Samstag, 27. Oktober 2012

Der Feigenbaum ohne Feigen


Tägliche Meditationen - 27. Oktober 2012
Samstag der neunundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Michael Goodyear LC

Lk 13,19
Zu dieser Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, sodass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte. Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.

Einführendes Gebet:  Herr, wer bin ich, dass du mit mir Zeit verbringen und auf mein Gebet achten willst. Wer bin ich, dass du mit mir sprechen willst? Du hast den Menschen eine solche Würde verliehen, als du unsere Natur angenommen hast. Du hast mir so viele Gaben geschenkt. Immer wieder hast du so viel Geduld mit mir und nimmst mich wieder auf, wenn ich von dir weggerannt bin. Ich danke dir für deine Liebe zu mir. Ich hoffe, dass du mich auch in Zukunft und besonders in meiner Todesstunde annimmst. Deine Freundlichkeit und Geduld sind ein Zeichen deiner Liebe zu mir. Ich will auf deine Liebe mit Liebe antworten, weil sie die einzig passende Antwort ist.

Bitte: Herr, hilf mir, so geduldig mit anderen zu sein, wie du es mit mir bist.

1.  Der Feigenbaum ohne Feigen. Der Eigentümer des Feigenbaums im Gleichnis, der nach Ansicht vieler religiöser Schriftsteller Gott Vater darstellen soll, kommt drei Jahre lang vorbei, um nach Früchten auszuschauen. Wie oft kommt unser Himmlischer Vater zu uns, um Früchte in unserem Leben zu finden. Und was findet er? Er hat uns den „Boden“ und so viele Elemente gegeben, die uns helfen, fruchtbar zu sein. Er hat uns seinen Wunsch nach Früchten kundgemacht, und sein Sohn hat uns erklärt, wie wir Früchte bringen können. Es gibt also keine Entschuldigung. Aus diesem Gleichnis sollen wir folgendes lernen: Wenn der Vater zu uns kommt, um Früchte zu finden, dann deshalb, weil es Zeit für Früchte ist. Was werden wir dem Vater sagen, wenn er uns zehn, zwanzig, vierzig, sechzig Jahre gegeben hat, um Früchte zu bringen, er aber keine findet? Wir sollen Früchte bringen, Früchte, die nicht vergehen – nach dem Willen des Vaters.

2. Der Feigenbaum, der fast am Ende war. Der Feigenbaum im Gleichnis ist in Gefahr, umgehauen zu werden. „Hau ihn um“ lautet der Befehl des Eigentümers. „Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?“ Welch schreckliche Anklage! Er war nutzlos und verbrauchte Nährstoffe des Bodens für nichts und wieder nichts. Wenn wir dieses Gleichnis auf unser eigenes Leben anwenden, muss uns der Gedanke erschrecken, dass unser eigenes Leben oder das Leben anderer genauso unnütz sein könnte. Hau ihn um. Bring ihn weg. Er taugt zu nichts mehr. Das Urteil ist gerecht. Es war aber ein Urteil, das schon in Kürze aufgehoben werden sollte, im Fall des Feigenbaumes, aber auch hinsichtlich unseres eigenen Lebens. Bin ich Gott für seine immerwährende Barmherzigkeit mir und anderen gegenüber genügend dankbar?

3. Lass ihn stehen. Weil der Gärtner im Gleichnis für den Feigenbaum eintritt, wird er nicht umgehauen. Die Axt fällt nicht den Stamm, und reißt somit auch nicht die schönen Blätter und die wunderbar gewundenen Äste mit um. In unserem Fall ist Jesus Christus der Gute Gärtner, der für uns eintritt und den Eigentümer, den Himmlischen Vater, bittet, uns zu verschonen; er, der Gute Gärtner, wird sich um alles kümmern. Und wie er es tut! Der Gärtner selbst wird auf blutige Art und Weise umgehauen und gekreuzigt. Und wir, die es verdient hätten, umgehauen zu werden, sind gerettet, als die Axt den Stamm seines Leibes fällt. Alles aus Liebe zu uns! Erzbischof Luis Martinez benutzt in seinem Buch The Secrets of the Interior Life ein schönes Bild, als er das Leiden als einen Ausdruck der Liebe beschreibt: „Man sagt, dass der Myrrhebaum erst dann seinen Duft ausströmt, wenn er verletzt wird. Der Duft fließt Tropfen für Tropfen entlang der Schnittwunden in der Rinde, die ihn umhüllt.“

Gespräch mit Christus: Herr Jesus Christus, wie geduldig ist der Vater mit mir! Ich danke dir, dass du gekommen bist, um mich zu retten, indem du dein Leben für mich hingegeben hast. Ich danke dir, dass du das erlitten hast, was ich hätte erleiden müssen aufgrund meines Egoismus und meiner Sündhaftigkeit. Aber bei dir, Herr, ist Hoffnung.

Vorsatz:  Ich will heute mit jemandem, dem ich begegne, Geduld haben, indem ich an die Geduld denke, die Gott mit mir hat.


