Donnerstag, 26. Januar 2012

Spuren von Gott in der Welt hinterlassen“


Ein Interview mit den gottgeweihten Frauen des Regnum Christi

Gloria Rodríguez und Lorli Pregel sprechen über Glauben und BerufungEnde letzten Jahres besuchte die Redaktion des „L“ die gottgeweihten Frauen des Regnum Christi in Düsseldorf, um mit Ihnen über die Besonderheiten des gottgeweihten Lebens innerhalb des Regnum Christi, die Chancen der heutigen Zeit und die abgeschlossene Apostolische Visitation zu sprechen. Mit Gloria Rodríguez, Frederica Paez, Melanie Zoll und Lorli Pregel schenkten uns gleich vier engagierte Frauen ihre Zeit für inspirierende Antworten und interessanten Einblicke.

Magazin „L“: Verehrte Damen, vielen Dank für die Einladung! Bitte erklären Sie das „gottgeweihte Leben“ doch einmal in wenigen Worten für Leser, die mit dieser Form des Lebens und Wirkens bislang noch nicht in Kontakt gekommen sind. Wie schauen Arbeit, Aufgabenfeld und Wirkungsalltag der gottgeweihten Frauen zunächst ganz allgemein aus?

Lorli Pregel: Das gottgeweihte Leben ist eine direkte Antwort auf Gottes Ruf, auf seine Einladung, sich ihm im Regnum Christi ganz zu schenken. Wir versuchen, seine Liebe an die Menschen weiterzugeben.

Gloria Rodríguez: Das gottgeweihte Leben zeichnet sich vor allem durch eine enge persönliche Bindung zu Gott aus. Unser gesamtes Dasein und Wirken ist ganz ihm geweiht und eng mit ihm verbunden. So widmen wir uns einerseits dem Gebet, darüber hinaus aber auch dem Einsatz in der Welt, um bei den Menschen, besonders den Familien, seine Liebe und seine Botschaft zu bezeugen.

Melanie Zoll: Was uns besonders antreibt ist der Wunsch, überall und jederzeit in der Welt Spuren von Gott zu hinterlassen – selbst bei den kleinsten Gesprächen können die richtigen Worte vieles bei den Menschen bewirken.

Magazin „L“: In seinem Brief drückte der päpstliche Delegat jüngst erneut seine Wertschätzung Ihnen gegenüber aus. Er sprach davon, „das gottgeweihte Leben im Regnum Christi innerhalb der Kirche, das etwas Gutes und Schönes ist, zur vollen Entfaltung zu bringen.“ Wie bringen Sie sich heute in Kirche und Gesellschaft ein?

Lorli Pregel und Melanie Zoll erklären das gottgeweihte LebenLorli Pregel: Wir versuchen im Regnum Christi, den Menschen eine besondere Frische und Freude am Glauben zu vermitteln. Gleichzeitig möchten wir bei den Gläubigen die Einsatzbereitschaft für den Dienst an und in der Kirche wecken. Ein weitere Basis unseres Wirkens, die wir mit den Legionären Christi und dem ganzen Regnum Christi teilen, ist die Bereitschaft, Menschen in ihrem persönlichen Wachstum zu begleiten und zu unterstützen.

Frederica Paez: Ich habe in meinem Leben früh gottgeweihte Menschen getroffen, die eine „große Spur“ hinterlassen haben, und musste mich fragen: Warum leben die so? Wer ist dieser Gott, der so faszinieren kann, dass jemand alles zurück lässt, um bei ihm zu sein? Ich bin überzeugt, dass Zeugnisse wie ein authentisches und engagiertes Leben viel bewirken können, mehr als Worte. Hier liegt unsere größte Chance, Menschen zu einer Erfahrung im Glauben einzuladen. Konkret bieten wir hierzu verschiedenste Aktivitäten an: Einkehrtage, Exerzitien, soziale Aktionen oder auch Pilgerfahrten.

Gloria Rodríguez: Johannes Paul II. formulierte das einmal so: Die Welt braucht mehr Zeugen als Lehrer.

Magazin „L“: Wie „wird“ man eigentlich eine gottgeweihte Frau? Wo treffen Sie Interessierte?

