Donnerstag, 25. November 2010

Zum Hochfest Christkönig 2010


Aus Anlass des Christkönigsonntages am Ende des liturgischen Jahres schrieb P. Álvaro Corcuera diesen Brief an die Mtglieder und Freunde der Bewegung Regnum Christi.

P. Álvaro Corcuera LC, der Generaldirektor der Legion Christi und der Bewegung Regnum ChristiAn die Mitglieder und Freunde des Regnum Christi anlässlich des Christkönigsfestes

Rom, den 21. November 2010

Liebe Freunde in Christus,

wie es schon Tradition im Regnum Christi ist, gibt uns die Feier des Christkönigsfestes die Gelegenheit, dieses Ereignis im Kreis unserer geistigen Familie zu erleben. Mit diesem Brief möchte ich Sie herzlich grüßen. Ich bete für Sie alle.

Dieses Jahr durften wir auf die Nähe des Heiligen Vaters durch die Ernennung seines Delegaten, Kardinal Velasio de Paolis, zählen. Zweifellos war seine Gegenwart bei uns ein wahrer Segen Gottes. In seinem ersten an die Legionäre und gottgeweihten Mitglieder gerichteten Brief schrieb er uns, dass diese Arbeit der Überprüfung und Erneuerung auf einem soliden Gebetsleben und auf der Suche nach der Heiligkeit durch die Treue zu Jesus Christus gründen muss, und er lud uns ein, uns „in der Treue zu Jesus, dem König der Könige, der Alles in unserem Leben ist“, zu bewahren (Brief vom 10. Juli 2010).

Gott ruft uns, täglich seine liebende Hand hinter unserer Berufung zu sehen, die „vom Herzen Jesu, von seiner Liebe, kommt. Der, der sein Werk im Herzen jedes einzelnen von uns begonnen hat, der, der euch vor den Gefahren bewahrt hat, die euch bedrohten, möchte es zu Ende führen“ (ebd.). Uns steht ein Weg bevor, den wir vertrauensvoll, mutig und geduldig gehen müssen; Darauf hat Kard. de Paolis Wert gelegt. Vor allem aber sollen wir aufrichtig nach der Heiligkeit streben.

Das heutige Evangelium zeigt uns den gekreuzigten Jesus, der von den Vorübergehenden verschmäht und von den Soldaten und einem der Schächer, den dasselbe Los erwartet, beleidigt wird. Aber in dieser völligen Demütigung bleibt er doch König, und in seiner unendlichen Majestät und Güte ist er fähig zu vergeben und den „reumütigen Schächer“, der ihn als seinen Erlöser erkennt und um seine Barmherzigkeit fleht, in sein Reich aufzunehmen. Wie sehr lenkt diese Szene uns auf jene Worte hin, die Jesus im Evangelium zu uns gesagt hat: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch uns lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ (Mt 11,2830)

Dreierlei erbittet Christus von uns: „Kommt“, „nehmt auf euch“ und „lernt“. Bei diesen drei Punkten würde ich gerne kurz innehalten. Auf seiner Reise nach Großbritannien formulierte der Heilige Vater gegenüber den Jugendlichen, die vor der Kathedrale von Westminster zusammen gekommen waren, einen wunderschönen Gruß. Seine Worte können uns helfen, die drei von Christus erbetenen Handlungen etwas zu erhellen.

1. „Kommt“

Jesus lädt uns dazu ein, bei ihm zu sein und ihn besser kennen zu lernen: „Jesus ist immer dort; ruhig wartet er auf uns, dass wir still werden bei ihm und seine Stimme hören. In der Tiefe eures Herzens ruft er euch, dass ihr Zeit mit ihm verbringt im Gebet. […] Oft bedeutet es zu warten, dass der Herr spricht. Auch inmitten der Geschäftigkeit und dem Stress unseres Alltags müssen wir Raum schaffen für Stille, denn in der Stille geschieht es, dass wir Gott finden, und in der Stille geschieht es, dass wir unser wahres Selbst entdecken.“ (Papst Benedikt XVI, Gruß an die Jugendlichen in der Kathedrale von Westminster). Christus klopft zu jeder Zeit bei uns an, möchte eintreten und bei uns bleiben. Durch die Taufe wohnt er bereits in unserer Seele, doch täglich hofft er darauf, dass wir ihm Schritt für Schritt die Tür zu unserem Herzen weiter öffnen. Er respektiert unsere Freiheit, wie es mit so schönen Worten die Verse von Lope de Vega beschreiben: „Was habe ich, dass du meine Freundschaft willst? Was erhoffst du dir von mir, dass du ganze dunkle Winternächte vor meiner taubedeckten Tür ausharrst?“