Der Feigenbaum ohne Feigen

Der Feigenbaum ohne Feigen

P. Michael Goodyear LC

Lk 13,19
Zu dieser Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, sodass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte. Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.

Einführendes Gebet:  Herr, wer bin ich, dass du mit mir Zeit verbringen und auf mein Gebet achten willst. Wer bin ich, dass du mit mir sprechen willst? Du hast den Menschen eine solche Würde verliehen, als du unsere Natur angenommen hast. Du hast mir so viele Gaben geschenkt. Immer wieder hast du so viel Geduld mit mir und nimmst mich wieder auf, wenn ich von dir weggerannt bin. Ich danke dir für deine Liebe zu mir. Ich hoffe, dass du mich auch in Zukunft und besonders in meiner Todesstunde annimmst. Deine Freundlichkeit und Geduld sind ein Zeichen deiner Liebe zu mir. Ich will auf deine Liebe mit Liebe antworten, weil sie die einzig passende Antwort ist.

Bitte: Herr, hilf mir, so geduldig mit anderen zu sein, wie du es mit mir bist.

1.  Der Feigenbaum ohne Feigen. Der Eigentümer des Feigenbaums im Gleichnis, der nach Ansicht vieler religiöser Schriftsteller Gott Vater darstellen soll, kommt drei Jahre lang vorbei, um nach Früchten auszuschauen. Wie oft kommt unser Himmlischer Vater zu uns, um Früchte in unserem Leben zu finden. Und was findet er? Er hat uns den „Boden“ und so viele Elemente gegeben, die uns helfen, fruchtbar zu sein. Er hat uns seinen Wunsch nach Früchten kundgemacht, und sein Sohn hat uns erklärt, wie wir Früchte bringen können. Es gibt also keine Entschuldigung. Aus diesem Gleichnis sollen wir folgendes lernen: Wenn der Vater zu uns kommt, um Früchte zu finden, dann deshalb, weil es Zeit für Früchte ist. Was werden wir dem Vater sagen, wenn er uns zehn, zwanzig, vierzig, sechzig Jahre gegeben hat, um Früchte zu bringen, er aber keine findet? Wir sollen Früchte bringen, Früchte, die nicht vergehen – nach dem Willen des Vaters.

2. Der Feigenbaum, der fast am Ende war. Der Feigenbaum im Gleichnis ist in Gefahr, umgehauen zu werden. „Hau ihn um“ lautet der Befehl des Eigentümers. „Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?“ Welch schreckliche Anklage! Er war nutzlos und verbrauchte Nährstoffe des Bodens für nichts und wieder nichts. Wenn wir dieses Gleichnis auf unser eigenes Leben anwenden, muss uns der Gedanke erschrecken, dass unser eigenes Leben oder das Leben anderer genauso unnütz sein könnte. Hau ihn um. Bring ihn weg. Er taugt zu nichts mehr. Das Urteil ist gerecht. Es war aber ein Urteil, das schon in Kürze aufgehoben werden sollte, im Fall des Feigenbaumes, aber auch hinsichtlich unseres eigenen Lebens. Bin ich Gott für seine immerwährende Barmherzigkeit mir und anderen gegenüber genügend dankbar?

3. Lass ihn stehen. Weil der Gärtner im Gleichnis für den Feigenbaum eintritt, wird er nicht umgehauen. Die Axt fällt nicht den Stamm, und reißt somit auch nicht die schönen Blätter und die wunderbar gewundenen Äste mit um. In unserem Fall ist Jesus Christus der Gute Gärtner, der für uns eintritt und den Eigentümer, den Himmlischen Vater, bittet, uns zu verschonen; er, der Gute Gärtner, wird sich um alles kümmern. Und wie er es tut! Der Gärtner selbst wird auf blutige Art und Weise umgehauen und gekreuzigt. Und wir, die es verdient hätten, umgehauen zu werden, sind gerettet, als die Axt den Stamm seines Leibes fällt. Alles aus Liebe zu uns! Erzbischof Luis Martinez benutzt in seinem Buch The Secrets of the Interior Life ein schönes Bild, als er das Leiden als einen Ausdruck der Liebe beschreibt: „Man sagt, dass der Myrrhebaum erst dann seinen Duft ausströmt, wenn er verletzt wird. Der Duft fließt Tropfen für Tropfen entlang der Schnittwunden in der Rinde, die ihn umhüllt.“

Gespräch mit Christus: Herr Jesus Christus, wie geduldig ist der Vater mit mir! Ich danke dir, dass du gekommen bist, um mich zu retten, indem du dein Leben für mich hingegeben hast. Ich danke dir, dass du das erlitten hast, was ich hätte erleiden müssen aufgrund meines Egoismus und meiner Sündhaftigkeit. Aber bei dir, Herr, ist Hoffnung.

Vorsatz:  Ich will heute mit jemandem, dem ich begegne, Geduld haben, indem ich an die Geduld denke, die Gott mit mir hat.

 

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