Gloria Rodríguez: Meist reift die Berufung zum gottgeweihten Leben während einer längeren Zeit des Kennenlernens. Viele Kontakte entstehen mitten im Alltag unserer pastoralen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien, manchmal auch Zwei Gottgeweihte beten in ihrer Hauskapelleüber das Internet. Alle gottgeweihten Frauen

durchlaufen dann nach ihrer Weihe auch eine spezielle Ausbildung mit pädagogischen, philosophischen und theologischen Anteilen.

Magazin „L“: Aus welchen Altersgruppen und Umfeldern kommen die Frauen, die sich für das gottgeweihte Leben interessieren?

Gloria Rodríguez: Früher waren es vor allem Mädchen und junge Frauen unter 20, mittlerweile unternehmen aber auch immer mehr interessierte Frauen den Schritt ins gottgeweihte Leben erst nach Ausbildungs– und Berufserfahrung, im Alter von 25 bis 30 Jahren, und bringen so eine nochmal andere Reife mit ins Leben der Gemeinschaft.

Magazin „L“: Wie stellt sich eine Berufung für das gottgeweihte Leben überhaupt ein, und wie bewahrt man die Begeisterung?

Melanie Zoll: Man muss sich bei seiner Berufung so wohl fühlen wie in einer guten Familie, einer guten Ehe. Ich selbst hatte auch zunächst nicht gedacht, überhaupt eine Berufung zu haben. Erst zu meiner Zeit im Regnum Christi in Mexiko habe ich gemerkt: Da ist doch noch etwas anderes!

Magazin „L“: Was unterscheidet das gottweihte Leben im Regnum Christi vom Leben beispielsweise einer Nonne in einem „klassischen“ Kloster?

Melanie Zoll: Wir verstehen uns eher als eine Gemeinschaft „in der Welt“, ganz nah bei den Menschen. Darum tragen wir auch „zivile Kleidung“. Unser Versprechen bindet uns, anders als das Gelübde vieler Ordensschwestern, nicht an einen bestimmten Ort. Wir gehen dorthin, wohin wir gerufen und gebraucht werden.

Lorli Pregel: Unser gottgeweihtes Leben steht im Prinzip auf drei Säulen: Dem Gebetsleben, dem Leben in der Gemeinschaft, und der Apostolatsarbeit. Was uns hier besonders auszeichnet, ist die Zusammenarbeit mit den Laien. Wir möchten den Die gottgeweihten Frauen vor ihrem Niederlassungshaus in DüsseldorfChristen in der Welt helfen, ihre Berufung zu Heiligkeit und Apostolat zu entdecken und zu leben.

Magazin „L“: Immer weniger Menschen gehen heutzutage in die Kirche – wie bewerten Sie aus Ihrer Perspektive die Möglichkeiten und die Bedeutung geistlicher Gemeinschaften, damit Menschen heute eine Erfahrung im Glauben machen können?

Frederica Paez: Möglichkeiten gibt es viele, man muss sie aber zu nutzen wissen. Wir können ein persönlicher Bezugs– und Anhaltspunkt sein, damit die Menschen sich als Person ernst genommen und angesprochen fühlen, damit sie merken, dass sie eine Bedeutung haben, wichtig und wertvoll sind, und geliebt werden.

Magazin „L“: Frau Paez, Sie selbst sind schon sehr lange „dabei“ - welche Entwicklungen nehmen Sie wahr?

Frederica Paez: Veränderungen gibt es durchaus. Die Zusammenarbeit mit der Ortskirche konnten wir weiter ausbauen, ein sehr bereichernder Prozess – denn wir können alle viel voneinander lernen, um möglichst vielen Menschen den Glauben nahe zu bringen. Wir haben auch gemerkt, wie wichtig die Begleitung des Einzelnen sein kann.

Magazin „L“: Bis einschließlich Juni 2011 hat Erzbischof Ricardo Blázquez die Einrichtungen der Gottgeweihten des Regnum Christi im Rahmen einer Apostolischen Visitation in  verschiedenen Ländern besucht. Wie haben Sie sich in den Prozess eingebracht? Wie haben Sie den Ablauf der Visitation persönlich erlebt?

Gloria Rodríguez: Trotz der schwierigen Zeit, so denke ich, hatte niemand von uns wirklich die Sorge, das alles nicht gut ausgehen könnte. Die Gemeinschaft hat sich als sehr gesund und zukunftsträchtig erwiesen. Das hat der Delegat uns auch bestätigt, als wir für mehrere Tage zu Fragestunden und Gesprächsrunden in Rom waren. Uns wurde sehr viel Respekt und Sicherheit vermittelt.

