Donnerstag, 8. März 2007

Auf der Suche…


Die Berufungsgeschichte von Patricia Klein

Patricia KleinMein Name ist Patricia Klein. Ich bin seit fast 10 Jahren gottgeweihte Frau in der apostolischen Bewegung Regnum Christi. Mein Weg bis hierhin scheint mir heute ein bisschen wie eine Schnitzeljagd, meine Suche nach Gott war in Wirklichkeit die Suche Gottes nach mir. Ich folgte meinen Wegen. Gott ließ mich frei gewähren. Er liebt uns zu sehr, um uns seine Nähe und Liebe aufzuzwingen. Er macht sich gegenwärtig und wartet, geduldig und demütig, bis wir uns endlich entschließen, ihm in die Augen zu schauen.

Jede Berufungsgeschichte ist einmalig und ein Beweis, dass Gott existiert, und was vielleicht noch viel wichtiger ist: dass Gott die Liebe selbst ist. Liebe, die sich uns in Christus offenbaren wollte. Meine Berufungsgeschichte ist die Entdeckung der Person Jesu. Gott war für mich, bevor ich das Regnum Christi kennen lernte, ein höheres Wesen, ein guter Gott, der im Himmel sitzt auf mich herunterschaut, um zu sehen, ob ich auch alles gut und richtig mache. Je älter ich wurde, desto mehr sah ich Gott als Richter. Seine Gerechtigkeit schien mir größer als seine Liebe. Als ich dann mit 22 Jahren, Jesus als Person entdeckte, wurde dieses einseitige und rein theoretische Gottesbild völlig umgeworfen. Die Entdeckung, dass Gott mich persönlich liebt, dass er mich für eine unübertragbare Sendung geschaffen hat, dass ich seiner Kirche helfen kann, öffnete neue Wege…

Gott machte sich in meinem Leben immer irgendwie bemerkbar: durch die Gemeinde, an deren Aktivitäten ich gerne teilnahm: Kinderschola, Bläserkreis, Messdienergruppe, Jugendgruppe, sowie die langjährige Freundschaft mit unserem Pfarrer. Die Bekanntschaften meiner Eltern mit frohen und interessanten gottgeweihten Männern und Frauen lehrten mich diese Lebensweise zu schätzen. An mich selbst dachte ich dabei aber nicht unbedingt. Ich fand es amüsanter, am Bach zu spielen, Fahrrad zu fahren und mit meinen Freunden Buden im Wald zu bauen. Meine Eltern sahen mich kaum im Haus, ich hatte es immer eilig, mich mit den anderen zu treffen. Dennoch lernte ich in diesen Jahren von meinen Eltern die Liebe zum Heiligen Vater und zur Kirche. Meine verschwommene Erinnerung des Jubels aufgrund der fumata; sowie eine Broschüre mit Farbbildern vom ersten Papstbesuch Johannes Paulus II. in Deutschland prägten sich tief in mir ein. Gott allein wusste warum: diese Liebe zum Papst die mich in einige lange Diskussionen mit meinen evangelischen und kalvinistischen Freunden brachte sollte einer meiner wichtiger Wegweiser werden. Ich wusste nicht viel über den Papst oder seine Lehre, meine Kenntnisse waren oberflächlich, dennoch konnte ich es nicht ertragen, wenn man ihn kritisierte. Diese Diskussionen ergaben sich ganz automatisch, vor allem als Jugendliche, wenn das Thema auf Freundschaft und Liebe kam.

Meine Eltern legten Wert auf die katholische Erziehung ihrer drei Kinder, so dass ich nach der Grundschule auf ein katholisches Gymnasium in der Nachbarstadt ging. Das fand ich zwar ein bisschen umständlich, da es keine gute Busverbindung gab und alle meine neuen Freunde weit weg wohnten. Heute bin ich meinen Eltern dankbar, denn so sah ich, dass der Glaube ihnen wichtiger als die Bequemlichkeit war.

