Dienstag, 29. September 2009

P. Álvaro zum „Jahr des Priesters”


Der Priester muss ein Mann sein, der liebt und Gutes tut; der versteht und seinen gefallenen, kranken oder einsamen Geschwistern zu Hilfe eilt; der sich freut, wenn er sieht, wie seine Mitmenschen wachsen und er selbst abnimmt (vgl. Joh 3,30).

Am Fest der Engel Michael (besonderer Schutzpatron der Kongregation), Gabriel und Rafael veröffentlichen wir einen weiteren Brief des Generaldirektors.

***

An alle Mitglieder und Freunde der Bewegung
Regnum Christi zum von Papst Benedikt XVI.
eröffneten „Jahr des Priesters”


19. Juni 2009
Fest des Heiligsten Herzens Jesu

Liebe Freunde in Christus!

wie gerne schreibe ich Ihnen immer wieder, um mich gemeinsam mit Ihnen darüber zu freuen, dass wir eine große, in Christus geeinte Familie sind. Wir befinden uns zurzeit in einem sehr intensiven Abschnitt des Kirchenjahrs. Nach Pfingsten, dem Dreifaltigkeitssonntag und Fronleichnam begehen wir heute schon wieder ein Hochfest: das Fest des Heiligsten Herzens Jesu, das uns in besonderer Weise daran erinnert, wie sehr Christus jeden Einzelnen von uns liebt. Gott gießt seine Gnade unablässig und im Übermaß in unsere Seelen ein, und deshalb wollen wir dankbar und großzügig sein. Bitten wir ihn also in aller Demut um ein Herz, das dem seinen immer ähnlicher wird – mit jenem schönen Gebet der Kirche: „Heiliges Herz Jesu, bilde mein Herz nach deinem Herzen.”

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, weil ich mit Ihnen über das „Jahr des Priesters” nachdenken möchte, das der Papst ausgerufen hat. Es beginnt genau heute, mit dem Herz-Jesu-Fest, und steht unter dem Motto: „Treue Christi, Treue des Priesters”. Was bedeutet das für uns? Wie wirkt sich dieses Priesterjahr auf unser Leben aus?

Anlass für dieses besondere Ereignis ist der 150. Todestag des heiligen Johannes Maria Vianney, den Benedikt XVI. zum Patron aller Priester der Welt ernennen wird. Das Besondere an diesem Priester, der schlicht als der „Pfarrer von Ars” bekannt geworden ist, war, dass er sich für die Rettung der Seelen förmlich aufgerieben hat. Schon als Jugendlicher – noch vor seinem Eintritt ins Priesterseminar – sagte er zu sich: „Wenn ich Priester wäre, könnte ich viele Seelen für Gott gewinnen.” Das war sein großer Traum. Über vierzig Jahre lang wirkte er als Pfarrer in dem kleinen Dörfchen Ars, und dieser Aufgabe widmete er sich mit ganzer Hingabe, predigte, erzog seine Pfarrkinder im Glauben und übte praktische Nächstenliebe. Vor allem aber spendete er die Sakramente. Bis zu zwölf Stunden verbrachte er an einem gewöhnlichen Tag im Beichtstuhl, und Gott allein weiß, wie viele Wunder und Bekehrungen dort stattgefunden haben.

Das große Geheimnis des Pfarrers von Ars war seine Liebe zu Gott. Immer hielt er den Blick fest auf den Himmel gerichtet, und tröstend schrieb er an einen seiner Vettern: „Was für eine göttliche Glückseligkeit! Den guten Jesus zu sehen, der uns so sehr geliebt hat und uns so glücklich machen wird”. Wenige Stunden vor seinem Tod soll er gesagt haben: „Wie gut ist Gott; wenn wir nicht mehr zu ihm gehen können, kommt er zu uns.” Sein ganzes Leben lang ist er „auf Gott zugegangen” – und hat unzählige Menschen mitgenommen.

Wir dürfen Gott wirklich von ganzem Herzen danken, denn er ist auch heute in unserem Leben gegenwärtig und erhellt unseren Weg durch das Zeugnis vieler heiliger Priester. Es ist ein großes Geheimnis, dass er uns seine Gnade durch menschliche Werkzeuge hat vermitteln wollen. Denken Sie einmal darüber nach: jeder von uns hat das Geschenk der Gotteskindschaft und unseren Glauben in der Taufe durch einen Priester empfangen! Jedes Mal, wenn wir uns in der Beichte mit Gott versöhnen und unsere Freundschaft mit ihm erneuern wollen, ist es ein Priester, der im Namen Christi zu uns sagt: „Ich spreche dich los von deinen Sünden …” Nur der Priester hat die Vollmacht, die Worte Jesu beim Letzten Abendmahl nachzusprechen, damit sich auf unblutige Weise das Kreuzesopfer vergegenwärtigt und Brot und Wein in den Leib und das Blut des Herrn gewandelt werden. Wenn wir wissen wollen, wie wertvoll ein Priester eigentlich ist, müssen wir uns nur fragen, wie unser Leben ohne Priester aussähe. Die Priester sind unsere Brücke zu Gott! Der Pfarrer von Ars hat gesagt: „Der Priester ist etwas Großes. Das wird man erst im Himmel verstehen. Wenn man es schon hier auf Erden verstünde, würde man sterben – nicht vor Schreck, sondern vor Liebe.”

Diejenigen von uns, die diese Berufung empfangen haben, wissen, dass die Größe des Priestertums reines, ungeschuldetes Geschenk Gottes ist. Wir haben es nicht im Mindesten verdient, im Gegenteil: Uns ist bewusst, dass Gott uns berufen hat, obwohl wir genauso schwach und klein sind wie alle Menschen. Wir spüren das Missverhältnis zwischen dem, was wir sind – Menschen, zerbrechliche Geschöpfe – und dem, was wir repräsentieren – Gott selbst; zwischen unseren begrenzten Kräften und Fähigkeiten und der übernatürlichen Sendung, die uns aufgetragen ist. Mit dem heiligen Paulus können wir sagen: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt” (2 Kor 4,7). Wir sind, wie es im Hebräerbrief heißt, aus den Menschen ausgewählt und zum Dienst vor Gott für die Menschen eingesetzt (vgl. Hebr 5,1). Doch die Worte Christi geben uns Vertrauen und Licht: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt […]. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt” (Joh 15,1516). Wir wissen, dass wir treu sein können, weil Jesus Christus treu ist und sein Wort hält und weil wir mit seiner Gnade, seiner Hilfe und seiner Barmherzigkeit rechnen dürfen. Er ist der treue Freund. Wie Papst Johannes Paul II. so treffend zu uns gesagt hat: „Habt Vertrauen zu Jesus Christus, dass er euch nicht verlässt, dass er euren Dienst trägt, auch wo ihr äußerlich nicht sofort Erfolg seht. Glaubt ihm, dass er zwar alles von euch erwartet, aber eben so, wie ein Freund es von seinen Freunden erwartet” (Predigt in der hl. Messe für die Priester und Seminaristen im Dom zu Fulda, 17. November 1980).

