Mittwoch, 30. November 2011

Zum Christkönigstag 2011


Aus Anlass des Christkönigsfestes 2011 schrieb P. Álvaro Corcuera diesen Brief an die Mitglieder und Freunde der Bewegung Regnum Christi.

P. Álvaro Corcuera LCDein Reich komme!


Rom, den 20. November 2011

An alle Mitglieder und Freunde des Regnum Christi
anlässlich des Christkönigfestes

Liebe Freunde in Christus,

Es ist mir stets eine große Freude, mich an Sie zu wenden, liebe Mitglie-der und Freunde des Regnum Christi, vor allem, um Ihnen für ihre bei-spielhafte und großzügige Hingabe zu danken sowie für Ihre Gebete und so viele Gesten Ihrer treuen Unterstützung. Ich nehme diesen Tag, den die gesamte Kirche und unsere geistige Familie der Bewegung besonders schätzt, zum Anlass, um Ihnen ein paar Gedanken mit auf den Weg zu geben, die uns allen helfen können unsere christliche Berufung als Apostel auch weiterhin so zu leben, wie Gott das von uns erwartet.

Wir wissen, dass die Bewegung ein Werk des Heiligsten Herzen Jesu ist. Christus selbst hat uns auf ganz persönliche Weise dazu eingeladen, Zeugen seiner Liebe zu sein und sein Reich unter unseren Mitmenschen auszubreiten. Heute richten wir unseren Blick auf ihn und danken ihm für alle Wohltaten, die er durch jeden Einzelnen gewirkt hat. Christus, den wahren König des Universums zu betrachten, belebt und tröstet uns, denn seine unermessliche Liebe überwindet alles Böse in der Welt. So, wie er es den ersten Jüngern versichert hat, verspricht er auch uns, bis zum Ende der Zeiten stets bei uns zu bleiben. Er ist wahrhaftig die Erfüllung all unserer Sehnsüchte, er offenbart uns, wie wertvoll jeder einzelne Mensch in Gottes Augen ist, und sichert uns den endgültigen Triumph seiner Liebe zu.

Seine Herrschaft ist nicht von dieser Welt. Christus gibt sich als König des Friedens, der sanft und demütig von Herzen ist, zu erkennen. Er re-giert vom Thron des Kreuzes aus. Seine Demut erfüllt uns mit Frieden, und spornt uns dazu an, sein sanftes und demütiges Herz nachzuahmen. Lasst uns unseren Blick auf ihn richten, um in uns dieselben Gefühle wachzurufen, und uns von seiner Liebe zu allen Menschen durchdringen zu lassen. Er hat uns durch sein Beispiel gelehrt wie wir unseren Mitmenschen dienen sollen, und uns auf diese Weise den sicheren und klaren Weg gezeigt, um einst in sein ewiges Reich einzugehen.

Durch das Gebet werden wir Christus stets ähnlicher, und deshalb möchte ich einige Gedanken zu diesem Thema mit Ihnen teilen. Unser Gebetsleben spiegelt sich in unserem persönlichen Leben wider. Im Moment behandelt Papst Benedikt XVI. das Gebet in einer Reihe von Katechesen, die voller wertvoller Anregungen sind. Vor allem aber öffnet er uns sein eigenes Herz, denn im Gebet und in der Einheit mit Gott findet er die Kraft und das Licht, um die Kirche zu leiten. Auch wir sind dazu berufen das Gebet nicht nur als ein Mittel zum Wachstum im geistlichen Leben und in der Heiligkeit anzusehen, sondern aus dem Gebet eine echte Lebensnotwendigkeit zu machen, etwas, ohne das wir einfach nicht leben können.

1. Eine Begegnung mit Gott, die uns verändert

Das christliche Gebet ist vor allem eine Begegnung mit Christus, in der wir seine Liebe zu uns Menschen betrachten. Wir müssen uns anstren-gen, um auf angemessene Weise vorbereitet in Gottes Gegenwart treten zu können, aber wir wissen auch, dass im Gebet Gott die Hauptperson ist, und wir mit gefügigem Herzen auf seine Stimme hören sollen. Der hl. Augustinus drückt es mit folgenden lehrreichen Worten aus: „Im Gebet begegnet der Durst Gottes dem Durst des Menschen. Gott dürstet danach, dass der Mensch nach ihm dürstet“ (vgl. Hl. Augustinus, De diversis quaestionibus octoginta tribus 64,4).