In der 11. Klasse hatte ich die Möglichkeit, ein Jahr in Kanada eine Highschool zu besuchen. Diese Gelegenheit wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen, auch wenn das bedeutete, dass ich meine Freunde, unsere Feten und Philosophieabende in den Kneippen vermissen würde. Die Reiselust war größer; ich wollte mehr von der Welt entdecken. Ich wurde zufällig in eine katholische Farmerfamilie in Saskatchewan vermittelt. Die Familie war sehr nett und kümmerte sich sehr um mich, in der Schule ließ man mich alles mitmachen: Ich lernte Trompete, spielte im Musicaltheater, lernte Volleyball, Badminton und Softball spielen und fuhr mit auf die Sportturniere. Allerdings sah ich mich auch plötzlich mit einer neuen Vergnügungswelt konfrontiert, die ich in der 11. Klasse bei meinen Freunden noch nicht so erlebt hatte: Drogen, Sex und Alkohol. Die jungen Leute in den kleinen, weit verstreuten Farmerdörfern hatten nicht viel Auswahl für ihre Wochenenden.

Das brachte mich zum Nachdenken und machte mich in meinen eigenen Überzeugungen, die ich von meinen Eltern gelernt hatte, stark. Ich feierte fleißig mit, hielt aber meine Grenzen, und dass brachte mir erneut den Spitznamen ein, den mir schon meine Freunde in Deutschland gegeben hatten: Die Katholische. Das gefiel mir nicht so sehr, weil ich im Innern wusste, dass das nicht wahr war. Ich ging zwar sonntags in die Kirche, lebte aber meinen Glauben nicht bis in die letzten Konsequenzen. So war ich jahrelang nicht mehr zur Beichte gegangen, nachdem ich von einer Klassenkameradin gehört hatte, dass die Beichte eine rein psychologische Angelegenheit sei. Ihre Argumente schienen mir damals überzeugend, weil sie mich von der unangenehmen Warteschlange bei der Schulbeichte befreiten. Auf der anderen Seite wollte ich aber nicht alles links liegen lassen. Irgendetwas, was ich heute den Heiligen Geist nenne, trieb mich nach meiner Rückkehr aus Kanada dazu, mit anderen Jugendlichen meiner Diözese etwas für Jugendliche aufzubauen. Gott machte sich gegenwärtig in einem jungen Pfarrvikar, der uns in unseren Bemühungen unterstützte. Leider wurde er versetzt, bevor wir etwas beginnen konnten. Das Abitur stand ebenfalls vor der Tür, so dass die Gruppe sich auflöste.

Nach dem Abitur verließ ich Deutschland, um in Kanada zu studieren. Kanada mit seinen weiten Landschaften, seinen offenen Menschen rief mich zurück. Nach ein paar Monaten im Westen Kanadas entschloss ich mich in den Osten, nach Quebec, zu gehen, um Französisch zu studieren. Das Leben in den Studentenheimen war sehr interessant, man traf Jugendliche aus allen Kontinenten und allen Religionen, so zählten auch überzeugte Moslems, Minnoniten, Methodisten und  Mormonen zu meinen Freunden und Bekannten. Die Studien nahmen ihren Lauf, das Nachtleben gehörte wie überall dazu: Ich ging vor allem gerne stundenlang tanzen. Ich weiß nicht wie und warum, aber ich blieb meinen Überzeugungen weiterhin treu, und mit der Zeit wurde ich müde dieselben Wochenendgeschichten der anderen zu hören. Gab es nicht mehr im Leben als die Liebesabenteuer, Drogen und Alkohol? Die meisten meiner Bekannten lachten viel, waren aber nicht glücklich.