Die Feier von Christkönig erinnert uns daran, worin der Mittelpunkt und der einzige Grund unserer Sendung als Christen besteht: Uns ganz auf den zu fokussieren, der unserer täglichen Hingabe ihren Sinn gibt. So bitten wir Christus unseren König darum, stets der Herr und König unseres Lebens, unserer Familien, unserer Kirche und des Regnum Christi zu sein. Ihn herrschen zu lassen ist der kürzeste und sicherste Weg zum inneren Frieden. So begreifen wir, was wir im tiefsten Herzen wissen: dass wir mehr an ihn denken sollen, als an uns selbst; mehr über ihn sprechen sollen und weniger über uns – sei es auf persönlicher oder auf institutioneller Ebene. Letztlich wissen wir, dass die einzige Quelle zu unserm Glück in seiner Liebe besteht. Alles andere vergeht, doch seine Liebe bleibt, breitet sich aus, verwandelt und erneuert alles durch ihre sanfte Gegenwart. Konkret bitte ich Gott in diesem Sinne darum, dass dieses „Kommt“ für einen jeden von uns die Einladung zu einer größeren Liebe zu Christus in der Eucharistie bedeutet: Also mehr Zeit an seiner Seite zu verbringen.

2. „Nehmt auf euch“

Aus der Begegnung mit Jesus Christus erwächst in uns die Notwendigkeit, sein Leben weiterzugeben, sein Joch auf uns zu nehmen: denn es befreit uns von der Sklaverei des Egoismus und seiner Folge, der Sünde. In dieser Begegnung erkennen wir auch, wer wir sind, und „wenn wir unser wahres Ich entdecken, dann entdecken wir die spezifische Berufung, zu der Gott uns für den Aufbau der Kirche und für die Erlösung der Welt ruft“ (vgl. Papst Benedikt XVI, Gruß an die Jugendlichen). Das erfuhren die ersten Jünger. Das Evangelium berichtet uns, dass Jesus die zu sich rief, die er bei sich haben wollte, um sie danach zum Predigen auszusenden (vgl. Mk 3, 1314). In diesem täglichen Kontakt mit Jesus, beim Zuschauen, wie er das Evangelium predigte, wie er die Kranken heilte, wie er sich rückhaltlos seinen „Schafen“ hingab, da lernten die Apostel, was es heißt, das Joch Christi auf sich zu nehmen. In der Eucharistie werden wir mit Christus und mit unseren Brüdern und Schwestern eins. Und dort wird auch offensichtlich, dass wir einen einzigen Leib, ein Herz und eine Seele bilden. Dort lassen wir unsere Schwierigkeiten, unsere Verschiedenheiten, unser Ermüden, Zweifel, Ängste, Freuden und Trostlosigkeiten zurück.

Christus ist das Zentrum unserer Leben, die Leidenschaft unserer Herzen; Er ist es, der unserem missionarischen Eifer Sinn verleiht. Der Daseinsgrund unserer Sendung ist es, Christus zu predigen, mit unserem Wort und Beispiel. Sogar die Nächstenliebe, das Herzstück unserer Spiritualität, ist eine Schlussfolgerung aus unserer Betrachtung Christi und aus unserer Begegnung mit Ihm in den Sakramenten und im Gebet. Dabei handelt es sich nicht um unser Bemühen, sondern darum, dass wir eben diese Liebe annehmen, die Er uns vorlebt und schenkt; die Liebe, die er uns in der Menschwerdung entgegengebracht hat. Alles läuft hier zusammen, wie uns die heilige Theresia vom Kinde Jesu erinnerte, als sie auf der Suche danach war, zu welcher Berufung Gott sie wohl rief: „Die Nächstenliebe gab mir den Schlüssel zu meiner Berufung. Mir wurde klar, dass – wenn die Kirche einen Leib hatte, der sich aus unterschiedlichen Gliedern zusammensetzte – dass dann das am meisten Notwendige nicht fehlen durfte, das vornehmste von allen. Mir wurde bewusst, dass die Kirche ein Herz besaß, und dass dieses Herz vor Liebe brannte. Ich verstand, dass nur die Liebe die Glieder der Kirche zum Handeln bringen konnte; dass, falls die Liebe eingehen würde, die Apostel kein Evangelium mehr verkünden und sich die Märtyrer weigern würden, ihr Blut zu vergießen. Mir wurde klar, dass die Liebe in sich alle Berufungen vereinte, dass die Liebe alles war und in sich alle Zeiten und Orte umfasste… Mit einem Wort: die Liebe ist ewig! Danach, auf dem Höhepunkt meiner Freude, rief ich aus: Jesus, meine Liebe…, endlich habe ich meine Berufung ausfindig gemacht! Meine Berufung ist die Liebe…!“ (autobiographische Manuskripte).

