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Freitag, 13. Januar 2012

Ökumene bedeutet, entdecken, was Gott will und wie er es will.“


Interview mit Msgr. Brian Farrell LC, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen

Msgr. Brian Farrell LCIm Folgenden möchten wir ein Interview mit Msgr. Brian Farrell LC, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen und Berater des Päpstlichen Delegaten für die Legionäre Christi d das Regnum Christi, wiedergeben. Das Gespräch führte in Rom vor kurzem Mark Riedemann für das Fernsehprogramm „Gott weint auf Erden“ des Senders „Catholic Radio and Television Network“ (CRTN) in Zusammenarbeit mit Kirche in Not.

Exzellenz, Sie sind irischer Staatsbürger. Wie kommt es, dass Sie hier in Rom sind und für diesen Päpstlichen Rat arbeiten?

Monsignore Farrell: Ursprünglich wollte ich Missionar in Lateinamerika werden, aber jetzt habe ich schon 25 Jahre meines Lebens hier in Rom verbracht. Es war eine seltsame Reise.

Sie arbeiten als Sekretär des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. Ging Ihnen das Thema der Einheit schon vorher nahe?

Monsignore Farrell: Ich würde sagen, ja. Ich bin mit anglikanischen und methodistischen Freunden aufgewachsen und war immer an den Gründen interessiert, warum sie nicht in meine Kirche eintreten konnten und ich nicht in ihre gehen konnte, und warum sie anders sein mussten. Aber das war noch ein kindliches Interesse.

Als ich nach mehrjährigem Wirken als junger Priester nach Rom zurückgekehrt bin, musste ich ein Thema für meine Doktorarbeit wählen und habe etwas in diesem Bereich ausgesucht. Ich habe dann eine Doktorarbeit an der Universität Gregoriana vorgestellt, die schon vor ihrer Fertigstellung in gewissem Sinn ein totes Buch war, weil ich zu jener Zeit begonnen habe, im Staatssekretariat zu arbeiten – praktisch in einer völlig anderen Welt. Dort bin ich fast bis zum Ende des Pontifikats von Papst Johannes Paul II. geblieben.

Die Doktorarbeit ist in Vergessenheit geraten, bis mich der Papst plötzlich eines Tages, genau ein Jahr vor seinem Tod, zum Sekretär des Rates für die Einheit der Christen ernannte – und alles wieder einen Sinn ergab.

Welche Ziele verfolgt dieser Rat?

Monsignore Farrell: Der Rat wurde kurz vor dem II. Vatikanischen Konzil ins Leben gerufen, als ein Instrument, mit dem Papst Johannes XXIII. in die Debatten des Konzils seine Sorge um die Einheit der Kirchen einbringen wollte. Und das II. Vatikanische Konzil spielte, während alle Bischöfe der Welt dort versammelt waren, eine sehr wirksame Rolle bei dem, was ich die Fortbildung der Bischöfe in der Kenntnis der wahren Natur der Kirche und der wahren Beziehung mit jenen Getauften, die, grob gesagt, vor dem Konzil immer als außerhalb der Kirche stehend betrachtet wurden, nennen würde.

Während der vier Jahre, die das Konzil dauerte, lernten die Bischöfe – dank ihrer Debatten, dank der Gegenwart der Beobachter der orthodoxen Kirchen und der protestantischen Gemeinden, und dank vieler anderer Dinge. Nach drei Jahren waren Sie imstande, fast einstimmig ein Dokument zu unterzeichnen, in dem wir anerkannten, dass eine wahre Gemeinschaft mit allen anderen Kirchen und christlichen Gemeinschaften besteht, zwar unvollständig, aber wahr.

Papst Benedikt XVI. machte diesen ökumenischen Dialog – besonders mit der russischen orthodoxen Kirche – zu einer Priorität seines Pontifikats. Warum hat er Priorität für diesen Papst?

Monsignore Farrell: Lassen Sie mich damit beginnen, dass es hier tatsächlich eine gewisse Priorität gibt, weil die russische auch die größte aller orthodoxen Kirchen ist. Aber dieses Interesse und dieser Wunsch nach einer engeren Gemeinschaft mit der orthodoxen Kirche umfasst die ganze orthodoxe Welt bis zu dem Punkt, dass unser theologischer Dialog mit der Orthodoxie nicht mit einer speziellen orthodoxen Kirche besteht. Wir haben von Anfang an vereinbart, dass dieser Dialog mit allen zusammen geführt werden muss, da sie alle zusammen eine Einheit bilden. Sie haben die gleichen Prinzipien, sie haben die gleichen Strukturen und sie haben die gleiche Tradition, die gleichen Werte und die gleiche Schönheit der Liturgie. Sie handeln also als Einheit im theologischen Dialog.