Der Priester muss wie eine Tür sein, die immer für alle offensteht; er muss zuhören können, von ganzem Herzen für jeden Menschen da sein, jedem die nötige Zeit widmen und alle so lieben und annehmen wie Jesus Christus selbst. Er gibt nicht nur seine Zeit, sondern sein Leben, und das ohne jede Einschränkung. Der Dienst am Nächsten ist sozusagen das Martyrium, zu dem er berufen ist. Eine einzige Seele ist für den Priester jeder Mühe wert. Die Welt braucht Christus. Wir alle brauchen ihn, weil nur mit ihm unser Leben, unser tägliches Streben, unsere Freuden und unsere Kämpfe einen Sinn haben. Deshalb will Gott heilige Priester, die uns helfen, Christus zu begegnen. Der Papst hat das Jahr des Priesters ausgerufen, „um dieses Streben der Priester nach geistlicher Vollkommenheit, von dem die Wirksamkeit ihres Dienstes entscheidend abhängt, zu unterstützen” (Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung der Kongregation für den Klerus, 16. März 2009). Auch hier klingen wieder jene Worte nach, mit denen Christus seine Apostel einlädt, in seiner Liebe zu bleiben, seine Gebote zu halten und vereint mit dem Rebstock reiche Frucht zu bringen (vgl. Joh 15,110). Nur wenn er dieser Einladung nachkommt, kann der Priester das Bild des Guten Hirten in seinem Leben Wirklichkeit werden lassen, der gütig und demütig ist, dessen Joch nicht drückt und dessen Last leicht ist (vgl. Mt 11,2930). Nur dann kann er sich bedingungslos einsetzen, ohne einen anderen Lohn als das Heil der Seelen zu erwarten. Und nur dann kann sich in seinem Leben die Gegenwart des Heiligen Geistes spiegeln, dessen Früchte den Christen auszeichnen: „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung” (Gal 5,2223). In der Gewissenerforschung neu gelesen, weist dieser Text uns Christen in die richtige Richtung. Diese Früchte sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Heilige Geist in unseren Herzen wohnt. Sie dienen jedoch nicht unserem Eigennutz, sondern sind dazu da, dass wir sie selbstlos mit unseren Mitmenschen teilen und nicht müde werden, Gutes zu tun.

Wir könnten annehmen, dass diese Berufung ausschließlich den Priestern gilt, doch sie ist eine Chance für alle Christen. Wir alle dürfen uns dieser Wirklichkeit bewusst werden und uns fragen, wie wir dazu beitragen können, dass es immer mehr Priester und immer heiligere Priester gibt. Für uns als Mitglieder des Regnum Christi ist diese Initiative des Heiligen Vaters ein Wunsch Christi selbst. Die Bewegung Regnum Christi „existiert allein dazu, einerseits der Kirche und ihren Hirten und andererseits durch die Kirche den Menschen zu dienen” (Mitgliederhandbuch des Regnum Christi, 11). Über heilige Priester verfügen zu können ist ganz sicherlich eines der dringendsten Bedürfnisse unserer geliebten Kirche. Deshalb möchte ich Ihnen ein paar Vorschläge machen, wie wir alle uns einzeln, in der Familie, in der Gemeinde oder in den Zentren und Einrichtungen des Regnum Christi an diesem Jahr beteiligen können.

Erstens und ganz besonders möchte ich die Jugendlichen des Regnum Christi einladen, an ihrem Wohnort eine monatliche „Eucharistische Stunde” zu organisieren, um vor dem Allerheiligsten für die Priester und die Berufungen zu beten. Das wäre eine wundervolle Gelegenheit, ähnlich wie morgens zu Beginn der Heiligen Messe unsere Anliegen, aber auch unsere Sünden und Fehler vertrauensvoll vor den Herrn zu tragen und ihn um Vergebung und Erbarmen zu bitten. Es wäre sehr gut, wenn Sie mit Ihren Familien an dieser Aktivität teilnähmen, denn das gemeinsame Gebet hat eine ganz besondere Kraft. Es wäre ebenfalls sehr gut, wenn Sie andere Freunde und Bekannte dazu einladen könnten. Die Anbetungsstunden sollten möglichst in einer Pfarrkirche abgehalten werden, weil diese Gnade dann auch anderen Gläubigen zugutekommt und wir so die Arbeit unserer Pfarrer unterstützen. Gott will, dass wir eine neue Tradition begründen, die uns ganz ohne Zweifel helfen wird, unserem Herrn näher zu sein und reichen Segen für die ganze Kirche zu erwirken.

Dieses Jahr des Priesters wird zudem eine großartige Gelegenheit sein, die Attraktivität der priesterlichen Berufung deutlich zu machen und die Jugendlichen für einen möglichen Ruf Gottes zu öffnen. Wir wissen, dass dies nicht allein die Aufgabe der Bischöfe und Priester ist: Auch die Laien können und müssen effektiv dazu beitragen, dass eine Seele die Stimme Christi wahrnimmt, der sie in seine Nachfolge ruft. De facto ist dies in der Kirche und im Regnum Christi bereits Wirklichkeit geworden. Viele von Ihnen nehmen bereits an den Berufungs-Aktionskreisen oder am Programm Anbetung für Berufungen teil. Die Arbeit der Vollzeitkatecheten ist auch ein gutes Beispiel, denn ihnen ist es zu verdanken, dass Gott Jahr für Jahr einige Diözesanseminare mit Dutzenden von Berufungen segnet. Zudem haben viele Jugendliche der Bewegung bereits an Aktivitäten zur Berufungsorientierung teilgenommen und bemühen sich, mit der Hilfe ihres geistlichen Leiters herauszufinden, was Gott für ihr Leben will. Ich bin ganz sicher, dass die Initiativen zur Berufungsförderung sich im Kontext dieses Priesterjahres noch vervielfachen werden. Nicht umsonst hat der Papst seiner Botschaft zum Weltgebetstag für geistliche Berufungen, den wir am vierten Sonntag der Osterzeit begangen haben, einen so hoffnungsfrohen Titel gegeben: „Das Vertrauen in die Initiative Gottes und die menschliche Antwort”.

