Donnerstag, 3. April 2008

Brief zu Ostern 2008


Brief von P. Álvaro Corcuera LC vom 19.3.2008 an die Mitglieder und Freunde der Bewegung Regnum Christi

Dein Reich komme!

An alle Mitglieder und Freunde des Regnum Christi
sowie alle Teilnehmer der Missionen in der Karwoche

 

Salamanca, 19. März 2008

Liebe Freunde in Christus!

Wir feiern in diesen Tagen die Geheimnisse des Leidens, des Todes und der Auferstehung Jesu Christi, Geheimnisse, in denen wir seine Liebe zu uns entdecken können, die bis zur Vollendung geht. Diese Betrachtung vermittelt uns den Trost und die Gewissheit, dass er uns in hohem Maße liebt und uns von allem Bösen und von der Sünde erlöst. Er geht an unserer Seite, er versteht uns und trägt mit an unserem Kreuz. Wenn wir dieser Dinge gewahr werden, dann wünschen wir uns nichts sehnlicher, als dem Übermaß an Schmerz, den wir in seinem Herzen wahrnehmen, Linderung zu verschaffen. Christus macht unser Dasein schön und erfüllt es mit Licht, denn statt dass wir um uns selber kreisen und um das, was uns widerfährt, lässt er uns für Gott und für den Nächsten leben.

Auch auf dem Weg, den wir als Bewegung innerhalb der Kirche und in deren Dienst zurücklegen, will Christus alle Tage unter uns gegenwärtig sein. Bisweilen lässt er uns seine Liebe auf ganz besondere Weise erkennen, und ich glaube, dazu gehörte der vergangene Samstag, an dem der Heilige Vater, Benedikt XVI., mich in Privataudienz empfangen wollte, um uns allen seine väterliche Nähe zum Ausdruck zu bringen. Diese Einladung galt nicht so sehr meiner Person, als vielmehr uns allen, die wir gemeinsam ein und derselben Familie angehören.

In einem seiner Briefe schreibt Nuestro Padre, unser Gründer: „Wie nahe habe ich mich doch jedes Mal bei Gott gefühlt, wenn ich dem Papst nahe war! Wie sehr danke ich dem Herrn für diese unschätzbare Gnade!“ Und wirklich: Es ist eine unermessliche Gnade, mit dem Stellvertreter Christi auf Erden persönlich zu sprechen, denn wir wissen, dass er der Fels ist, auf den Jesus Christus für alle Zeiten seine Kirche hat bauen wollen. In dieser Karwoche, in der die Erinnerung an unseren Gründervater in uns so lebendig ist, denken wir an jenen Leitspruch, den er uns hinterlassen hat: mit der Kirche Schritt halten – in der Gewissheit, dass wir so Gottes Willen erfüllen.

In seiner Herzensgüte hat der Heilige Vater mir die unverdiente Ehre dieser Audienz zu einem Zeitpunkt gewähren wollen, da ein zweites Kapitel in unserer Geschichte beginnt, einer Geschichte, die nun vollständig uns Mitbegründern überantwortet bleibt. Der Papst wollte uns als Familienoberhaupt und in seiner Eigenschaft als Lehrmeister zur Seite stehen und dazu ermutigen, auch weiterhin unter den Menschen die Liebe Christi zu verkünden, dazu beizutragen, dass mehr Menschen sich in die Pflicht genommen fühlen, im Dienst der Kirche und ihrer Hirten Christi Reich auszubreiten.

Ich erinnere mich daran, wie bei unserer Ankunft im Vatikan, auf dem Weg zu den Zimmern des Heiligen Vaters, der Bedienstete, der uns führte, uns in der „Sala Clementina“ auf einige Details hinwies. Vor einem Gemälde, das den Sturm auf dem See darstellt, den Jesus zum Schweigen gebracht hatte, kam mir der Gedanke, dass dies ein treffendes Bild für das Leben der Kirche ist. Es wird immer viele Wellen und Windböen geben, doch Christus befindet sich an Bord und wir sind mit ihm in einem Boot. Deshalb können wir uns mit den Worten des Psalmisten an ihn wenden: „Ich will dich rühmen, Herr, meine Stärke“ (18,2). Es ist unsere Berufung, bei Christus zu sein und an seiner Seite zu leben. Wir wissen, dass es nicht genügt, aktiv zu sein, alle möglichen Dinge zu tun: Christus will vor allem, dass wir in ihm sind und in ihm leben – insbesondere dann, wenn die Wellen unser Boot hin– und herbewegen.

Denken wir daran, wie oft Christus uns im Evangelium sagt, dass wir keine Angst zu haben brauchen, dass er bei uns ist, - wir haben nichts zu fürchten! Mehr noch, wenn wir uns rühmen, dann sollen wir uns, so wie der heilige Paulus, des Kreuzes Christi rühmen (vgl. Gal 6,14). Ja, seinem Beispiel nachfolgend sollen wir Christus so sehr lieben, dass wir, verglichen mit der Erkenntnis Christi, alles als Verlust ansehen (vgl. Phil 3,8).