Wenn wir bereitwillig und mit offenem Herzen auf diese Begegnung mit Christus zugehen, wird sie uns bis in unser innerstes Wesen hin verwan-deln. Das Gebet ändert unsere Ansichten, unser Denken und Fühlen. Im Gebet schenkt uns Gott ein neues, liebendes Herz, das fähig ist, zu ver-zeihen und sich zu verschenken. Die Begegnung mit Christus im Gebet ermöglicht es uns, sein Herz zu berühren, und erlaubt ihm unser Herz dem seinen immer ähnlicher zu gestalten (vgl. Mt 11,29). Wir lernen, wie er zu fühlen und machen uns seine Gesinnung zu eigen (vgl. Phil 2,5), er hingegen, trocknet unsere Tränen (vgl. Jes 25,8). Diese geheim-nisvolle Wandlung vollzieht sich gerade dann, wenn er unser Herz be-rührt, es heilt, befreit und beschwingt und es nach dem seinen bildet.

In dieser besonderen Zeit, die wir durchleben, lädt Gott uns dazu ein, in seiner Nähe zu verweilen, damit er alle Verletzungen unserer Seele hei-len kann, um uns Trost zu spenden, und uns seinen liebevollen Plan für das Regnum Christi und jeden Einzelnen von uns zu offenbaren: die Heiligkeit. Als der Papst vor einigen Wochen drei neue Heilige zur Ehre der Altäre erhob, betonte er in seiner Predigt vor allem zwei Merkmale dieser Heiligen, nämlich dass sie sich von der Liebe Gottes haben verwandeln lassen, und dass diese Liebe sich in ihrer Beziehung zum Mitmenschen widerspiegelte, so dass sie wie der hl. Paulus sagen konnten: „nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). Der Heilige Vater fügte hinzu: „sie haben sich von der göttlichen Liebe umformen lassen und ihr ganzes Leben auf sie hin gestaltet. In verschiedenen Situationen und mit verschiedenen Gnadengaben haben sie den Herrn mit ganzem Herzen geliebt und den Nächsten wie sich selbst“ (vgl. Predigt vom 23. Oktober 2011).

Diese Umformung ist zunächst einmal nicht Frucht einer Entscheidung oder unserer eigenen Anstrengung, sondern rührt von unserer Offenheit für Gottes Gnade im Gebet und in den Sakramenten her. Wenn wir uns in Gottes leidenschaftliche Liebe hineinversenken, werden wir aus derselben Leidenschaft heraus, unser Leben für Christus und zur Rettung der Seelen verzehren. Im Gebet wächst unsere Begeisterung für die Mission. So erging es auch dem hl. Paulus; seine große Leidenschaft war es, Christus zu verkünden und das hat sein ganzes Leben bestimmt. Unter Begeisterung verstehe ich hier nicht ein seichtes, flüchtiges Gefühl, sondern die tiefgreifende Überzeugung eines Menschen, der sich bewusst ist, dass ihm ein großer Schatz, den er nicht für sich selbst behalten kann, anvertraut wurde.


2. Demut und Vertrauen

Die Demut ist wie eine Tür, durch die wir in Gottes Gegenwart eintreten können. Es ist allgemein bekannt, dass Gott besondere Freude an demü-tigen Seelen hat, und ihnen gerne seine Gnade schenkt. Die Demut hilft uns, in der Wahrheit zu leben, und befreit uns von der Eigenliebe, die uns mehr als alles andere daran hindert, Gott im Gebet zu betrachten. Ein demütiges Gebet hingegen erlaubt es Gott, in uns zu wirken – und vereint mit ihm vermögen wir alles.