Des Weiteren möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass wir auch für diejenigen etwas tun können, die bereits Priester sind. Die Mitglieder des Regnum Christi müssen sich dadurch auszeichnen, dass sie jedem Priester, der ihnen begegnet, Halt und Hilfe sind – sei es nun der eigene Pfarrer, ein Freund der Familie, ein Priester der Legionäre oder einer anderen Kongregation oder kirchlichen Gemeinschaft oder ein bedürftiger Priester, der unsere größere Nähe und Güte braucht. Wir tun dies vor allem deshalb, weil jeder Priester „ein zweiter Christus”, das heißt durch die Handauflegung mit Christus eins geworden und bevollmächtigt ist, nicht nur im Namen Christi, sondern in persona Christi zu handeln. Christus selbst handelt durch ihn. Wenn wir einem Priester dienen, dienen wir also Christus selbst.

1. Gebet und Opfer für die Heiligung der Priester

Neben der bereits vorgeschlagenen Initiative können wir alle unsere Gebete und Opfer für die Treue und Heiligkeit aller Priester verstärken, denn wir wissen, dass Gott die Bitten, die wir gläubig an ihn richten, erhört. Das ist ein Punkt, der unser christliches Leben ganz wesentlich tangiert und deshalb in unseren Gebetsanliegen auf keinen Fall fehlen darf. Dieser nur scheinbar unmerkliche Beitrag ist für uns Priester eine Quelle der Kraft und unzähliger Gottesgnaden. Die vatikanische Kongregation für den Klerus fördert dieses authentische Apostolat des Gebets mit großem Nachdruck und verweist auf das Mittel der „geistlichen Adoption”, bei der eine Person sich verpflichtet, für einen bestimmten Priester zu beten. Normalerweise tun dies die Ordensleute – und wie sehr helfen uns ihre Bitten! –, doch diese Methode, den Priestern zu helfen, ist auch für die Laien geeignet. Ich lade Sie zudem ein, sich über die Ablässe zu informieren, die der Heilige Vater in einem Dekret der Apostolischen Pönitentiarie für dieses Jahr des Priesters gewährt; dies sind besondere Gelegenheiten, um von Gott Gnaden zu erwirken.

Wir wollen in all unseren Gebeten vor allem darum bitten, dass die Priester Männer des Gebets sind, denn ein Priester ist immer so gut wie sein Gebet. Im Gebet wird sich der Priester darüber klarer, wer er ist und das Gebet macht ihn priesterlicher. Versuchen wir deshalb, so viel Zeit wie irgend möglich bei Jesus Christus vor dem Tabernakel zu verbringen. Die Eucharistiefeier muss die Mitte unseres Tages und der Stempel unseres Lebens sein. Christus in unseren Händen zu halten und ihn in unserem Herzen zu empfangen ist das größte Geschenk, das man uns machen kann. Deshalb wollen wir uns nach der Kommunion freudig und ohne Hast eine Zeit der Stille gönnen, um Dank zu sagen für die Speise des Heils und den Schatz unseres Lebens, den wir selbst empfangen und an unsere Brüder und Schwestern ausgeteilt haben.

Wenn ich an die Briefe zurückdenke, die Johannes Paul II. an die Priester geschrieben hat, fällt mir auf, wie sehr er uns vor der Gefahr der Verweltlichung und Säkularisierung gewarnt hat. In einem dieser Briefe heißt es: „Das Gebet kennzeichnet den wesentlichen Stil des Priestertums; ohne das Gebet verformt sich dieser Stil. Das Gebet hilft uns, jenes Licht immer wiederzufinden, das uns seit Beginn unserer priesterlichen Berufung geführt hat und das uns unablässig weiterführt, auch wenn es sich zuweilen im Dunkel zu verlieren scheint. Das Gebet befähigt uns, stets umzukehren und im Zustand der ständigen Spannung auf Gott hin zu verharren – einem Zustand, der unerlässlich ist, wenn wir die anderen Menschen zu ihm bringen wollen. Das Gebet hilft uns zu glauben, zu hoffen und zu lieben, auch wenn unsere menschliche Schwäche uns im Weg steht” (Brief an die Priester, Gründonnerstag 1979, 10)

2. Liebe

Die Liebe ist das Erkennungszeichen des Christen und die grundlegende Tugend im Geist des Regnum Christi. Der Priester muss ein Mann sein, der liebt und Gutes tut; der versteht und seinen gefallenen, kranken oder einsamen Geschwistern zu Hilfe eilt; der sich freut, wenn er sieht, wie seine Mitmenschen wachsen und er selbst abnimmt (vgl. Joh 3,30). Der Priester macht mit seiner Liebe das wieder gut, was seine Sünden und die Sünden aller Menschen dem Herzen Christi getan haben. Wenn die Seelen im Bußsakrament, der Beichte, Christus begegnen, ist er ein Werkzeug der Versöhnung; doch gleichzeitig weiß er, dass er selbst ein schwacher Mensch und auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen ist. Gerade wir Priester haben es nötig, um Vergebung zu bitten: für die Sünden der Gläubigen und, die jedes Einzelnen von uns Priestern! Gott hat uns so reich beschenkt, dass es uns unendlich schmerzt, wenn wir den Anforderungen nicht gerecht geworden sind, wenn wir das Bild Christi durch unsere Sünden getrübt oder nicht im Einklang mit unserem Priestertum gelebt haben. Deshalb beenden wir Abend für Abend unseren Tag vor dem Bild des gekreuzigten Christus und beten den Psalm Miserere: „Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld” (Ps 51). Unsere Wiedergutmachung besteht darin, das Leben für Gott und für unsere Mitmenschen hinzugeben und unermüdlich Gutes zu tun. Der Priester kämpft von ganzem Herzen darum, die Barmherzigkeit Gottes immer besser kennen zu lernen und diese Erfahrung der göttlichen Güte dann wie ein Spiegel im Sakrament der Versöhnung an seine Brüder und Schwestern weitergeben zu können. Er weiß selbst, dass er dies nicht seinen persönlichen Bemühungen, sondern der grenzenlosen Liebe Gottes verdankt. Für einen Priester ist es das Größte, wenn er am Ende seines Lebens sagen kann, dass er ein treues Werkzeug gewesen ist und dass durch ihn viele Menschen den Weg zum Himmel gefunden haben. Deshalb fördert der Priester die guten Werke seiner Mitmenschen. Ihre Freude lässt die Schönheit unseres christlichen Glaubens und unserer Weihe an Jesus noch heller erstrahlen.

