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Samstag, 20. Dezember 2008

P. Jaroslav Nikolaus Lobkowicz LC


Berufungsgeschichte des am 20. Dezember 2008 in Rom geweihten Neupriesters

P. Jaroslav Lobkovicz LCAls Kind einer französischen Mutter und eines tschechischen Vaters wurde ich am 15. Juli 1974 in Paris geboren. Mein Vater war ein politischer Flüchtling; er floh vor dem kommunistischen Regime der Tschechoslowakei nach Deutschland, wo er von seinen Verwandten aufgenommen wurde. Meine Mutter, zu der Zeit Studentin, war eng mit der Cousine meines Vaters befreundet. Sie lernten sich in der Nähe von München kennen, heirateten und lebten dort, nachdem sie ihr Studium abgeschlossen hatten.

Wir waren die einzige Familie, die zur hl. Messe ging

Ich habe einen ein Jahr älteren Bruder und einen sieben Jahre jüngeren. Wir verlebten unsere Kindheit und Jugend in einer kleinen Wohnung in der Stadtmitte. Wir hatten türkische und italienische Nachbarn. Wir waren die einzige Familie, die jeden Sonntag zur hl. Messe ging, was für unsere muslimischen und wenig praktizierenden christlichen Nachbarn eine Überraschung war. Meine Mutter half mehreren Arbeiterfamilien, die nicht deutsch konnten bei ihren Behördengängen oder bei der Schuleinschreibung der Kinder. Sie half ihnen auch, indem sie die schulische Ausbildung ihrer Kinder finanzierte, sodass manche deshalb den Sprung auf die Universität schafften.

Nach dem Besuch des französischen Kindergartens in München, begann meine schulische Laufbahn mit der Grundschule. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, auf das deutsche Gymnasium zu kommen, schrieb ich mich in der französischen Abteilung des europäischen Gymnasiums ein, wo ich zwei Jahre lang blieb. Danach versuchte ich es ein weiteres Mal und wurde schließlich am Dante-Gymnasium angenommen.

Neben dem normalen Schulalltag sangen wir als Kinder im Chor des Staatstheaters. Es motivierte uns sehr, nicht nur bei Theaterdarbietungen mitzuwirken, sondern dabei auch ein bisschen Geld zu verdienen. Die Kehrseite der Medaille war, dass wir viele Wochenenden damit zubrachten, Opern einzustudieren… Aber es hat meine Liebe zur klassischen Musik geweckt.

Wir brachten ihnen die notwendigsten Lebensmittel mit

Die Ferien verbrachte ich mit den Eltern und Geschwistern in der Tschechoslowakei (Ostern und Weihnachten) und in Frankreich, wo wir unsere Verwandten besuchten. Unseren Cousins, Onkeln und Tanten, die in der kommunistischen Tschechoslowakei geblieben waren, brachten wir die nötigsten Lebensmittel mit, die sie nicht hatten: Salate, Früchte, Suppen… Man konnte immer eine Atmosphäre religiöser Verfolgung spüren. Meine Cousins wurden schief angesehen, weil sie zur hl. Messe gingen und einige meiner Onkel mussten sich Demütigungen am Arbeitsplatz gefallen lassen, weil sie katholisch waren. Zugleich sah ich trotz dieser Umstände bei meinen Verwandten in der Tschechoslowakei dennoch Freude und ein Beispiel lebendigen Glaubens und Gottvertrauens. Eine Tante meines Vaters lebte im Untergrund als Ordensschwester und dieses „Verbrechen” kostete sie zwölf Jahre Gefängnis und Zwangsarbeit. Der Onkel meines Vaters war Pfarrer im ländlichen Gebiet des Landes, wo es wenige Gläubige gab. Er zog alle drei Jahre um und war es gewohnt, von „Pfarrkindern” (d.h. Spitzeln der Geheimpolizei) besucht zu werden, die indiskrete Fragen stellten. Ein Bruder meines Vaters, Franti¹ek, bekam die staatliche Genehmigung, in ein Priesterseminar zu gehen. Er musste seinen Dienst unter ähnlichen Umständen wie sein Onkel ausführen. Ein weiterer Bruder meines Vaters, Zdeòek, blieb unverheiratet, während seine beiden Schwestern heirateten. Nach dem Fall des kommunistischen Regimes 1989 wurde Zdeòek zu unserer großen Überraschung zum Priester geweiht. Er war Untergrund-Seminarist gewesen. Wenig später wurde mein Onkel Franti¹ek zum Bischof ernannt.