Ein Mensch mit demütigem Herzen setzt all sein Vertrauen auf Gott, und überlässt ihm alle Sorgen und Schwierigkeiten. Der Papst lehrt uns in seinen Audienzen: „Die Zuwendung zum Herrn im Gebet schließt einen tiefgreifenden Akt des Vertrauens ein, im Bewusstsein, sich einem Gott anzuvertrauen, der gut ist, „barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Huld und Treue“ (…) Unter der Führung des guten Hirten, Christus, sind wir sicher, dass wir auf den „rechten“ Wegen gehen, dass der Herr uns führt, uns immer nahe ist und uns nichts fehlen wird“ (Generalaudienz vom 5. Oktober 2011).

Vertrauen und Demut sind wie zwei Schlüssel, die uns erlauben, in die innere Dynamik der verwandelnden Liebe des Heiligsten Herzens Jesu einzutreten. Vor seinem Angesicht vergeht alles, was nicht von ihm stammt, und so befreit er uns von den Fesseln unserer Ichbezogenheit und unserer individualistischen Tendenzen. Wenn einerseits die Demut darin besteht, dass sie uns erlaubt, uns selbst in der Wahrheit zu betrachten, so ist andererseits die Wahrheit das, was Gott in jedem von uns sieht: diese authentische Selbsterkenntnis ist eine Frucht des Gebetes, denn durch sie empfangen wir eine Teilhabe an Gottes Sichtweise. Diese Ehrlichkeit entmutigt uns nicht, sondern sie öffnet uns die Augen dafür, dass wir vertrauen sollen, unsere Netze in seinem Namen auswerfen (vgl. Lk 5,5), selbst eine Begegnung mit Jesus anstreben und auch unsere Mitmenschen hierzu verhelfen sollen (vgl. Mk 2,312).

Ein demütiges Gebet ist gleichzeitig immer auch ein dankbares Gebet. Das lehrt uns Christus selbst in seinem Gebet zum Vater: „Ich danke dir, dass du mich erhört hast“ (Joh 11,41), „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verbor-gen, den Unmündigen aber offenbart hast“ (Mt 11,25). Dankbarkeit ist ein Zeichen dafür, dass wir Gottes Wirken in unserem Leben anerken-nen, dass wir uns bewusst sind, dass er in den kleinen und großen Ereig-nissen unseres Lebens die Finger mit im Spiel hat. Einer dankbaren Seele entgehen Gottes Geschenke nicht, und genau deshalb gibt sie selbst inmitten von Dunkelheit und Prüfungen des Lebens an andere Friede und Freude weiter. Auf diese Weise öffnet uns die Dankbarkeit die Tür zur Hoffnung, denn wir nehmen die Gegenwart Gottes besser wahr, „denn in Wirklichkeit ist er nicht weit. Du bist es, der fern ist. Liebe ihn und er wird sich dir nähern: liebe ihn und er wird in dir wohnen“ (vgl. Hl. Augustinus, Sermones 21,34).


3. Bitte und Fürsprache

Oft beten wir, um unsere Nöte oder die unserer Schwestern und Brüder vor Gott hinzutragen. Angesichts einer besonderen Prüfung, einer prob-lematischen Situation oder der täglichen Schwierigkeiten, unsere Beru-fung als Christen treu zu leben, sind wir sicher, im Gebet den inneren Frieden und das Licht zu finden, das wir brauchen, um unseren Weg ge-hen zu können. Das echte Gebet lehrt uns, die Pläne, die die göttliche Liebe in dieser unerwarteten Situation für uns bereithält, zu entdecken. Dieses Gebet und diese Offenheit führen normalerweise nicht zu einem Verstehen oder einer beruhigenden Überzeugung der Vernunft, sondern bewirken, dass sich durch Erfahrung eine Glaubensgewissheit entwi-ckelt: Gott wählte das Kreuz als Werkzeug der Erlösung und bindet uns in einer oft geheimnisvollen Weise in diesen Vorgang mit ein. Am Bei-spiel Christi, der uns bis zur Vollendung geliebt hat, lässt er uns den Sinn des Leidens erkennen. Die Betrachtung des Gekreuzigten verschlägt uns die Sprache und erfüllt uns mit Liebe und Dankbarkeit.