In schwierigen Situationen erkennen wir leichter unser Elend, und dieses Elend ist für Gott gewissermaßen der Anlass, uns auf besondere Weise mit seiner Güte und seiner unendlichen Zärtlichkeit liebevoll zu umgeben. Er stärkt uns, und so erkennen wir, dass es über unsere Kräfte geht, über unsere menschlichen Fähigkeiten oder Qualitäten, Menschenherzen zu verwandeln. Das bewerkstelligt allein seine Gnade und Barmherzigkeit.

Der Bedienstete, dem wir nachfolgten, wies mich und die Priester, die mich begleiteten, auch auf einige optische Effekte im Saal hin. Es gibt dort einige tragende Säulen. Wenn man nun durch den Saal hindurchgeht, verschieben sich allmählich alle Wandgemälde, während es jedoch so scheint, als ob die Säulen immer unbeweglich bleiben. Mir kam der Gedanke, dass dies die Berufung der Mitglieder des Regnum Christi versinnbildlicht: Es ist unsere Aufgabe, Werkzeuge Gottes zu sein, damit viele Menschen, die Gott suchen, Halt finden und auf ihrem Weg zum Heil Orientierung empfangen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die Säulen bemerkt werden oder nicht, sondern darauf, dass sie die Last tragen.

Mehr denn je ist es heute unsere Aufgabe, Säulen zu sein, fest in der Übung der Tugend zu stehen, auch wenn wir von Natur aus schwach und bedürftig sind. Gott ist nämlich unsere Kraft, und in unserer Schwäche erweist sich die Stärke Gottes. Wenn unsere Mitmenschen uns als die uns aufgebürdete Last erscheinen, gibt er uns zu erkennen, dass diese Last leicht ist und dass es andererseits die Liebe selbst ist, die unserem Dasein Gewicht verleiht. Dann werden auch die Worte Christi leichter verständlich: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt […]; denn ich bin gütig und von Herzen demütig […]. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht“ (Mt 11,2830).

Noch einige Tage und wir werden uns auch der Worte des heiligen Paulus erinnern: „Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische!“ (Kol 3,2). Wenn wir alles von oben her betrachten, von Gottes Warte aus, vom Standpunkt des Glaubens und vom Himmel aus, dann wird jede Bürde, die uns auferlegt wird, zu jenem sanften Joch und jener leichten Last, von der Christus spricht. Denn wie könnten wir uns über die Freude beklagen, das Leben aus Liebe zu Gott für unsere Brüder und Schwestern einzusetzen? „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13). Denken wir daran, wie Nuestro Padre, unser Gründer, uns gelehrt hat, den anderen eine Stütze zu sein, nicht an uns selber zu denken, uns von allem loszumachen, was uns möglicherweise fesselt und zu Sklaven macht, solange wir hiermit nur das Kreuz auf uns nehmen, das Christus voller Liebe für uns bereithält, damit wir ihm Gesellschaft leisten.

Angesichts der Worte Christi, angesichts seiner Passion und seines Martyriums, seiner Tränen und der unvorstellbaren Schmerzen, die er in Getsemani durchlitten hat, kann es nur eine Antwort geben: die der Dankbarkeit. Er, der uns bis zur Vollendung geliebt hat, „der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20), verdient nur eines: unsere Dankbarkeit und unsere hingebungsvolle Liebe.

Erst gestern habe ich die Karmelitinnen vom Karmel der Menschwerdung in Avila besucht. Welch großes Beispiel geben uns doch diese heiligmäßigen Frauen, die ganz von der Liebe zu Christus erfüllt sind! An ihrer Freude erkannte man, dass Christus ihr Leben ist, dass ihre Freude darin besteht, zu lieben, das heißt sich hinzugeben. Eine von ihnen - eine echte Heilige - erinnerte mich daran, dass es darauf ankommt, den gegenwärtigen Augenblick zu leben. Zuweilen bedrückt uns die Erinnerung an Vergangenes oder die Ungewissheit und Furcht vor der Zukunft, vor allem dann, wenn wir – vielleicht mit Gottes Erlaubnis – schwere Zeiten durchmachen, die wir manchmal durch unsere eigene Schuld verursacht haben. Und doch will Gott, dass wir in der Gegenwart - in der Hingabe jedes Augenblicks - glücklich sind, indem wir die Vergangenheit und Zukunft ihm überlassen. Als ich bei den Schwestern war, dachte ich darüber nach, dass es kein größeres Glück geben kann, als in Gemeinschaft mit Gott zu leben und bei ihm zu sein. Sie sind so glücklich und froh, weil sie an nichts gefesselt sind. Sie haben vielmehr ihr tägliches Leben in eine einzige Opfergabe und ein Gebet verwandelt. Sie führen ein Leben der Selbstverleugnung, nehmen jeden Tag ernsthaft ihr Kreuz auf sich, bringen sich gemeinsam mit Christus zum Opfer dar, um dann schließlich irgendwann in die ewi-ge Umarmung hineingenommen zu werden. Wenn man so lebt, den Blick schon hier fest auf Gott gerichtet, dann kommt einem spontan jener ermunternde Gesang zur heiligen Messe in den Sinn: „Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, was er mir Gutes getan hat?“ In diesem Sinne zeigen uns diese Tage des österlichen Triduums, dass der Schmerz von der Liebe her seinen Ursprung und seine Rechtfertigung besitzt.