Im Vergleich dazu beobachten wir bei unseren Besuchen in Frankreich einen gewissen Prozess der Entchristianisierung, einen „stillen Abfall vom Glauben” – wie einige ihn nannten – unter dem Mantel von Demokratie und Toleranz, und einen Relativismus gegenüber Glauben und Religion. Wir, die wir die Realität eines Landes kannten, in dem sogar die Existenz Gottes geleugnet wurde, versuchten unseren Glauben dennoch zu leben. Dabei half uns, dass wir zu einer katholischen Pfadfindergruppe gehörten. Hier lernten wir auch, wie man in den Buchten der atlantischen Küste segelt. Die Schiffe bekamen die Pfadfinder von der französischen Marine geliehen. Der Verantwortliche meiner Gruppe war ein Seminarist. Neben dem Segeln und anderen Abenteuern lehrte er uns auch zu beten.

Mein Herz brannte

Auf dem Gymnasium war ich in jenen Jahren oft der einzige des Kurses, der seinen Glauben praktizierte, manchmal sogar der einzige des ganzen Gymnasiums mit 950 Schülern. Manchmal nannten mich andere „intolerant”, weil ich den Lehren des Papstes treu sein wollte; denn viele meinten, der Papst vertrete eine irrationale Moral und dass er deshalb der Hauptschuldige an der Bevölkerungsexplosion sei…

Gott schenkte mir jedoch einen feinen Sinn für das Geistliche, und ich war beeindruckt vom Zeugnis vieler Priester und Ordensfrauen, die ich kannte oder über deren Leben ich las. Ich hatte es mir auch zur Gewohnheit gemacht, jeden Abend einen Moment dem Gespräch mit Gott zu widmen, wobei ich oft frei betete oder Gebete heranzog, die mir unsere Mutter beigebracht hatte.

An einem gewöhnlichen Tag – ich war gerade 16 – während ich betete, kam mir ganz plötzlich ein Gedanke, eine Überzeugung, eine unwiderstehliche Sehnsucht: Die Liebe des gekreuzigten Christus. Ich erhob mich sofort, ging zum Gebetszimmer der Wohnung und nahm das Kreuz in die Hand, um den Herrn anzubeten. Ich verstand mit einem Mal, dass Christus mich persönlich liebt, so sehr, dass er sein eigenes Leben für mich und für alle Menschen hingegeben hat. Mein Herz brannte bei diesem Gedanken. Diese Erfahrung war keineswegs nur emotional, sie schien vielmehr meine ganze Existenz zu erfassen.

Während meines letzten Schuljahres erhielten wir zu Hause einen merkwürdigen Anruf, ich war am Telefon und am anderen Ende ein gewisser P. Kelly von den Legionären Christi. Ich hatte diesen Namen nie vorher gehört und als er sagte, dass der Klassenkamerad meines älteren Bruders ins Noviziat eingetreten sei, fragte ich mich, in welche Sekte der Ärmste da hineingeraten war. „Sind Sie katholisch?”, war demnach meine erste Frage an den merkwürdigen Anrufer. „Ja klar”,  antwortete er mir. „Wir sind vom Papst anerkannt und unsere Aufgabe ist es, seine Lehre zu verbreiten”. Diese Antwort zerstreute meine Zweifel und wir luden ihn zum Abendessen ein. Sein Besuch war eine Entdeckung: Meine Mutter, meine Brüder und ich waren von seinem Beispiel des Glaubens und der Dynamik hellauf begeistert. Bei meinem Vater war die Reaktion weniger enthusiastisch.

Eine Freundin empfahl mir einen Besuch im Noviziat

Eine Freundin hatte mir empfohlen, das Noviziat zu besuchen, und so lernte ich zum ersten Mal die Gemeinschaft der Legionäre Christi kennen: Mich faszinierte das Ambiente des Gebetes, der Freude, der Ernsthaftigkeit und der Nächstenliebe, mit dem ich mich sofort identifizieren konnte. Auch wenn ich einen Weg in der Gemeinschaft der Legionäre Christi als wirkliche Möglichkeit und als wahrscheinlichen Willen Gottes für mein Leben erkannte, war ich doch noch lange nicht bereit, alles zu verlassen.

