Kräfte, sondern im Vertrauen auf die Verheißungen Christi und auf seine Gnade durchs Leben zu gehen. Der Heilige Paulus sagte: „Ich vergesse, was hinter mir liegt und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich dem Siegespreis nach.“ (Phil 3,1314). Das Ziel unseres Lebens! Das Ziel ist Christus, für immer bei ihm im Himmel anzugelangen. Der Weg dorthin ist unsere Weihe, einfach und großzügig gelebt. Wie gut bietet sich der Prozess, in dem wir uns zurzeit in der Legion und in der Bewegung befinden, an, um in der Hoffnung zu wachsen und um eine tiefere Verbundenheit mit Christus zu erreichen, mit jenem armen und keuschen Christus, der die Welt durch seinen Gehorsam bis zum Tod erlöst hat. Vor ein paar Tagen kommentierte der Hl. Vater Psalm 126 und lud uns ein, „in unserem Gebet […] öfter darauf [zu] blicken, wie der Herr uns in den Wechselfällen unseres Lebens geschützt, geleitet, geholfen hat, und ihn [zu] loben für das, was er für uns getan hat und tut.“ Und er fuhr fort: „Diese Achtsamkeit, die zur Dankbarkeit wird, ist sehr wichtig für uns und schenkt uns eine Erinnerung an das Gute, die uns auch in den dunklen Stunden hilft.“ (Audienz vom 12. Oktober 2011). Wenn unser Leben ein kontinuierlicher Akt der Danksagung ist, erfüllt das unser ganzes Dasein mit Frieden und mit der Bereitschaft, unserem Nächsten von ganzem Herzen zu dienen.

All das können wir nicht aus eigener Kraft leisten, sondern nur indem wir die Gnade Gottes annehmen und mit dem Hl. Geist zusammenarbeiten. Schwierigkeiten und Betrübnisse, die es im menschlichen Leben immer gibt und von denen man im geweihten Leben nicht ausgespart bleibt, neigen dazu, uns den Frieden und die Freude zu rauben. Die Hoffnung aber verleiht uns Kraft und befähigt uns, siegreich mit diesen Momenten umzugehen und in ihnen eine gute Gelegenheit zu sehen, um sich mehr mit Gott zu vereinen und mit größerer Entschlossenheit gen Himmel zu gehen. „Wer Gott hat, dem fehlt nichts…Gott allein genügt“, sagte die hl. Theresia. Und auch der Papst wählte sich als Thema seiner jüngsten Reise nach Deutschland folgenden Satz: „Wo Gott ist, da ist Zukunft.”

Und zum guten Schluss: die Nächstenliebe, die Königin aller Tugenden, die Tugend, die niemals aufhört und kein Ende hat. (vgl.1 Kor 13,8) Sie bewirkt in uns, dass wir Gott über alles lieben und unsere Schwestern und Brüder so lieben, wie Christus sie liebt (vgl. Joh 13,34). Diese Tugend ist das Erkennungsmerkmal der Christen und deshalb muss es auch die Tugend sein, die uns als Legionäre und gottgeweihte Mitglieder des Regnum Christi charakterisiert. Wer liebt, lebt in Gott und lebt aus Gott, denn Gott ist die Liebe (vgl. 1 Joh 4,7). Die Nächstenliebe besitzt ihre eigene innere Dynamik: die Gottesliebe bringt eine Liebe hervor, die sich auch auf diejenigen erstreckt, die seine Kinder sind. Diese Haltung wird allmählich zur Gewohnheit und wird uns so dazu bringen die folgenden Worte des hl. Paulus aus Liebe zu leben: „…dann macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der Anderen“ (Phil 2,24).

Wie sehr müssen wir uns doch von Christi Liebe ergreifen lassen! Heute mehr denn je müssen wir diese Liebe erbitten und all unseren Mitmenschen erweisen. Möge die Liebe uns immer dazu veranlassen, einander Respekt, Verständnis, Dialogbereitschaft, Geduld, selbstlose Hilfe entgegenzubringen und zur Überwindung negativer Gefühle führen, die unsere zwischenmenschlichen Beziehungen vorbelasten können. Bitten wir inständig um diese Tugend. Möge der eucharistische Herr unsere Herzen verwandeln und sie mit heiligem Eifer für die Rettung der Seelen erfüllen. Der apostolische Eifer hat in der Nächstenliebe seinen Ursprung und seinen Nährboden. Hier hat auch das Zeuge-sein seinen Ursprung und erweist sich ganz als Akt der Nächstenliebe, die in unseren Worten und Taten zum Ausdruck kommt; der Hl. Paulus sagte auch: „Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt und dem, der es hört, Nutzen bringt. Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung. Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte. Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat.“ (Eph 4,2932)

Ich hoffe, dass diese Überlegungen für Sie hilfreich sind. Ich schicke Sie Ihnen mit dem lebhaften Wunsch, einem jeden von Ihnen nahe zu sein und all meine Dankbarkeit auszudrücken. Glauben Sie mir, es ist ein Segen auf solche Brüder und Schwestern zu schauen, wie Sie es sind.