In dieser Zeit lernte ich einen Jungen kennen, der mir gut gefiel. Er mochte mich wohl auch, aber zu meinem großen Unglück sah er mich mehr wie eine kleine Schwester. Er lud mich zu langen Spaziergängen in der Natur ein, auf denen er mir sein Liebesleid mit einem anderen Mädchen erzählte!!! Gott nutzte diese Gelegenheit, um mich ihn in der Natur entdecken zu lassen. Ich hatte ihn im Lärm der Nächte und in den Bibliotheken beiseite gelegt. Mein Liebeskummer und die innere Leere führten mich zu ihm zurück. Ich fühlte mich wie ein Granny Smith Apfel: außen wunderbar grün glänzend (ich hatte alles in meinem Leben: Freunde, ein kleines gelbes Auto, gute Studienergebnisse,…), aber innerlich faul. Eines war mir ganz klar, ich musste einige Sachen mit Gott regeln, und das konnte ich am besten in der Beichte tun. Die Psychologie war keine Ausrede mehr. Da ich aber nie wirklich die Gewohnheit gehabt hatte, beichten zu gehen, fiel mir dieser Schritt sehr schwer. Bis dorthin sollte es noch ein weiter Weg sein. Ich suchte zunächst einmal in anderen religiösen Gruppen meinen Platz. So traf ich einen protestantischen Prediger, der mir mit lauter Stimme vom Letzten Gericht und der Hölle predigte. Das fand ich nicht so ermunternd, und so sah er mich nicht wieder. Seine Worte klangen aber in mir wieder und erneuerten meinen Wunsch der Beichte. Ich lernte auch eine Gruppe von Baptisten kennen, die mich aufgrund ihres Eifers, ihrer Radikalität und ihrer Nächstenliebe beeindruckten. Ich fuhr mit ihnen auf einen Einkehrtag in einer Schneehütte irgendwo außerhalb Quebecs. Alle waren sehr nett, beteten viel, sprachen offen miteinander und lebten die Nächstenliebe. Trotz allem fühlte ich mich tief unglücklich, mein Platz war nicht dort. Etwas fehlte mir. Ich wusste ganz genau: Dein Zuhause ist die katholische Kirche. Erst später verstand ich, was mir dort trotz allem guten Beispiel dieser Nachfolger Christi fehlte: die wirkliche Gegenwart Jesu in der Eucharistie. Und so begann eine neue Suche nach Gott in den katholischen Gruppen.

Den Tag meiner Beichte werde ich nie vergessen, es ist schwer zu beschreiben: das Licht trat wieder in mein Leben ein, und das feierte ich, indem ich mir eine große Haarspange in Form einer Sonne kaufte. Gott hatte wieder Platz in mir gefunden, und so begann ich, ihn noch mehr zu suchen. Ich wollte soviel wie möglich von ihm wissen. Zu dieser Zeit erhielt ich dann auch einen Anruf meiner Eltern, in dem sie mir mitteilten, dass mein jüngerer Bruder bei den Legionären Christi eingetreten sei. Da ich nie von diesen gehört hatte, dachte ich gleich, das wäre eine Sekte. Meine Mutter beruhigte mich aber: Dein Bruder ist nicht so dumm, dass er zu einer Sekte geht. Ich hatte auch erst Bedenken, aber macht dir keine Sorgen, alles ist in Ordnung. Als ich den Hörer auflegte, dachte ich nur: Der wird bestimmt viel glücklicher leben als viele von uns. Mein Bruder ahnte vielleicht etwas von meiner innerlichen Situation und bat die gottgeweihten Frauen aus den Vereinigten Staaten, mich in Quebec zu besuchen. Zur gleichen Zeit lernte ich einen 92 Jahre alten Jesuitenpater kennen, einen Experten für Exerzitien, sowie auch Numerari des Opus Dei. Sie alle haben eine sehr wichtige Rolle in meiner Berufung gespielt. Ich bin diesen Menschen allen sehr dankbar. Sie waren meine Helfer in der Not und zeigten mir ein anderes Gesicht Christi und seiner Kirche als  ich es bis dahin gekannt hatte. Als ich dann aber der das Regnum Christi besser kennen lernte, spürte ich, dass dort mein Platz war.

Die gottgeweihten Frauen luden mich über Ostern 1995 zu einem Einkehrtag nach Rhode Island ein. Dort fand ich dank verschiedener Meditationen und Vorträge einen Zugang zur Marienverehrung. Das Gebet zu Maria war für mich vorher eine reine Zeitverschwendung gewesen, jetzt kann ich mir mein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Bei diesem Einkehrtag hatte ich auch eine weitere Christuserfahrung im Gebet: Christus war nicht nur Theorie, sondern eine echte Person, die mich liebt, so wie ich bin.

Die Nächstenliebe, Freude und Freundlichkeit der jungen Gottgeweihten beeindruckte mich sehr, und da ich so etwas noch nie vorher außerhalb der protestantischen Gruppen erlebt hatte, zweifelte ich ein wenig an der Aufrichtigkeit dieser schönen Welt. Das hielt aber nicht lange an. Eine junge Gottgeweihte, die ihren Rezeptionsdienst hatte, war von Anrufen und Nachrichten überwältigt, und dazu … kam dann auch noch ich. Ich sah, wie sie sich selbst überwandt, um mich freundlich zu empfangen. Das überzeugte mich. Die Nächstenliebe war keine reine Show, sondern ein ehrliche Bemühung, das Gebot Christi zu leben. Ich verbrachte einige Tage bei ihnen ohne jegliche Anpassungsprobleme. Ich fand ihre Apostolatsarbeit faszinierend: ich verstand, dass hier alle am selben Strang zogen, und das so etwas Großes für die Kirche entstand.