Wir stehen natürlich auch in direkter bilateraler Beziehung mit jeder einzelnen der verschiedenen orthodoxen Kirchen, und seit dem II. Vatikanischen Konzil haben sich diese Beziehungen enorm weiterentwickelt. Mit einigen Kirchen ging es schneller als mit anderen, mit einigen vielleicht tiefgreifender als mit anderen, aber wir können sagen, dass wir momentan mit allen orthodoxen Kirchen ohne Ausnahme in sehr freundschaftlichem, sehr offenen und sehr beständigen Kontakt stehen und auf viele Weisen zusammenarbeiten. Wenn Papst Benedikt XVI. sagt: Ja, der Dialog mit den orthodoxen Kirchen hat Priorität, dann ist das klar, und wenn Sie mich fragen, warum, dann beschränke ich mich darauf zu sagen: Weil sie uns sehr nahe stehen. Wir haben den gleichen Glauben, die gleichen Sakramente, die gleiche apostolische Sukzession; deshalb sehen wir jeden einzelnen ihrer Bischöfe und Priester als wahre Bischöfe und wahre Priester an. Hierin besteht eine Nähe, wie wir sie mit keiner anderen christlichen Gemeinschaft haben.

Wo ist es uns nicht gelungen, eine Brücke zu bauen? Wobei waren wir nicht fähig, zu einer Einheit zu gelangen?

Monsignore Farrell: Diese Frage lässt sich nur schwer mit wenigen Worten beantworten. Man braucht Bände, man braucht ganze Bibliotheken, man braucht jahrelange Gespräche, um festzustellen, in welchem Verhältnis wir zueinander stehen.

Es waren 1000 Jahre der Trennung…

Monsignore Farrell: Es wird lange dauern, bis wir lernen, miteinander zu leben, uns gegenseitig wirklich als Brüder und Schwestern in derselben Kirche anzuerkennen. Und das führt mich zu einem sehr wichtigen Faktor, der, so glaube ich, absolut notwendig ist, wenn jemand verstehen möchte, worum es sich bei der Ökumene handelt. Ökumene ist nicht wie die Politik zwischen Regierungen oder internationale Politik, bei der man ein gemeinsames Ziel hat und Kompromisse eingehen kann, um es zu erreichen; bei der es Strategien, Taktiken usw. gibt. Ökumene bedeutet entdecken, was Gott will und wie er es will.

Wir wissen, dass der Wunsch Christi für die Kirche die Einheit ist. Darum hat er gebetet, bevor er starb. Wir wissen, dass diese Einheit fast von Anfang an zerbrochen war. Bei unseren ökumenischen Bemühungen versuchen wir zu entdecken, wie dieser Wunsch Christi zu verstehen ist und wie wir ihn in die Tat umsetzen können. Das hat nicht nur mit den persönlichen Beziehungen zu tun, sondern vor allem mit dem, was wir Kommunion nennen. Kommunion bedeutet teilzunehmen, all diese Gaben, all diese Gnaden, die Christus durch den Heiligen Geist an die Kirche weitergegeben  hat, zu teilen. Bei der Ökumene geht es darum, dass wir alle bessere Empfänger sind für all die Dinge, von denen Christus will, dass sie in seiner Kirche lebendig werden. Wie sie sehen, ist das eine sehr tiefgreifende und schwierige Frage. Sie schließt nicht nur das Denken, nicht nur die Theologie ein, sondern auch, ein christliches Leben zu führen. Es geht vor allem darum, wie tief unser Glaube ist.

An dem Tag, an dem wir uns mit den Orthodoxen zusammensetzen und sagen können, dass es nichts mehr gibt, was uns trennt, werden wir vereint sein und wirklich einen Akt des Glaubens vollziehen. Und wenn ich versuche, mir vorzustellen, wie dieser Tag sein wird, bin ich mir sicher, dass er so etwas wie eine große liturgische Feier sein wird, bei der wir unseren Glauben bekennen werden. In diesem Sinn ist die Ökumene sehr fordernd. Es geht nicht nur darum, hier und da eine Einigung zwischen Kirchenmännern zu erzielen; es bedeutet, dass sich der ganze Leib der Kirche diese größere Treue zu Christus und zum Evangelium aneignen muss. Es bleibt noch sehr viel zu tun.


