Mittwoch, 6. Juni 2007

Die Jugend zu begleiten ist eine ungemein wichtige Aufgabe”


Ein Ehepaar, das die verschiedenen Generationen von Novizen vor allem durch sein Gebet und seine Opfer begleitet hat

Herr Matzke trifft P. Álvaro Corcuera LC im NoviziatJetzt, liebe Frau Matzke, können Sie Ihren Mann mit nach Hause nehmen. Zum Sterben. Das waren die Worte des Arztes nach der ersten Operation im Jahr 1991. Einige Tage zuvor hatte man bei Hans-Jürgen Matzke Krebs diagnostiziert. Ein Schock, der das Leben seiner Familie von Grund auf verändern sollte. Anfangs war es ungewiss, welches Ausmaß dieses Kreuz haben würde, aber einige Umrisse waren bereits unübersehbar. Die Krankheit und der Schmerz waren von damals an zwei ständige Begleiter, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgten. Es war unklar, ob das linke Bein ganz abgenommen werden müsste; bis dahin hatte man nur einen großen Teil an der Hüfte herausoperiert.

Als die Ärzte nach dieser ersten Operation zu mir kamen und mir mitteilen mussten, dass ich Krebs hätte, konnte ich nur antworten: Herr, wie du willst, was du willst, wie oft du willst. So beschreibt Hans-Jürgen Matzke seine erste Reaktion rückblickend. Das Wissen, dass ohne Gott nichts geht, war für ihn eine große Hilfe. Die einzige Quelle, aus der er Kraft schöpfen konnte, war der Glaube. Und dieses Fundament sollte für sein ganzes weiteres Leben bedeutsam bleiben.

Ein kleiner Gefallen mit großen Folgen

Nachdem Hans-Jürgen Matzke durch die Kriegswirren aus seiner Heimat Stettin in das Rheinland verschlagen worden war, wurde er hier als Chemotechniker tätig. Einem kleinen Akt der Nächstenliebe hat er schon zu diesem Zeitpunkt eine Wende in seinem Leben zu verdanken. Damals besaß er einen Führerschein, hatte aber noch kein Auto. Ein Freund besaß ein Auto, hatte aber keinen Führerschein. Nun wollte dieser Freund gerne an Sonn– und Feiertagen mit seiner Frau in Bonn zur Messe gehen und suchte einen Fahrer. Obwohl Herr Matzke evangelisch getauft und erzogen worden war, erkläre er sich bereit, dem Freund diesen Gefallen zu erweisen und den Fahrdienst zu übernehmen. Was sollte er nun in Bonn tun, während sein Freund und seine Frau zur Messe gingen? Da er nun schon einmal dort war, ging er einfach mit in die Kirche. Diese Messbesuche weckten in ihm den Wunsch, katholisch zu werden. Durch einen Arbeitskollegen lernte er dann einen jungen Kaplan kennen, der ihn in den katholischen Glauben einführte, und einige Monate später durfte er die Sakramente der Eucharistie und der Firmung empfangen. So wurde ein Akt der Großzügigkeit und Nächstenliebe zum Anfang eines vertieften Glaubensweges.

Was bleibt, ist der Glaube

Auf diesem Weg wurde Herrn Matzke bald klar, dass ihn Kirmes und Theater allein nicht glücklich machen würden. Der Glaube war für ihn ein Schatz geworden, den er mit anderen teilen wollte. So wuchs langsam eine solide Glaubensüberzeugung, die ihn dann auch in Krankheit und Leiden begleitet und trägt.

Nachdem er die Ehe mit seiner  Frau Therese geschlossen hatte, die mit einem Sohn gesegnet werden würde, begann die junge Familie, mit einer Pilgergruppe regelmäßig zu einem kleinen Pilgerort im Norden Italiens zu fahren. Ein schlagartiges Ende fanden diese Pilgerreisen jedoch durch den Beginn der Operationen. Dennoch war der Schutz der Muttergottes sichtbar: Ohne dass er es so beabsichtigt hätte, fiel jeder Operationstermin auf einen Marienfeiertag.

Und heute? Kein Tag vergeht ohne Schmerzen. Das Kreuz der Krankheit hat nicht an Gewicht und Ausmaß verloren: Zwei Bandscheibenoperationen, ein Gehirnschlag und ein Herzinfarkt kamen zu seiner Grunderkrankung hinzu. Im Dezember 2004 und Anfang 2005 mussten nochmals zwei Krebsstellen entfernt werden.