Mein Wunsch, in einer internationalen Organisation zu arbeiten und ein Brückenpunkt zwischen den Menschen zu sein, erschien mir nicht mehr so verschwommen wie zuvor. Nach dem Einkehrtag lud man mich ein, dem Regnum Christi beizutreten. Das war für mich eine schwierige Entscheidung. Sie brachte mich um meine Nachtruhe. Ich wusste zwar, dass ich eines Tages in die Bewegung eintreten wollte, um meinen neu entdeckten Glauben und meine erste Liebe zu Christus authentisch zu leben. Aber sollte ich mich schon jetzt dazu bekennen? Nach langem hin und her siegte schließlich Christus, und am nächsten Morgen trat ich mit zitternder Stimme und weichen Knien dem Regnum Christi bei. Das war ein wichtiger Schritt für mich. Jetzt war ich nicht mehr so alleine, oben in Quebec, die Gottgeweihten blieben in Kontakt mit mir.

Später nahm ich an einem einmonatigen Ausbildungskurs in Rom teil. Ich wollte eigentlich die Muttergottes in Mexiko besuchen und an den Missionen teilnehmen, aber die Möglichkeit zum ersten Mal in meinem Leben den Papst aus der Nähe zu sehen, führte mich nach Rom. In diesem Kurs lernte ich sehr viel über das Regnum Christi, es gab auch Momente der Anbetung. In einer dieser Anbetungen vernahm ich die Bitte Christi, zwei Jahre meines Lebens ab September desselben Jahres in den Dienst der Kirche zu stellen. Das war menschlich betrachtet eine verrückte Idee. Mir fehlten nur noch zwei Semester meines Studiums. Wie sollte ich das meinen Eltern erklären?  Zu meiner großen Überraschung willigten meine Eltern ohne Probleme ein. Jetzt hatte ich keine Ausreden mehr.

Gehet hinaus in alle Welt, und verkündet das Evangelium! Ich gab mein erstes Jahr in Frankreich, wo ich mit Hilfe meiner spirituellen Begleiterin entdeckte, dass Gott mich nicht zu einem zweiten Jahr einlud, sondern mein ganzes Leben bat. Und da ich wusste, dass die Berufung durchaus eine Möglichkeit für uns Katholiken ist, nahm ich an einer Kandidatur teil. Ich wollte sicher sein, Gottes Willen zu tun und nicht meinen eigenen (eine Familie mit sechs Kindern). Die Entscheidung alles hinter mir zu lassen, fiel mir nicht leicht. Für die meisten meiner Freunde und Bekannten war diese Entscheidung unverständlich (wie konnte man nur seine besten Jahre so vergeuden). Aber die Einladung Jesu, ihm ganz zu gehören und die wahre Liebe kennen– und leben zu lernen, wuchsen immer stärker in mir. Mein Wunsch, etwas für seine Kirche zu tun, bestärkten meine Entscheidung Ja zu sagen. Mit Maria sagte ich FIAT. Und so befinde ich mich heute nach einer vierjährigen Ausbildung in Madrid und Rhode Island, sowie nach kurzen Aufenthalten in Ungarn und Mexiko wieder in Frankreich, wo ich in der Kinder– und Jugendarbeit des Regnum Christi tätig bin.

Die Suche nach Gott ist nicht beendet, ein Stück Weg ist zurückgelegt, aber wer Gott kennt, weiß, dass das Leben mit ihm ein Abenteuer ist. Lässt man Ihm einmal das Steuer in der Hand, wird es einem nie langweilig auf der Fahrt. Er findet immer wieder neue Wege, manchmal geteerte, manchmal Landwege, manchmal bei Tag, andere Male in der Finsternis. Er weiß, welcher Weg am besten für uns ist. Man muss ihm nur vertrauensvoll das Steuer überlassen.