Lorli Pregel: Natürlich gab es auch Unsicherheiten und Fragen durch die jüngste Geschichte. Das Ganze war aber nicht so beunruhigend, wie es von außen oftmals suggeriert wurde, im Gegenteil, aufgrund der sicheren Anleitung durch den päpstlichen Visitator war es eher eine positive Erfahrung, die uns Frieden gab. Erzbischof Blázquez hat uns äußerst respektvoll befragt und uns viel Vertrauen gegeben. Der Prozess der Visitation ist nun abgeschlossen, und für die Zukunft eröffnen sich uns dadurch auch neue Chancen und Denkansätze. Wir sind jedenfalls guter Dinge und haben Zuversicht, auch wenn noch viele Fragen offen sind. 
 
Melanie Zoll: Ich war schon etwas nervös vor den Gesprächen. Doch Erzbischof Blázquez hat mir sofort vermittelt: Die Kirche möchte Euch helfen, auch in schwierigen Zeiten. Ich bin mir sicher, dass alle Antworten in Gott liegen und wir sie mit der Hilfe der Kirche auch finden werden.

Magazin „L“: Was erhoffen Sie sich für die Zukunft der Apostolatsbewegung Regnum Christi, und insbesondere für das gottgeweihte Leben und Ihre Gemeinschaft?

Melanie Zoll: Ich möchte umsetzen, was der Heilige Vater uns auch schon einmal gepredigt hat, „dass wir das werden, was wir sein sollen“. Die Gottgeweihten und die Legionäre Christi können sich auf diesen Weg gemeinsam mit dem Heiligen Geist machen.

Lorli Pregel: Gott ist treu und spielt nicht mit uns. Er wird uns nicht hängen lassen, bei dem, was unser Herz erfüllt, sondern uns Türen zeigen, die wir jetzt vielleicht noch nicht kennen. Das vermittelt uns Zuversicht für die Zukunft.

Gloria Rodríguez: Ich hoffe und glaube, dass wir gestärkt, gereinigt und einig aus diesen Zeiten herausgehen werden, und weiter wirken können, um Gutes in der Welt zu tun!

Frederica Paez: Ich wünsche mir, dass mein gottgeweihtes Leben ein Beispiel dafür ist, wie Gott dem eigenem Leben einen Sinn geben und jeden glücklich machen kann.

Magazin „L“: Verehrte Damen, wir bedanken uns für die Gastfreundschaft, Ihre Zeit und das freundliche, gewinnbringende Gespräch!



Biographisches:

Gloria Rodríguez wurde 1975 in Madrid geboren. Nach dem Besuch einer örtlichen Schule der Legionäre Christi in Spanien studierte sie Psychologie und Familientherapie. 1998 legte Sie ihre feierlichen Versprechen als gottgeweihte Frau im Regnum Christi ab. Nach langjähriger apostolischer Arbeit in Monterrey (Mexiko), Barcelona, Madrid und Rom leitet sie seit 2011 das Team der gottgeweihten Frauen in Düsseldorf.
 
Frederica Paez wurde 1975 in Monterrey, Mexiko geboren. Schon seit 1986 war sie Mitglied der Kinder– und Jugendorganisation des Regnum Christi, 1991 trat sie – wie ihre gesamte Familie – dem Regnum Christi bei, noch im gleichen Jahr legte Sie ihre feierlichen Versprechen als gottgeweihte Frau ab. Nach ihrer Studienausbildung in Rom und einem Aufenthalt in Wien ist sie seit 2000 in der Jugendarbeit der gottgeweihten Frauen des Regnum Christi in Deutschland tätig.

Melanie Zoll wurde 1977 in Rhede im Münsterland geboren. Nach dem Abitur an der katholischen Privatschule Kloster Mariengarden absolvierte sie ein soziales Jahr in Guadalajara (Mexiko). In dieser Zeit fasste sie den Entschluss, sich als gottgeweihte Frau Gott ganz im Regnum Christi weihen zu wollen. Nach dem Studium der Religions– und Erziehungswissenschaften in Madrid wirkte sie in der Jugend– und Familienarbeit des Regnum Christi in Berlin, Bayern und Baden-Württemberg.