Später betrachteten wir – um auf unseren Besuch beim Heiligen Vater zurückzukommen – eine große Krone, deren Abbild sich in einer Ecke der Aula befand. Wenn man sich von ihr entfernt und sie von der Mitte her betrachtet, nimmt die Krone die Form eines Herzens an. Dabei kam mir der Gedanke, dass die Krone, mit der Christus in unserem Leben herrscht, die Krone der Nächstenliebe ist. Dienen heißt mit Christus herrschen. Er hat uns nämlich gelehrt, dass sein Thron das Kreuz und seine Herrlichkeit die Selbsterniedrigung ist. Die Worte, die wir in diesen Tagen lesen, wenn wir uns mit Jesajas Text über den Gottesknecht, der wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wird, beschäftigen, zeichnen gewissermaßen sein Gesicht nach, oder sie sind ein Porträt der Antwort Jesu auf die Frage des Pilatus: „Also bist du doch ein König?“ – „Du sagst es, ich bin ein König.“ (Joh 18,37)

Wir sind dazu berufen, Zeichen zu sein, denen widersprochen wird, dazu berufen, das Böse mit dem Guten zu besiegen, nach dem Motto zu leben, das uns so zu Herzen geht: Dein Reich komme! Dieses Reich Christi unterscheidet sich nur allzu oft von dem, was wir Menschen uns darunter vorstellen: Es ist das Reich der Demut, der Einfachheit, der Nächstenliebe und eines liebenden und betrachtenden Schweigens, das allein die eigene Hingabe mit allem, was man empfangen hat, zum Ziel hat.

Wir gingen weiter und sahen einen Wandteppich mit der Kreuzabnahme, auf dem besonders die Tränen aller dargestellten Personen hervorstachen. Als ich mir das ansah, musste ich daran denken, wie Christus den Vater unter Tränen bat, diesen Kelch wenn möglich an ihm vorübergehen zu lassen (vgl. Hebr 5,7). Dann aber bat er flehentlich, dass der Wille des Vaters geschehen möge und lehrte uns durch sein Leiden den Gehorsam zu suchen und im Willen Gottes das zu sehen, was unserem ganzen Leben Sinn verleiht. Darin besteht das „Ja“ eines jeden Augenblicks. Obwohl wir Fehler und Sünden begehen, Grenzen haben, hinstürzen, richtet Christus uns immer wieder auf und bringt uns sogar in eine bessere Verfassung als vorher, denn er lehrt uns, völlig auf ihn zu vertrauen.

Das Wirken Gottes an uns ist mit einem Teppich vergleichbar. Auf der Rückseite sieht man nichts als ein Gewirr von Fäden. Von vorne hingegen sieht man die abgebildeten Gestalten und Konturen in ihrer ganzen Schönheit. Zuweilen erkennen wir nicht, was Gott gerade mit uns vorhat. Er jedoch irrt sich nie im Zeitpunkt und in der Methode. Gott selbst formt uns – wie das bei jenen Kunstwerken der Fall ist, bei denen jeder Pinselstrich eine Liebkosung ist, die darauf abzielt, jene Gestalt zur Vollendung zu bringen, von der Gott sehen möchte, dass sie in jedem von uns, seinen Kindern, Form annimmt: die Gestalt Christi, die Güte Christi. Es gehört deshalb zum Geheimnis unserer Berufung, dass Gott uns in seiner Güte durch verschiedene Prüfungen hat gehen lassen, um uns auf diese Weise zu lehren, dass er der Hauptakteur ist und so bewirkt, dass in allem die Reinheit seiner Liebe sichtbar wird.

Als ich noch mit diesen Gedanken beschäftigt war, rief uns der Privatsekretär des Heiligen Vaters und wir wurden eingelassen, um den Papst zu begrüßen, der uns mit großer Güte und Herzlichkeit empfing. Seine Freude und der Wunsch, uns freundlich aufzunehmen standen ihm, dem Stellvertreter Christi und Abbild des Guten Hirten, im Gesicht, wie das überhaupt stets der Fall ist, wenn ihn jemand aufsucht.

In seiner schlichten Art bot er mir einen Platz an und knüpfte in seinen Worten an eine Begegnung an, die wir im vergangenen Jahr hatten. Ich sagte ihm, dass ich mich nicht würdig fühlte, an diesem Ort zu sein, dass es eine sehr große und unverdiente Gnade sei, bei ihm zu sein, dass ich jedoch wüsste, dass diese nicht mir gelte, sondern allen Legionären Christi und Mitgliedern der Bewegung, die alle zugegen seien, um ihm ihre Verbundenheit, Liebe und kindliche Hingabe zum Ausdruck zu bringen – ganz besonders aufgrund der Tatsache, dass Nuestro Padre verschieden ist. Weiterhin bat ich ihn stellvertretend für alle um sein Gebet, damit wir der Mission treu bleiben, die Gott uns anvertraut hat. Ferner dankte ich ihm für alles, was er für die Kirche tut, und brachte unseren Wunsch zum Ausdruck, die Last seines Kreuzes irgendwie zu erleichtern, indem wir unser Leben Christus und der Kirche aufopfern.