Auf der Suche…

Auf der Suche…

Patricia KleinMein Name ist Patricia Klein. Ich bin seit fast 10 Jahren gottgeweihte Frau in der apostolischen Bewegung Regnum Christi. Mein Weg bis hierhin scheint mir heute ein bisschen wie eine Schnitzeljagd, meine Suche nach Gott war in Wirklichkeit die Suche Gottes nach mir. Ich folgte meinen Wegen. Gott ließ mich frei gewähren. Er liebt uns zu sehr, um uns seine Nähe und Liebe aufzuzwingen. Er macht sich gegenwärtig und wartet, geduldig und demütig, bis wir uns endlich entschließen, ihm in die Augen zu schauen.

Jede Berufungsgeschichte ist einmalig und ein Beweis, dass Gott existiert, und was vielleicht noch viel wichtiger ist: dass Gott die Liebe selbst ist. Liebe, die sich uns in Christus offenbaren wollte. Meine Berufungsgeschichte ist die Entdeckung der Person Jesu. Gott war für mich, bevor ich das Regnum Christi kennen lernte, ein höheres Wesen, ein guter Gott, der im Himmel sitzt auf mich herunterschaut, um zu sehen, ob ich auch alles gut und richtig mache. Je älter ich wurde, desto mehr sah ich Gott als Richter. Seine Gerechtigkeit schien mir größer als seine Liebe. Als ich dann mit 22 Jahren, Jesus als Person entdeckte, wurde dieses einseitige und rein theoretische Gottesbild völlig umgeworfen. Die Entdeckung, dass Gott mich persönlich liebt, dass er mich für eine unübertragbare Sendung geschaffen hat, dass ich seiner Kirche helfen kann, öffnete neue Wege…

Gott machte sich in meinem Leben immer irgendwie bemerkbar: durch die Gemeinde, an deren Aktivitäten ich gerne teilnahm: Kinderschola, Bläserkreis, Messdienergruppe, Jugendgruppe, sowie die langjährige Freundschaft mit unserem Pfarrer. Die Bekanntschaften meiner Eltern mit frohen und interessanten gottgeweihten Männern und Frauen lehrten mich diese Lebensweise zu schätzen. An mich selbst dachte ich dabei aber nicht unbedingt. Ich fand es amüsanter, am Bach zu spielen, Fahrrad zu fahren und mit meinen Freunden Buden im Wald zu bauen. Meine Eltern sahen mich kaum im Haus, ich hatte es immer eilig, mich mit den anderen zu treffen. Dennoch lernte ich in diesen Jahren von meinen Eltern die Liebe zum Heiligen Vater und zur Kirche. Meine verschwommene Erinnerung des Jubels aufgrund der fumata; sowie eine Broschüre mit Farbbildern vom ersten Papstbesuch Johannes Paulus II. in Deutschland prägten sich tief in mir ein. Gott allein wusste warum: diese Liebe zum Papst die mich in einige lange Diskussionen mit meinen evangelischen und kalvinistischen Freunden brachte sollte einer meiner wichtiger Wegweiser werden. Ich wusste nicht viel über den Papst oder seine Lehre, meine Kenntnisse waren oberflächlich, dennoch konnte ich es nicht ertragen, wenn man ihn kritisierte. Diese Diskussionen ergaben sich ganz automatisch, vor allem als Jugendliche, wenn das Thema auf Freundschaft und Liebe kam.

Meine Eltern legten Wert auf die katholische Erziehung ihrer drei Kinder, so dass ich nach der Grundschule auf ein katholisches Gymnasium in der Nachbarstadt ging. Das fand ich zwar ein bisschen umständlich, da es keine gute Busverbindung gab und alle meine neuen Freunde weit weg wohnten. Heute bin ich meinen Eltern dankbar, denn so sah ich, dass der Glaube ihnen wichtiger als die Bequemlichkeit war.

