Montag, 21. März 2011

Zum Beginn der Fastenzeit 2011


Aus Anlass des Beginns der Fastenzeit 2011 schrieb P. Álvaro Corcuera diesen Brief an die Mitglieder und Freunde der Bewegung Regnum Christi.

P. Álvaro Corcuera LCDein Reich komme!

BEWEGUNG
REGNUM CHRISTI


GENERALDIREKTOR

Rom, den 9. März 2011


An die Mitglieder und Freunde des Regnum Christi
anlässlich des Beginns der Fastenzeit

Liebe Freunde in Christus,

wie in den vorigen Jahren möchte ich den Beginn der Fastenzeit nutzen, um Ihnen zu schreiben und durch diese Zeilen Ihnen nahe zu sein.

Diese liturgische Zeit und auch die historische Phase, die wir gerade durchleben, rufen uns in besonderer Weise zur Umkehr auf, dazu, unseren Blick auf Christus zu wenden, um ihm ähnlicher zu sein und mit mehr Hingabe an unsere Brüder und Schwestern zu leben. Die Kirche lädt uns ein, uns »mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld« zu bekleiden (vgl. Kol 3,12). Unser christliches Lebenim Regnum Christi ist eine Berufung zur Liebe. Wir streben danach, Apostel zu sein und stets wie Apostel zu leben, uns zu verschenken und darauf hinzuwirken, dass die Menschen ihr letztes Ziel erreichen, das darin besteht, erlöst und von Gott geliebt zu sein.

In diesem Zusammenhang kann uns eine Reflexion über die Stelle im Evangelium, in der Christus der Samariterin begegnet, eine Stelle, die uns die Kirche dieses Jahr am dritten Sonntag der Fastenzeit vorschlägt, hilfreich sein (vgl. Joh 4,542). Im Hinblick auf unser Leben als Apostel können wir dem Beispiel Jesu viele Lehren entnehmen.

Es ist für jeden von uns eine konstante Quelle der Inspiration, wie er diese Frau einerseits mit Feingefühl und Liebe behandelt, andererseits aber auch herausfordert. Das Regnum Christi hofft, dass alle seine Mitglieder sich von Christus umwandeln lassen, so dass sie mit ihrem Lebensstil den Mitmenschen vor Augen führen, dass das Leben schön ist und in der persönlichen Begegnung mit Christus seine Fülle erreicht. Deswegen glaube ich, dass wir, dem Beispiel des Herrn folgend, unsere Liebe zu allen Menschen in drei fundamentale Einstellungen übersetzen können, wie wir sie dieser Evangeliumsstelle entnehmen können: wachrufen, Antwort geben und begleiten.

1. Wachrufen

Jesus Christus tritt in das Leben der Samariterin ein und spricht sie an, man könnte sagen, er weckt in ihr das Verlangen nach Gott: »Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben« (Joh 4,10). Wir alle tragen im tiefsten Inneren unseres Seins die Sehnsucht nach Gott, die unser ganzes Leben durchdringt, und wir fühlen uns dazu gerufen, diesen innigen Wunsch, in und für Gott zu leben, mit unseren Schwestern und Brüdern zu teilen. »Ja, Gott dürstet nach unserem Glauben und nach unserer Liebe. Wie ein guter und barmherziger Vater wünscht er für uns alles erdenkliche Gut, und dieses Gut ist er selbst. Die Frau aus Samaria hingegen stellt die existentielle Unzufriedenheit dessen dar, der nicht gefunden hat, was er sucht: Sie hat „fünf Männer“ gehabt, und jetzt lebt sie mit einem anderen Mann zusammen. Ihr Kommen und Gehen zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen, bringt ein immer gleiches und resigniertes Leben zum Ausdruck. Alles aber ändert sich für sie an jenem Tag durch das Gespräch mit Jesus, dem Herrn. Es erschütterte sie so sehr, dass sie sich veranlasst sah, den Wasserkrug stehenzulassen, in den Ort zu eilen und den Leuten zu sagen: „Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?“ (Joh 4,2829) « (Benedikt XVI., Angelus vom 24. Februar 2008).