Während unserer Begegnung sprachen wir über einige Apostolate der Bewegung und über Bereiche, in denen die Dinge gut voranschreiten, über den Geist, den Gott uns geschenkt hat, der uns zu einem Herz, einer Seele und einem Leib werden lässt. Ich sagte ihm, dass nun das zweite Kapitel unserer Geschichte begonnen habe, und gemeinsam wiesen wir darauf hin, dass Gottes Auftrag an uns nun darin bestehe, Christus, seiner Kirche und dem, was wir als Mitglieder der Bewegung empfangen haben, in hohem Maße treu zu sein.

Wir kamen auf das Gebot der Liebe zu sprechen, von dem wir uns immer leiten lassen müssen, denn nur die Liebe vermag allem einen Sinn zu verleihen, ohne sie hingegen ist alles wertlos. Ich erwähnte, dass er in einer seiner Audienzen, und zwar im Zusammenhang mit der Demut, über den heiligen Augustinus gesprochen hatte. Daraufhin begann er mir zu erklären, dass die Demut das Tor zu den übrigen Tugenden ist und dass deshalb Demut und Einfachheit auch unser Leben, wie das Leben Christi, immer auszeichnen müssen. Wir spielen nicht die Hauptrolle: Christus ist derjenige, der handelt, und wir sind seine Werkzeuge.

Dann sprachen wir davon, wie wichtig und dringend notwendig es ist, zu wachsen – nicht um des Wachsens willen, sondern um mit Liebe und Dienstbereitschaft Gottes Anruf zu entsprechen. Immer müssen wir bestrebt sein, zu dienen und uns hinzugeben, denn die Kirche ist mehr denn je darauf angewiesen, dass wir das Evangelium verkünden, wie Christus es uns aufgetragen hat: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15). Es ist unser Glaube und wir sind uns dessen gewiss, dass hier, im Evangelium, die Lösung aller Probleme unserer Mitmenschen zu finden ist.

Ich bin sicher, dass wir uns in diesen Zeiten nichts sehnlicher wünschen, als der Kirche zu helfen und zu dienen, da es eigentlich keine andere Alternative gibt, als eine heilige, von Christus erfüllte und auf ihn ausgerichtete Bewegung zu sein. Das ist das Vermächtnis von Nuestro Padre: unsere Verkündigung soll allein in Christus ihren Ausgangspunkt nehmen, nur um seinetwillen geschehen. Gott lädt uns dazu ein, keine Angst zu haben, unsere Netze so weit auszuwerfen, wie wir nur können, und das Kreuz als größtes Vorrecht , das er uns gewähren kann, zu betrachten, es als solches tragen – als ein Geschenk, mit dem er seine Freunde auszeichnet.

Schließlich meinte ich, ich wolle nicht noch mehr von seiner Zeit beanspruchen, denn an jenem Vormittag hatten schon mehrere Audienzen stattgefunden. Noch einmal versicherte ich ihm, dass wir alles für die Kirche aufopfern und dass er sich immer vollkommen auf uns verlassen kann. Ich bat ihn um seinen Segen und empfing ihn stellvertretend für unsere ganze, aus Legionären und Mitgliedern der Bewegung bestehende Familie. Dieser Segen galt ganz besonders alle jenen, die die Tage der Karwoche dazu nutzen, um als Missionare den Glauben unter den Menschen zu verbreiten, denn es ist für den Papst ein großer Trost zu wissen, dass so viele Familien und junge Menschen sich in vielen Teilen der Welt für die Evangelisierung einsetzen.

Meine Absicht war, mit diesem Brief die unermessliche Freude, dem Papst begegnet zu sein, mit der ganzen Familie zu teilen. Außerdem wollte ich die Gelegenheit ergreifen, um Ihnen eine Karwoche zu wünschen, die ganz nahe bei Jesus verbracht ist. In der Tat werden wir beim Betrachten der Tiefe seiner Liebe, wie er sie uns in jedem Augenblick seines Leidens erweist, nie ans Ende gelangen, ja, uns in ihr nie ausreichend versenken. Wir wissen, wie wir uns ihm dafür am besten erkenntlich zeigen können, indem wir uns nämlich für ihn und für unsere Mitmenschen voll engagieren. Auf diese Weise gehen wir Ostern glücklich entgegen – voll jenes Glückes, das Jesus denjenigen verheißen hat, die ein großes Herz haben: „Geben ist seliger denn nehmen“ (Apg 20,35).

In dieser ersten Karwoche nach dem Tod von Nuestro Padre können wir unsere Dankbarkeit am besten dadurch zeigen, dass wir weitergeben, was wir empfangen haben und die Liebe Christi anderen zukommen lassen.

Ich danke Ihnen vielmals für Ihr Zeugnis, für all das, was Ihr Dasein für die Kirche bedeutet und für all Ihre Gebete, die Sie füreinander vor Gott bringen. Möge die Allerseligste Jungfrau uns immer beistehen. Sie ist der helle Stern der Evangelisierung: und das aufgrund ihrer Treue zum Plan Gottes, zu ihrem Sohn und zu all ihren Kindern, die sie so sehr liebt.


Ich bitte Sie um Ihr Gebet, von dessen dringender Notwendigkeit ich überzeugt bin.


Ihr Bruder und Diener in Christus

Álvaro Corcuera LC


(Übersetzung des spanischsprachigen Originals)


Brief zu Ostern 2008

Brief zu Ostern 2008

Dein Reich komme!

