Freitag, 22. September 2006

Brief vom 19. September 2006


Brief von P. Álvaro Corcuera LC vom 19.9.2006 an die Mitglieder der Bewegung Regnum Christi

An alle Mitglieder und
Freunde des Regnum Christi


Madrid, 13. September 2006


Liebe Freunde in Christus!


vor vier Tagen beendete Papst Benedikt XVI. seine apostolische Reise nach Bayern als Botschafter Christi, der den Frieden verkündet und die von Trennungen und Verbitterung zerfurchte Welt zum Dialog aufruft. Daher teilen wir den Schmerz des Heiligen Vaters über die Nachrichten, die uns in diesen Stunden erreichen, im Hinblick darauf, dass gewisse Passagen seiner Vorlesung an der Universität von Regensburg »für die Sensibilität muslimischer Gläubiger verletzend gewirkt haben und dass sie in einer Art und Weise interpretiert werden konnten, die in keiner Weise seinen Intentionen entspricht« (Presseerklärung des Kardinal-Staatssekretärs).

Vor den zum sonntäglichen Angelusgebet versammelten Pilgern drückte der Papst gestern in Castelgandolfo sein Bedauern darüber aus, dass Teile seiner Ansprache, »die in ihrer Gesamtheit eine Einladung zu einem offenen und aufrichtigen Dialog in großem gegenseitigen Respekt war und ist«, missverstanden worden sind.

Dabei wies der Papst auch darauf hin, dass die Presseerklärung des Kardinal-Staatssekretärs den eigentlichen Sinn seiner Worte und seiner Wertschätzung für die Muslime erläuterte. Als Anhang zu diesem Brief füge ich diese Erklärung bei, damit sie uns helfe, im gleichen Geist zu leben, der dem Respekt für den Menschen entspricht, den zu erlösen Christus gekommen ist.

Während wir in unserem Herzen das Leiden des Papstes in dieser Situation teilen, möchte ich Sie einladen, eine Eucharistische Stunde als Wiedergutmachung für alle diese Ereignisse zu halten und besonders auch für all jene Christen zu beten, die in verschiedenen Teilen der Welt ungerechte Verfolgungen oder Misshandlungen zu erleiden hatten. Diese Eucharistische Stunde kann in der Familie, der Sektion, im Team oder persönlich gebetet werden. Auch in unseren Universitäten, Schulen und Apostolatswerken soll eine Eucharistische Stunde in diesem Anliegen gehalten werden.

Bitten wir Gott, dass er dem Papst und seinen Mitarbeitern Kraft schenke und die Herzen der Menschen für die Friedensbotschaft Christi öffne. Bitten wir Gott auch für jeden von uns, dass wir gemäß der Seligpreisung immer Frieden stiften und es verstehen, auf Böses mit Gutem zu antworten (vgl. Röm 12,21).

Gerne schließe ich Sie ins Gebet ein und verbleibe, in Christus

P. Álvaro Corcuera LC

 


Anhang 1

Auszug aus der Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Sonntag, den 17. September, vor dem Angelus-Gebet gehalten hat.

Die von mir in den letzten Tagen unternommene Apostolische Reise nach Bayern war eine starke geistliche Erfahrung, in der sich persönliche Erinnerungen, die mit den mir so sehr vertrauten Orten verbunden sind, und pastorale Perspektiven für eine wirksame Verkündigung des Evangeliums in unserer Zeit verquickt haben. Ich danke Gott für die inneren Tröstungen, die zu erleben er mir gestattet hat. Gleichzeitig bin ich all denen dankbar, die aktiv für das Gelingen dieser meiner Pastoralreise gearbeitet haben. Darüber werde ich, wie es bereits zur Gewohnheit geworden ist, während der Generalaudienz am nächsten Mittwoch sprechen.