In einer nicht selten aggressiven Welt sind die Liebe und die Benedizenz für uns eine echte Herausforderung. Wir sind in besonderer Weise dazu berufen, ganz objektiv den guten Ruf der Priester zu verbreiten, die berechtigte Achtung vor ihrem Stand zu fördern und ihre Tugenden zu würdigen. Wie Cláudio Kardinal Hummes kürzlich in einem Interview gesagt hat, handelt es sich darum, „den Priestern die Botschaft zu überbringen, dass die Kirche sie liebt, sie achtet, sie bewundert und stolz auf sie ist” (Zenit, 3. Juni 2009).

3. Nähe, Dankbarkeit und Freundschaft

Der Priester gehört, daran hat uns Papst Benedikt XVI. am Gründonnerstag dieses Jahres erinnert, ausschließlich Gott. Sein Herz ruht in Gott, und steht um seinetwillen allen Menschen offen. Ihnen gibt er sich hin, und von ihnen darf er sich auch eine aufrichtige Freundschaft erhoffen. Wir können den Priestern – vor allem jenen, die allein oder in besonders schwierigen Situationen leben – durch viele Kleinigkeiten unsere Dankbarkeit und Wertschätzung zeigen. Zwar findet der Priester in seinem Bischof und in seinen Mitbrüdern oder, wenn er Mitglied eines Ordens ist, in seinen Oberen und Brüdern eine echte Familie, doch sollte er auch die Nähe und Herzlichkeit der Gläubigen erfahren, deren Wege Gott ihn kreuzen lässt.

Der Priester seinerseits ist per definitionem ein Mann der Dankbarkeit. Er weiß sich von Gott gesegnet. In allem erkennt er seine liebevolle Hand, und deshalb dankt er ihm für alles und flößt in allem Vertrauen ein. Wie könnte man Priester und nicht zugleich auch Werkzeug des Friedens sein? Der wahre Priester vermag nicht nur zu danken, sondern ist bereit, sich für das Wohl der anderen zu erniedrigen und als Erster seine eigenen Fehler einzugestehen, weil er weiß, dass er nur ein Werkzeug ist. Er hat den Auftrag, eine Brücke zu Gott oder, wie wir vielleicht sogar sagen könnten, ein Teppich zu sein, den die Menschen auf ihrem Weg zum Himmel betreten. Und deshalb bemüht sich der Priester um jene Menschlichkeit, die den Seelen hilft, die Liebe Christi zu entdecken: Respekt, Güte und kleine Aufmerksamkeiten, die so authentisch und liebevoll sind, wie sein Meister es ihm vorgelebt hat.

4. Bereitschaft, Initiative und Gehorsam

Und noch etwas ganz Konkretes können wir in diesem Jahr des Priesters tun: Wir können uns den Priestern – zum Beispiel dem eigenen Pfarrer – zur Verfügung stellen und sie, soweit uns das möglich ist, überall dort unterstützen, wo Not am Mann ist. Das bedeutet zunächst einmal, dass wir ihre Weisungen gerne annehmen und uns engagiert an den Initiativen der Gemeinde und der Diözese beteiligen. Es bedeutet aber auch, dass wir nicht abwarten, bis sie uns um Hilfe bitten, sondern selbst die Initiative ergreifen, ihnen zuvorkommen und uns anbieten, auf die eine oder andere Weise in den geistlichen, seelsorglichen oder materiellen Belangen der Pfarrei oder der Gläubigen mitzuarbeiten.


5. Die Bewegung Regnum Christi in den Dienst der Priester stellen

Wenn wir uns den Priestern zur Verfügung stellen, können wir ihnen gleichzeitig auch das Charisma anbieten, das Gott uns geschenkt hat. Gott hat uns dieses Geschenk nicht nur zu unserem persönlichen Weiterkommen gemacht, sondern damit wir der Kirche und allen Menschen dienen. Unsere Spiritualität, unsere Methodik, die Bildungsmittel, die Apostolate und Einrichtungen müssen zum Wohl der Kirche beitragen und die Priester bedingungslos unterstützen. Wir möchten dieses Geschenk, mit dem wir unseren Mitmenschen dienen wollen, vorbehaltlos mit ihnen teilen.

Hoffentlich helfen Ihnen diese Vorschläge, und hoffentlich können Sie sie in Rücksprache mit Ihren Sektionsleitern so umsetzen, dass sie in jeder Situation jeweils die bestmöglichen Früchte bringen. In einigen Ländern verfügen wir bereits über Priesterzentren, die in dieser Richtung viel Gutes bewirken. Sie können sich an diese Zentren wenden, um Hilfe zu erhalten oder sich an ihren Initiativen zu beteiligen. Leben wir diese Zeit in der Kongregation und in der Bewegung als ein Jahr des intensiven Gebets, der Demut, der Buße und der Liebe!

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch einmal für Ihr Zeugnis und für alles danken, was Sie für Christus und für die Kirche tun. Ich bitte Maria, dass sie Sie segnet und dass wir alle auf ihre Fürsprache ihren Sohn täglich besser kennen und lieben lernen dürfen. Ich schließe Sie in meine Gebete ein!