An alle Mitglieder und Freunde des Regnum Christi
sowie alle Teilnehmer der Missionen in der Karwoche

 

Salamanca, 19. März 2008

Liebe Freunde in Christus!

Wir feiern in diesen Tagen die Geheimnisse des Leidens, des Todes und der Auferstehung Jesu Christi, Geheimnisse, in denen wir seine Liebe zu uns entdecken können, die bis zur Vollendung geht. Diese Betrachtung vermittelt uns den Trost und die Gewissheit, dass er uns in hohem Maße liebt und uns von allem Bösen und von der Sünde erlöst. Er geht an unserer Seite, er versteht uns und trägt mit an unserem Kreuz. Wenn wir dieser Dinge gewahr werden, dann wünschen wir uns nichts sehnlicher, als dem Übermaß an Schmerz, den wir in seinem Herzen wahrnehmen, Linderung zu verschaffen. Christus macht unser Dasein schön und erfüllt es mit Licht, denn statt dass wir um uns selber kreisen und um das, was uns widerfährt, lässt er uns für Gott und für den Nächsten leben.

Auch auf dem Weg, den wir als Bewegung innerhalb der Kirche und in deren Dienst zurücklegen, will Christus alle Tage unter uns gegenwärtig sein. Bisweilen lässt er uns seine Liebe auf ganz besondere Weise erkennen, und ich glaube, dazu gehörte der vergangene Samstag, an dem der Heilige Vater, Benedikt XVI., mich in Privataudienz empfangen wollte, um uns allen seine väterliche Nähe zum Ausdruck zu bringen. Diese Einladung galt nicht so sehr meiner Person, als vielmehr uns allen, die wir gemeinsam ein und derselben Familie angehören.

In einem seiner Briefe schreibt Nuestro Padre, unser Gründer: „Wie nahe habe ich mich doch jedes Mal bei Gott gefühlt, wenn ich dem Papst nahe war! Wie sehr danke ich dem Herrn für diese unschätzbare Gnade!“ Und wirklich: Es ist eine unermessliche Gnade, mit dem Stellvertreter Christi auf Erden persönlich zu sprechen, denn wir wissen, dass er der Fels ist, auf den Jesus Christus für alle Zeiten seine Kirche hat bauen wollen. In dieser Karwoche, in der die Erinnerung an unseren Gründervater in uns so lebendig ist, denken wir an jenen Leitspruch, den er uns hinterlassen hat: mit der Kirche Schritt halten – in der Gewissheit, dass wir so Gottes Willen erfüllen.

In seiner Herzensgüte hat der Heilige Vater mir die unverdiente Ehre dieser Audienz zu einem Zeitpunkt gewähren wollen, da ein zweites Kapitel in unserer Geschichte beginnt, einer Geschichte, die nun vollständig uns Mitbegründern überantwortet bleibt. Der Papst wollte uns als Familienoberhaupt und in seiner Eigenschaft als Lehrmeister zur Seite stehen und dazu ermutigen, auch weiterhin unter den Menschen die Liebe Christi zu verkünden, dazu beizutragen, dass mehr Menschen sich in die Pflicht genommen fühlen, im Dienst der Kirche und ihrer Hirten Christi Reich auszubreiten.

Ich erinnere mich daran, wie bei unserer Ankunft im Vatikan, auf dem Weg zu den Zimmern des Heiligen Vaters, der Bedienstete, der uns führte, uns in der „Sala Clementina“ auf einige Details hinwies. Vor einem Gemälde, das den Sturm auf dem See darstellt, den Jesus zum Schweigen gebracht hatte, kam mir der Gedanke, dass dies ein treffendes Bild für das Leben der Kirche ist. Es wird immer viele Wellen und Windböen geben, doch Christus befindet sich an Bord und wir sind mit ihm in einem Boot. Deshalb können wir uns mit den Worten des Psalmisten an ihn wenden: „Ich will dich rühmen, Herr, meine Stärke“ (18,2). Es ist unsere Berufung, bei Christus zu sein und an seiner Seite zu leben. Wir wissen, dass es nicht genügt, aktiv zu sein, alle möglichen Dinge zu tun: Christus will vor allem, dass wir in ihm sind und in ihm leben – insbesondere dann, wenn die Wellen unser Boot hin– und herbewegen.

Denken wir daran, wie oft Christus uns im Evangelium sagt, dass wir keine Angst zu haben brauchen, dass er bei uns ist, - wir haben nichts zu fürchten! Mehr noch, wenn wir uns rühmen, dann sollen wir uns, so wie der heilige Paulus, des Kreuzes Christi rühmen (vgl. Gal 6,14). Ja, seinem Beispiel nachfolgend sollen wir Christus so sehr lieben, dass wir, verglichen mit der Erkenntnis Christi, alles als Verlust ansehen (vgl. Phil 3,8).

In schwierigen Situationen erkennen wir leichter unser Elend, und dieses Elend ist für Gott gewissermaßen der Anlass, uns auf besondere Weise mit seiner Güte und seiner unendlichen Zärtlichkeit liebevoll zu umgeben. Er stärkt uns, und so erkennen wir, dass es über unsere Kräfte geht, über unsere menschlichen Fähigkeiten oder Qualitäten, Menschenherzen zu verwandeln. Das bewerkstelligt allein seine Gnade und Barmherzigkeit.