Herr Matzke und seine Frau mit Bruder Valentin Gögele im NoviziatDie Krankheit bestimmt nun das Leben, und alte Hobbys wie Tennis und Boot fahren mussten aufgegeben werden. Der Wundbrand macht seit Jahren jede Planung unmöglich. Ich vermag heute nicht zu sagen, was ich morgen werde tun können. Doch die ganze Familie trägt die Situation mit bewundernswerter Hingabe. Eine große Zahl Jugendlicher, die er bei seiner Arbeit in der Verwaltung der Bundeswehr kennen gelernt hatte und durch sein Beispiel der Nächstenliebe und Fröhlichkeit begeistert und für den Glauben interessiert hatte, stehen ihm bis heute bei. Sie halten so manche Überraschung bereit, wenn sie ihm auf der Straße begegnen oder ihn besuchen kommen. Aber die ganzen Leiden zu tragen das kann nur der Glaube, fasst Herr Matzke seine Erfahrungen zusammen.

Alles für die Berufungen

Nachdem die Ärzte ihn im Jahr 1991 bereits aufgegeben hatten und viele Freunde und Bekannte seinen Leidensweg als sinnlos und tragisch beklagten, stellte sich Hans Jürgen Matzke für diesen neuen Lebensabschnitt eine besondere Aufgabe: Er möchte seine Schmerzen und die Entbehrungen für Priesterberufungen aufopfern. Sein Anliegen ist, dass viele Jugendliche den Glauben vermittelt bekommen, und, wenn Gott sie ruft, das Geschenk des Priestertums erkennen und annehmen. Die Jugend auf diesem Weg zu begleiten, ist für mich eine ungemein wichtige Aufgabe. Obwohl ihn seine Krankheit ans Bett fesselt, sieht Herr Matzke hier eine konkrete Weise, mit seiner Familie den Glauben konkret zu leben und die Kirche in ihrer Sendung zu unterstützen.

Das ist mehr als nur ein frommer Wunsch: Die ersten Novizen, die den Matzkes in Bad Münstereifel begegnet sind, haben inzwischen die Priesterweihe empfangen. Wann immer möglich, kommt Familie Matzke weiterhin zur Messe ins Noviziat. So erneuert sie in der Gegenwart des Herrn ihre Bereitschaft, ihm alle Schmerzen und Leiden für die Berufungen zu schenken. Ein Tag ohne Messe ist viel, viel schlimmer, als wenn ich einfach nur so zu Hause liege. So erhält das Leiden einen Sinn und bringt, mit dem Leiden Christi am Kreuz vereint, vielfache Frucht.


„Die Jugend zu begleiten ist eine ungemein wichtige Aufgabe”

Die Jugend zu begleiten ist eine ungemein wichtige Aufgabe”

Herr Matzke trifft P. Álvaro Corcuera LC im NoviziatJetzt, liebe Frau Matzke, können Sie Ihren Mann mit nach Hause nehmen. Zum Sterben. Das waren die Worte des Arztes nach der ersten Operation im Jahr 1991. Einige Tage zuvor hatte man bei Hans-Jürgen Matzke Krebs diagnostiziert. Ein Schock, der das Leben seiner Familie von Grund auf verändern sollte. Anfangs war es ungewiss, welches Ausmaß dieses Kreuz haben würde, aber einige Umrisse waren bereits unübersehbar. Die Krankheit und der Schmerz waren von damals an zwei ständige Begleiter, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgten. Es war unklar, ob das linke Bein ganz abgenommen werden müsste; bis dahin hatte man nur einen großen Teil an der Hüfte herausoperiert.

Als die Ärzte nach dieser ersten Operation zu mir kamen und mir mitteilen mussten, dass ich Krebs hätte, konnte ich nur antworten: Herr, wie du willst, was du willst, wie oft du willst. So beschreibt Hans-Jürgen Matzke seine erste Reaktion rückblickend. Das Wissen, dass ohne Gott nichts geht, war für ihn eine große Hilfe. Die einzige Quelle, aus der er Kraft schöpfen konnte, war der Glaube. Und dieses Fundament sollte für sein ganzes weiteres Leben bedeutsam bleiben.

Ein kleiner Gefallen mit großen Folgen

Nachdem Hans-Jürgen Matzke durch die Kriegswirren aus seiner Heimat Stettin in das Rheinland verschlagen worden war, wurde er hier als Chemotechniker tätig. Einem kleinen Akt der Nächstenliebe hat er schon zu diesem Zeitpunkt eine Wende in seinem Leben zu verdanken. Damals besaß er einen Führerschein, hatte aber noch kein Auto. Ein Freund besaß ein Auto, hatte aber keinen Führerschein. Nun wollte dieser Freund gerne an Sonn– und Feiertagen mit seiner Frau in Bonn zur Messe gehen und suchte einen Fahrer. Obwohl Herr Matzke evangelisch getauft und erzogen worden war, erkläre er sich bereit, dem Freund diesen Gefallen zu erweisen und den Fahrdienst zu übernehmen. Was sollte er nun in Bonn tun, während sein Freund und seine Frau zur Messe gingen? Da er nun schon einmal dort war, ging er einfach mit in die Kirche. Diese Messbesuche weckten in ihm den Wunsch, katholisch zu werden. Durch einen Arbeitskollegen lernte er dann einen jungen Kaplan kennen, der ihn in den katholischen Glauben einführte, und einige Monate später durfte er die Sakramente der Eucharistie und der Firmung empfangen. So wurde ein Akt der Großzügigkeit und Nächstenliebe zum Anfang eines vertieften Glaubensweges.