Herzlichst in Christus Ihr

Álvaro Corcuera LC

(Übersetzung des spanischsprachigen Originals)


P. Álvaro zum „Jahr des Priesters”

P. Álvaro zum „Jahr des Priesters”

Am Fest der Engel Michael (besonderer Schutzpatron der Kongregation), Gabriel und Rafael veröffentlichen wir einen weiteren Brief des Generaldirektors.

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An alle Mitglieder und Freunde der Bewegung
Regnum Christi zum von Papst Benedikt XVI.
eröffneten „Jahr des Priesters”


19. Juni 2009
Fest des Heiligsten Herzens Jesu

Liebe Freunde in Christus!

wie gerne schreibe ich Ihnen immer wieder, um mich gemeinsam mit Ihnen darüber zu freuen, dass wir eine große, in Christus geeinte Familie sind. Wir befinden uns zurzeit in einem sehr intensiven Abschnitt des Kirchenjahrs. Nach Pfingsten, dem Dreifaltigkeitssonntag und Fronleichnam begehen wir heute schon wieder ein Hochfest: das Fest des Heiligsten Herzens Jesu, das uns in besonderer Weise daran erinnert, wie sehr Christus jeden Einzelnen von uns liebt. Gott gießt seine Gnade unablässig und im Übermaß in unsere Seelen ein, und deshalb wollen wir dankbar und großzügig sein. Bitten wir ihn also in aller Demut um ein Herz, das dem seinen immer ähnlicher wird – mit jenem schönen Gebet der Kirche: „Heiliges Herz Jesu, bilde mein Herz nach deinem Herzen.”

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, weil ich mit Ihnen über das „Jahr des Priesters” nachdenken möchte, das der Papst ausgerufen hat. Es beginnt genau heute, mit dem Herz-Jesu-Fest, und steht unter dem Motto: „Treue Christi, Treue des Priesters”. Was bedeutet das für uns? Wie wirkt sich dieses Priesterjahr auf unser Leben aus?

Anlass für dieses besondere Ereignis ist der 150. Todestag des heiligen Johannes Maria Vianney, den Benedikt XVI. zum Patron aller Priester der Welt ernennen wird. Das Besondere an diesem Priester, der schlicht als der „Pfarrer von Ars” bekannt geworden ist, war, dass er sich für die Rettung der Seelen förmlich aufgerieben hat. Schon als Jugendlicher – noch vor seinem Eintritt ins Priesterseminar – sagte er zu sich: „Wenn ich Priester wäre, könnte ich viele Seelen für Gott gewinnen.” Das war sein großer Traum. Über vierzig Jahre lang wirkte er als Pfarrer in dem kleinen Dörfchen Ars, und dieser Aufgabe widmete er sich mit ganzer Hingabe, predigte, erzog seine Pfarrkinder im Glauben und übte praktische Nächstenliebe. Vor allem aber spendete er die Sakramente. Bis zu zwölf Stunden verbrachte er an einem gewöhnlichen Tag im Beichtstuhl, und Gott allein weiß, wie viele Wunder und Bekehrungen dort stattgefunden haben.

Das große Geheimnis des Pfarrers von Ars war seine Liebe zu Gott. Immer hielt er den Blick fest auf den Himmel gerichtet, und tröstend schrieb er an einen seiner Vettern: „Was für eine göttliche Glückseligkeit! Den guten Jesus zu sehen, der uns so sehr geliebt hat und uns so glücklich machen wird”. Wenige Stunden vor seinem Tod soll er gesagt haben: „Wie gut ist Gott; wenn wir nicht mehr zu ihm gehen können, kommt er zu uns.” Sein ganzes Leben lang ist er „auf Gott zugegangen” – und hat unzählige Menschen mitgenommen.

Wir dürfen Gott wirklich von ganzem Herzen danken, denn er ist auch heute in unserem Leben gegenwärtig und erhellt unseren Weg durch das Zeugnis vieler heiliger Priester. Es ist ein großes Geheimnis, dass er uns seine Gnade durch menschliche Werkzeuge hat vermitteln wollen. Denken Sie einmal darüber nach: jeder von uns hat das Geschenk der Gotteskindschaft und unseren Glauben in der Taufe durch einen Priester empfangen! Jedes Mal, wenn wir uns in der Beichte mit Gott versöhnen und unsere Freundschaft mit ihm erneuern wollen, ist es ein Priester, der im Namen Christi zu uns sagt: „Ich spreche dich los von deinen Sünden …” Nur der Priester hat die Vollmacht, die Worte Jesu beim Letzten Abendmahl nachzusprechen, damit sich auf unblutige Weise das Kreuzesopfer vergegenwärtigt und Brot und Wein in den Leib und das Blut des Herrn gewandelt werden. Wenn wir wissen wollen, wie wertvoll ein Priester eigentlich ist, müssen wir uns nur fragen, wie unser Leben ohne Priester aussähe. Die Priester sind unsere Brücke zu Gott! Der Pfarrer von Ars hat gesagt: „Der Priester ist etwas Großes. Das wird man erst im Himmel verstehen. Wenn man es schon hier auf Erden verstünde, würde man sterben – nicht vor Schreck, sondern vor Liebe.”

Diejenigen von uns, die diese Berufung empfangen haben, wissen, dass die Größe des Priestertums reines, ungeschuldetes Geschenk Gottes ist. Wir haben es nicht im Mindesten verdient, im Gegenteil: Uns ist bewusst, dass Gott uns berufen hat, obwohl wir genauso schwach und klein sind wie alle Menschen. Wir spüren das Missverhältnis zwischen dem, was wir sind – Menschen, zerbrechliche Geschöpfe – und dem, was wir repräsentieren – Gott selbst; zwischen unseren begrenzten Kräften und Fähigkeiten und der übernatürlichen Sendung, die uns aufgetragen ist. Mit dem heiligen Paulus können wir sagen: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt” (2 Kor 4,7). Wir sind, wie es im Hebräerbrief heißt, aus den Menschen ausgewählt und zum Dienst vor Gott für die Menschen eingesetzt (vgl. Hebr 5,1). Doch die Worte Christi geben uns Vertrauen und Licht: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt […]. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt” (Joh 15,1516). Wir wissen, dass wir treu sein können, weil Jesus Christus treu ist und sein Wort hält und weil wir mit seiner Gnade, seiner Hilfe und seiner Barmherzigkeit rechnen dürfen. Er ist der treue Freund. Wie Papst Johannes Paul II. so treffend zu uns gesagt hat: „Habt Vertrauen zu Jesus Christus, dass er euch nicht verlässt, dass er euren Dienst trägt, auch wo ihr äußerlich nicht sofort Erfolg seht. Glaubt ihm, dass er zwar alles von euch erwartet, aber eben so, wie ein Freund es von seinen Freunden erwartet” (Predigt in der hl. Messe für die Priester und Seminaristen im Dom zu Fulda, 17. November 1980).