Von dieser Berufung zur Liebe her rühren auch die Früchte, die der heilige Paulus in seinem Brief an die Kolosser erwähnt: „Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde und Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ (Kol 3, 1213). Dies ist das Geheimnis wahrer Freiheit und inneren Friedens. Daran werden sie erkennen, dass wir Jünger Christi sind.

3. „Lernt“

Durch diese Gemeinschaft mit Christus im Gebet und im Alltag beginnen wir, von ihm zu lernen; Unsere Lebensweise, unsere Maßstäbe und unsere Beziehungen zum Nächsten werden langsam so, wie Christus sie haben möchte. So entdecken wir – das hat der Papst den Jugendlichen bei dem oben erwähnten Gruß ebenfalls gesagt –, dass wir dazu erschaffen wurden, „Liebe zu geben, die Liebe zu dem zu machen, was all unser Tun inspiriert, zum Beständigsten in unserem Leben“ (Papst Benedikt XVI, Gruß an die Jugendlichen). Als Jesus im Evangelium gefragt wird, ob er ein König sei, belehrt er uns darüber, dass sein Königtum weder in zeitlicher Macht noch Heldentum, Erfolgen oder menschlichen Triumpfen besteht. Um das zu erkennen, genügt es, ihn am Kreuz hängen zu sehen.

Der Christ herrscht dadurch, dass er der Diener aller ist. Christus ist großherzig und vergibt allen und jedem. In diesem Sinn möchte ich auch Sie, während wir Momente durchleben, die Gott für die Legion Christi und die Bewegung zulässt, um Vergebung dafür bitten, dass ich durch meine Persönlichkeit, meine Irrtümer und Fehler Ihr Kreuz schwerer machte. Wie sehr wünsche ich mir, Sie auf dem Kreuzweg zu begleiten, den Gott in Ihrem Leben erlaubt! Ich bitte den Herrn um Erbarmen und darum, dass er aus den menschlichen Mängeln ein höheres Gut hervorgehen lassen möge; und dass er uns beibringe, gute Simon von Zyrene zu sein, die einander helfen, das Kreuz zu tragen. Wie würde die Welt aussehen, wenn wir einander so liebten, wie Christus uns geliebt hat? Er, der König, hat uns jede Tugend durch sein Wort und Beispiel vorgelebt. Wie würde die Welt aussehen, wenn wir einander so behandelten, wir er uns behandelt? Wenn wir einander vergäben und solches Erbarmen hätten, wie Er es mit seinen Kindern hat. Wie sehr würden unsere Herzen sich wandeln, wenn wir so viel Geduld mit dem Nächsten hätten, wie er mit uns; so viel Güte, Zuwendung und Liebe wie Er, der er sogar den Kreuzestod für uns auf sich nahm. Das ist die wahre Herrschaft mit Christus.

Unsere Berufung ist eine Initiative der Liebe Christi zu uns. Daher muss all unser Tun danach streben, diese Liebe, das Vorbild Christi und die Freundschaft, die er uns anbietet, zu verkünden. Das allein sind unsere Botschaft und unser Daseinsgrund. Doch diese Liebe, die wir verkünden sollen, müssen wir zunächst selbst im Gebet betrachtet und im eigenen Leben erfahren haben. So erlernen wir, wie das geht: Lieben. Die Kirche und die Menschheit haben zu leiden. Denken wir an unsere Brüder und Schwestern im Glauben, die verfolgt werden; an die Gesellschaft, die Gott verdrängt und die Liebe verdunkelt. Unser Leben ist sehr kurz. So wollen wir unserer Kräfte vereinen, um das Gute zu tun, ohne darin nachzulassen. Erneuern wir unsere Begeisterung für die Heiligkeit und für die Sendung.