Im Vaterunser finden wir ein Beispiel dafür, wie wir unsere Bitten an Gott richten sollen. Wenn wir uns mit reiner Absicht an ihn wenden und nur darauf bedacht sind, ihm zu gefallen, indem wir seinen Willen erfül-len, um sein Reich aufzubauen, lernen wir unser Herz zu erheben und so zu bitten, wie es sich gehört. Wir erkennen, dass seine Wege nicht die unseren sind, und dass seine die unseren weit übertreffen. Er weiß besser als wir selbst, welche Gaben wir brauchen: Wenn wir sie im Vertrauen vor ihm offenlegen, stellen wir uns darauf ein, jene Gaben zu empfangen, die er uns als guter Vater schenken möchte.

Es erfreut Gott, wenn wir für unseren Nächsten bitten. Ohne Zweifel be-steht die größte Hilfe, die man jemandem zukommen lassen kann darin, für ihn zu beten, damit er Gott näher kommt. Papst Benedikt hat uns während der Vorbereitungen des Treffens in Assisi daran erinnert, dass der wertvollste Beitrag eines Christen zum Frieden in der Welt das Gebet ist. Angesichts der vielen Ereignisse, die uns aufgrund ihrer Unvereinbarkeit mit Gottes Plan verunsichern und in uns Schmerz verursachen, ist die wichtigste Antwort das Gebet. Denn beim Beten lernen wir, in das Herz Gottes zu schauen und die Schwierigkeiten mit seinen Augen zu sehen. Wir lernen das Böse in der Welt mit dem Erlöserherzen Christi zu betrachten, der nicht kam, um zu richten oder zu verurteilen, sondern um zu retten.


4. Das Gebet und der Friede

Andererseits erlaubt das Gebet dem Hl. Geist auch, uns seine Früchte zu schenken. Der hl. Paulus ruft sie uns in seinem Brief an die Galater in Erinnerung: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung; dem allem widerspricht das Gesetz nicht“ (Gal. 5,2223). Heute ist Christus, der König des Universums, unser Betrachtungsgegenstand. Bedenken wir aber, was Benedikt XVI. uns vor kurzem ins Gedächtnis gerufen hat: „Er ist ein friedfertiger König, der mit Demut und Güte vor Gott und den Menschen regiert (…), er ist der König des Friedens, durch die Macht Gottes, die Macht des Guten, die Macht der Liebe. Er ist ein König, der die Streitwagen und Schlachtpferde vernichten, die Kriegsbogen zerbrechen wird; ein König, der den Frieden am Kreuz verwirklicht, wo er Himmel und Erde miteinander verbindet und eine brüderliche Brücke zwischen allen Menschen schlägt“ (Audienz, 26. Oktober 2011). Diese Konflikte und Kriege nisten auch im Inneren des Herzens: Auch dorthin bringt der Herr – durch fortgesetzte Betrachtung und ständigen Austausch – Frieden und Trost. So werden auch wir in dem Maß, in dem wir Frieden in unseren Herzen haben, für unsere Brüder „Werkzeuge der Liebe“ sein, wie es im bekannten „Gebet des hl. Franz von Assisi“ heißt.

Liebe Freunde, ich wollte mit ihnen Themen besprechen und auffrischen, die für Sie nicht neu und sicher schon Teil Ihres Lebens sind, die uns aber helfen, das Wesentliche im Leben eines Apostels im Auge zu behalten, und die daher in Zwiesprache mit Christus überdacht und in Augenschein genommen werden sollten. Er selbst möge das Gesagte in ihrem Herzen Frucht bringen lassen, und die Bewegung weiterhin zu einer Familie machen, die in ihm geeint ist. Möge er uns in dieser Familie mit dem vertrauensvollen Bewusstsein erfüllen, Maria als Mutter zu haben. In diesem Sinne vertrauen wir uns ihrem mütterlichen Schutz an.