Der Priester muss wie eine Tür sein, die immer für alle offensteht; er muss zuhören können, von ganzem Herzen für jeden Menschen da sein, jedem die nötige Zeit widmen und alle so lieben und annehmen wie Jesus Christus selbst. Er gibt nicht nur seine Zeit, sondern sein Leben, und das ohne jede Einschränkung. Der Dienst am Nächsten ist sozusagen das Martyrium, zu dem er berufen ist. Eine einzige Seele ist für den Priester jeder Mühe wert. Die Welt braucht Christus. Wir alle brauchen ihn, weil nur mit ihm unser Leben, unser tägliches Streben, unsere Freuden und unsere Kämpfe einen Sinn haben. Deshalb will Gott heilige Priester, die uns helfen, Christus zu begegnen. Der Papst hat das Jahr des Priesters ausgerufen, „um dieses Streben der Priester nach geistlicher Vollkommenheit, von dem die Wirksamkeit ihres Dienstes entscheidend abhängt, zu unterstützen” (Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung der Kongregation für den Klerus, 16. März 2009). Auch hier klingen wieder jene Worte nach, mit denen Christus seine Apostel einlädt, in seiner Liebe zu bleiben, seine Gebote zu halten und vereint mit dem Rebstock reiche Frucht zu bringen (vgl. Joh 15,110). Nur wenn er dieser Einladung nachkommt, kann der Priester das Bild des Guten Hirten in seinem Leben Wirklichkeit werden lassen, der gütig und demütig ist, dessen Joch nicht drückt und dessen Last leicht ist (vgl. Mt 11,2930). Nur dann kann er sich bedingungslos einsetzen, ohne einen anderen Lohn als das Heil der Seelen zu erwarten. Und nur dann kann sich in seinem Leben die Gegenwart des Heiligen Geistes spiegeln, dessen Früchte den Christen auszeichnen: „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung” (Gal 5,2223). In der Gewissenerforschung neu gelesen, weist dieser Text uns Christen in die richtige Richtung. Diese Früchte sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Heilige Geist in unseren Herzen wohnt. Sie dienen jedoch nicht unserem Eigennutz, sondern sind dazu da, dass wir sie selbstlos mit unseren Mitmenschen teilen und nicht müde werden, Gutes zu tun.

Wir könnten annehmen, dass diese Berufung ausschließlich den Priestern gilt, doch sie ist eine Chance für alle Christen. Wir alle dürfen uns dieser Wirklichkeit bewusst werden und uns fragen, wie wir dazu beitragen können, dass es immer mehr Priester und immer heiligere Priester gibt. Für uns als Mitglieder des Regnum Christi ist diese Initiative des Heiligen Vaters ein Wunsch Christi selbst. Die Bewegung Regnum Christi „existiert allein dazu, einerseits der Kirche und ihren Hirten und andererseits durch die Kirche den Menschen zu dienen” (Mitgliederhandbuch des Regnum Christi, 11). Über heilige Priester verfügen zu können ist ganz sicherlich eines der dringendsten Bedürfnisse unserer geliebten Kirche. Deshalb möchte ich Ihnen ein paar Vorschläge machen, wie wir alle uns einzeln, in der Familie, in der Gemeinde oder in den Zentren und Einrichtungen des Regnum Christi an diesem Jahr beteiligen können.

Erstens und ganz besonders möchte ich die Jugendlichen des Regnum Christi einladen, an ihrem Wohnort eine monatliche „Eucharistische Stunde” zu organisieren, um vor dem Allerheiligsten für die Priester und die Berufungen zu beten. Das wäre eine wundervolle Gelegenheit, ähnlich wie morgens zu Beginn der Heiligen Messe unsere Anliegen, aber auch unsere Sünden und Fehler vertrauensvoll vor den Herrn zu tragen und ihn um Vergebung und Erbarmen zu bitten. Es wäre sehr gut, wenn Sie mit Ihren Familien an dieser Aktivität teilnähmen, denn das gemeinsame Gebet hat eine ganz besondere Kraft. Es wäre ebenfalls sehr gut, wenn Sie andere Freunde und Bekannte dazu einladen könnten. Die Anbetungsstunden sollten möglichst in einer Pfarrkirche abgehalten werden, weil diese Gnade dann auch anderen Gläubigen zugutekommt und wir so die Arbeit unserer Pfarrer unterstützen. Gott will, dass wir eine neue Tradition begründen, die uns ganz ohne Zweifel helfen wird, unserem Herrn näher zu sein und reichen Segen für die ganze Kirche zu erwirken.

Dieses Jahr des Priesters wird zudem eine großartige Gelegenheit sein, die Attraktivität der priesterlichen Berufung deutlich zu machen und die Jugendlichen für einen möglichen Ruf Gottes zu öffnen. Wir wissen, dass dies nicht allein die Aufgabe der Bischöfe und Priester ist: Auch die Laien können und müssen effektiv dazu beitragen, dass eine Seele die Stimme Christi wahrnimmt, der sie in seine Nachfolge ruft. De facto ist dies in der Kirche und im Regnum Christi bereits Wirklichkeit geworden. Viele von Ihnen nehmen bereits an den Berufungs-Aktionskreisen oder am Programm Anbetung für Berufungen teil. Die Arbeit der Vollzeitkatecheten ist auch ein gutes Beispiel, denn ihnen ist es zu verdanken, dass Gott Jahr für Jahr einige Diözesanseminare mit Dutzenden von Berufungen segnet. Zudem haben viele Jugendliche der Bewegung bereits an Aktivitäten zur Berufungsorientierung teilgenommen und bemühen sich, mit der Hilfe ihres geistlichen Leiters herauszufinden, was Gott für ihr Leben will. Ich bin ganz sicher, dass die Initiativen zur Berufungsförderung sich im Kontext dieses Priesterjahres noch vervielfachen werden. Nicht umsonst hat der Papst seiner Botschaft zum Weltgebetstag für geistliche Berufungen, den wir am vierten Sonntag der Osterzeit begangen haben, einen so hoffnungsfrohen Titel gegeben: „Das Vertrauen in die Initiative Gottes und die menschliche Antwort”.