Wir sind dazu berufen, gemeinsam mit der Kirche an dieser Sendung und besonders am Werk der Neuevangelisierung mitzuarbeiten. Bezeichnenderweise hat der Heilige Vater ein neues Dikasterium errichten wollen, das ihm dabei helfen soll, diese Bemühungen voranzutreiben. Und darüber hinaus soll auch die nächste ordentliche Versammlung der Bischofssynode dieses Thema behandeln. Wir müssen dringend in unseren Schwestern und Brüdern jenen Glauben und jenes Verlangen nach Gott, die sie im Inneren tragen, wachrufen!

2. Antwort geben

Jesus weckt in der Samariterin Neugierde und den Wunsch nach einem Wasser, das sie nicht kennt, das aber ihren Durst stillt und ihr die beschwerliche Mühe erspart, jeden Tag zum Brunnen zu gehen. Wie macht er das? Jesus erinnert sie ganz feinfühlig an ihre eigene Lebensweise: »Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt« (vgl. Verse 1718). Dadurch dass er sie an diese ihre Lage erinnert, bewirkt er, dass sie in sich geht und entdeckt, dass sie auf diesem Weg niemals ihre Sehnsüchte nach wahrem Glück wird erfüllen können.

Jesus nutzte diesen Augenblick, um ihr eine Antwort zu geben: Er »sprach zu ihr von einem „lebendigen Wasser“, das den Durst zu löschen vermag und in ihr „zur sprudelnden Quelle [wird], deren Wasser ewiges Leben schenkt“. Er zeigte darüber hinaus, dass er ihr persönliches Leben kannte, er offenbarte, dass die Stunde gekommen sei, den einen wahren Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Und zum Schluss vertraute er ihr an – was äußerst selten geschah –, dass er der Messias sei« (Benedikt XVI., ebd.). Wer kann nach einer persönlichen Begegnung mit Christus so bleiben wie bisher? Diese Erfahrung machte auch der heilige Petrus, als er trotz seiner Zweifel und Schwächen ausrief: »Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens« (Joh 6,68); oder der heilige Paulus, der sogar schrieb: »Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal 2,20).

Unsere Sendung als Apostel kann sich nicht darauf beschränken, einfach Ideen zu vermitteln, reine Lehrinhalte, die zwar notwendig sind, aber unzureichend, um die existentiellen Fragen der Menschen zu beantworten. Unser Lebensstil muss eine Antwort auf solche Fragen sein. Ja, unser christliches Lebenszeugnis muss deutlich machen, dass es möglich ist, in Jesus Christus Glück und Fülle zu finden, und dass er die einzig endgültige Antwort ist. Uns kann im Leben nichts Besseres zustoßen, als dass wir den Anderen helfen, die Liebe Jesu zu entdecken, seine Demut, die mit Frieden erfüllt, seine Zuneigung und seine Sanftmut, die das Herz milde stimmen und die Trauer erleichtern; als dass wir den Anderen helfen, die Güte Jesu zu erfahren, die Balsam ist, eine Quelle der Freude; als dass wir die Menschen lehren, dass die Nachfolge Christi zu Kohärenz und Authentizität im Leben führt, zur wahren Freiheit der Seele; dass er uns sozusagen Flügel verleiht, damit wir immer den Himmel sehen und uns nicht in Dingen verlieren, die nur Mittel zum Zweck sind. Er bewirkt, dass wir Tag und Nacht an seiner Seite gehen, auch wenn wir oft das Ziel des Weges nicht sehen: Bei ihm zu sein, ihn zu lieben und sich von ihm lieben zu lassen, das ist, als ob man schon ans Ziel gelangt wäre.

Unser Pflichtbewusstsein als Christen treibt uns dazu an, Abglanz der unendlichen Liebe Gottes zu den Menschen zu sein. In seiner Botschaft für die diesjährige Fastenzeit sagt uns der Papst diesbezüglich: »Die Taufe ist also kein Ritus der Vergangenheit, sondern die Begegnung mit Christus, der die ganze Existenz des Getauften formt, ihm göttliches Leben verleiht und ihn zu einer aufrichtigen Umkehr ruft, die von der Gnade begonnen und getragen wird und so die Vollgestalt Christi erreichen lässt.« Wir suchen uns zu bekehren, um treue Werkzeuge der Gnade sein zu können, um Anderen dazu verhelfen zu können, Christus zu begegnen. Das ist die Antwort, die Christus von uns erwartet.