Der Bedienstete, dem wir nachfolgten, wies mich und die Priester, die mich begleiteten, auch auf einige optische Effekte im Saal hin. Es gibt dort einige tragende Säulen. Wenn man nun durch den Saal hindurchgeht, verschieben sich allmählich alle Wandgemälde, während es jedoch so scheint, als ob die Säulen immer unbeweglich bleiben. Mir kam der Gedanke, dass dies die Berufung der Mitglieder des Regnum Christi versinnbildlicht: Es ist unsere Aufgabe, Werkzeuge Gottes zu sein, damit viele Menschen, die Gott suchen, Halt finden und auf ihrem Weg zum Heil Orientierung empfangen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die Säulen bemerkt werden oder nicht, sondern darauf, dass sie die Last tragen.

Mehr denn je ist es heute unsere Aufgabe, Säulen zu sein, fest in der Übung der Tugend zu stehen, auch wenn wir von Natur aus schwach und bedürftig sind. Gott ist nämlich unsere Kraft, und in unserer Schwäche erweist sich die Stärke Gottes. Wenn unsere Mitmenschen uns als die uns aufgebürdete Last erscheinen, gibt er uns zu erkennen, dass diese Last leicht ist und dass es andererseits die Liebe selbst ist, die unserem Dasein Gewicht verleiht. Dann werden auch die Worte Christi leichter verständlich: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt […]; denn ich bin gütig und von Herzen demütig […]. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht“ (Mt 11,2830).

Noch einige Tage und wir werden uns auch der Worte des heiligen Paulus erinnern: „Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische!“ (Kol 3,2). Wenn wir alles von oben her betrachten, von Gottes Warte aus, vom Standpunkt des Glaubens und vom Himmel aus, dann wird jede Bürde, die uns auferlegt wird, zu jenem sanften Joch und jener leichten Last, von der Christus spricht. Denn wie könnten wir uns über die Freude beklagen, das Leben aus Liebe zu Gott für unsere Brüder und Schwestern einzusetzen? „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13). Denken wir daran, wie Nuestro Padre, unser Gründer, uns gelehrt hat, den anderen eine Stütze zu sein, nicht an uns selber zu denken, uns von allem loszumachen, was uns möglicherweise fesselt und zu Sklaven macht, solange wir hiermit nur das Kreuz auf uns nehmen, das Christus voller Liebe für uns bereithält, damit wir ihm Gesellschaft leisten.

Angesichts der Worte Christi, angesichts seiner Passion und seines Martyriums, seiner Tränen und der unvorstellbaren Schmerzen, die er in Getsemani durchlitten hat, kann es nur eine Antwort geben: die der Dankbarkeit. Er, der uns bis zur Vollendung geliebt hat, „der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20), verdient nur eines: unsere Dankbarkeit und unsere hingebungsvolle Liebe.

Erst gestern habe ich die Karmelitinnen vom Karmel der Menschwerdung in Avila besucht. Welch großes Beispiel geben uns doch diese heiligmäßigen Frauen, die ganz von der Liebe zu Christus erfüllt sind! An ihrer Freude erkannte man, dass Christus ihr Leben ist, dass ihre Freude darin besteht, zu lieben, das heißt sich hinzugeben. Eine von ihnen - eine echte Heilige - erinnerte mich daran, dass es darauf ankommt, den gegenwärtigen Augenblick zu leben. Zuweilen bedrückt uns die Erinnerung an Vergangenes oder die Ungewissheit und Furcht vor der Zukunft, vor allem dann, wenn wir – vielleicht mit Gottes Erlaubnis – schwere Zeiten durchmachen, die wir manchmal durch unsere eigene Schuld verursacht haben. Und doch will Gott, dass wir in der Gegenwart - in der Hingabe jedes Augenblicks - glücklich sind, indem wir die Vergangenheit und Zukunft ihm überlassen. Als ich bei den Schwestern war, dachte ich darüber nach, dass es kein größeres Glück geben kann, als in Gemeinschaft mit Gott zu leben und bei ihm zu sein. Sie sind so glücklich und froh, weil sie an nichts gefesselt sind. Sie haben vielmehr ihr tägliches Leben in eine einzige Opfergabe und ein Gebet verwandelt. Sie führen ein Leben der Selbstverleugnung, nehmen jeden Tag ernsthaft ihr Kreuz auf sich, bringen sich gemeinsam mit Christus zum Opfer dar, um dann schließlich irgendwann in die ewi-ge Umarmung hineingenommen zu werden. Wenn man so lebt, den Blick schon hier fest auf Gott gerichtet, dann kommt einem spontan jener ermunternde Gesang zur heiligen Messe in den Sinn: „Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, was er mir Gutes getan hat?“ In diesem Sinne zeigen uns diese Tage des österlichen Triduums, dass der Schmerz von der Liebe her seinen Ursprung und seine Rechtfertigung besitzt.

