Sonntag, 16. Juni 2013

Scham, Reue und Vergebung


Tägliche Meditationen - 16. Juni 2013

Elfter Sonntag im Jahreskreis

P. Walter Schu LC

Lk 7,368,3
Jesus ging in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

In der folgenden Zeit wanderte er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn, außerdem einige Frauen, die er von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt hatte: Maria Magdalene, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren, Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie alle unterstützten Jesus und die Jünger mit dem, was sie besaßen.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich. Ich glaube, dass du mich liebst, dass du an meiner Seite bist und dass du mich an diesem Tag immer begleiten wirst. Ich vertraue auf dich, Herr, ich vertraue dir mehr als mir selbst, weil du unendlich gut und allmächtig bist. Ich liebe dich, Jesus. Ich liebe dich, weil du für mich am Kreuz gestorben bist, um mich zu retten.

Bitte: Herr, hilf mir, dass ich mich wirklich ganz bekehre.

1.  Scham, Reue und Liebe. Wie konnte die Frau, die eine Sünderin war – und welch große Sünderin – es wagen, in das Haus von Simon dem Pharisäer einzutreten, das mit unterschiedlichen Gästen gefüllt war. Zwei Dinge bewegten sie: Sie vertraute Jesus und sie war überwältigt von der Schuld ihrer Sünden. Sie kannte Jesus schon, wie er predigte und wie er andere Sünder behandelte, die wie sie unter einem tiefen seelischen Schmerz litten. All die Jahre ihrer Schuld, ihrer Selbstanklagen und ihrer Verzweiflung lösten sich nun unter einem Strom von Tränen, die die Füße Jesu wuschen – Tränen der Liebe und der vertrauensvollen Reue. In einer so schönen weiblichen Geste trocknet sie die Füße Jesu mit ihrem Haar und salbt sie mit dem kostbarsten Öl. Wer wird von dieser Szene nicht innerlich ergriffen? Wer hat noch nicht erfahren, wie Christus die eigenen armseligen Tränen der Reue, hervorgerufen durch ein Gewissen, das schwer beladen mit Sünden war, in aller Stille angenommen hat.

2. „Wenn dieser Mann ein Prophet wäre“. Simon der Pharisäer ist nicht bewegt. Er hält sich für gerecht vor Gott und den Menschen. Die Szene mit der Frau veranlasst ihn nur dazu, an Jesus zu zweifeln: „Wenn dieser Mann ein Prophet wäre…“ Echte Gerechtigkeit, sagt der heilige Gregor der Große, ist mitfühlend; falsche Gerechtigkeit aber reagiert entrüstet. Simon meint, dass er nicht der Vergebung bedarf. „Das, was einen Menschen von Gott trennt, ist Selbstgenügsamkeit…. Je besser ein Mensch ist, umso mehr erkennt er seine Sünde…. Man kann wirklich sagen, dass es die größte Sünde ist, wenn man sich keiner Sünde bewusst ist; das Erfahren von Hilfsbedürftigkeit aber wird die Tür zur Vergebung Gottes öffnen, denn Gott ist die Liebe, und der Liebe größter Ruhm ist es, gebraucht zu werden“ (The Gospel of Luke, William Barclay, S. 95). Die Liebe Christi begnügt sich nicht damit, die Sünderin zurückgewonnen zu haben. Er möchte auch Simon für sich gewinnen. Und so tadelt er ihn behutsam für seine mangelnde Gastfreundschaft und versucht ihm so klar zu machen, dass auch er der Vergebung Gottes bedarf.

3. Die Vergebung der Sünden. Nachdem er die Samen ausgesät hat, von denen er hofft, dass sie sowohl im Herzen Simons als auch bei dessen Gästen wachsen und Liebe hervorbringen werden, wendet Jesus sich wieder der Sünderin zu. Er spricht jene Worte aus, welche niemand außer ihm aussprechen kann, Worte, die sie von der niederdrückenden Last befreien, Worte, die ihrer Seele den Frieden schenken und ihre Tränen beenden, Worte, die ihr Leben für immer verändern und sie zu einer glühenden Jüngerin des Herrn machen: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Es folgen noch andere Worte, ebenso liebevoll und ermutigend, ebenso fähig, ein Leben zu verändern: „Dein Glaube hat dir geholfen; geh in Frieden.“ Mit welch neu gefundener Würde erhebt sich die Frau, sieht die perplexen und noch feindseligen Gesichter der Gäste, und verlässt still diese Gesellschaft! Haben auch wir schon auf diese Weise unsere Herzen und unser Gewissen von jenen Worten Christi durchdringen lassen, die wir jedes Mal, wenn wir das Sakrament der Versöhnung empfangen, hören: „Ich spreche dich los von deinen Sünden“? Hat sich dadurch unser Leben verändert, wie sich das Leben der Frau verändert hat?

Gespräch mit Christus: Ich danke dir, Herr, für die Güte deines Herzens, für deinen unstillbaren Wunsch, jede Seele zu erreichen und sie für dich zu gewinnen. Ich danke dir, dass ich meine Liebe und Reue in dieser Meditation vor dich hintragen darf.

Vorsatz:  Ich will heute einem Bekannten helfen, das Erbarmen Christi erfahren zu dürfen.