3. Begleiten

Am Ende der Passage, die wir betrachtet haben, sehen wir, dass Jesus seine Pläne änderte und zwei Tage länger als vorgesehen im Dorf verblieb (vgl. Vers 40). Zweifellos hat er das getan, um das Werk zu vollenden, das er in der Seele jener Frau und ihrer Nachbarn begonnen hatte. Die persönliche Begegnung mit Christus beschränkt sich normalerweise nicht auf einen Moment, sondern sie ist ein stufenweise voranschreitender, kontinuierlicher Prozess. Die Liebe zu unseren Brüdern bringt uns deshalb dazu, sie auf diesem Weg zu begleiten und zu führen.

Diese Begleitung soll dazu verhelfen, dass die Menschen, mit denen wir zusammen leben, sagen können: „Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt“ (Vers 42). Jesus lehrt uns, uns herab zuneigen, um die Wunden unseres Bruders zu heilen, sogar wenn wir selbst voller Wunden sind; uns gegenseitig zu ertragen, Freud und Leid miteinander zu teilen. Das ist das echte Mitleid dessen, der seine Müdigkeit und Erschöpfung vergisst, wenn er dadurch nur seinem Nächsten Erleichterung verschaffen und ihn begleiten kann.

Wenn wir wollen, dass das Regnum Christi weiterhin für viele Seelen ein Weg der Bekehrung und der Heiligung sein soll, muss unser apostolisches Wirken immer darauf ausgerichtet sein, zu begleiten, zu führen, in allen Menschen, ob Mann oder Frau, die Sehnsucht zu fördern, sich auf den Weg zur Begegnung mit Gott zu machen, so wie es Christus mit der Samariterin am Jakobsbrunnen getan hat. Viele geistliche Autoren sehen den Menschen als einen Reisenden an, der in Gott seinen Ursprung und sein letztes Ziel hat. Das Voranschreiten auf dem Weg zur umwandelnden Begegnung mit Ihm, der sich uns in Christus offenbart, ist einem jeden von uns aufgetragen, damit wir es persönlich und aus freien Stücken realisieren. Die Gnade Gottes gibt uns von innen her den Anstoß und das Wirken der Kirche hilft uns durch das Wort und die Sakramente. Unsere Brüder und Schwestern unterstützen und begleiten uns. Aber letztlich ist es jeder Einzelne, der voranschreiten muss, und diese Mühe kann keiner für uns auf sich nehmen.

Diese drei Haltungen – wachrufen, Antwort geben, begleiten – sind weder drei zeitlich aufeinanderfolgende Momente noch voneinander unabhängige Schritte, sondern drei Dimensionen ein und derselben Mission, drei Ausdrucksformen einer einzigen Liebe. Mit unserem Verstand, Herzen und Willen nehmen wir die Liebe Gottes wahr und versuchen ihm so, in dieser tiefen inneren Einheit, mit gleicher Münze zu vergelten. Liebe wird mit Liebe vergolten.

Streben wir unaufhörlich jeden Tag danach, im Gebet und im persönlichen Kontakt mit Christus in der Eucharistie von dem Wasser zu trinken, das er uns geben möchte.

Während wir unsere Brüder und Schwestern begleiten, wollen wir nicht vergessen, dass wir gleichzeitig selbst unterwegs sind und der Gnade Gottes und der gegenseitigen Unterstützung bedürfen. Auch lade ich Sie ein, intensiv für Kardinal Velasio de Paolis, unseren Päpstlichen Delegaten, zu beten, damit der Heilige Geist ihn weiterhin bei seiner Aufgabe erleuchtet, uns auf diesem Weg der Erneuerung und Reinigung, den wir gemeinsam als Familie gehen, zu führen.

Möge die Jungfrau Maria Sie immer segnen und begleiten.