In der 11. Klasse hatte ich die Möglichkeit, ein Jahr in Kanada eine Highschool zu besuchen. Diese Gelegenheit wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen, auch wenn das bedeutete, dass ich meine Freunde, unsere Feten und Philosophieabende in den Kneippen vermissen würde. Die Reiselust war größer; ich wollte mehr von der Welt entdecken. Ich wurde zufällig in eine katholische Farmerfamilie in Saskatchewan vermittelt. Die Familie war sehr nett und kümmerte sich sehr um mich, in der Schule ließ man mich alles mitmachen: Ich lernte Trompete, spielte im Musicaltheater, lernte Volleyball, Badminton und Softball spielen und fuhr mit auf die Sportturniere. Allerdings sah ich mich auch plötzlich mit einer neuen Vergnügungswelt konfrontiert, die ich in der 11. Klasse bei meinen Freunden noch nicht so erlebt hatte: Drogen, Sex und Alkohol. Die jungen Leute in den kleinen, weit verstreuten Farmerdörfern hatten nicht viel Auswahl für ihre Wochenenden.

Das brachte mich zum Nachdenken und machte mich in meinen eigenen Überzeugungen, die ich von meinen Eltern gelernt hatte, stark. Ich feierte fleißig mit, hielt aber meine Grenzen, und dass brachte mir erneut den Spitznamen ein, den mir schon meine Freunde in Deutschland gegeben hatten: Die Katholische. Das gefiel mir nicht so sehr, weil ich im Innern wusste, dass das nicht wahr war. Ich ging zwar sonntags in die Kirche, lebte aber meinen Glauben nicht bis in die letzten Konsequenzen. So war ich jahrelang nicht mehr zur Beichte gegangen, nachdem ich von einer Klassenkameradin gehört hatte, dass die Beichte eine rein psychologische Angelegenheit sei. Ihre Argumente schienen mir damals überzeugend, weil sie mich von der unangenehmen Warteschlange bei der Schulbeichte befreiten. Auf der anderen Seite wollte ich aber nicht alles links liegen lassen. Irgendetwas, was ich heute den Heiligen Geist nenne, trieb mich nach meiner Rückkehr aus Kanada dazu, mit anderen Jugendlichen meiner Diözese etwas für Jugendliche aufzubauen. Gott machte sich gegenwärtig in einem jungen Pfarrvikar, der uns in unseren Bemühungen unterstützte. Leider wurde er versetzt, bevor wir etwas beginnen konnten. Das Abitur stand ebenfalls vor der Tür, so dass die Gruppe sich auflöste.

Nach dem Abitur verließ ich Deutschland, um in Kanada zu studieren. Kanada mit seinen weiten Landschaften, seinen offenen Menschen rief mich zurück. Nach ein paar Monaten im Westen Kanadas entschloss ich mich in den Osten, nach Quebec, zu gehen, um Französisch zu studieren. Das Leben in den Studentenheimen war sehr interessant, man traf Jugendliche aus allen Kontinenten und allen Religionen, so zählten auch überzeugte Moslems, Minnoniten, Methodisten und  Mormonen zu meinen Freunden und Bekannten. Die Studien nahmen ihren Lauf, das Nachtleben gehörte wie überall dazu: Ich ging vor allem gerne stundenlang tanzen. Ich weiß nicht wie und warum, aber ich blieb meinen Überzeugungen weiterhin treu, und mit der Zeit wurde ich müde dieselben Wochenendgeschichten der anderen zu hören. Gab es nicht mehr im Leben als die Liebesabenteuer, Drogen und Alkohol? Die meisten meiner Bekannten lachten viel, waren aber nicht glücklich.