Bitten wir intensiv für alle gottgeweihten Männer und Frauen, da für sie nach der apostolischen Visitation nun eine neue Etappe beginnt. Möge Gott sie bei der Erfüllung seines Planes über die Bewegung weiterhin führen und begleiten. Bitten wir auch weiterhin ohne Unterlass den Herrn der Ernte darum, dass er uns mit vielen Berufungen für das gottgeweihte Leben segnen möge, damit den Seelen und der Kirche besser gedient werden kann.

Möge die allerseligste Jungfrau als Frau des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe Sie stets auf Ihrem Weg der Hingabe begleiten. Ich schließe Sie in meine Gebete ein und bitte Sie um das Ihrige.

Herzlichst in Jesus Christus,

P. Álvaro Corcuera LC

 

(Übersetzung des spanischsprachigen Originals)


Glaube, Hoffnung, Liebe

Glaube, Hoffnung, Liebe

P. Álvaro Corcuera LC, Generaldirektor der Legionäre Christi und des Regnum Christi, schrieb im Oktober letzten Jahres diesen Brief über die göttlichen Tugenden, den wir Ihnen heute, am 2. Februar, Tag des gottgeweihten Lebens in der Kirche, in seiner deutschen Übersetzung präsentieren möchten.






Dein Reich komme!

Rom, den 20. Oktober 2011

An die Legionäre Christi
und die gottgeweihten Mitglieder des Regnum Christi

Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

Schon seit einiger Zeit wollte ich Ihnen schreiben, um Ihnen wieder einmal meine Wertschätzung und Dankbarkeit für Ihren großzügigen Einsatz, den Sie in der Legion und der Bewegung für Gott leisten, zum Ausdruck zu bringen. Als ich am 2. Oktober im Zentrum für Höhere Studien die ewigen Gelübde einiger unserer Brüder entgegen nahm, dachte ich daran, wie diese sich nun in die große Schar von Ordensleuten, gottgeweihten Frauen und Männern einreihten, die über den Erdball verstreut ihre Weihe an Gott in Treue und Freude leben. Ich dachte dabei auch an jene spanische Ordensfrau, die ihre Profess am Tag der Geburt des Papstes ablegt hat. Ihr ganzes Leben war mit Christus dem Heil der Seelen geweiht!

Jetzt, da in der nördlichen Hemisphäre das akademische Jahr beginnt, wollte ich als Ihr Bruder einige Gedanken mit Ihnen austauschen, die uns helfen können, enger verbunden mit Gott zu wandeln und diese Zeit der Unterscheidung und Reinigung als Familie zu leben. Bisweilen kommt es vor – was nicht ungewöhnlich ist –, dass wir unruhig und verwirrt sind und dass in unserer Seele eine unwiderstehliche Sehnsucht nach Ruhe und Frieden aufsteigt. Ich lade Sie dazu ein, alle offenen Fragen und Sehnsüchte mit ins Gebet hinein zu nehmen. Hier – im Innersten unserer Seele – bitten wir den Heiligen Geist um Erleuchtung, um Stärke und darum, dass er uns die Gnade zuteil werden lasse, uns vertrauensvoll an der mütterlichen Hand der Kirche führen zu lassen. Vermehren wir also – in qualitativem wie auch im quantitativen Sinne – die Augenblicke, die wir dem Gebet und der Reflexion widmen. Hier in der Gemeinschaft des Generalates hat man beispielsweise spontan begonnen, tagsüber turnusweise Anbetung zu halten. Könnte Gott womöglich weghören, wenn wir uns alle, jeder an dem Ort, der ihm durch den Gehorsam zugewiesen wurde, in diesen Gebetsstrom einbringen?