Sie alle dürfen stets auf mein Gebet für Sie zählen.
In Christus und der Bewegung,

P. Álvaro Corcuera LC

Übersetzung des spanischsprachigen Originals


Zum Christkönigstag 2011

Zum Christkönigstag 2011

P. Álvaro Corcuera LCDein Reich komme!


Rom, den 20. November 2011

An alle Mitglieder und Freunde des Regnum Christi
anlässlich des Christkönigfestes

Liebe Freunde in Christus,

Es ist mir stets eine große Freude, mich an Sie zu wenden, liebe Mitglie-der und Freunde des Regnum Christi, vor allem, um Ihnen für ihre bei-spielhafte und großzügige Hingabe zu danken sowie für Ihre Gebete und so viele Gesten Ihrer treuen Unterstützung. Ich nehme diesen Tag, den die gesamte Kirche und unsere geistige Familie der Bewegung besonders schätzt, zum Anlass, um Ihnen ein paar Gedanken mit auf den Weg zu geben, die uns allen helfen können unsere christliche Berufung als Apostel auch weiterhin so zu leben, wie Gott das von uns erwartet.

Wir wissen, dass die Bewegung ein Werk des Heiligsten Herzen Jesu ist. Christus selbst hat uns auf ganz persönliche Weise dazu eingeladen, Zeugen seiner Liebe zu sein und sein Reich unter unseren Mitmenschen auszubreiten. Heute richten wir unseren Blick auf ihn und danken ihm für alle Wohltaten, die er durch jeden Einzelnen gewirkt hat. Christus, den wahren König des Universums zu betrachten, belebt und tröstet uns, denn seine unermessliche Liebe überwindet alles Böse in der Welt. So, wie er es den ersten Jüngern versichert hat, verspricht er auch uns, bis zum Ende der Zeiten stets bei uns zu bleiben. Er ist wahrhaftig die Erfüllung all unserer Sehnsüchte, er offenbart uns, wie wertvoll jeder einzelne Mensch in Gottes Augen ist, und sichert uns den endgültigen Triumph seiner Liebe zu.

Seine Herrschaft ist nicht von dieser Welt. Christus gibt sich als König des Friedens, der sanft und demütig von Herzen ist, zu erkennen. Er re-giert vom Thron des Kreuzes aus. Seine Demut erfüllt uns mit Frieden, und spornt uns dazu an, sein sanftes und demütiges Herz nachzuahmen. Lasst uns unseren Blick auf ihn richten, um in uns dieselben Gefühle wachzurufen, und uns von seiner Liebe zu allen Menschen durchdringen zu lassen. Er hat uns durch sein Beispiel gelehrt wie wir unseren Mitmenschen dienen sollen, und uns auf diese Weise den sicheren und klaren Weg gezeigt, um einst in sein ewiges Reich einzugehen.

Durch das Gebet werden wir Christus stets ähnlicher, und deshalb möchte ich einige Gedanken zu diesem Thema mit Ihnen teilen. Unser Gebetsleben spiegelt sich in unserem persönlichen Leben wider. Im Moment behandelt Papst Benedikt XVI. das Gebet in einer Reihe von Katechesen, die voller wertvoller Anregungen sind. Vor allem aber öffnet er uns sein eigenes Herz, denn im Gebet und in der Einheit mit Gott findet er die Kraft und das Licht, um die Kirche zu leiten. Auch wir sind dazu berufen das Gebet nicht nur als ein Mittel zum Wachstum im geistlichen Leben und in der Heiligkeit anzusehen, sondern aus dem Gebet eine echte Lebensnotwendigkeit zu machen, etwas, ohne das wir einfach nicht leben können.

1. Eine Begegnung mit Gott, die uns verändert

Das christliche Gebet ist vor allem eine Begegnung mit Christus, in der wir seine Liebe zu uns Menschen betrachten. Wir müssen uns anstren-gen, um auf angemessene Weise vorbereitet in Gottes Gegenwart treten zu können, aber wir wissen auch, dass im Gebet Gott die Hauptperson ist, und wir mit gefügigem Herzen auf seine Stimme hören sollen. Der hl. Augustinus drückt es mit folgenden lehrreichen Worten aus: „Im Gebet begegnet der Durst Gottes dem Durst des Menschen. Gott dürstet danach, dass der Mensch nach ihm dürstet“ (vgl. Hl. Augustinus, De diversis quaestionibus octoginta tribus 64,4).