Nach dem Abitur begann ich das Ingenieursstudium. Ich nahm mir vor, ein Apostel in der Universität zu sein. Mit einigen Freunden organisierten wir regelmäßig Einkehrtage in den Bergen und P. Kelly kam mit um zu predigen. Mit dem Eintritt in die Apostolatsbewegung der Legionäre Christi, das Regnum Christi, wuchs die Lebendigkeit meines Glaubens. Ich ging nun auch regelmäßig zur Beichte, stützte mich auf die Hilfe eines geistlichen Leiters und betete vor Christus in der Eucharistie. So reifte in mir die Überzeugung: Wenn Gott mich eines Tages als Priester in seine Nachfolge rufen sollte, dann wäre dies nicht zum Schaden für meine persönliche Verwirklichung oder mein eigenes Glück. Im Gegenteil, ein Leben nach seinen Plänen wäre sicherlich eine noch bessere Verwirklichung, als ich sie mit meinen Plänen erreichen könnte. Meine Mutter unterstützte mich ganz auf meinem Berufungsweg. Mein Vater wollte mich hingegen eher davon abbringen, aber auch dieser Widerstand half mir, in meiner Berufung zu reifen.

Mein Leben bei den Legionären Christi

Im Sommer 1995 zog meine Familie mit meinem jüngeren Bruder nach Prag. Mein anderer Bruder blieb in München. Wenig später kam für mich die Zeit für den Eintritt ins Noviziat der Legionäre Christi in Bad Münstereifel, wo ich im Herbst als Kandidat ankam. Meine anfängliche Begeisterung kühlte schnell ab: Das Erlernen des Ordenslebens war das tägliche Brot und kostete mich Mühe und Opfer. Die Nähe der Ordensoberen und das ausgeglichene Programm zwischen Gebet, Hausarbeit, Sport und Unterricht halfen mir jedoch, diese ersten Schwierigkeiten zu überwinden und spirituell zu wachsen.

Nach zwei Jahren Noviziat legte ich meine erste Ordensprofess ab und begann kurz darauf, in Salamanca (Spanien) einen Lehrgang in klassischen Sprachen und mehreren humanistischen Fächern. Darauf folgten die ersten beiden Jahre des Philosophiestudiums in Rom. Im Heiligen Jahr 2000 begann ich mein apostolisches Praktikum. Es führte mich nach Frankreich, wo ich einem Priester der Legionäre Christi in der Jugendseelsorge half. Wir organisierten Jugendgruppen mit Glaubens– und Bildungsangeboten, Kultur und Sport, veranstalteten Abenteuercamps, Skilager, Sprachkurse und Wallfahrten.

Nach drei Jahren Praktikum kehrte ich nach Rom zurück, um in den nächsten fünf Jahren Studienabschlüsse in Philosophie und Theologie zu erwerben. Auch in dieser Zeit beteiligte ich mich immer wieder an pastoralen Projekten unserer Kongregation in Frankreich und der Schweiz.

Nach meiner Diakonenweihe am 29. Juni 2008 führte mich meine erste pastorale Aufgabe in die Region von Lyon in Frankreich. Ich hoffe, dass ich dort gemäß dem Charisma des Regnum Christi zum Aufbau de Reiches Gottes und einer Zivilisation der Liebe, des Friedens und der Gerechtigkeit beitragen kann.

Ich danke vor allem Gott für dieses Geheimnis der Liebe, mit dem er uns beschenkt hat, für die priesterliche Berufung und für jeden Tag der Beharrlichkeit in seinem Dienst.

P. Jaroslav Nikolaus Lobkowicz wurde am 15. Juli 1974 in Paris geboren. Nach seinem Abitur im  Dante-Gymnasium in München folgten zwei Jahre Studium der Ingenieurwissenschaften auf der technischen Universität. Im Herbst 1996 trat er in das Noviziat der Legionäre Christi in Bad Münstereifel ein. Er ist Lizenziat der Philosophie und schloss sein Theologiestudium mit dem Bakkalaureat an der Päpstlichen Hochschule Regina Apostolorum ab. Seit Sommer 2008 wirkt er in der Jugend– und Familienseelsorge in der Region von Lyon (Frankreich).