In diesem Moment möchte ich nur hinzufügen, dass ich zutiefst betrübt bin über die Reaktionen, die ein kleiner Abschnitt meiner Rede an der Universität Regensburg hervorgerufen hat, der für die Sensibilität der muslimischen Gläubigen als beleidigend angesehen wurde. Es handelte sich um ein Zitat aus einem mittelalterlichen Text, der in keiner Weise meine persönliche Meinung zum Ausdruck bringt. Gestern veröffentlichte der Herr Kardinal-Staatssekretär diesbezüglich eine Erklärung, in der er den eigentlichen Sinn meiner Worte erläuterte. Ich hoffe, dass dies dazu dient, die Gemüter zu beruhigen und die wahre Bedeutung meiner Rede zu klären, die in ihrer Gesamtheit eine Einladung zu einem offenen und aufrichtigen Dialog in großem gegenseitigen Respekt war und ist.

 

Anhang 2

Presseerklärung des neuen Kardinal-Staatssekretärs, Kardinal Tarcisio Bertone

– Die Position des Papstes zum Islam ist eindeutig jene, wie sie im Konzilsdokument Nostra aetate zum Ausdruck kommt: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft.

Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten” (3).

– Die Option des Papstes zugunsten des interreligiösen und interkulturellen Dialogs ist ebenso eindeutig. Bei seiner Begegnung mit Vertretern muslimischer Gemeinschaften in Köln, Deutschland, am 20. August 2005 erklärte er, dass sich ein solcher Dialog zwischen Christen und Muslime „nicht auf eine vorübergehende zeitliche Periode beschränken” dürfe. Und er fügte hinzu: „Die Lektionen der Vergangenheit müssen uns davor bewahren, die gleichen Fehler zu wiederholen. Wir wollen Wege der Versöhnung suchen und lernen, so zu leben, dass jeder die Identität des anderen respektiert.”

– Was die Meinung des byzantinischen Kaisers Manuel II. Paleologus angeht, die der Heilige Vater während seiner Regensburger Vorlesung zitierte: Er hatte und hat in keiner Weise die Absicht, sich diese Meinung anzueignen. Er bediente sich ihrer nur, um – in einem akademischen Kontext und wie sich bei der vollständigen und aufmerksamen Lektüre des Textes zeigt – einige Reflexionen über das Thema der Beziehung zwischen Religion und Gewalt im Allgemeinen zu entwickeln und um mit einer eindeutigen und entschiedenen Zurückweisung von religiösen Motivationen von Gewalt zu enden, woher diese auch immer kommen mögen.

An dieser Stelle lohnt es sich daran zu erinnern, was Benedikt XVI. selbst kürzlich in seiner Erinnerungsbotschaft zum 20. Jahrestag des interreligiösen Gebetstreffens um den Frieden bekräftigt hat, das von seinem Vorgänger Johannes Paul II. im Oktober 1986 in Assisi initiiert worden war: „Demonstrationen der Gewalt können nicht der Religion als solcher zugeschrieben werden, sondern nur den kulturellen Begrenzungen, innerhalb derer sie gelebt wird und sich in der Zeit entwickelt… Tatsächlich gibt es in allen großen religiösen Traditionen Zeugnisse für das enge Band, welches zwischen der Beziehung mit Gott und der Ethik der Liebe besteht.”

– Der Heilige Vater bedauert es somit aufrichtig, dass gewisse Passagen seiner Ansprache für die Sensibilität muslimischer Gläubiger verletzend gewirkt haben und dass sie in einer Art und Weise interpretiert werden konnten, die in keiner Weise seinen Intentionen entspricht. Tatsächlich war er es, der die säkularisierte westliche Kultur angesichts des religiösen Eifers muslimischer Gläubiger davor warnte, sich vor der Verachtung Gottes und dem Zynismus zu hüten, „der die Verunglimpfung des Heiligen als Ausdruck der Freiheit ansieht”.

– Indem er seinen Respekt und seine Wertschätzung gegenüber jenen wiederholt, die sich zum Islam bekennen, hofft er, dass ihnen darin geholfen werde, die korrekte Bedeutung seiner Worte zu verstehen, so dass sie diesen unangenehmen Augenblick rasch überwinden und dass ihr Zeugnis für den „Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat”, wieder stärkerer und die Zusammenarbeit tiefer werde, „um gemeinsam einzutreten für den Schutz und die Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen” (Nostra aetate, 3).