Wenn wir bereitwillig und mit offenem Herzen auf diese Begegnung mit Christus zugehen, wird sie uns bis in unser innerstes Wesen hin verwan-deln. Das Gebet ändert unsere Ansichten, unser Denken und Fühlen. Im Gebet schenkt uns Gott ein neues, liebendes Herz, das fähig ist, zu ver-zeihen und sich zu verschenken. Die Begegnung mit Christus im Gebet ermöglicht es uns, sein Herz zu berühren, und erlaubt ihm unser Herz dem seinen immer ähnlicher zu gestalten (vgl. Mt 11,29). Wir lernen, wie er zu fühlen und machen uns seine Gesinnung zu eigen (vgl. Phil 2,5), er hingegen, trocknet unsere Tränen (vgl. Jes 25,8). Diese geheim-nisvolle Wandlung vollzieht sich gerade dann, wenn er unser Herz be-rührt, es heilt, befreit und beschwingt und es nach dem seinen bildet.

In dieser besonderen Zeit, die wir durchleben, lädt Gott uns dazu ein, in seiner Nähe zu verweilen, damit er alle Verletzungen unserer Seele hei-len kann, um uns Trost zu spenden, und uns seinen liebevollen Plan für das Regnum Christi und jeden Einzelnen von uns zu offenbaren: die Heiligkeit. Als der Papst vor einigen Wochen drei neue Heilige zur Ehre der Altäre erhob, betonte er in seiner Predigt vor allem zwei Merkmale dieser Heiligen, nämlich dass sie sich von der Liebe Gottes haben verwandeln lassen, und dass diese Liebe sich in ihrer Beziehung zum Mitmenschen widerspiegelte, so dass sie wie der hl. Paulus sagen konnten: „nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). Der Heilige Vater fügte hinzu: „sie haben sich von der göttlichen Liebe umformen lassen und ihr ganzes Leben auf sie hin gestaltet. In verschiedenen Situationen und mit verschiedenen Gnadengaben haben sie den Herrn mit ganzem Herzen geliebt und den Nächsten wie sich selbst“ (vgl. Predigt vom 23. Oktober 2011).

Diese Umformung ist zunächst einmal nicht Frucht einer Entscheidung oder unserer eigenen Anstrengung, sondern rührt von unserer Offenheit für Gottes Gnade im Gebet und in den Sakramenten her. Wenn wir uns in Gottes leidenschaftliche Liebe hineinversenken, werden wir aus derselben Leidenschaft heraus, unser Leben für Christus und zur Rettung der Seelen verzehren. Im Gebet wächst unsere Begeisterung für die Mission. So erging es auch dem hl. Paulus; seine große Leidenschaft war es, Christus zu verkünden und das hat sein ganzes Leben bestimmt. Unter Begeisterung verstehe ich hier nicht ein seichtes, flüchtiges Gefühl, sondern die tiefgreifende Überzeugung eines Menschen, der sich bewusst ist, dass ihm ein großer Schatz, den er nicht für sich selbst behalten kann, anvertraut wurde.


2. Demut und Vertrauen

Die Demut ist wie eine Tür, durch die wir in Gottes Gegenwart eintreten können. Es ist allgemein bekannt, dass Gott besondere Freude an demü-tigen Seelen hat, und ihnen gerne seine Gnade schenkt. Die Demut hilft uns, in der Wahrheit zu leben, und befreit uns von der Eigenliebe, die uns mehr als alles andere daran hindert, Gott im Gebet zu betrachten. Ein demütiges Gebet hingegen erlaubt es Gott, in uns zu wirken – und vereint mit ihm vermögen wir alles.