Das Gebet – der vertraute Umgang mit Gott – wird in unseren Herzen den göttlichen Tugenden Nahrung schenken, den einzigen Tugenden, die uns in diesem Prozess Halt verleihen können. Ja, sie werden uns nicht nur Halt schenken, sondern uns dabei helfen, geistlich und im Apostolat zu wachsen, denn „wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind“ (Röm 8,28). Wie wir es von Kindeszeit an gelernt haben, sind diese Tugenden Gaben Gottes, die uns der Heilige Geist am Tag unserer Taufe verleiht. Sie haben Gott selbst zum Ziel. Wir glauben an Gott, hoffen auf ihn und lieben ihn. So beten wir denn unaufhörlich, wie die Apostel den Herrn baten: „Stärke unseren Glauben!“ (Lk 17,5).

An erster Stelle haben wir also den Glauben, der nicht allein darin besteht, dass wir das, was der Herr uns durch die Vermittlung der Kirche geoffenbart hat, annehmen, sondern weit darüber hinaus geht. Glaube heißt, mit seiner ganzen Person Gott, der höchsten Wahrheit, der höchsten Liebe, anzuhangen. Dank des Glaubens erkennen wir in allen Lebenslagen Gottes liebevolle Gegenwart. Gleichgültig ob es sich um angenehme oder schwierige Situationen handelt, wer Glauben hat, kann in allen Dingen die göttliche Vorsehung erkennen und vermag mit dem Psalmisten zu sagen: „Denn seine Huld währt ewig“ (Ps 136). Andererseits ist der Glaube keine passive Haltung. Wer wirklich an Gott und an seine unendliche Liebe glaubt, wird sich ihm ganz hingeben. Und in dieser vollständigen Hingabe wird er den Frieden und jene Gewissheit finden, die sein Herzen ersehnt. In Zeiten der Prüfung, wenn uns jeder menschliche Beistand fehlt und wir uns lediglich an Gottes Hand – dem einzig Notwendigen und unserem einzigen Felsen – festhalten können, werden dieser Glaube und diese Hingabe gestärkt und gereinigt.

Der Papst hat kürzlich ein „Jahr des Glaubens“ ausgerufen, was zweifelsohne für die Kirche ein Segen darstellt und eine wunderbare Gelegenheit bietet. Wie sehr müssen wir Gott darum bitten, dass er in uns den Glauben erhalte und mehre! Bitten wir also inständig um diese Gabe, damit in uns nicht Haltungen Überhand gewinnen, die uns dazu verleiten könnten, unser Augenmerk lediglich auf das zu richten, was durch die menschliche Vernunft erkannt werden kann. Der Glaube verlangt von uns nicht, die Augen vor dem zu verschliessen, was man mit menschlicher Vernunft  klar zu erkennen vermag. Er verlangt von uns, die Augen mehr, ja, viel mehr zu öffnen, um die tiefere Realität, die allgegenwärtige Liebe Gottes, zu entdecken. Der Glaube macht uns offen für Gott und den Mitmenschen.

Die Hoffnung ist die zweite göttliche Tugend. Gerade weil wir an die unendliche Liebe glauben, die Gott uns in Christus offenbart hat, setzen wir auf ihn all unser Vertrauen, all unsere Sicherheit. Die Hoffnung spornt uns dazu an, uns nach unserem letzten Ziel, dem Himmelreich, zu sehnen. Sie regt uns auch dazu an, nicht etwa im Vertrauen auf unsere menschlichen Kräfte, sondern im Vertrauen auf die Verheißungen Christi und auf seine Gnade durchs Leben zu gehen. Der Heilige Paulus sagte: „Ich vergesse, was hinter mir liegt und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich dem Siegespreis nach.“ (Phil 3,1314). Das Ziel unseres Lebens! Das Ziel ist Christus, für immer bei ihm im Himmel anzugelangen. Der Weg dorthin ist unsere Weihe, einfach und großzügig gelebt. Wie gut bietet sich der Prozess, in dem wir uns zurzeit in der Legion und in der Bewegung befinden, an, um in der Hoffnung zu wachsen und um eine tiefere Verbundenheit mit Christus zu erreichen, mit jenem armen und keuschen Christus, der die Welt durch seinen Gehorsam bis zum Tod erlöst hat. Vor ein paar Tagen kommentierte der Hl. Vater Psalm 126 und lud uns ein, „in unserem Gebet […] öfter darauf [zu] blicken, wie der Herr uns in den Wechselfällen unseres Lebens geschützt, geleitet, geholfen hat, und ihn [zu] loben für das, was er für uns getan hat und tut.“ Und er fuhr fort: „Diese Achtsamkeit, die zur Dankbarkeit wird, ist sehr wichtig für uns und schenkt uns eine Erinnerung an das Gute, die uns auch in den dunklen Stunden hilft.“ (Audienz vom 12. Oktober 2011). Wenn unser Leben ein kontinuierlicher Akt der Danksagung ist, erfüllt das unser ganzes Dasein mit Frieden und mit der Bereitschaft, unserem Nächsten von ganzem Herzen zu dienen.