Ihr Diener in Christus,

P. Alvaro Corcuera LC

(Übersetzung des spanischsprachigen Originals)


Zum Beginn der Fastenzeit 2011

Zum Beginn der Fastenzeit 2011

P. Álvaro Corcuera LCDein Reich komme!

BEWEGUNG
REGNUM CHRISTI


GENERALDIREKTOR

Rom, den 9. März 2011


An die Mitglieder und Freunde des Regnum Christi
anlässlich des Beginns der Fastenzeit

Liebe Freunde in Christus,

wie in den vorigen Jahren möchte ich den Beginn der Fastenzeit nutzen, um Ihnen zu schreiben und durch diese Zeilen Ihnen nahe zu sein.

Diese liturgische Zeit und auch die historische Phase, die wir gerade durchleben, rufen uns in besonderer Weise zur Umkehr auf, dazu, unseren Blick auf Christus zu wenden, um ihm ähnlicher zu sein und mit mehr Hingabe an unsere Brüder und Schwestern zu leben. Die Kirche lädt uns ein, uns »mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld« zu bekleiden (vgl. Kol 3,12). Unser christliches Lebenim Regnum Christi ist eine Berufung zur Liebe. Wir streben danach, Apostel zu sein und stets wie Apostel zu leben, uns zu verschenken und darauf hinzuwirken, dass die Menschen ihr letztes Ziel erreichen, das darin besteht, erlöst und von Gott geliebt zu sein.

In diesem Zusammenhang kann uns eine Reflexion über die Stelle im Evangelium, in der Christus der Samariterin begegnet, eine Stelle, die uns die Kirche dieses Jahr am dritten Sonntag der Fastenzeit vorschlägt, hilfreich sein (vgl. Joh 4,542). Im Hinblick auf unser Leben als Apostel können wir dem Beispiel Jesu viele Lehren entnehmen.

Es ist für jeden von uns eine konstante Quelle der Inspiration, wie er diese Frau einerseits mit Feingefühl und Liebe behandelt, andererseits aber auch herausfordert. Das Regnum Christi hofft, dass alle seine Mitglieder sich von Christus umwandeln lassen, so dass sie mit ihrem Lebensstil den Mitmenschen vor Augen führen, dass das Leben schön ist und in der persönlichen Begegnung mit Christus seine Fülle erreicht. Deswegen glaube ich, dass wir, dem Beispiel des Herrn folgend, unsere Liebe zu allen Menschen in drei fundamentale Einstellungen übersetzen können, wie wir sie dieser Evangeliumsstelle entnehmen können: wachrufen, Antwort geben und begleiten.

1. Wachrufen

Jesus Christus tritt in das Leben der Samariterin ein und spricht sie an, man könnte sagen, er weckt in ihr das Verlangen nach Gott: »Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben« (Joh 4,10). Wir alle tragen im tiefsten Inneren unseres Seins die Sehnsucht nach Gott, die unser ganzes Leben durchdringt, und wir fühlen uns dazu gerufen, diesen innigen Wunsch, in und für Gott zu leben, mit unseren Schwestern und Brüdern zu teilen. »Ja, Gott dürstet nach unserem Glauben und nach unserer Liebe. Wie ein guter und barmherziger Vater wünscht er für uns alles erdenkliche Gut, und dieses Gut ist er selbst. Die Frau aus Samaria hingegen stellt die existentielle Unzufriedenheit dessen dar, der nicht gefunden hat, was er sucht: Sie hat „fünf Männer“ gehabt, und jetzt lebt sie mit einem anderen Mann zusammen. Ihr Kommen und Gehen zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen, bringt ein immer gleiches und resigniertes Leben zum Ausdruck. Alles aber ändert sich für sie an jenem Tag durch das Gespräch mit Jesus, dem Herrn. Es erschütterte sie so sehr, dass sie sich veranlasst sah, den Wasserkrug stehenzulassen, in den Ort zu eilen und den Leuten zu sagen: „Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?“ (Joh 4,2829) « (Benedikt XVI., Angelus vom 24. Februar 2008).