P. Jaroslav Nikolaus Lobkowicz LC

P. Jaroslav Nikolaus Lobkowicz LC

P. Jaroslav Lobkovicz LCAls Kind einer französischen Mutter und eines tschechischen Vaters wurde ich am 15. Juli 1974 in Paris geboren. Mein Vater war ein politischer Flüchtling; er floh vor dem kommunistischen Regime der Tschechoslowakei nach Deutschland, wo er von seinen Verwandten aufgenommen wurde. Meine Mutter, zu der Zeit Studentin, war eng mit der Cousine meines Vaters befreundet. Sie lernten sich in der Nähe von München kennen, heirateten und lebten dort, nachdem sie ihr Studium abgeschlossen hatten.

Wir waren die einzige Familie, die zur hl. Messe ging

Ich habe einen ein Jahr älteren Bruder und einen sieben Jahre jüngeren. Wir verlebten unsere Kindheit und Jugend in einer kleinen Wohnung in der Stadtmitte. Wir hatten türkische und italienische Nachbarn. Wir waren die einzige Familie, die jeden Sonntag zur hl. Messe ging, was für unsere muslimischen und wenig praktizierenden christlichen Nachbarn eine Überraschung war. Meine Mutter half mehreren Arbeiterfamilien, die nicht deutsch konnten bei ihren Behördengängen oder bei der Schuleinschreibung der Kinder. Sie half ihnen auch, indem sie die schulische Ausbildung ihrer Kinder finanzierte, sodass manche deshalb den Sprung auf die Universität schafften.

Nach dem Besuch des französischen Kindergartens in München, begann meine schulische Laufbahn mit der Grundschule. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, auf das deutsche Gymnasium zu kommen, schrieb ich mich in der französischen Abteilung des europäischen Gymnasiums ein, wo ich zwei Jahre lang blieb. Danach versuchte ich es ein weiteres Mal und wurde schließlich am Dante-Gymnasium angenommen.

Neben dem normalen Schulalltag sangen wir als Kinder im Chor des Staatstheaters. Es motivierte uns sehr, nicht nur bei Theaterdarbietungen mitzuwirken, sondern dabei auch ein bisschen Geld zu verdienen. Die Kehrseite der Medaille war, dass wir viele Wochenenden damit zubrachten, Opern einzustudieren… Aber es hat meine Liebe zur klassischen Musik geweckt.

Wir brachten ihnen die notwendigsten Lebensmittel mit

Die Ferien verbrachte ich mit den Eltern und Geschwistern in der Tschechoslowakei (Ostern und Weihnachten) und in Frankreich, wo wir unsere Verwandten besuchten. Unseren Cousins, Onkeln und Tanten, die in der kommunistischen Tschechoslowakei geblieben waren, brachten wir die nötigsten Lebensmittel mit, die sie nicht hatten: Salate, Früchte, Suppen… Man konnte immer eine Atmosphäre religiöser Verfolgung spüren. Meine Cousins wurden schief angesehen, weil sie zur hl. Messe gingen und einige meiner Onkel mussten sich Demütigungen am Arbeitsplatz gefallen lassen, weil sie katholisch waren. Zugleich sah ich trotz dieser Umstände bei meinen Verwandten in der Tschechoslowakei dennoch Freude und ein Beispiel lebendigen Glaubens und Gottvertrauens. Eine Tante meines Vaters lebte im Untergrund als Ordensschwester und dieses „Verbrechen” kostete sie zwölf Jahre Gefängnis und Zwangsarbeit. Der Onkel meines Vaters war Pfarrer im ländlichen Gebiet des Landes, wo es wenige Gläubige gab. Er zog alle drei Jahre um und war es gewohnt, von „Pfarrkindern” (d.h. Spitzeln der Geheimpolizei) besucht zu werden, die indiskrete Fragen stellten. Ein Bruder meines Vaters, Franti¹ek, bekam die staatliche Genehmigung, in ein Priesterseminar zu gehen. Er musste seinen Dienst unter ähnlichen Umständen wie sein Onkel ausführen. Ein weiterer Bruder meines Vaters, Zdeòek, blieb unverheiratet, während seine beiden Schwestern heirateten. Nach dem Fall des kommunistischen Regimes 1989 wurde Zdeòek zu unserer großen Überraschung zum Priester geweiht. Er war Untergrund-Seminarist gewesen. Wenig später wurde mein Onkel Franti¹ek zum Bischof ernannt.