Was bleibt, ist der Glaube

Auf diesem Weg wurde Herrn Matzke bald klar, dass ihn Kirmes und Theater allein nicht glücklich machen würden. Der Glaube war für ihn ein Schatz geworden, den er mit anderen teilen wollte. So wuchs langsam eine solide Glaubensüberzeugung, die ihn dann auch in Krankheit und Leiden begleitet und trägt.

Nachdem er die Ehe mit seiner  Frau Therese geschlossen hatte, die mit einem Sohn gesegnet werden würde, begann die junge Familie, mit einer Pilgergruppe regelmäßig zu einem kleinen Pilgerort im Norden Italiens zu fahren. Ein schlagartiges Ende fanden diese Pilgerreisen jedoch durch den Beginn der Operationen. Dennoch war der Schutz der Muttergottes sichtbar: Ohne dass er es so beabsichtigt hätte, fiel jeder Operationstermin auf einen Marienfeiertag.

Und heute? Kein Tag vergeht ohne Schmerzen. Das Kreuz der Krankheit hat nicht an Gewicht und Ausmaß verloren: Zwei Bandscheibenoperationen, ein Gehirnschlag und ein Herzinfarkt kamen zu seiner Grunderkrankung hinzu. Im Dezember 2004 und Anfang 2005 mussten nochmals zwei Krebsstellen entfernt werden.

Herr Matzke und seine Frau mit Bruder Valentin Gögele im NoviziatDie Krankheit bestimmt nun das Leben, und alte Hobbys wie Tennis und Boot fahren mussten aufgegeben werden. Der Wundbrand macht seit Jahren jede Planung unmöglich. Ich vermag heute nicht zu sagen, was ich morgen werde tun können. Doch die ganze Familie trägt die Situation mit bewundernswerter Hingabe. Eine große Zahl Jugendlicher, die er bei seiner Arbeit in der Verwaltung der Bundeswehr kennen gelernt hatte und durch sein Beispiel der Nächstenliebe und Fröhlichkeit begeistert und für den Glauben interessiert hatte, stehen ihm bis heute bei. Sie halten so manche Überraschung bereit, wenn sie ihm auf der Straße begegnen oder ihn besuchen kommen. Aber die ganzen Leiden zu tragen das kann nur der Glaube, fasst Herr Matzke seine Erfahrungen zusammen.

Alles für die Berufungen

Nachdem die Ärzte ihn im Jahr 1991 bereits aufgegeben hatten und viele Freunde und Bekannte seinen Leidensweg als sinnlos und tragisch beklagten, stellte sich Hans Jürgen Matzke für diesen neuen Lebensabschnitt eine besondere Aufgabe: Er möchte seine Schmerzen und die Entbehrungen für Priesterberufungen aufopfern. Sein Anliegen ist, dass viele Jugendliche den Glauben vermittelt bekommen, und, wenn Gott sie ruft, das Geschenk des Priestertums erkennen und annehmen. Die Jugend auf diesem Weg zu begleiten, ist für mich eine ungemein wichtige Aufgabe. Obwohl ihn seine Krankheit ans Bett fesselt, sieht Herr Matzke hier eine konkrete Weise, mit seiner Familie den Glauben konkret zu leben und die Kirche in ihrer Sendung zu unterstützen.

Das ist mehr als nur ein frommer Wunsch: Die ersten Novizen, die den Matzkes in Bad Münstereifel begegnet sind, haben inzwischen die Priesterweihe empfangen. Wann immer möglich, kommt Familie Matzke weiterhin zur Messe ins Noviziat. So erneuert sie in der Gegenwart des Herrn ihre Bereitschaft, ihm alle Schmerzen und Leiden für die Berufungen zu schenken. Ein Tag ohne Messe ist viel, viel schlimmer, als wenn ich einfach nur so zu Hause liege. So erhält das Leiden einen Sinn und bringt, mit dem Leiden Christi am Kreuz vereint, vielfache Frucht.

 

Ein Ehepaar, das die verschiedenen Generationen von Novizen vor allem durch sein Gebet und seine Opfer begleitet hat

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Mittwoch, 5. Juni 2007

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