Später betrachteten wir – um auf unseren Besuch beim Heiligen Vater zurückzukommen – eine große Krone, deren Abbild sich in einer Ecke der Aula befand. Wenn man sich von ihr entfernt und sie von der Mitte her betrachtet, nimmt die Krone die Form eines Herzens an. Dabei kam mir der Gedanke, dass die Krone, mit der Christus in unserem Leben herrscht, die Krone der Nächstenliebe ist. Dienen heißt mit Christus herrschen. Er hat uns nämlich gelehrt, dass sein Thron das Kreuz und seine Herrlichkeit die Selbsterniedrigung ist. Die Worte, die wir in diesen Tagen lesen, wenn wir uns mit Jesajas Text über den Gottesknecht, der wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wird, beschäftigen, zeichnen gewissermaßen sein Gesicht nach, oder sie sind ein Porträt der Antwort Jesu auf die Frage des Pilatus: „Also bist du doch ein König?“ – „Du sagst es, ich bin ein König.“ (Joh 18,37)

Wir sind dazu berufen, Zeichen zu sein, denen widersprochen wird, dazu berufen, das Böse mit dem Guten zu besiegen, nach dem Motto zu leben, das uns so zu Herzen geht: Dein Reich komme! Dieses Reich Christi unterscheidet sich nur allzu oft von dem, was wir Menschen uns darunter vorstellen: Es ist das Reich der Demut, der Einfachheit, der Nächstenliebe und eines liebenden und betrachtenden Schweigens, das allein die eigene Hingabe mit allem, was man empfangen hat, zum Ziel hat.

Wir gingen weiter und sahen einen Wandteppich mit der Kreuzabnahme, auf dem besonders die Tränen aller dargestellten Personen hervorstachen. Als ich mir das ansah, musste ich daran denken, wie Christus den Vater unter Tränen bat, diesen Kelch wenn möglich an ihm vorübergehen zu lassen (vgl. Hebr 5,7). Dann aber bat er flehentlich, dass der Wille des Vaters geschehen möge und lehrte uns durch sein Leiden den Gehorsam zu suchen und im Willen Gottes das zu sehen, was unserem ganzen Leben Sinn verleiht. Darin besteht das „Ja“ eines jeden Augenblicks. Obwohl wir Fehler und Sünden begehen, Grenzen haben, hinstürzen, richtet Christus uns immer wieder auf und bringt uns sogar in eine bessere Verfassung als vorher, denn er lehrt uns, völlig auf ihn zu vertrauen.

Das Wirken Gottes an uns ist mit einem Teppich vergleichbar. Auf der Rückseite sieht man nichts als ein Gewirr von Fäden. Von vorne hingegen sieht man die abgebildeten Gestalten und Konturen in ihrer ganzen Schönheit. Zuweilen erkennen wir nicht, was Gott gerade mit uns vorhat. Er jedoch irrt sich nie im Zeitpunkt und in der Methode. Gott selbst formt uns – wie das bei jenen Kunstwerken der Fall ist, bei denen jeder Pinselstrich eine Liebkosung ist, die darauf abzielt, jene Gestalt zur Vollendung zu bringen, von der Gott sehen möchte, dass sie in jedem von uns, seinen Kindern, Form annimmt: die Gestalt Christi, die Güte Christi. Es gehört deshalb zum Geheimnis unserer Berufung, dass Gott uns in seiner Güte durch verschiedene Prüfungen hat gehen lassen, um uns auf diese Weise zu lehren, dass er der Hauptakteur ist und so bewirkt, dass in allem die Reinheit seiner Liebe sichtbar wird.

Als ich noch mit diesen Gedanken beschäftigt war, rief uns der Privatsekretär des Heiligen Vaters und wir wurden eingelassen, um den Papst zu begrüßen, der uns mit großer Güte und Herzlichkeit empfing. Seine Freude und der Wunsch, uns freundlich aufzunehmen standen ihm, dem Stellvertreter Christi und Abbild des Guten Hirten, im Gesicht, wie das überhaupt stets der Fall ist, wenn ihn jemand aufsucht.

In seiner schlichten Art bot er mir einen Platz an und knüpfte in seinen Worten an eine Begegnung an, die wir im vergangenen Jahr hatten. Ich sagte ihm, dass ich mich nicht würdig fühlte, an diesem Ort zu sein, dass es eine sehr große und unverdiente Gnade sei, bei ihm zu sein, dass ich jedoch wüsste, dass diese nicht mir gelte, sondern allen Legionären Christi und Mitgliedern der Bewegung, die alle zugegen seien, um ihm ihre Verbundenheit, Liebe und kindliche Hingabe zum Ausdruck zu bringen – ganz besonders aufgrund der Tatsache, dass Nuestro Padre verschieden ist. Weiterhin bat ich ihn stellvertretend für alle um sein Gebet, damit wir der Mission treu bleiben, die Gott uns anvertraut hat. Ferner dankte ich ihm für alles, was er für die Kirche tut, und brachte unseren Wunsch zum Ausdruck, die Last seines Kreuzes irgendwie zu erleichtern, indem wir unser Leben Christus und der Kirche aufopfern.

Während unserer Begegnung sprachen wir über einige Apostolate der Bewegung und über Bereiche, in denen die Dinge gut voranschreiten, über den Geist, den Gott uns geschenkt hat, der uns zu einem Herz, einer Seele und einem Leib werden lässt. Ich sagte ihm, dass nun das zweite Kapitel unserer Geschichte begonnen habe, und gemeinsam wiesen wir darauf hin, dass Gottes Auftrag an uns nun darin bestehe, Christus, seiner Kirche und dem, was wir als Mitglieder der Bewegung empfangen haben, in hohem Maße treu zu sein.