Im Vergleich dazu beobachten wir bei unseren Besuchen in Frankreich einen gewissen Prozess der Entchristianisierung, einen „stillen Abfall vom Glauben” – wie einige ihn nannten – unter dem Mantel von Demokratie und Toleranz, und einen Relativismus gegenüber Glauben und Religion. Wir, die wir die Realität eines Landes kannten, in dem sogar die Existenz Gottes geleugnet wurde, versuchten unseren Glauben dennoch zu leben. Dabei half uns, dass wir zu einer katholischen Pfadfindergruppe gehörten. Hier lernten wir auch, wie man in den Buchten der atlantischen Küste segelt. Die Schiffe bekamen die Pfadfinder von der französischen Marine geliehen. Der Verantwortliche meiner Gruppe war ein Seminarist. Neben dem Segeln und anderen Abenteuern lehrte er uns auch zu beten.

Mein Herz brannte

Auf dem Gymnasium war ich in jenen Jahren oft der einzige des Kurses, der seinen Glauben praktizierte, manchmal sogar der einzige des ganzen Gymnasiums mit 950 Schülern. Manchmal nannten mich andere „intolerant”, weil ich den Lehren des Papstes treu sein wollte; denn viele meinten, der Papst vertrete eine irrationale Moral und dass er deshalb der Hauptschuldige an der Bevölkerungsexplosion sei…

Gott schenkte mir jedoch einen feinen Sinn für das Geistliche, und ich war beeindruckt vom Zeugnis vieler Priester und Ordensfrauen, die ich kannte oder über deren Leben ich las. Ich hatte es mir auch zur Gewohnheit gemacht, jeden Abend einen Moment dem Gespräch mit Gott zu widmen, wobei ich oft frei betete oder Gebete heranzog, die mir unsere Mutter beigebracht hatte.

An einem gewöhnlichen Tag – ich war gerade 16 – während ich betete, kam mir ganz plötzlich ein Gedanke, eine Überzeugung, eine unwiderstehliche Sehnsucht: Die Liebe des gekreuzigten Christus. Ich erhob mich sofort, ging zum Gebetszimmer der Wohnung und nahm das Kreuz in die Hand, um den Herrn anzubeten. Ich verstand mit einem Mal, dass Christus mich persönlich liebt, so sehr, dass er sein eigenes Leben für mich und für alle Menschen hingegeben hat. Mein Herz brannte bei diesem Gedanken. Diese Erfahrung war keineswegs nur emotional, sie schien vielmehr meine ganze Existenz zu erfassen.

Während meines letzten Schuljahres erhielten wir zu Hause einen merkwürdigen Anruf, ich war am Telefon und am anderen Ende ein gewisser P. Kelly von den Legionären Christi. Ich hatte diesen Namen nie vorher gehört und als er sagte, dass der Klassenkamerad meines älteren Bruders ins Noviziat eingetreten sei, fragte ich mich, in welche Sekte der Ärmste da hineingeraten war. „Sind Sie katholisch?”, war demnach meine erste Frage an den merkwürdigen Anrufer. „Ja klar”,  antwortete er mir. „Wir sind vom Papst anerkannt und unsere Aufgabe ist es, seine Lehre zu verbreiten”. Diese Antwort zerstreute meine Zweifel und wir luden ihn zum Abendessen ein. Sein Besuch war eine Entdeckung: Meine Mutter, meine Brüder und ich waren von seinem Beispiel des Glaubens und der Dynamik hellauf begeistert. Bei meinem Vater war die Reaktion weniger enthusiastisch.

Eine Freundin empfahl mir einen Besuch im Noviziat

Eine Freundin hatte mir empfohlen, das Noviziat zu besuchen, und so lernte ich zum ersten Mal die Gemeinschaft der Legionäre Christi kennen: Mich faszinierte das Ambiente des Gebetes, der Freude, der Ernsthaftigkeit und der Nächstenliebe, mit dem ich mich sofort identifizieren konnte. Auch wenn ich einen Weg in der Gemeinschaft der Legionäre Christi als wirkliche Möglichkeit und als wahrscheinlichen Willen Gottes für mein Leben erkannte, war ich doch noch lange nicht bereit, alles zu verlassen.