Lorli Pregel wurde 1969 in Barcelona als Kind in Spanien lebender österreichischer Eltern geboren. Als junge Österreicherin wuchs sie in Spanien auf und besuchte die Deutsche Schule in Barcelona. 1985 wurde sie Mitglied des Regnum Christi, 1987 legte Sie ihre feierlichen Versprechen als gottgeweihte Frau im Regnum Christi ab. Sie absolvierte umfassende Ausbildungsgänge und Studien in Rom und leitet mittlerweile die Niederlassung in Österreich.


Historisches:

1941 wurde die Priesterkongregation der Legionäre Christi in Mexiko-City gegründet. 1969 entschloss sich in Irland erstmals eine Gruppe von Frauen, ihr Leben im Regnum Christi ganz Gott zu weihen. Das war der Ursprung der gottgeweihten Frauen (und später auch Männer) des Regnum Christi. Im Jahr 1982 entstand in Rom ein weiteres Ausbildungshaus für gottgeweihte Frauen, weitere Niederlassungen folgten in den Vereinigten Staaten, in Brasilien, in Mexiko und in Spanien. Seit 1969 hat Gott die gottgeweihten Frauen im Regnum Christi mit Berufungen aus etwa 20 Ländern der Erde gesegnet: Heute wirken die gottgeweihten Frauen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Irland, Spanien, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Polen, den USA, Kanada, Mexiko, El Salvador, Venezuela, Kolumbien, Brasilien, Argentinien, Chile, Australien und Neuseeland.

Seit Sommer 1993 sind die gottgeweihten Frauen des Regnum Christi in Deutschland und Österreich tätig. 1998 wurde zunächst in Wien und im Jahr 2000 in Neuss eine Niederlassung gegründet. 2006 zog die Niederlassung in Deutschland nach Düsseldorf um. Derzeit leben und wirken fünf gottgeweihte Frauen in Österreich und neun in Deutschland, sie sind vor allem in der Kinder– und Jugendseelsorge und Familienpastoral tätig.


Das Interview (auch erschienen im Magazin „L“ 02/2011) führten Karl-Olaf Bergmann und Roman Möhlmann.


„Spuren von Gott in der Welt hinterlassen“

Spuren von Gott in der Welt hinterlassen“

Gloria Rodríguez und Lorli Pregel sprechen über Glauben und BerufungEnde letzten Jahres besuchte die Redaktion des „L“ die gottgeweihten Frauen des Regnum Christi in Düsseldorf, um mit Ihnen über die Besonderheiten des gottgeweihten Lebens innerhalb des Regnum Christi, die Chancen der heutigen Zeit und die abgeschlossene Apostolische Visitation zu sprechen. Mit Gloria Rodríguez, Frederica Paez, Melanie Zoll und Lorli Pregel schenkten uns gleich vier engagierte Frauen ihre Zeit für inspirierende Antworten und interessanten Einblicke.

Magazin „L“: Verehrte Damen, vielen Dank für die Einladung! Bitte erklären Sie das „gottgeweihte Leben“ doch einmal in wenigen Worten für Leser, die mit dieser Form des Lebens und Wirkens bislang noch nicht in Kontakt gekommen sind. Wie schauen Arbeit, Aufgabenfeld und Wirkungsalltag der gottgeweihten Frauen zunächst ganz allgemein aus?

Lorli Pregel: Das gottgeweihte Leben ist eine direkte Antwort auf Gottes Ruf, auf seine Einladung, sich ihm im Regnum Christi ganz zu schenken. Wir versuchen, seine Liebe an die Menschen weiterzugeben.

Gloria Rodríguez: Das gottgeweihte Leben zeichnet sich vor allem durch eine enge persönliche Bindung zu Gott aus. Unser gesamtes Dasein und Wirken ist ganz ihm geweiht und eng mit ihm verbunden. So widmen wir uns einerseits dem Gebet, darüber hinaus aber auch dem Einsatz in der Welt, um bei den Menschen, besonders den Familien, seine Liebe und seine Botschaft zu bezeugen.

Melanie Zoll: Was uns besonders antreibt ist der Wunsch, überall und jederzeit in der Welt Spuren von Gott zu hinterlassen – selbst bei den kleinsten Gesprächen können die richtigen Worte vieles bei den Menschen bewirken.