„Ökumene bedeutet, entdecken, was Gott will und wie er es will.“

Ökumene bedeutet, entdecken, was Gott will und wie er es will.“

Msgr. Brian Farrell LCIm Folgenden möchten wir ein Interview mit Msgr. Brian Farrell LC, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen und Berater des Päpstlichen Delegaten für die Legionäre Christi d das Regnum Christi, wiedergeben. Das Gespräch führte in Rom vor kurzem Mark Riedemann für das Fernsehprogramm „Gott weint auf Erden“ des Senders „Catholic Radio and Television Network“ (CRTN) in Zusammenarbeit mit Kirche in Not.

Exzellenz, Sie sind irischer Staatsbürger. Wie kommt es, dass Sie hier in Rom sind und für diesen Päpstlichen Rat arbeiten?

Monsignore Farrell: Ursprünglich wollte ich Missionar in Lateinamerika werden, aber jetzt habe ich schon 25 Jahre meines Lebens hier in Rom verbracht. Es war eine seltsame Reise.

Sie arbeiten als Sekretär des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. Ging Ihnen das Thema der Einheit schon vorher nahe?

Monsignore Farrell: Ich würde sagen, ja. Ich bin mit anglikanischen und methodistischen Freunden aufgewachsen und war immer an den Gründen interessiert, warum sie nicht in meine Kirche eintreten konnten und ich nicht in ihre gehen konnte, und warum sie anders sein mussten. Aber das war noch ein kindliches Interesse.

Als ich nach mehrjährigem Wirken als junger Priester nach Rom zurückgekehrt bin, musste ich ein Thema für meine Doktorarbeit wählen und habe etwas in diesem Bereich ausgesucht. Ich habe dann eine Doktorarbeit an der Universität Gregoriana vorgestellt, die schon vor ihrer Fertigstellung in gewissem Sinn ein totes Buch war, weil ich zu jener Zeit begonnen habe, im Staatssekretariat zu arbeiten – praktisch in einer völlig anderen Welt. Dort bin ich fast bis zum Ende des Pontifikats von Papst Johannes Paul II. geblieben.

Die Doktorarbeit ist in Vergessenheit geraten, bis mich der Papst plötzlich eines Tages, genau ein Jahr vor seinem Tod, zum Sekretär des Rates für die Einheit der Christen ernannte – und alles wieder einen Sinn ergab.

Welche Ziele verfolgt dieser Rat?

Monsignore Farrell: Der Rat wurde kurz vor dem II. Vatikanischen Konzil ins Leben gerufen, als ein Instrument, mit dem Papst Johannes XXIII. in die Debatten des Konzils seine Sorge um die Einheit der Kirchen einbringen wollte. Und das II. Vatikanische Konzil spielte, während alle Bischöfe der Welt dort versammelt waren, eine sehr wirksame Rolle bei dem, was ich die Fortbildung der Bischöfe in der Kenntnis der wahren Natur der Kirche und der wahren Beziehung mit jenen Getauften, die, grob gesagt, vor dem Konzil immer als außerhalb der Kirche stehend betrachtet wurden, nennen würde.

Während der vier Jahre, die das Konzil dauerte, lernten die Bischöfe – dank ihrer Debatten, dank der Gegenwart der Beobachter der orthodoxen Kirchen und der protestantischen Gemeinden, und dank vieler anderer Dinge. Nach drei Jahren waren Sie imstande, fast einstimmig ein Dokument zu unterzeichnen, in dem wir anerkannten, dass eine wahre Gemeinschaft mit allen anderen Kirchen und christlichen Gemeinschaften besteht, zwar unvollständig, aber wahr.

Papst Benedikt XVI. machte diesen ökumenischen Dialog – besonders mit der russischen orthodoxen Kirche – zu einer Priorität seines Pontifikats. Warum hat er Priorität für diesen Papst?

Monsignore Farrell: Lassen Sie mich damit beginnen, dass es hier tatsächlich eine gewisse Priorität gibt, weil die russische auch die größte aller orthodoxen Kirchen ist. Aber dieses Interesse und dieser Wunsch nach einer engeren Gemeinschaft mit der orthodoxen Kirche umfasst die ganze orthodoxe Welt bis zu dem Punkt, dass unser theologischer Dialog mit der Orthodoxie nicht mit einer speziellen orthodoxen Kirche besteht. Wir haben von Anfang an vereinbart, dass dieser Dialog mit allen zusammen geführt werden muss, da sie alle zusammen eine Einheit bilden. Sie haben die gleichen Prinzipien, sie haben die gleichen Strukturen und sie haben die gleiche Tradition, die gleichen Werte und die gleiche Schönheit der Liturgie. Sie handeln also als Einheit im theologischen Dialog.