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals]


Brief vom 19. September 2006

Brief vom 19. September 2006

An alle Mitglieder und
Freunde des Regnum Christi


Madrid, 13. September 2006


Liebe Freunde in Christus!


vor vier Tagen beendete Papst Benedikt XVI. seine apostolische Reise nach Bayern als Botschafter Christi, der den Frieden verkündet und die von Trennungen und Verbitterung zerfurchte Welt zum Dialog aufruft. Daher teilen wir den Schmerz des Heiligen Vaters über die Nachrichten, die uns in diesen Stunden erreichen, im Hinblick darauf, dass gewisse Passagen seiner Vorlesung an der Universität von Regensburg »für die Sensibilität muslimischer Gläubiger verletzend gewirkt haben und dass sie in einer Art und Weise interpretiert werden konnten, die in keiner Weise seinen Intentionen entspricht« (Presseerklärung des Kardinal-Staatssekretärs).

Vor den zum sonntäglichen Angelusgebet versammelten Pilgern drückte der Papst gestern in Castelgandolfo sein Bedauern darüber aus, dass Teile seiner Ansprache, »die in ihrer Gesamtheit eine Einladung zu einem offenen und aufrichtigen Dialog in großem gegenseitigen Respekt war und ist«, missverstanden worden sind.

Dabei wies der Papst auch darauf hin, dass die Presseerklärung des Kardinal-Staatssekretärs den eigentlichen Sinn seiner Worte und seiner Wertschätzung für die Muslime erläuterte. Als Anhang zu diesem Brief füge ich diese Erklärung bei, damit sie uns helfe, im gleichen Geist zu leben, der dem Respekt für den Menschen entspricht, den zu erlösen Christus gekommen ist.

Während wir in unserem Herzen das Leiden des Papstes in dieser Situation teilen, möchte ich Sie einladen, eine Eucharistische Stunde als Wiedergutmachung für alle diese Ereignisse zu halten und besonders auch für all jene Christen zu beten, die in verschiedenen Teilen der Welt ungerechte Verfolgungen oder Misshandlungen zu erleiden hatten. Diese Eucharistische Stunde kann in der Familie, der Sektion, im Team oder persönlich gebetet werden. Auch in unseren Universitäten, Schulen und Apostolatswerken soll eine Eucharistische Stunde in diesem Anliegen gehalten werden.

Bitten wir Gott, dass er dem Papst und seinen Mitarbeitern Kraft schenke und die Herzen der Menschen für die Friedensbotschaft Christi öffne. Bitten wir Gott auch für jeden von uns, dass wir gemäß der Seligpreisung immer Frieden stiften und es verstehen, auf Böses mit Gutem zu antworten (vgl. Röm 12,21).

Gerne schließe ich Sie ins Gebet ein und verbleibe, in Christus

P. Álvaro Corcuera LC

 


Anhang 1

Auszug aus der Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Sonntag, den 17. September, vor dem Angelus-Gebet gehalten hat.

Die von mir in den letzten Tagen unternommene Apostolische Reise nach Bayern war eine starke geistliche Erfahrung, in der sich persönliche Erinnerungen, die mit den mir so sehr vertrauten Orten verbunden sind, und pastorale Perspektiven für eine wirksame Verkündigung des Evangeliums in unserer Zeit verquickt haben. Ich danke Gott für die inneren Tröstungen, die zu erleben er mir gestattet hat. Gleichzeitig bin ich all denen dankbar, die aktiv für das Gelingen dieser meiner Pastoralreise gearbeitet haben. Darüber werde ich, wie es bereits zur Gewohnheit geworden ist, während der Generalaudienz am nächsten Mittwoch sprechen.

In diesem Moment möchte ich nur hinzufügen, dass ich zutiefst betrübt bin über die Reaktionen, die ein kleiner Abschnitt meiner Rede an der Universität Regensburg hervorgerufen hat, der für die Sensibilität der muslimischen Gläubigen als beleidigend angesehen wurde. Es handelte sich um ein Zitat aus einem mittelalterlichen Text, der in keiner Weise meine persönliche Meinung zum Ausdruck bringt. Gestern veröffentlichte der Herr Kardinal-Staatssekretär diesbezüglich eine Erklärung, in der er den eigentlichen Sinn meiner Worte erläuterte. Ich hoffe, dass dies dazu dient, die Gemüter zu beruhigen und die wahre Bedeutung meiner Rede zu klären, die in ihrer Gesamtheit eine Einladung zu einem offenen und aufrichtigen Dialog in großem gegenseitigen Respekt war und ist.