Des Weiteren möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass wir auch für diejenigen etwas tun können, die bereits Priester sind. Die Mitglieder des Regnum Christi müssen sich dadurch auszeichnen, dass sie jedem Priester, der ihnen begegnet, Halt und Hilfe sind – sei es nun der eigene Pfarrer, ein Freund der Familie, ein Priester der Legionäre oder einer anderen Kongregation oder kirchlichen Gemeinschaft oder ein bedürftiger Priester, der unsere größere Nähe und Güte braucht. Wir tun dies vor allem deshalb, weil jeder Priester „ein zweiter Christus”, das heißt durch die Handauflegung mit Christus eins geworden und bevollmächtigt ist, nicht nur im Namen Christi, sondern in persona Christi zu handeln. Christus selbst handelt durch ihn. Wenn wir einem Priester dienen, dienen wir also Christus selbst.

1. Gebet und Opfer für die Heiligung der Priester

Neben der bereits vorgeschlagenen Initiative können wir alle unsere Gebete und Opfer für die Treue und Heiligkeit aller Priester verstärken, denn wir wissen, dass Gott die Bitten, die wir gläubig an ihn richten, erhört. Das ist ein Punkt, der unser christliches Leben ganz wesentlich tangiert und deshalb in unseren Gebetsanliegen auf keinen Fall fehlen darf. Dieser nur scheinbar unmerkliche Beitrag ist für uns Priester eine Quelle der Kraft und unzähliger Gottesgnaden. Die vatikanische Kongregation für den Klerus fördert dieses authentische Apostolat des Gebets mit großem Nachdruck und verweist auf das Mittel der „geistlichen Adoption”, bei der eine Person sich verpflichtet, für einen bestimmten Priester zu beten. Normalerweise tun dies die Ordensleute – und wie sehr helfen uns ihre Bitten! –, doch diese Methode, den Priestern zu helfen, ist auch für die Laien geeignet. Ich lade Sie zudem ein, sich über die Ablässe zu informieren, die der Heilige Vater in einem Dekret der Apostolischen Pönitentiarie für dieses Jahr des Priesters gewährt; dies sind besondere Gelegenheiten, um von Gott Gnaden zu erwirken.

Wir wollen in all unseren Gebeten vor allem darum bitten, dass die Priester Männer des Gebets sind, denn ein Priester ist immer so gut wie sein Gebet. Im Gebet wird sich der Priester darüber klarer, wer er ist und das Gebet macht ihn priesterlicher. Versuchen wir deshalb, so viel Zeit wie irgend möglich bei Jesus Christus vor dem Tabernakel zu verbringen. Die Eucharistiefeier muss die Mitte unseres Tages und der Stempel unseres Lebens sein. Christus in unseren Händen zu halten und ihn in unserem Herzen zu empfangen ist das größte Geschenk, das man uns machen kann. Deshalb wollen wir uns nach der Kommunion freudig und ohne Hast eine Zeit der Stille gönnen, um Dank zu sagen für die Speise des Heils und den Schatz unseres Lebens, den wir selbst empfangen und an unsere Brüder und Schwestern ausgeteilt haben.

Wenn ich an die Briefe zurückdenke, die Johannes Paul II. an die Priester geschrieben hat, fällt mir auf, wie sehr er uns vor der Gefahr der Verweltlichung und Säkularisierung gewarnt hat. In einem dieser Briefe heißt es: „Das Gebet kennzeichnet den wesentlichen Stil des Priestertums; ohne das Gebet verformt sich dieser Stil. Das Gebet hilft uns, jenes Licht immer wiederzufinden, das uns seit Beginn unserer priesterlichen Berufung geführt hat und das uns unablässig weiterführt, auch wenn es sich zuweilen im Dunkel zu verlieren scheint. Das Gebet befähigt uns, stets umzukehren und im Zustand der ständigen Spannung auf Gott hin zu verharren – einem Zustand, der unerlässlich ist, wenn wir die anderen Menschen zu ihm bringen wollen. Das Gebet hilft uns zu glauben, zu hoffen und zu lieben, auch wenn unsere menschliche Schwäche uns im Weg steht” (Brief an die Priester, Gründonnerstag 1979, 10)

2. Liebe

Die Liebe ist das Erkennungszeichen des Christen und die grundlegende Tugend im Geist des Regnum Christi. Der Priester muss ein Mann sein, der liebt und Gutes tut; der versteht und seinen gefallenen, kranken oder einsamen Geschwistern zu Hilfe eilt; der sich freut, wenn er sieht, wie seine Mitmenschen wachsen und er selbst abnimmt (vgl. Joh 3,30). Der Priester macht mit seiner Liebe das wieder gut, was seine Sünden und die Sünden aller Menschen dem Herzen Christi getan haben. Wenn die Seelen im Bußsakrament, der Beichte, Christus begegnen, ist er ein Werkzeug der Versöhnung; doch gleichzeitig weiß er, dass er selbst ein schwacher Mensch und auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen ist. Gerade wir Priester haben es nötig, um Vergebung zu bitten: für die Sünden der Gläubigen und, die jedes Einzelnen von uns Priestern! Gott hat uns so reich beschenkt, dass es uns unendlich schmerzt, wenn wir den Anforderungen nicht gerecht geworden sind, wenn wir das Bild Christi durch unsere Sünden getrübt oder nicht im Einklang mit unserem Priestertum gelebt haben. Deshalb beenden wir Abend für Abend unseren Tag vor dem Bild des gekreuzigten Christus und beten den Psalm Miserere: „Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld” (Ps 51). Unsere Wiedergutmachung besteht darin, das Leben für Gott und für unsere Mitmenschen hinzugeben und unermüdlich Gutes zu tun. Der Priester kämpft von ganzem Herzen darum, die Barmherzigkeit Gottes immer besser kennen zu lernen und diese Erfahrung der göttlichen Güte dann wie ein Spiegel im Sakrament der Versöhnung an seine Brüder und Schwestern weitergeben zu können. Er weiß selbst, dass er dies nicht seinen persönlichen Bemühungen, sondern der grenzenlosen Liebe Gottes verdankt. Für einen Priester ist es das Größte, wenn er am Ende seines Lebens sagen kann, dass er ein treues Werkzeug gewesen ist und dass durch ihn viele Menschen den Weg zum Himmel gefunden haben. Deshalb fördert der Priester die guten Werke seiner Mitmenschen. Ihre Freude lässt die Schönheit unseres christlichen Glaubens und unserer Weihe an Jesus noch heller erstrahlen.