Wir stehen natürlich auch in direkter bilateraler Beziehung mit jeder einzelnen der verschiedenen orthodoxen Kirchen, und seit dem II. Vatikanischen Konzil haben sich diese Beziehungen enorm weiterentwickelt. Mit einigen Kirchen ging es schneller als mit anderen, mit einigen vielleicht tiefgreifender als mit anderen, aber wir können sagen, dass wir momentan mit allen orthodoxen Kirchen ohne Ausnahme in sehr freundschaftlichem, sehr offenen und sehr beständigen Kontakt stehen und auf viele Weisen zusammenarbeiten. Wenn Papst Benedikt XVI. sagt: Ja, der Dialog mit den orthodoxen Kirchen hat Priorität, dann ist das klar, und wenn Sie mich fragen, warum, dann beschränke ich mich darauf zu sagen: Weil sie uns sehr nahe stehen. Wir haben den gleichen Glauben, die gleichen Sakramente, die gleiche apostolische Sukzession; deshalb sehen wir jeden einzelnen ihrer Bischöfe und Priester als wahre Bischöfe und wahre Priester an. Hierin besteht eine Nähe, wie wir sie mit keiner anderen christlichen Gemeinschaft haben.

Wo ist es uns nicht gelungen, eine Brücke zu bauen? Wobei waren wir nicht fähig, zu einer Einheit zu gelangen?

Monsignore Farrell: Diese Frage lässt sich nur schwer mit wenigen Worten beantworten. Man braucht Bände, man braucht ganze Bibliotheken, man braucht jahrelange Gespräche, um festzustellen, in welchem Verhältnis wir zueinander stehen.

Es waren 1000 Jahre der Trennung…

Monsignore Farrell: Es wird lange dauern, bis wir lernen, miteinander zu leben, uns gegenseitig wirklich als Brüder und Schwestern in derselben Kirche anzuerkennen. Und das führt mich zu einem sehr wichtigen Faktor, der, so glaube ich, absolut notwendig ist, wenn jemand verstehen möchte, worum es sich bei der Ökumene handelt. Ökumene ist nicht wie die Politik zwischen Regierungen oder internationale Politik, bei der man ein gemeinsames Ziel hat und Kompromisse eingehen kann, um es zu erreichen; bei der es Strategien, Taktiken usw. gibt. Ökumene bedeutet entdecken, was Gott will und wie er es will.

Wir wissen, dass der Wunsch Christi für die Kirche die Einheit ist. Darum hat er gebetet, bevor er starb. Wir wissen, dass diese Einheit fast von Anfang an zerbrochen war. Bei unseren ökumenischen Bemühungen versuchen wir zu entdecken, wie dieser Wunsch Christi zu verstehen ist und wie wir ihn in die Tat umsetzen können. Das hat nicht nur mit den persönlichen Beziehungen zu tun, sondern vor allem mit dem, was wir Kommunion nennen. Kommunion bedeutet teilzunehmen, all diese Gaben, all diese Gnaden, die Christus durch den Heiligen Geist an die Kirche weitergegeben  hat, zu teilen. Bei der Ökumene geht es darum, dass wir alle bessere Empfänger sind für all die Dinge, von denen Christus will, dass sie in seiner Kirche lebendig werden. Wie sie sehen, ist das eine sehr tiefgreifende und schwierige Frage. Sie schließt nicht nur das Denken, nicht nur die Theologie ein, sondern auch, ein christliches Leben zu führen. Es geht vor allem darum, wie tief unser Glaube ist.

An dem Tag, an dem wir uns mit den Orthodoxen zusammensetzen und sagen können, dass es nichts mehr gibt, was uns trennt, werden wir vereint sein und wirklich einen Akt des Glaubens vollziehen. Und wenn ich versuche, mir vorzustellen, wie dieser Tag sein wird, bin ich mir sicher, dass er so etwas wie eine große liturgische Feier sein wird, bei der wir unseren Glauben bekennen werden. In diesem Sinn ist die Ökumene sehr fordernd. Es geht nicht nur darum, hier und da eine Einigung zwischen Kirchenmännern zu erzielen; es bedeutet, dass sich der ganze Leib der Kirche diese größere Treue zu Christus und zum Evangelium aneignen muss. Es bleibt noch sehr viel zu tun.

 

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