In dieser Zeit lernte ich einen Jungen kennen, der mir gut gefiel. Er mochte mich wohl auch, aber zu meinem großen Unglück sah er mich mehr wie eine kleine Schwester. Er lud mich zu langen Spaziergängen in der Natur ein, auf denen er mir sein Liebesleid mit einem anderen Mädchen erzählte!!! Gott nutzte diese Gelegenheit, um mich ihn in der Natur entdecken zu lassen. Ich hatte ihn im Lärm der Nächte und in den Bibliotheken beiseite gelegt. Mein Liebeskummer und die innere Leere führten mich zu ihm zurück. Ich fühlte mich wie ein Granny Smith Apfel: außen wunderbar grün glänzend (ich hatte alles in meinem Leben: Freunde, ein kleines gelbes Auto, gute Studienergebnisse,…), aber innerlich faul. Eines war mir ganz klar, ich musste einige Sachen mit Gott regeln, und das konnte ich am besten in der Beichte tun. Die Psychologie war keine Ausrede mehr. Da ich aber nie wirklich die Gewohnheit gehabt hatte, beichten zu gehen, fiel mir dieser Schritt sehr schwer. Bis dorthin sollte es noch ein weiter Weg sein. Ich suchte zunächst einmal in anderen religiösen Gruppen meinen Platz. So traf ich einen protestantischen Prediger, der mir mit lauter Stimme vom Letzten Gericht und der Hölle predigte. Das fand ich nicht so ermunternd, und so sah er mich nicht wieder. Seine Worte klangen aber in mir wieder und erneuerten meinen Wunsch der Beichte. Ich lernte auch eine Gruppe von Baptisten kennen, die mich aufgrund ihres Eifers, ihrer Radikalität und ihrer Nächstenliebe beeindruckten. Ich fuhr mit ihnen auf einen Einkehrtag in einer Schneehütte irgendwo außerhalb Quebecs. Alle waren sehr nett, beteten viel, sprachen offen miteinander und lebten die Nächstenliebe. Trotz allem fühlte ich mich tief unglücklich, mein Platz war nicht dort. Etwas fehlte mir. Ich wusste ganz genau: Dein Zuhause ist die katholische Kirche. Erst später verstand ich, was mir dort trotz allem guten Beispiel dieser Nachfolger Christi fehlte: die wirkliche Gegenwart Jesu in der Eucharistie. Und so begann eine neue Suche nach Gott in den katholischen Gruppen.

Den Tag meiner Beichte werde ich nie vergessen, es ist schwer zu beschreiben: das Licht trat wieder in mein Leben ein, und das feierte ich, indem ich mir eine große Haarspange in Form einer Sonne kaufte. Gott hatte wieder Platz in mir gefunden, und so begann ich, ihn noch mehr zu suchen. Ich wollte soviel wie möglich von ihm wissen. Zu dieser Zeit erhielt ich dann auch einen Anruf meiner Eltern, in dem sie mir mitteilten, dass mein jüngerer Bruder bei den Legionären Christi eingetreten sei. Da ich nie von diesen gehört hatte, dachte ich gleich, das wäre eine Sekte. Meine Mutter beruhigte mich aber: Dein Bruder ist nicht so dumm, dass er zu einer Sekte geht. Ich hatte auch erst Bedenken, aber macht dir keine Sorgen, alles ist in Ordnung. Als ich den Hörer auflegte, dachte ich nur: Der wird bestimmt viel glücklicher leben als viele von uns. Mein Bruder ahnte vielleicht etwas von meiner innerlichen Situation und bat die gottgeweihten Frauen aus den Vereinigten Staaten, mich in Quebec zu besuchen. Zur gleichen Zeit lernte ich einen 92 Jahre alten Jesuitenpater kennen, einen Experten für Exerzitien, sowie auch Numerari des Opus Dei. Sie alle haben eine sehr wichtige Rolle in meiner Berufung gespielt. Ich bin diesen Menschen allen sehr dankbar. Sie waren meine Helfer in der Not und zeigten mir ein anderes Gesicht Christi und seiner Kirche als  ich es bis dahin gekannt hatte. Als ich dann aber der das Regnum Christi besser kennen lernte, spürte ich, dass dort mein Platz war.

Die gottgeweihten Frauen luden mich über Ostern 1995 zu einem Einkehrtag nach Rhode Island ein. Dort fand ich dank verschiedener Meditationen und Vorträge einen Zugang zur Marienverehrung. Das Gebet zu Maria war für mich vorher eine reine Zeitverschwendung gewesen, jetzt kann ich mir mein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Bei diesem Einkehrtag hatte ich auch eine weitere Christuserfahrung im Gebet: Christus war nicht nur Theorie, sondern eine echte Person, die mich liebt, so wie ich bin.

Die Nächstenliebe, Freude und Freundlichkeit der jungen Gottgeweihten beeindruckte mich sehr, und da ich so etwas noch nie vorher außerhalb der protestantischen Gruppen erlebt hatte, zweifelte ich ein wenig an der Aufrichtigkeit dieser schönen Welt. Das hielt aber nicht lange an. Eine junge Gottgeweihte, die ihren Rezeptionsdienst hatte, war von Anrufen und Nachrichten überwältigt, und dazu … kam dann auch noch ich. Ich sah, wie sie sich selbst überwandt, um mich freundlich zu empfangen. Das überzeugte mich. Die Nächstenliebe war keine reine Show, sondern ein ehrliche Bemühung, das Gebot Christi zu leben. Ich verbrachte einige Tage bei ihnen ohne jegliche Anpassungsprobleme. Ich fand ihre Apostolatsarbeit faszinierend: ich verstand, dass hier alle am selben Strang zogen, und das so etwas Großes für die Kirche entstand.