Ein Mensch mit demütigem Herzen setzt all sein Vertrauen auf Gott, und überlässt ihm alle Sorgen und Schwierigkeiten. Der Papst lehrt uns in seinen Audienzen: „Die Zuwendung zum Herrn im Gebet schließt einen tiefgreifenden Akt des Vertrauens ein, im Bewusstsein, sich einem Gott anzuvertrauen, der gut ist, „barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Huld und Treue“ (…) Unter der Führung des guten Hirten, Christus, sind wir sicher, dass wir auf den „rechten“ Wegen gehen, dass der Herr uns führt, uns immer nahe ist und uns nichts fehlen wird“ (Generalaudienz vom 5. Oktober 2011).

Vertrauen und Demut sind wie zwei Schlüssel, die uns erlauben, in die innere Dynamik der verwandelnden Liebe des Heiligsten Herzens Jesu einzutreten. Vor seinem Angesicht vergeht alles, was nicht von ihm stammt, und so befreit er uns von den Fesseln unserer Ichbezogenheit und unserer individualistischen Tendenzen. Wenn einerseits die Demut darin besteht, dass sie uns erlaubt, uns selbst in der Wahrheit zu betrachten, so ist andererseits die Wahrheit das, was Gott in jedem von uns sieht: diese authentische Selbsterkenntnis ist eine Frucht des Gebetes, denn durch sie empfangen wir eine Teilhabe an Gottes Sichtweise. Diese Ehrlichkeit entmutigt uns nicht, sondern sie öffnet uns die Augen dafür, dass wir vertrauen sollen, unsere Netze in seinem Namen auswerfen (vgl. Lk 5,5), selbst eine Begegnung mit Jesus anstreben und auch unsere Mitmenschen hierzu verhelfen sollen (vgl. Mk 2,312).

Ein demütiges Gebet ist gleichzeitig immer auch ein dankbares Gebet. Das lehrt uns Christus selbst in seinem Gebet zum Vater: „Ich danke dir, dass du mich erhört hast“ (Joh 11,41), „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verbor-gen, den Unmündigen aber offenbart hast“ (Mt 11,25). Dankbarkeit ist ein Zeichen dafür, dass wir Gottes Wirken in unserem Leben anerken-nen, dass wir uns bewusst sind, dass er in den kleinen und großen Ereig-nissen unseres Lebens die Finger mit im Spiel hat. Einer dankbaren Seele entgehen Gottes Geschenke nicht, und genau deshalb gibt sie selbst inmitten von Dunkelheit und Prüfungen des Lebens an andere Friede und Freude weiter. Auf diese Weise öffnet uns die Dankbarkeit die Tür zur Hoffnung, denn wir nehmen die Gegenwart Gottes besser wahr, „denn in Wirklichkeit ist er nicht weit. Du bist es, der fern ist. Liebe ihn und er wird sich dir nähern: liebe ihn und er wird in dir wohnen“ (vgl. Hl. Augustinus, Sermones 21,34).


3. Bitte und Fürsprache

Oft beten wir, um unsere Nöte oder die unserer Schwestern und Brüder vor Gott hinzutragen. Angesichts einer besonderen Prüfung, einer prob-lematischen Situation oder der täglichen Schwierigkeiten, unsere Beru-fung als Christen treu zu leben, sind wir sicher, im Gebet den inneren Frieden und das Licht zu finden, das wir brauchen, um unseren Weg ge-hen zu können. Das echte Gebet lehrt uns, die Pläne, die die göttliche Liebe in dieser unerwarteten Situation für uns bereithält, zu entdecken. Dieses Gebet und diese Offenheit führen normalerweise nicht zu einem Verstehen oder einer beruhigenden Überzeugung der Vernunft, sondern bewirken, dass sich durch Erfahrung eine Glaubensgewissheit entwi-ckelt: Gott wählte das Kreuz als Werkzeug der Erlösung und bindet uns in einer oft geheimnisvollen Weise in diesen Vorgang mit ein. Am Bei-spiel Christi, der uns bis zur Vollendung geliebt hat, lässt er uns den Sinn des Leidens erkennen. Die Betrachtung des Gekreuzigten verschlägt uns die Sprache und erfüllt uns mit Liebe und Dankbarkeit.