Wir kamen auf das Gebot der Liebe zu sprechen, von dem wir uns immer leiten lassen müssen, denn nur die Liebe vermag allem einen Sinn zu verleihen, ohne sie hingegen ist alles wertlos. Ich erwähnte, dass er in einer seiner Audienzen, und zwar im Zusammenhang mit der Demut, über den heiligen Augustinus gesprochen hatte. Daraufhin begann er mir zu erklären, dass die Demut das Tor zu den übrigen Tugenden ist und dass deshalb Demut und Einfachheit auch unser Leben, wie das Leben Christi, immer auszeichnen müssen. Wir spielen nicht die Hauptrolle: Christus ist derjenige, der handelt, und wir sind seine Werkzeuge.

Dann sprachen wir davon, wie wichtig und dringend notwendig es ist, zu wachsen – nicht um des Wachsens willen, sondern um mit Liebe und Dienstbereitschaft Gottes Anruf zu entsprechen. Immer müssen wir bestrebt sein, zu dienen und uns hinzugeben, denn die Kirche ist mehr denn je darauf angewiesen, dass wir das Evangelium verkünden, wie Christus es uns aufgetragen hat: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15). Es ist unser Glaube und wir sind uns dessen gewiss, dass hier, im Evangelium, die Lösung aller Probleme unserer Mitmenschen zu finden ist.

Ich bin sicher, dass wir uns in diesen Zeiten nichts sehnlicher wünschen, als der Kirche zu helfen und zu dienen, da es eigentlich keine andere Alternative gibt, als eine heilige, von Christus erfüllte und auf ihn ausgerichtete Bewegung zu sein. Das ist das Vermächtnis von Nuestro Padre: unsere Verkündigung soll allein in Christus ihren Ausgangspunkt nehmen, nur um seinetwillen geschehen. Gott lädt uns dazu ein, keine Angst zu haben, unsere Netze so weit auszuwerfen, wie wir nur können, und das Kreuz als größtes Vorrecht , das er uns gewähren kann, zu betrachten, es als solches tragen – als ein Geschenk, mit dem er seine Freunde auszeichnet.

Schließlich meinte ich, ich wolle nicht noch mehr von seiner Zeit beanspruchen, denn an jenem Vormittag hatten schon mehrere Audienzen stattgefunden. Noch einmal versicherte ich ihm, dass wir alles für die Kirche aufopfern und dass er sich immer vollkommen auf uns verlassen kann. Ich bat ihn um seinen Segen und empfing ihn stellvertretend für unsere ganze, aus Legionären und Mitgliedern der Bewegung bestehende Familie. Dieser Segen galt ganz besonders alle jenen, die die Tage der Karwoche dazu nutzen, um als Missionare den Glauben unter den Menschen zu verbreiten, denn es ist für den Papst ein großer Trost zu wissen, dass so viele Familien und junge Menschen sich in vielen Teilen der Welt für die Evangelisierung einsetzen.

Meine Absicht war, mit diesem Brief die unermessliche Freude, dem Papst begegnet zu sein, mit der ganzen Familie zu teilen. Außerdem wollte ich die Gelegenheit ergreifen, um Ihnen eine Karwoche zu wünschen, die ganz nahe bei Jesus verbracht ist. In der Tat werden wir beim Betrachten der Tiefe seiner Liebe, wie er sie uns in jedem Augenblick seines Leidens erweist, nie ans Ende gelangen, ja, uns in ihr nie ausreichend versenken. Wir wissen, wie wir uns ihm dafür am besten erkenntlich zeigen können, indem wir uns nämlich für ihn und für unsere Mitmenschen voll engagieren. Auf diese Weise gehen wir Ostern glücklich entgegen – voll jenes Glückes, das Jesus denjenigen verheißen hat, die ein großes Herz haben: „Geben ist seliger denn nehmen“ (Apg 20,35).

In dieser ersten Karwoche nach dem Tod von Nuestro Padre können wir unsere Dankbarkeit am besten dadurch zeigen, dass wir weitergeben, was wir empfangen haben und die Liebe Christi anderen zukommen lassen.

Ich danke Ihnen vielmals für Ihr Zeugnis, für all das, was Ihr Dasein für die Kirche bedeutet und für all Ihre Gebete, die Sie füreinander vor Gott bringen. Möge die Allerseligste Jungfrau uns immer beistehen. Sie ist der helle Stern der Evangelisierung: und das aufgrund ihrer Treue zum Plan Gottes, zu ihrem Sohn und zu all ihren Kindern, die sie so sehr liebt.


Ich bitte Sie um Ihr Gebet, von dessen dringender Notwendigkeit ich überzeugt bin.


Ihr Bruder und Diener in Christus

Álvaro Corcuera LC


(Übersetzung des spanischsprachigen Originals)

 

Brief von P. Álvaro Corcuera LC vom 19.3.2008 an die Mitglieder und Freunde der Bewegung Regnum Christi

close
Donnerstag, 3. April 2008

Direktlink senden

http://www.regnumchristi.org/de/component/k2/item/495-brief-zu-ostern-2008/

Diesen Artikel empfehlen:



To listen to this song, you need the latest Flash-Player and active javascript in your browser.