Wir sind dazu berufen, gemeinsam mit der Kirche an dieser Sendung und besonders am Werk der Neuevangelisierung mitzuarbeiten. Bezeichnenderweise hat der Heilige Vater ein neues Dikasterium errichten wollen, das ihm dabei helfen soll, diese Bemühungen voranzutreiben. Und darüber hinaus soll auch die nächste ordentliche Versammlung der Bischofssynode dieses Thema behandeln. Wir müssen dringend in unseren Schwestern und Brüdern jenen Glauben und jenes Verlangen nach Gott, die sie im Inneren tragen, wachrufen!

2. Antwort geben

Jesus weckt in der Samariterin Neugierde und den Wunsch nach einem Wasser, das sie nicht kennt, das aber ihren Durst stillt und ihr die beschwerliche Mühe erspart, jeden Tag zum Brunnen zu gehen. Wie macht er das? Jesus erinnert sie ganz feinfühlig an ihre eigene Lebensweise: »Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt« (vgl. Verse 1718). Dadurch dass er sie an diese ihre Lage erinnert, bewirkt er, dass sie in sich geht und entdeckt, dass sie auf diesem Weg niemals ihre Sehnsüchte nach wahrem Glück wird erfüllen können.

Jesus nutzte diesen Augenblick, um ihr eine Antwort zu geben: Er »sprach zu ihr von einem „lebendigen Wasser“, das den Durst zu löschen vermag und in ihr „zur sprudelnden Quelle [wird], deren Wasser ewiges Leben schenkt“. Er zeigte darüber hinaus, dass er ihr persönliches Leben kannte, er offenbarte, dass die Stunde gekommen sei, den einen wahren Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Und zum Schluss vertraute er ihr an – was äußerst selten geschah –, dass er der Messias sei« (Benedikt XVI., ebd.). Wer kann nach einer persönlichen Begegnung mit Christus so bleiben wie bisher? Diese Erfahrung machte auch der heilige Petrus, als er trotz seiner Zweifel und Schwächen ausrief: »Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens« (Joh 6,68); oder der heilige Paulus, der sogar schrieb: »Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal 2,20).

Unsere Sendung als Apostel kann sich nicht darauf beschränken, einfach Ideen zu vermitteln, reine Lehrinhalte, die zwar notwendig sind, aber unzureichend, um die existentiellen Fragen der Menschen zu beantworten. Unser Lebensstil muss eine Antwort auf solche Fragen sein. Ja, unser christliches Lebenszeugnis muss deutlich machen, dass es möglich ist, in Jesus Christus Glück und Fülle zu finden, und dass er die einzig endgültige Antwort ist. Uns kann im Leben nichts Besseres zustoßen, als dass wir den Anderen helfen, die Liebe Jesu zu entdecken, seine Demut, die mit Frieden erfüllt, seine Zuneigung und seine Sanftmut, die das Herz milde stimmen und die Trauer erleichtern; als dass wir den Anderen helfen, die Güte Jesu zu erfahren, die Balsam ist, eine Quelle der Freude; als dass wir die Menschen lehren, dass die Nachfolge Christi zu Kohärenz und Authentizität im Leben führt, zur wahren Freiheit der Seele; dass er uns sozusagen Flügel verleiht, damit wir immer den Himmel sehen und uns nicht in Dingen verlieren, die nur Mittel zum Zweck sind. Er bewirkt, dass wir Tag und Nacht an seiner Seite gehen, auch wenn wir oft das Ziel des Weges nicht sehen: Bei ihm zu sein, ihn zu lieben und sich von ihm lieben zu lassen, das ist, als ob man schon ans Ziel gelangt wäre.

Unser Pflichtbewusstsein als Christen treibt uns dazu an, Abglanz der unendlichen Liebe Gottes zu den Menschen zu sein. In seiner Botschaft für die diesjährige Fastenzeit sagt uns der Papst diesbezüglich: »Die Taufe ist also kein Ritus der Vergangenheit, sondern die Begegnung mit Christus, der die ganze Existenz des Getauften formt, ihm göttliches Leben verleiht und ihn zu einer aufrichtigen Umkehr ruft, die von der Gnade begonnen und getragen wird und so die Vollgestalt Christi erreichen lässt.« Wir suchen uns zu bekehren, um treue Werkzeuge der Gnade sein zu können, um Anderen dazu verhelfen zu können, Christus zu begegnen. Das ist die Antwort, die Christus von uns erwartet.