In diesem Sinne erfahren wir es als befreiend, wenn wir jeden Tag unsere Identität vom Herzen Christi her erneuern. Unsere Aufgabe ist es nicht, über uns selbst zu predigen, uns um uns selbst zu kümmern, uns darum zu sorgen, was andere über uns sagen. Eine solche Einstellung würde uns zunehmend ermüden. Gott ruft uns, uns Ihm zuzuwenden. Die Tatsache, Ihn als unsere Wahrheit, unsere Botschaft, unsere Antwort und Lösung anzuerkennen, schafft in unserem tiefsten Inneren ein Gefühl der Standhaftigkeit, der Sicherheit und der Authentizität, die nicht von unserer eigenen Kraft her rühren, sondern einzig und allein der Güte Gottes entspringen.

Mögen diese Gedanken uns dazu verhelfen, Christus immer mehr den ersten Platz in unserem Leben zu geben und stets bereit zu sein, allen Christen zu helfen, dasselbe zu tun. Wenn wir über die Liebe nur sprechen, bleiben wir in der Welt der Theorie, anstatt in die Praxis umzusetzen, was Christus uns schon vorgelebt und aufgetragen hat, heute zu leben. Wenn wir die Quelle suchen, der die gelebte Liebe entspringt, landen wir in seinem Herzen.

Die Jungfrau Maria möge uns begleiten und uns in diesem schönen Moment der Geschichte Mut zusprechen. Es ist eine von Gott geschenkte Möglichkeit, um zu ändern und zu verbessern, was uns hilft, Ihm ähnlicher zu werden und unseren Familien, unseren Gemeinschaften und allen Menschen besser zu dienen.

So verbleibe ich in Christus, Ihr

Álvaro Corcuera LC

(Übersetzung des spanischsprachigen Originals)


Zum Hochfest Christkönig 2010

Zum Hochfest Christkönig 2010

P. Álvaro Corcuera LC, der Generaldirektor der Legion Christi und der Bewegung Regnum ChristiAn die Mitglieder und Freunde des Regnum Christi anlässlich des Christkönigsfestes

Rom, den 21. November 2010

Liebe Freunde in Christus,

wie es schon Tradition im Regnum Christi ist, gibt uns die Feier des Christkönigsfestes die Gelegenheit, dieses Ereignis im Kreis unserer geistigen Familie zu erleben. Mit diesem Brief möchte ich Sie herzlich grüßen. Ich bete für Sie alle.

Dieses Jahr durften wir auf die Nähe des Heiligen Vaters durch die Ernennung seines Delegaten, Kardinal Velasio de Paolis, zählen. Zweifellos war seine Gegenwart bei uns ein wahrer Segen Gottes. In seinem ersten an die Legionäre und gottgeweihten Mitglieder gerichteten Brief schrieb er uns, dass diese Arbeit der Überprüfung und Erneuerung auf einem soliden Gebetsleben und auf der Suche nach der Heiligkeit durch die Treue zu Jesus Christus gründen muss, und er lud uns ein, uns „in der Treue zu Jesus, dem König der Könige, der Alles in unserem Leben ist“, zu bewahren (Brief vom 10. Juli 2010).

Gott ruft uns, täglich seine liebende Hand hinter unserer Berufung zu sehen, die „vom Herzen Jesu, von seiner Liebe, kommt. Der, der sein Werk im Herzen jedes einzelnen von uns begonnen hat, der, der euch vor den Gefahren bewahrt hat, die euch bedrohten, möchte es zu Ende führen“ (ebd.). Uns steht ein Weg bevor, den wir vertrauensvoll, mutig und geduldig gehen müssen; Darauf hat Kard. de Paolis Wert gelegt. Vor allem aber sollen wir aufrichtig nach der Heiligkeit streben.