All das können wir nicht aus eigener Kraft leisten, sondern nur indem wir die Gnade Gottes annehmen und mit dem Hl. Geist zusammenarbeiten. Schwierigkeiten und Betrübnisse, die es im menschlichen Leben immer gibt und von denen man im geweihten Leben nicht ausgespart bleibt, neigen dazu, uns den Frieden und die Freude zu rauben. Die Hoffnung aber verleiht uns Kraft und befähigt uns, siegreich mit diesen Momenten umzugehen und in ihnen eine gute Gelegenheit zu sehen, um sich mehr mit Gott zu vereinen und mit größerer Entschlossenheit gen Himmel zu gehen. „Wer Gott hat, dem fehlt nichts…Gott allein genügt“, sagte die hl. Theresia. Und auch der Papst wählte sich als Thema seiner jüngsten Reise nach Deutschland folgenden Satz: „Wo Gott ist, da ist Zukunft.”

Und zum guten Schluss: die Nächstenliebe, die Königin aller Tugenden, die Tugend, die niemals aufhört und kein Ende hat. (vgl.1 Kor 13,8) Sie bewirkt in uns, dass wir Gott über alles lieben und unsere Schwestern und Brüder so lieben, wie Christus sie liebt (vgl. Joh 13,34). Diese Tugend ist das Erkennungsmerkmal der Christen und deshalb muss es auch die Tugend sein, die uns als Legionäre und gottgeweihte Mitglieder des Regnum Christi charakterisiert. Wer liebt, lebt in Gott und lebt aus Gott, denn Gott ist die Liebe (vgl. 1 Joh 4,7). Die Nächstenliebe besitzt ihre eigene innere Dynamik: die Gottesliebe bringt eine Liebe hervor, die sich auch auf diejenigen erstreckt, die seine Kinder sind. Diese Haltung wird allmählich zur Gewohnheit und wird uns so dazu bringen die folgenden Worte des hl. Paulus aus Liebe zu leben: „…dann macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der Anderen“ (Phil 2,24).

Wie sehr müssen wir uns doch von Christi Liebe ergreifen lassen! Heute mehr denn je müssen wir diese Liebe erbitten und all unseren Mitmenschen erweisen. Möge die Liebe uns immer dazu veranlassen, einander Respekt, Verständnis, Dialogbereitschaft, Geduld, selbstlose Hilfe entgegenzubringen und zur Überwindung negativer Gefühle führen, die unsere zwischenmenschlichen Beziehungen vorbelasten können. Bitten wir inständig um diese Tugend. Möge der eucharistische Herr unsere Herzen verwandeln und sie mit heiligem Eifer für die Rettung der Seelen erfüllen. Der apostolische Eifer hat in der Nächstenliebe seinen Ursprung und seinen Nährboden. Hier hat auch das Zeuge-sein seinen Ursprung und erweist sich ganz als Akt der Nächstenliebe, die in unseren Worten und Taten zum Ausdruck kommt; der Hl. Paulus sagte auch: „Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt und dem, der es hört, Nutzen bringt. Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung. Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte. Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat.“ (Eph 4,2932)

Ich hoffe, dass diese Überlegungen für Sie hilfreich sind. Ich schicke Sie Ihnen mit dem lebhaften Wunsch, einem jeden von Ihnen nahe zu sein und all meine Dankbarkeit auszudrücken. Glauben Sie mir, es ist ein Segen auf solche Brüder und Schwestern zu schauen, wie Sie es sind.

Bitten wir intensiv für alle gottgeweihten Männer und Frauen, da für sie nach der apostolischen Visitation nun eine neue Etappe beginnt. Möge Gott sie bei der Erfüllung seines Planes über die Bewegung weiterhin führen und begleiten. Bitten wir auch weiterhin ohne Unterlass den Herrn der Ernte darum, dass er uns mit vielen Berufungen für das gottgeweihte Leben segnen möge, damit den Seelen und der Kirche besser gedient werden kann.

Möge die allerseligste Jungfrau als Frau des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe Sie stets auf Ihrem Weg der Hingabe begleiten. Ich schließe Sie in meine Gebete ein und bitte Sie um das Ihrige.

Herzlichst in Jesus Christus,

P. Álvaro Corcuera LC

 

(Übersetzung des spanischsprachigen Originals)

 

Brief von P. Álvaro Corcuera LC über die göttlichen Tugenden

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Donnerstag, 2. Februar 2012

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