Mein Wunsch, in einer internationalen Organisation zu arbeiten und ein Brückenpunkt zwischen den Menschen zu sein, erschien mir nicht mehr so verschwommen wie zuvor. Nach dem Einkehrtag lud man mich ein, dem Regnum Christi beizutreten. Das war für mich eine schwierige Entscheidung. Sie brachte mich um meine Nachtruhe. Ich wusste zwar, dass ich eines Tages in die Bewegung eintreten wollte, um meinen neu entdeckten Glauben und meine erste Liebe zu Christus authentisch zu leben. Aber sollte ich mich schon jetzt dazu bekennen? Nach langem hin und her siegte schließlich Christus, und am nächsten Morgen trat ich mit zitternder Stimme und weichen Knien dem Regnum Christi bei. Das war ein wichtiger Schritt für mich. Jetzt war ich nicht mehr so alleine, oben in Quebec, die Gottgeweihten blieben in Kontakt mit mir.

Später nahm ich an einem einmonatigen Ausbildungskurs in Rom teil. Ich wollte eigentlich die Muttergottes in Mexiko besuchen und an den Missionen teilnehmen, aber die Möglichkeit zum ersten Mal in meinem Leben den Papst aus der Nähe zu sehen, führte mich nach Rom. In diesem Kurs lernte ich sehr viel über das Regnum Christi, es gab auch Momente der Anbetung. In einer dieser Anbetungen vernahm ich die Bitte Christi, zwei Jahre meines Lebens ab September desselben Jahres in den Dienst der Kirche zu stellen. Das war menschlich betrachtet eine verrückte Idee. Mir fehlten nur noch zwei Semester meines Studiums. Wie sollte ich das meinen Eltern erklären?  Zu meiner großen Überraschung willigten meine Eltern ohne Probleme ein. Jetzt hatte ich keine Ausreden mehr.

Gehet hinaus in alle Welt, und verkündet das Evangelium! Ich gab mein erstes Jahr in Frankreich, wo ich mit Hilfe meiner spirituellen Begleiterin entdeckte, dass Gott mich nicht zu einem zweiten Jahr einlud, sondern mein ganzes Leben bat. Und da ich wusste, dass die Berufung durchaus eine Möglichkeit für uns Katholiken ist, nahm ich an einer Kandidatur teil. Ich wollte sicher sein, Gottes Willen zu tun und nicht meinen eigenen (eine Familie mit sechs Kindern). Die Entscheidung alles hinter mir zu lassen, fiel mir nicht leicht. Für die meisten meiner Freunde und Bekannten war diese Entscheidung unverständlich (wie konnte man nur seine besten Jahre so vergeuden). Aber die Einladung Jesu, ihm ganz zu gehören und die wahre Liebe kennen– und leben zu lernen, wuchsen immer stärker in mir. Mein Wunsch, etwas für seine Kirche zu tun, bestärkten meine Entscheidung Ja zu sagen. Mit Maria sagte ich FIAT. Und so befinde ich mich heute nach einer vierjährigen Ausbildung in Madrid und Rhode Island, sowie nach kurzen Aufenthalten in Ungarn und Mexiko wieder in Frankreich, wo ich in der Kinder– und Jugendarbeit des Regnum Christi tätig bin.

Die Suche nach Gott ist nicht beendet, ein Stück Weg ist zurückgelegt, aber wer Gott kennt, weiß, dass das Leben mit ihm ein Abenteuer ist. Lässt man Ihm einmal das Steuer in der Hand, wird es einem nie langweilig auf der Fahrt. Er findet immer wieder neue Wege, manchmal geteerte, manchmal Landwege, manchmal bei Tag, andere Male in der Finsternis. Er weiß, welcher Weg am besten für uns ist. Man muss ihm nur vertrauensvoll das Steuer überlassen.

 

Die Berufungsgeschichte von Patricia Klein

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Donnerstag, 7. März 2007

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