 

Anhang 2

Presseerklärung des neuen Kardinal-Staatssekretärs, Kardinal Tarcisio Bertone

– Die Position des Papstes zum Islam ist eindeutig jene, wie sie im Konzilsdokument Nostra aetate zum Ausdruck kommt: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft.

Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten” (3).

– Die Option des Papstes zugunsten des interreligiösen und interkulturellen Dialogs ist ebenso eindeutig. Bei seiner Begegnung mit Vertretern muslimischer Gemeinschaften in Köln, Deutschland, am 20. August 2005 erklärte er, dass sich ein solcher Dialog zwischen Christen und Muslime „nicht auf eine vorübergehende zeitliche Periode beschränken” dürfe. Und er fügte hinzu: „Die Lektionen der Vergangenheit müssen uns davor bewahren, die gleichen Fehler zu wiederholen. Wir wollen Wege der Versöhnung suchen und lernen, so zu leben, dass jeder die Identität des anderen respektiert.”

– Was die Meinung des byzantinischen Kaisers Manuel II. Paleologus angeht, die der Heilige Vater während seiner Regensburger Vorlesung zitierte: Er hatte und hat in keiner Weise die Absicht, sich diese Meinung anzueignen. Er bediente sich ihrer nur, um – in einem akademischen Kontext und wie sich bei der vollständigen und aufmerksamen Lektüre des Textes zeigt – einige Reflexionen über das Thema der Beziehung zwischen Religion und Gewalt im Allgemeinen zu entwickeln und um mit einer eindeutigen und entschiedenen Zurückweisung von religiösen Motivationen von Gewalt zu enden, woher diese auch immer kommen mögen.

An dieser Stelle lohnt es sich daran zu erinnern, was Benedikt XVI. selbst kürzlich in seiner Erinnerungsbotschaft zum 20. Jahrestag des interreligiösen Gebetstreffens um den Frieden bekräftigt hat, das von seinem Vorgänger Johannes Paul II. im Oktober 1986 in Assisi initiiert worden war: „Demonstrationen der Gewalt können nicht der Religion als solcher zugeschrieben werden, sondern nur den kulturellen Begrenzungen, innerhalb derer sie gelebt wird und sich in der Zeit entwickelt… Tatsächlich gibt es in allen großen religiösen Traditionen Zeugnisse für das enge Band, welches zwischen der Beziehung mit Gott und der Ethik der Liebe besteht.”

– Der Heilige Vater bedauert es somit aufrichtig, dass gewisse Passagen seiner Ansprache für die Sensibilität muslimischer Gläubiger verletzend gewirkt haben und dass sie in einer Art und Weise interpretiert werden konnten, die in keiner Weise seinen Intentionen entspricht. Tatsächlich war er es, der die säkularisierte westliche Kultur angesichts des religiösen Eifers muslimischer Gläubiger davor warnte, sich vor der Verachtung Gottes und dem Zynismus zu hüten, „der die Verunglimpfung des Heiligen als Ausdruck der Freiheit ansieht”.

– Indem er seinen Respekt und seine Wertschätzung gegenüber jenen wiederholt, die sich zum Islam bekennen, hofft er, dass ihnen darin geholfen werde, die korrekte Bedeutung seiner Worte zu verstehen, so dass sie diesen unangenehmen Augenblick rasch überwinden und dass ihr Zeugnis für den „Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat”, wieder stärkerer und die Zusammenarbeit tiefer werde, „um gemeinsam einzutreten für den Schutz und die Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen” (Nostra aetate, 3).

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals]

 

Brief von P. Álvaro Corcuera LC vom 19.9.2006 an die Mitglieder der Bewegung Regnum Christi

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