Im Vaterunser finden wir ein Beispiel dafür, wie wir unsere Bitten an Gott richten sollen. Wenn wir uns mit reiner Absicht an ihn wenden und nur darauf bedacht sind, ihm zu gefallen, indem wir seinen Willen erfül-len, um sein Reich aufzubauen, lernen wir unser Herz zu erheben und so zu bitten, wie es sich gehört. Wir erkennen, dass seine Wege nicht die unseren sind, und dass seine die unseren weit übertreffen. Er weiß besser als wir selbst, welche Gaben wir brauchen: Wenn wir sie im Vertrauen vor ihm offenlegen, stellen wir uns darauf ein, jene Gaben zu empfangen, die er uns als guter Vater schenken möchte.

Es erfreut Gott, wenn wir für unseren Nächsten bitten. Ohne Zweifel be-steht die größte Hilfe, die man jemandem zukommen lassen kann darin, für ihn zu beten, damit er Gott näher kommt. Papst Benedikt hat uns während der Vorbereitungen des Treffens in Assisi daran erinnert, dass der wertvollste Beitrag eines Christen zum Frieden in der Welt das Gebet ist. Angesichts der vielen Ereignisse, die uns aufgrund ihrer Unvereinbarkeit mit Gottes Plan verunsichern und in uns Schmerz verursachen, ist die wichtigste Antwort das Gebet. Denn beim Beten lernen wir, in das Herz Gottes zu schauen und die Schwierigkeiten mit seinen Augen zu sehen. Wir lernen das Böse in der Welt mit dem Erlöserherzen Christi zu betrachten, der nicht kam, um zu richten oder zu verurteilen, sondern um zu retten.


4. Das Gebet und der Friede

Andererseits erlaubt das Gebet dem Hl. Geist auch, uns seine Früchte zu schenken. Der hl. Paulus ruft sie uns in seinem Brief an die Galater in Erinnerung: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung; dem allem widerspricht das Gesetz nicht“ (Gal. 5,2223). Heute ist Christus, der König des Universums, unser Betrachtungsgegenstand. Bedenken wir aber, was Benedikt XVI. uns vor kurzem ins Gedächtnis gerufen hat: „Er ist ein friedfertiger König, der mit Demut und Güte vor Gott und den Menschen regiert (…), er ist der König des Friedens, durch die Macht Gottes, die Macht des Guten, die Macht der Liebe. Er ist ein König, der die Streitwagen und Schlachtpferde vernichten, die Kriegsbogen zerbrechen wird; ein König, der den Frieden am Kreuz verwirklicht, wo er Himmel und Erde miteinander verbindet und eine brüderliche Brücke zwischen allen Menschen schlägt“ (Audienz, 26. Oktober 2011). Diese Konflikte und Kriege nisten auch im Inneren des Herzens: Auch dorthin bringt der Herr – durch fortgesetzte Betrachtung und ständigen Austausch – Frieden und Trost. So werden auch wir in dem Maß, in dem wir Frieden in unseren Herzen haben, für unsere Brüder „Werkzeuge der Liebe“ sein, wie es im bekannten „Gebet des hl. Franz von Assisi“ heißt.

Liebe Freunde, ich wollte mit ihnen Themen besprechen und auffrischen, die für Sie nicht neu und sicher schon Teil Ihres Lebens sind, die uns aber helfen, das Wesentliche im Leben eines Apostels im Auge zu behalten, und die daher in Zwiesprache mit Christus überdacht und in Augenschein genommen werden sollten. Er selbst möge das Gesagte in ihrem Herzen Frucht bringen lassen, und die Bewegung weiterhin zu einer Familie machen, die in ihm geeint ist. Möge er uns in dieser Familie mit dem vertrauensvollen Bewusstsein erfüllen, Maria als Mutter zu haben. In diesem Sinne vertrauen wir uns ihrem mütterlichen Schutz an.

Sie alle dürfen stets auf mein Gebet für Sie zählen.
In Christus und der Bewegung,

P. Álvaro Corcuera LC

Übersetzung des spanischsprachigen Originals

 

Aus Anlass des Christkönigsfestes 2011 schrieb P. Álvaro Corcuera diesen Brief an die Mitglieder und Freunde der Bewegung Regnum Christi.

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