In einer nicht selten aggressiven Welt sind die Liebe und die Benedizenz für uns eine echte Herausforderung. Wir sind in besonderer Weise dazu berufen, ganz objektiv den guten Ruf der Priester zu verbreiten, die berechtigte Achtung vor ihrem Stand zu fördern und ihre Tugenden zu würdigen. Wie Cláudio Kardinal Hummes kürzlich in einem Interview gesagt hat, handelt es sich darum, „den Priestern die Botschaft zu überbringen, dass die Kirche sie liebt, sie achtet, sie bewundert und stolz auf sie ist” (Zenit, 3. Juni 2009).

3. Nähe, Dankbarkeit und Freundschaft

Der Priester gehört, daran hat uns Papst Benedikt XVI. am Gründonnerstag dieses Jahres erinnert, ausschließlich Gott. Sein Herz ruht in Gott, und steht um seinetwillen allen Menschen offen. Ihnen gibt er sich hin, und von ihnen darf er sich auch eine aufrichtige Freundschaft erhoffen. Wir können den Priestern – vor allem jenen, die allein oder in besonders schwierigen Situationen leben – durch viele Kleinigkeiten unsere Dankbarkeit und Wertschätzung zeigen. Zwar findet der Priester in seinem Bischof und in seinen Mitbrüdern oder, wenn er Mitglied eines Ordens ist, in seinen Oberen und Brüdern eine echte Familie, doch sollte er auch die Nähe und Herzlichkeit der Gläubigen erfahren, deren Wege Gott ihn kreuzen lässt.

Der Priester seinerseits ist per definitionem ein Mann der Dankbarkeit. Er weiß sich von Gott gesegnet. In allem erkennt er seine liebevolle Hand, und deshalb dankt er ihm für alles und flößt in allem Vertrauen ein. Wie könnte man Priester und nicht zugleich auch Werkzeug des Friedens sein? Der wahre Priester vermag nicht nur zu danken, sondern ist bereit, sich für das Wohl der anderen zu erniedrigen und als Erster seine eigenen Fehler einzugestehen, weil er weiß, dass er nur ein Werkzeug ist. Er hat den Auftrag, eine Brücke zu Gott oder, wie wir vielleicht sogar sagen könnten, ein Teppich zu sein, den die Menschen auf ihrem Weg zum Himmel betreten. Und deshalb bemüht sich der Priester um jene Menschlichkeit, die den Seelen hilft, die Liebe Christi zu entdecken: Respekt, Güte und kleine Aufmerksamkeiten, die so authentisch und liebevoll sind, wie sein Meister es ihm vorgelebt hat.

4. Bereitschaft, Initiative und Gehorsam

Und noch etwas ganz Konkretes können wir in diesem Jahr des Priesters tun: Wir können uns den Priestern – zum Beispiel dem eigenen Pfarrer – zur Verfügung stellen und sie, soweit uns das möglich ist, überall dort unterstützen, wo Not am Mann ist. Das bedeutet zunächst einmal, dass wir ihre Weisungen gerne annehmen und uns engagiert an den Initiativen der Gemeinde und der Diözese beteiligen. Es bedeutet aber auch, dass wir nicht abwarten, bis sie uns um Hilfe bitten, sondern selbst die Initiative ergreifen, ihnen zuvorkommen und uns anbieten, auf die eine oder andere Weise in den geistlichen, seelsorglichen oder materiellen Belangen der Pfarrei oder der Gläubigen mitzuarbeiten.


5. Die Bewegung Regnum Christi in den Dienst der Priester stellen

Wenn wir uns den Priestern zur Verfügung stellen, können wir ihnen gleichzeitig auch das Charisma anbieten, das Gott uns geschenkt hat. Gott hat uns dieses Geschenk nicht nur zu unserem persönlichen Weiterkommen gemacht, sondern damit wir der Kirche und allen Menschen dienen. Unsere Spiritualität, unsere Methodik, die Bildungsmittel, die Apostolate und Einrichtungen müssen zum Wohl der Kirche beitragen und die Priester bedingungslos unterstützen. Wir möchten dieses Geschenk, mit dem wir unseren Mitmenschen dienen wollen, vorbehaltlos mit ihnen teilen.

Hoffentlich helfen Ihnen diese Vorschläge, und hoffentlich können Sie sie in Rücksprache mit Ihren Sektionsleitern so umsetzen, dass sie in jeder Situation jeweils die bestmöglichen Früchte bringen. In einigen Ländern verfügen wir bereits über Priesterzentren, die in dieser Richtung viel Gutes bewirken. Sie können sich an diese Zentren wenden, um Hilfe zu erhalten oder sich an ihren Initiativen zu beteiligen. Leben wir diese Zeit in der Kongregation und in der Bewegung als ein Jahr des intensiven Gebets, der Demut, der Buße und der Liebe!

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch einmal für Ihr Zeugnis und für alles danken, was Sie für Christus und für die Kirche tun. Ich bitte Maria, dass sie Sie segnet und dass wir alle auf ihre Fürsprache ihren Sohn täglich besser kennen und lieben lernen dürfen. Ich schließe Sie in meine Gebete ein!

Herzlichst in Christus Ihr

Álvaro Corcuera LC

(Übersetzung des spanischsprachigen Originals)

 

Der Priester muss ein Mann sein, der liebt und Gutes tut; der versteht und seinen gefallenen, kranken oder einsamen Geschwistern zu Hilfe eilt; der sich freut, wenn er sieht, wie seine Mitmenschen wachsen und er selbst abnimmt (vgl. Joh 3,30).

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Dienstag, 29. September 2009

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