Das heutige Evangelium zeigt uns den gekreuzigten Jesus, der von den Vorübergehenden verschmäht und von den Soldaten und einem der Schächer, den dasselbe Los erwartet, beleidigt wird. Aber in dieser völligen Demütigung bleibt er doch König, und in seiner unendlichen Majestät und Güte ist er fähig zu vergeben und den „reumütigen Schächer“, der ihn als seinen Erlöser erkennt und um seine Barmherzigkeit fleht, in sein Reich aufzunehmen. Wie sehr lenkt diese Szene uns auf jene Worte hin, die Jesus im Evangelium zu uns gesagt hat: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch uns lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ (Mt 11,2830)

Dreierlei erbittet Christus von uns: „Kommt“, „nehmt auf euch“ und „lernt“. Bei diesen drei Punkten würde ich gerne kurz innehalten. Auf seiner Reise nach Großbritannien formulierte der Heilige Vater gegenüber den Jugendlichen, die vor der Kathedrale von Westminster zusammen gekommen waren, einen wunderschönen Gruß. Seine Worte können uns helfen, die drei von Christus erbetenen Handlungen etwas zu erhellen.

1. „Kommt“

Jesus lädt uns dazu ein, bei ihm zu sein und ihn besser kennen zu lernen: „Jesus ist immer dort; ruhig wartet er auf uns, dass wir still werden bei ihm und seine Stimme hören. In der Tiefe eures Herzens ruft er euch, dass ihr Zeit mit ihm verbringt im Gebet. […] Oft bedeutet es zu warten, dass der Herr spricht. Auch inmitten der Geschäftigkeit und dem Stress unseres Alltags müssen wir Raum schaffen für Stille, denn in der Stille geschieht es, dass wir Gott finden, und in der Stille geschieht es, dass wir unser wahres Selbst entdecken.“ (Papst Benedikt XVI, Gruß an die Jugendlichen in der Kathedrale von Westminster). Christus klopft zu jeder Zeit bei uns an, möchte eintreten und bei uns bleiben. Durch die Taufe wohnt er bereits in unserer Seele, doch täglich hofft er darauf, dass wir ihm Schritt für Schritt die Tür zu unserem Herzen weiter öffnen. Er respektiert unsere Freiheit, wie es mit so schönen Worten die Verse von Lope de Vega beschreiben: „Was habe ich, dass du meine Freundschaft willst? Was erhoffst du dir von mir, dass du ganze dunkle Winternächte vor meiner taubedeckten Tür ausharrst?“

Die Feier von Christkönig erinnert uns daran, worin der Mittelpunkt und der einzige Grund unserer Sendung als Christen besteht: Uns ganz auf den zu fokussieren, der unserer täglichen Hingabe ihren Sinn gibt. So bitten wir Christus unseren König darum, stets der Herr und König unseres Lebens, unserer Familien, unserer Kirche und des Regnum Christi zu sein. Ihn herrschen zu lassen ist der kürzeste und sicherste Weg zum inneren Frieden. So begreifen wir, was wir im tiefsten Herzen wissen: dass wir mehr an ihn denken sollen, als an uns selbst; mehr über ihn sprechen sollen und weniger über uns – sei es auf persönlicher oder auf institutioneller Ebene. Letztlich wissen wir, dass die einzige Quelle zu unserm Glück in seiner Liebe besteht. Alles andere vergeht, doch seine Liebe bleibt, breitet sich aus, verwandelt und erneuert alles durch ihre sanfte Gegenwart. Konkret bitte ich Gott in diesem Sinne darum, dass dieses „Kommt“ für einen jeden von uns die Einladung zu einer größeren Liebe zu Christus in der Eucharistie bedeutet: Also mehr Zeit an seiner Seite zu verbringen.