3. Begleiten

Am Ende der Passage, die wir betrachtet haben, sehen wir, dass Jesus seine Pläne änderte und zwei Tage länger als vorgesehen im Dorf verblieb (vgl. Vers 40). Zweifellos hat er das getan, um das Werk zu vollenden, das er in der Seele jener Frau und ihrer Nachbarn begonnen hatte. Die persönliche Begegnung mit Christus beschränkt sich normalerweise nicht auf einen Moment, sondern sie ist ein stufenweise voranschreitender, kontinuierlicher Prozess. Die Liebe zu unseren Brüdern bringt uns deshalb dazu, sie auf diesem Weg zu begleiten und zu führen.

Diese Begleitung soll dazu verhelfen, dass die Menschen, mit denen wir zusammen leben, sagen können: „Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt“ (Vers 42). Jesus lehrt uns, uns herab zuneigen, um die Wunden unseres Bruders zu heilen, sogar wenn wir selbst voller Wunden sind; uns gegenseitig zu ertragen, Freud und Leid miteinander zu teilen. Das ist das echte Mitleid dessen, der seine Müdigkeit und Erschöpfung vergisst, wenn er dadurch nur seinem Nächsten Erleichterung verschaffen und ihn begleiten kann.

Wenn wir wollen, dass das Regnum Christi weiterhin für viele Seelen ein Weg der Bekehrung und der Heiligung sein soll, muss unser apostolisches Wirken immer darauf ausgerichtet sein, zu begleiten, zu führen, in allen Menschen, ob Mann oder Frau, die Sehnsucht zu fördern, sich auf den Weg zur Begegnung mit Gott zu machen, so wie es Christus mit der Samariterin am Jakobsbrunnen getan hat. Viele geistliche Autoren sehen den Menschen als einen Reisenden an, der in Gott seinen Ursprung und sein letztes Ziel hat. Das Voranschreiten auf dem Weg zur umwandelnden Begegnung mit Ihm, der sich uns in Christus offenbart, ist einem jeden von uns aufgetragen, damit wir es persönlich und aus freien Stücken realisieren. Die Gnade Gottes gibt uns von innen her den Anstoß und das Wirken der Kirche hilft uns durch das Wort und die Sakramente. Unsere Brüder und Schwestern unterstützen und begleiten uns. Aber letztlich ist es jeder Einzelne, der voranschreiten muss, und diese Mühe kann keiner für uns auf sich nehmen.

Diese drei Haltungen – wachrufen, Antwort geben, begleiten – sind weder drei zeitlich aufeinanderfolgende Momente noch voneinander unabhängige Schritte, sondern drei Dimensionen ein und derselben Mission, drei Ausdrucksformen einer einzigen Liebe. Mit unserem Verstand, Herzen und Willen nehmen wir die Liebe Gottes wahr und versuchen ihm so, in dieser tiefen inneren Einheit, mit gleicher Münze zu vergelten. Liebe wird mit Liebe vergolten.

Streben wir unaufhörlich jeden Tag danach, im Gebet und im persönlichen Kontakt mit Christus in der Eucharistie von dem Wasser zu trinken, das er uns geben möchte.

Während wir unsere Brüder und Schwestern begleiten, wollen wir nicht vergessen, dass wir gleichzeitig selbst unterwegs sind und der Gnade Gottes und der gegenseitigen Unterstützung bedürfen. Auch lade ich Sie ein, intensiv für Kardinal Velasio de Paolis, unseren Päpstlichen Delegaten, zu beten, damit der Heilige Geist ihn weiterhin bei seiner Aufgabe erleuchtet, uns auf diesem Weg der Erneuerung und Reinigung, den wir gemeinsam als Familie gehen, zu führen.

Möge die Jungfrau Maria Sie immer segnen und begleiten.

Ihr Diener in Christus,

P. Alvaro Corcuera LC

(Übersetzung des spanischsprachigen Originals)

 

Aus Anlass des Beginns der Fastenzeit 2011 schrieb P. Álvaro Corcuera diesen Brief an die Mitglieder und Freunde der Bewegung Regnum Christi.

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