Magazin „L“: In seinem Brief drückte der päpstliche Delegat jüngst erneut seine Wertschätzung Ihnen gegenüber aus. Er sprach davon, „das gottgeweihte Leben im Regnum Christi innerhalb der Kirche, das etwas Gutes und Schönes ist, zur vollen Entfaltung zu bringen.“ Wie bringen Sie sich heute in Kirche und Gesellschaft ein?

Lorli Pregel und Melanie Zoll erklären das gottgeweihte LebenLorli Pregel: Wir versuchen im Regnum Christi, den Menschen eine besondere Frische und Freude am Glauben zu vermitteln. Gleichzeitig möchten wir bei den Gläubigen die Einsatzbereitschaft für den Dienst an und in der Kirche wecken. Ein weitere Basis unseres Wirkens, die wir mit den Legionären Christi und dem ganzen Regnum Christi teilen, ist die Bereitschaft, Menschen in ihrem persönlichen Wachstum zu begleiten und zu unterstützen.

Frederica Paez: Ich habe in meinem Leben früh gottgeweihte Menschen getroffen, die eine „große Spur“ hinterlassen haben, und musste mich fragen: Warum leben die so? Wer ist dieser Gott, der so faszinieren kann, dass jemand alles zurück lässt, um bei ihm zu sein? Ich bin überzeugt, dass Zeugnisse wie ein authentisches und engagiertes Leben viel bewirken können, mehr als Worte. Hier liegt unsere größte Chance, Menschen zu einer Erfahrung im Glauben einzuladen. Konkret bieten wir hierzu verschiedenste Aktivitäten an: Einkehrtage, Exerzitien, soziale Aktionen oder auch Pilgerfahrten.

Gloria Rodríguez: Johannes Paul II. formulierte das einmal so: Die Welt braucht mehr Zeugen als Lehrer.

Magazin „L“: Wie „wird“ man eigentlich eine gottgeweihte Frau? Wo treffen Sie Interessierte?

Gloria Rodríguez: Meist reift die Berufung zum gottgeweihten Leben während einer längeren Zeit des Kennenlernens. Viele Kontakte entstehen mitten im Alltag unserer pastoralen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien, manchmal auch Zwei Gottgeweihte beten in ihrer Hauskapelleüber das Internet. Alle gottgeweihten Frauen

durchlaufen dann nach ihrer Weihe auch eine spezielle Ausbildung mit pädagogischen, philosophischen und theologischen Anteilen.

Magazin „L“: Aus welchen Altersgruppen und Umfeldern kommen die Frauen, die sich für das gottgeweihte Leben interessieren?

Gloria Rodríguez: Früher waren es vor allem Mädchen und junge Frauen unter 20, mittlerweile unternehmen aber auch immer mehr interessierte Frauen den Schritt ins gottgeweihte Leben erst nach Ausbildungs– und Berufserfahrung, im Alter von 25 bis 30 Jahren, und bringen so eine nochmal andere Reife mit ins Leben der Gemeinschaft.

Magazin „L“: Wie stellt sich eine Berufung für das gottgeweihte Leben überhaupt ein, und wie bewahrt man die Begeisterung?

Melanie Zoll: Man muss sich bei seiner Berufung so wohl fühlen wie in einer guten Familie, einer guten Ehe. Ich selbst hatte auch zunächst nicht gedacht, überhaupt eine Berufung zu haben. Erst zu meiner Zeit im Regnum Christi in Mexiko habe ich gemerkt: Da ist doch noch etwas anderes!

Magazin „L“: Was unterscheidet das gottweihte Leben im Regnum Christi vom Leben beispielsweise einer Nonne in einem „klassischen“ Kloster?

Melanie Zoll: Wir verstehen uns eher als eine Gemeinschaft „in der Welt“, ganz nah bei den Menschen. Darum tragen wir auch „zivile Kleidung“. Unser Versprechen bindet uns, anders als das Gelübde vieler Ordensschwestern, nicht an einen bestimmten Ort. Wir gehen dorthin, wohin wir gerufen und gebraucht werden.

Lorli Pregel: Unser gottgeweihtes Leben steht im Prinzip auf drei Säulen: Dem Gebetsleben, dem Leben in der Gemeinschaft, und der Apostolatsarbeit. Was uns hier besonders auszeichnet, ist die Zusammenarbeit mit den Laien. Wir möchten den Die gottgeweihten Frauen vor ihrem Niederlassungshaus in DüsseldorfChristen in der Welt helfen, ihre Berufung zu Heiligkeit und Apostolat zu entdecken und zu leben.