Scham, Reue und Vergebung

Scham, Reue und Vergebung

Elfter Sonntag im Jahreskreis

P. Walter Schu LC

Lk 7,368,3
Jesus ging in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

In der folgenden Zeit wanderte er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn, außerdem einige Frauen, die er von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt hatte: Maria Magdalene, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren, Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie alle unterstützten Jesus und die Jünger mit dem, was sie besaßen.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich. Ich glaube, dass du mich liebst, dass du an meiner Seite bist und dass du mich an diesem Tag immer begleiten wirst. Ich vertraue auf dich, Herr, ich vertraue dir mehr als mir selbst, weil du unendlich gut und allmächtig bist. Ich liebe dich, Jesus. Ich liebe dich, weil du für mich am Kreuz gestorben bist, um mich zu retten.

Bitte: Herr, hilf mir, dass ich mich wirklich ganz bekehre.

1.  Scham, Reue und Liebe. Wie konnte die Frau, die eine Sünderin war – und welch große Sünderin – es wagen, in das Haus von Simon dem Pharisäer einzutreten, das mit unterschiedlichen Gästen gefüllt war. Zwei Dinge bewegten sie: Sie vertraute Jesus und sie war überwältigt von der Schuld ihrer Sünden. Sie kannte Jesus schon, wie er predigte und wie er andere Sünder behandelte, die wie sie unter einem tiefen seelischen Schmerz litten. All die Jahre ihrer Schuld, ihrer Selbstanklagen und ihrer Verzweiflung lösten sich nun unter einem Strom von Tränen, die die Füße Jesu wuschen – Tränen der Liebe und der vertrauensvollen Reue. In einer so schönen weiblichen Geste trocknet sie die Füße Jesu mit ihrem Haar und salbt sie mit dem kostbarsten Öl. Wer wird von dieser Szene nicht innerlich ergriffen? Wer hat noch nicht erfahren, wie Christus die eigenen armseligen Tränen der Reue, hervorgerufen durch ein Gewissen, das schwer beladen mit Sünden war, in aller Stille angenommen hat.

2. „Wenn dieser Mann ein Prophet wäre“. Simon der Pharisäer ist nicht bewegt. Er hält sich für gerecht vor Gott und den Menschen. Die Szene mit der Frau veranlasst ihn nur dazu, an Jesus zu zweifeln: „Wenn dieser Mann ein Prophet wäre…“ Echte Gerechtigkeit, sagt der heilige Gregor der Große, ist mitfühlend; falsche Gerechtigkeit aber reagiert entrüstet. Simon meint, dass er nicht der Vergebung bedarf. „Das, was einen Menschen von Gott trennt, ist Selbstgenügsamkeit…. Je besser ein Mensch ist, umso mehr erkennt er seine Sünde…. Man kann wirklich sagen, dass es die größte Sünde ist, wenn man sich keiner Sünde bewusst ist; das Erfahren von Hilfsbedürftigkeit aber wird die Tür zur Vergebung Gottes öffnen, denn Gott ist die Liebe, und der Liebe größter Ruhm ist es, gebraucht zu werden“ (The Gospel of Luke, William Barclay, S. 95). Die Liebe Christi begnügt sich nicht damit, die Sünderin zurückgewonnen zu haben. Er möchte auch Simon für sich gewinnen. Und so tadelt er ihn behutsam für seine mangelnde Gastfreundschaft und versucht ihm so klar zu machen, dass auch er der Vergebung Gottes bedarf.

3. Die Vergebung der Sünden. Nachdem er die Samen ausgesät hat, von denen er hofft, dass sie sowohl im Herzen Simons als auch bei dessen Gästen wachsen und Liebe hervorbringen werden, wendet Jesus sich wieder der Sünderin zu. Er spricht jene Worte aus, welche niemand außer ihm aussprechen kann, Worte, die sie von der niederdrückenden Last befreien, Worte, die ihrer Seele den Frieden schenken und ihre Tränen beenden, Worte, die ihr Leben für immer verändern und sie zu einer glühenden Jüngerin des Herrn machen: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Es folgen noch andere Worte, ebenso liebevoll und ermutigend, ebenso fähig, ein Leben zu verändern: „Dein Glaube hat dir geholfen; geh in Frieden.“ Mit welch neu gefundener Würde erhebt sich die Frau, sieht die perplexen und noch feindseligen Gesichter der Gäste, und verlässt still diese Gesellschaft! Haben auch wir schon auf diese Weise unsere Herzen und unser Gewissen von jenen Worten Christi durchdringen lassen, die wir jedes Mal, wenn wir das Sakrament der Versöhnung empfangen, hören: „Ich spreche dich los von deinen Sünden“? Hat sich dadurch unser Leben verändert, wie sich das Leben der Frau verändert hat?

Gespräch mit Christus: Ich danke dir, Herr, für die Güte deines Herzens, für deinen unstillbaren Wunsch, jede Seele zu erreichen und sie für dich zu gewinnen. Ich danke dir, dass ich meine Liebe und Reue in dieser Meditation vor dich hintragen darf.

Vorsatz:  Ich will heute einem Bekannten helfen, das Erbarmen Christi erfahren zu dürfen.

 

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