2. „Nehmt auf euch“

Aus der Begegnung mit Jesus Christus erwächst in uns die Notwendigkeit, sein Leben weiterzugeben, sein Joch auf uns zu nehmen: denn es befreit uns von der Sklaverei des Egoismus und seiner Folge, der Sünde. In dieser Begegnung erkennen wir auch, wer wir sind, und „wenn wir unser wahres Ich entdecken, dann entdecken wir die spezifische Berufung, zu der Gott uns für den Aufbau der Kirche und für die Erlösung der Welt ruft“ (vgl. Papst Benedikt XVI, Gruß an die Jugendlichen). Das erfuhren die ersten Jünger. Das Evangelium berichtet uns, dass Jesus die zu sich rief, die er bei sich haben wollte, um sie danach zum Predigen auszusenden (vgl. Mk 3, 1314). In diesem täglichen Kontakt mit Jesus, beim Zuschauen, wie er das Evangelium predigte, wie er die Kranken heilte, wie er sich rückhaltlos seinen „Schafen“ hingab, da lernten die Apostel, was es heißt, das Joch Christi auf sich zu nehmen. In der Eucharistie werden wir mit Christus und mit unseren Brüdern und Schwestern eins. Und dort wird auch offensichtlich, dass wir einen einzigen Leib, ein Herz und eine Seele bilden. Dort lassen wir unsere Schwierigkeiten, unsere Verschiedenheiten, unser Ermüden, Zweifel, Ängste, Freuden und Trostlosigkeiten zurück.

Christus ist das Zentrum unserer Leben, die Leidenschaft unserer Herzen; Er ist es, der unserem missionarischen Eifer Sinn verleiht. Der Daseinsgrund unserer Sendung ist es, Christus zu predigen, mit unserem Wort und Beispiel. Sogar die Nächstenliebe, das Herzstück unserer Spiritualität, ist eine Schlussfolgerung aus unserer Betrachtung Christi und aus unserer Begegnung mit Ihm in den Sakramenten und im Gebet. Dabei handelt es sich nicht um unser Bemühen, sondern darum, dass wir eben diese Liebe annehmen, die Er uns vorlebt und schenkt; die Liebe, die er uns in der Menschwerdung entgegengebracht hat. Alles läuft hier zusammen, wie uns die heilige Theresia vom Kinde Jesu erinnerte, als sie auf der Suche danach war, zu welcher Berufung Gott sie wohl rief: „Die Nächstenliebe gab mir den Schlüssel zu meiner Berufung. Mir wurde klar, dass – wenn die Kirche einen Leib hatte, der sich aus unterschiedlichen Gliedern zusammensetzte – dass dann das am meisten Notwendige nicht fehlen durfte, das vornehmste von allen. Mir wurde bewusst, dass die Kirche ein Herz besaß, und dass dieses Herz vor Liebe brannte. Ich verstand, dass nur die Liebe die Glieder der Kirche zum Handeln bringen konnte; dass, falls die Liebe eingehen würde, die Apostel kein Evangelium mehr verkünden und sich die Märtyrer weigern würden, ihr Blut zu vergießen. Mir wurde klar, dass die Liebe in sich alle Berufungen vereinte, dass die Liebe alles war und in sich alle Zeiten und Orte umfasste… Mit einem Wort: die Liebe ist ewig! Danach, auf dem Höhepunkt meiner Freude, rief ich aus: Jesus, meine Liebe…, endlich habe ich meine Berufung ausfindig gemacht! Meine Berufung ist die Liebe…!“ (autobiographische Manuskripte).

Von dieser Berufung zur Liebe her rühren auch die Früchte, die der heilige Paulus in seinem Brief an die Kolosser erwähnt: „Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde und Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ (Kol 3, 1213). Dies ist das Geheimnis wahrer Freiheit und inneren Friedens. Daran werden sie erkennen, dass wir Jünger Christi sind.

3. „Lernt“

Durch diese Gemeinschaft mit Christus im Gebet und im Alltag beginnen wir, von ihm zu lernen; Unsere Lebensweise, unsere Maßstäbe und unsere Beziehungen zum Nächsten werden langsam so, wie Christus sie haben möchte. So entdecken wir – das hat der Papst den Jugendlichen bei dem oben erwähnten Gruß ebenfalls gesagt –, dass wir dazu erschaffen wurden, „Liebe zu geben, die Liebe zu dem zu machen, was all unser Tun inspiriert, zum Beständigsten in unserem Leben“ (Papst Benedikt XVI, Gruß an die Jugendlichen). Als Jesus im Evangelium gefragt wird, ob er ein König sei, belehrt er uns darüber, dass sein Königtum weder in zeitlicher Macht noch Heldentum, Erfolgen oder menschlichen Triumpfen besteht. Um das zu erkennen, genügt es, ihn am Kreuz hängen zu sehen.