Magazin „L“: Immer weniger Menschen gehen heutzutage in die Kirche – wie bewerten Sie aus Ihrer Perspektive die Möglichkeiten und die Bedeutung geistlicher Gemeinschaften, damit Menschen heute eine Erfahrung im Glauben machen können?

Frederica Paez: Möglichkeiten gibt es viele, man muss sie aber zu nutzen wissen. Wir können ein persönlicher Bezugs– und Anhaltspunkt sein, damit die Menschen sich als Person ernst genommen und angesprochen fühlen, damit sie merken, dass sie eine Bedeutung haben, wichtig und wertvoll sind, und geliebt werden.

Magazin „L“: Frau Paez, Sie selbst sind schon sehr lange „dabei“ - welche Entwicklungen nehmen Sie wahr?

Frederica Paez: Veränderungen gibt es durchaus. Die Zusammenarbeit mit der Ortskirche konnten wir weiter ausbauen, ein sehr bereichernder Prozess – denn wir können alle viel voneinander lernen, um möglichst vielen Menschen den Glauben nahe zu bringen. Wir haben auch gemerkt, wie wichtig die Begleitung des Einzelnen sein kann.

Magazin „L“: Bis einschließlich Juni 2011 hat Erzbischof Ricardo Blázquez die Einrichtungen der Gottgeweihten des Regnum Christi im Rahmen einer Apostolischen Visitation in  verschiedenen Ländern besucht. Wie haben Sie sich in den Prozess eingebracht? Wie haben Sie den Ablauf der Visitation persönlich erlebt?

Gloria Rodríguez: Trotz der schwierigen Zeit, so denke ich, hatte niemand von uns wirklich die Sorge, das alles nicht gut ausgehen könnte. Die Gemeinschaft hat sich als sehr gesund und zukunftsträchtig erwiesen. Das hat der Delegat uns auch bestätigt, als wir für mehrere Tage zu Fragestunden und Gesprächsrunden in Rom waren. Uns wurde sehr viel Respekt und Sicherheit vermittelt.

Lorli Pregel: Natürlich gab es auch Unsicherheiten und Fragen durch die jüngste Geschichte. Das Ganze war aber nicht so beunruhigend, wie es von außen oftmals suggeriert wurde, im Gegenteil, aufgrund der sicheren Anleitung durch den päpstlichen Visitator war es eher eine positive Erfahrung, die uns Frieden gab. Erzbischof Blázquez hat uns äußerst respektvoll befragt und uns viel Vertrauen gegeben. Der Prozess der Visitation ist nun abgeschlossen, und für die Zukunft eröffnen sich uns dadurch auch neue Chancen und Denkansätze. Wir sind jedenfalls guter Dinge und haben Zuversicht, auch wenn noch viele Fragen offen sind. 
 
Melanie Zoll: Ich war schon etwas nervös vor den Gesprächen. Doch Erzbischof Blázquez hat mir sofort vermittelt: Die Kirche möchte Euch helfen, auch in schwierigen Zeiten. Ich bin mir sicher, dass alle Antworten in Gott liegen und wir sie mit der Hilfe der Kirche auch finden werden.

Magazin „L“: Was erhoffen Sie sich für die Zukunft der Apostolatsbewegung Regnum Christi, und insbesondere für das gottgeweihte Leben und Ihre Gemeinschaft?

Melanie Zoll: Ich möchte umsetzen, was der Heilige Vater uns auch schon einmal gepredigt hat, „dass wir das werden, was wir sein sollen“. Die Gottgeweihten und die Legionäre Christi können sich auf diesen Weg gemeinsam mit dem Heiligen Geist machen.

Lorli Pregel: Gott ist treu und spielt nicht mit uns. Er wird uns nicht hängen lassen, bei dem, was unser Herz erfüllt, sondern uns Türen zeigen, die wir jetzt vielleicht noch nicht kennen. Das vermittelt uns Zuversicht für die Zukunft.

Gloria Rodríguez: Ich hoffe und glaube, dass wir gestärkt, gereinigt und einig aus diesen Zeiten herausgehen werden, und weiter wirken können, um Gutes in der Welt zu tun!