Nach dem Abitur begann ich das Ingenieursstudium. Ich nahm mir vor, ein Apostel in der Universität zu sein. Mit einigen Freunden organisierten wir regelmäßig Einkehrtage in den Bergen und P. Kelly kam mit um zu predigen. Mit dem Eintritt in die Apostolatsbewegung der Legionäre Christi, das Regnum Christi, wuchs die Lebendigkeit meines Glaubens. Ich ging nun auch regelmäßig zur Beichte, stützte mich auf die Hilfe eines geistlichen Leiters und betete vor Christus in der Eucharistie. So reifte in mir die Überzeugung: Wenn Gott mich eines Tages als Priester in seine Nachfolge rufen sollte, dann wäre dies nicht zum Schaden für meine persönliche Verwirklichung oder mein eigenes Glück. Im Gegenteil, ein Leben nach seinen Plänen wäre sicherlich eine noch bessere Verwirklichung, als ich sie mit meinen Plänen erreichen könnte. Meine Mutter unterstützte mich ganz auf meinem Berufungsweg. Mein Vater wollte mich hingegen eher davon abbringen, aber auch dieser Widerstand half mir, in meiner Berufung zu reifen.

Mein Leben bei den Legionären Christi

Im Sommer 1995 zog meine Familie mit meinem jüngeren Bruder nach Prag. Mein anderer Bruder blieb in München. Wenig später kam für mich die Zeit für den Eintritt ins Noviziat der Legionäre Christi in Bad Münstereifel, wo ich im Herbst als Kandidat ankam. Meine anfängliche Begeisterung kühlte schnell ab: Das Erlernen des Ordenslebens war das tägliche Brot und kostete mich Mühe und Opfer. Die Nähe der Ordensoberen und das ausgeglichene Programm zwischen Gebet, Hausarbeit, Sport und Unterricht halfen mir jedoch, diese ersten Schwierigkeiten zu überwinden und spirituell zu wachsen.

Nach zwei Jahren Noviziat legte ich meine erste Ordensprofess ab und begann kurz darauf, in Salamanca (Spanien) einen Lehrgang in klassischen Sprachen und mehreren humanistischen Fächern. Darauf folgten die ersten beiden Jahre des Philosophiestudiums in Rom. Im Heiligen Jahr 2000 begann ich mein apostolisches Praktikum. Es führte mich nach Frankreich, wo ich einem Priester der Legionäre Christi in der Jugendseelsorge half. Wir organisierten Jugendgruppen mit Glaubens– und Bildungsangeboten, Kultur und Sport, veranstalteten Abenteuercamps, Skilager, Sprachkurse und Wallfahrten.

Nach drei Jahren Praktikum kehrte ich nach Rom zurück, um in den nächsten fünf Jahren Studienabschlüsse in Philosophie und Theologie zu erwerben. Auch in dieser Zeit beteiligte ich mich immer wieder an pastoralen Projekten unserer Kongregation in Frankreich und der Schweiz.

Nach meiner Diakonenweihe am 29. Juni 2008 führte mich meine erste pastorale Aufgabe in die Region von Lyon in Frankreich. Ich hoffe, dass ich dort gemäß dem Charisma des Regnum Christi zum Aufbau de Reiches Gottes und einer Zivilisation der Liebe, des Friedens und der Gerechtigkeit beitragen kann.

Ich danke vor allem Gott für dieses Geheimnis der Liebe, mit dem er uns beschenkt hat, für die priesterliche Berufung und für jeden Tag der Beharrlichkeit in seinem Dienst.

P. Jaroslav Nikolaus Lobkowicz wurde am 15. Juli 1974 in Paris geboren. Nach seinem Abitur im  Dante-Gymnasium in München folgten zwei Jahre Studium der Ingenieurwissenschaften auf der technischen Universität. Im Herbst 1996 trat er in das Noviziat der Legionäre Christi in Bad Münstereifel ein. Er ist Lizenziat der Philosophie und schloss sein Theologiestudium mit dem Bakkalaureat an der Päpstlichen Hochschule Regina Apostolorum ab. Seit Sommer 2008 wirkt er in der Jugend– und Familienseelsorge in der Region von Lyon (Frankreich).

 

Berufungsgeschichte des am 20. Dezember 2008 in Rom geweihten Neupriesters

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