Der Christ herrscht dadurch, dass er der Diener aller ist. Christus ist großherzig und vergibt allen und jedem. In diesem Sinn möchte ich auch Sie, während wir Momente durchleben, die Gott für die Legion Christi und die Bewegung zulässt, um Vergebung dafür bitten, dass ich durch meine Persönlichkeit, meine Irrtümer und Fehler Ihr Kreuz schwerer machte. Wie sehr wünsche ich mir, Sie auf dem Kreuzweg zu begleiten, den Gott in Ihrem Leben erlaubt! Ich bitte den Herrn um Erbarmen und darum, dass er aus den menschlichen Mängeln ein höheres Gut hervorgehen lassen möge; und dass er uns beibringe, gute Simon von Zyrene zu sein, die einander helfen, das Kreuz zu tragen. Wie würde die Welt aussehen, wenn wir einander so liebten, wie Christus uns geliebt hat? Er, der König, hat uns jede Tugend durch sein Wort und Beispiel vorgelebt. Wie würde die Welt aussehen, wenn wir einander so behandelten, wir er uns behandelt? Wenn wir einander vergäben und solches Erbarmen hätten, wie Er es mit seinen Kindern hat. Wie sehr würden unsere Herzen sich wandeln, wenn wir so viel Geduld mit dem Nächsten hätten, wie er mit uns; so viel Güte, Zuwendung und Liebe wie Er, der er sogar den Kreuzestod für uns auf sich nahm. Das ist die wahre Herrschaft mit Christus.

Unsere Berufung ist eine Initiative der Liebe Christi zu uns. Daher muss all unser Tun danach streben, diese Liebe, das Vorbild Christi und die Freundschaft, die er uns anbietet, zu verkünden. Das allein sind unsere Botschaft und unser Daseinsgrund. Doch diese Liebe, die wir verkünden sollen, müssen wir zunächst selbst im Gebet betrachtet und im eigenen Leben erfahren haben. So erlernen wir, wie das geht: Lieben. Die Kirche und die Menschheit haben zu leiden. Denken wir an unsere Brüder und Schwestern im Glauben, die verfolgt werden; an die Gesellschaft, die Gott verdrängt und die Liebe verdunkelt. Unser Leben ist sehr kurz. So wollen wir unserer Kräfte vereinen, um das Gute zu tun, ohne darin nachzulassen. Erneuern wir unsere Begeisterung für die Heiligkeit und für die Sendung.

In diesem Sinne erfahren wir es als befreiend, wenn wir jeden Tag unsere Identität vom Herzen Christi her erneuern. Unsere Aufgabe ist es nicht, über uns selbst zu predigen, uns um uns selbst zu kümmern, uns darum zu sorgen, was andere über uns sagen. Eine solche Einstellung würde uns zunehmend ermüden. Gott ruft uns, uns Ihm zuzuwenden. Die Tatsache, Ihn als unsere Wahrheit, unsere Botschaft, unsere Antwort und Lösung anzuerkennen, schafft in unserem tiefsten Inneren ein Gefühl der Standhaftigkeit, der Sicherheit und der Authentizität, die nicht von unserer eigenen Kraft her rühren, sondern einzig und allein der Güte Gottes entspringen.

Mögen diese Gedanken uns dazu verhelfen, Christus immer mehr den ersten Platz in unserem Leben zu geben und stets bereit zu sein, allen Christen zu helfen, dasselbe zu tun. Wenn wir über die Liebe nur sprechen, bleiben wir in der Welt der Theorie, anstatt in die Praxis umzusetzen, was Christus uns schon vorgelebt und aufgetragen hat, heute zu leben. Wenn wir die Quelle suchen, der die gelebte Liebe entspringt, landen wir in seinem Herzen.

Die Jungfrau Maria möge uns begleiten und uns in diesem schönen Moment der Geschichte Mut zusprechen. Es ist eine von Gott geschenkte Möglichkeit, um zu ändern und zu verbessern, was uns hilft, Ihm ähnlicher zu werden und unseren Familien, unseren Gemeinschaften und allen Menschen besser zu dienen.

So verbleibe ich in Christus, Ihr

Álvaro Corcuera LC

(Übersetzung des spanischsprachigen Originals)

 

Aus Anlass des Christkönigsonntages am Ende des liturgischen Jahres schrieb P. Álvaro Corcuera diesen Brief an die Mtglieder und Freunde der Bewegung Regnum Christi.

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