Frederica Paez: Ich wünsche mir, dass mein gottgeweihtes Leben ein Beispiel dafür ist, wie Gott dem eigenem Leben einen Sinn geben und jeden glücklich machen kann.

Magazin „L“: Verehrte Damen, wir bedanken uns für die Gastfreundschaft, Ihre Zeit und das freundliche, gewinnbringende Gespräch!



Biographisches:

Gloria Rodríguez wurde 1975 in Madrid geboren. Nach dem Besuch einer örtlichen Schule der Legionäre Christi in Spanien studierte sie Psychologie und Familientherapie. 1998 legte Sie ihre feierlichen Versprechen als gottgeweihte Frau im Regnum Christi ab. Nach langjähriger apostolischer Arbeit in Monterrey (Mexiko), Barcelona, Madrid und Rom leitet sie seit 2011 das Team der gottgeweihten Frauen in Düsseldorf.
 
Frederica Paez wurde 1975 in Monterrey, Mexiko geboren. Schon seit 1986 war sie Mitglied der Kinder– und Jugendorganisation des Regnum Christi, 1991 trat sie – wie ihre gesamte Familie – dem Regnum Christi bei, noch im gleichen Jahr legte Sie ihre feierlichen Versprechen als gottgeweihte Frau ab. Nach ihrer Studienausbildung in Rom und einem Aufenthalt in Wien ist sie seit 2000 in der Jugendarbeit der gottgeweihten Frauen des Regnum Christi in Deutschland tätig.

Melanie Zoll wurde 1977 in Rhede im Münsterland geboren. Nach dem Abitur an der katholischen Privatschule Kloster Mariengarden absolvierte sie ein soziales Jahr in Guadalajara (Mexiko). In dieser Zeit fasste sie den Entschluss, sich als gottgeweihte Frau Gott ganz im Regnum Christi weihen zu wollen. Nach dem Studium der Religions– und Erziehungswissenschaften in Madrid wirkte sie in der Jugend– und Familienarbeit des Regnum Christi in Berlin, Bayern und Baden-Württemberg.

Lorli Pregel wurde 1969 in Barcelona als Kind in Spanien lebender österreichischer Eltern geboren. Als junge Österreicherin wuchs sie in Spanien auf und besuchte die Deutsche Schule in Barcelona. 1985 wurde sie Mitglied des Regnum Christi, 1987 legte Sie ihre feierlichen Versprechen als gottgeweihte Frau im Regnum Christi ab. Sie absolvierte umfassende Ausbildungsgänge und Studien in Rom und leitet mittlerweile die Niederlassung in Österreich.


Historisches:

1941 wurde die Priesterkongregation der Legionäre Christi in Mexiko-City gegründet. 1969 entschloss sich in Irland erstmals eine Gruppe von Frauen, ihr Leben im Regnum Christi ganz Gott zu weihen. Das war der Ursprung der gottgeweihten Frauen (und später auch Männer) des Regnum Christi. Im Jahr 1982 entstand in Rom ein weiteres Ausbildungshaus für gottgeweihte Frauen, weitere Niederlassungen folgten in den Vereinigten Staaten, in Brasilien, in Mexiko und in Spanien. Seit 1969 hat Gott die gottgeweihten Frauen im Regnum Christi mit Berufungen aus etwa 20 Ländern der Erde gesegnet: Heute wirken die gottgeweihten Frauen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Irland, Spanien, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Polen, den USA, Kanada, Mexiko, El Salvador, Venezuela, Kolumbien, Brasilien, Argentinien, Chile, Australien und Neuseeland.

Seit Sommer 1993 sind die gottgeweihten Frauen des Regnum Christi in Deutschland und Österreich tätig. 1998 wurde zunächst in Wien und im Jahr 2000 in Neuss eine Niederlassung gegründet. 2006 zog die Niederlassung in Deutschland nach Düsseldorf um. Derzeit leben und wirken fünf gottgeweihte Frauen in Österreich und neun in Deutschland, sie sind vor allem in der Kinder– und Jugendseelsorge und Familienpastoral tätig.


Das Interview (auch erschienen im Magazin „L“ 02/2011) führten Karl-Olaf Bergmann und Roman Möhlmann.

 

Ein Interview mit den gottgeweihten Frauen des Regnum Christi

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Donnerstag, 25. Januar 2012

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