Donnerstag, 31. Januar 2013

Es kommt auf das eigene Beispiel an


Interview mit Pater Valentin Gögele und Dr. Eugen Briemle über die „Apostolische Schule“ in Bad Münstereifel

Schüler während ihrer Freizeit in der winterlichen Eifel.Die „Apostolische Schule“ in Bad Münstereifel wird derzeit von 33 Schülern besucht. Seit ihrer Gründung 2008 entfaltet diese Schule ihren ganz besonderen Charakter als „Kleines Seminar“, das über die Ordensgemeinschaft hinaus wahrgenommen wird. Die ersten Abiturienten haben das Internat mittlerweile verlassen, drei von ihnen sind im vergangenen September in das Noviziat der Legionäre Christi eingetreten. Die Redaktion hat mit dem schulischen Direktor und dem „geistlichen Rektor” über die Schule gesprochen.

P. Valentin Gögele (geb. 1979), am 24. Dezember 2010 zum Priester geweiht, ist seit September 2011 Rektor der „Apostolischen Schule“ in Bad Münstereifel.

Dr. Eugen BriemleDr. Eugen Briemle (geb. 1955), promovierter Physiker, ist verheirtatet und Vater von vier Kindern. Seit Januar 2009 unterrichtete er die Fächer Mathematik und Physik, seit September 2009 ist er Schulischer Direktor an der Apostolischen Schule.

Frage: Eine „Apostolische Schule“ ist ein „Kleines Seminar“ für Jungen, die möglicherweise einmal Priester werden. Braucht man überhaupt eine solche Schule?

Herr Dr. Briemle: Eine Priesterberufung ist etwas ganz Besonderes. Sie geht über das rein Schulische und Lehrmäßige hinaus. Sie bedarf eines besonderen Raums, in dem sie heranreifen kann. Man kennt besondere Internate auch in anderen Berufsgruppen, wie etwa die Sportinternate, Internate für Chorsänger oder Musiker.

Pater Valentin: Unserer Ordensgemeinschaft geht es bei der „Apostolischen Schule“ nicht um Priesterausbildung im eigentlichen Sinn. Wir wollen unsere Schüler zunächst als Menschen und Christen fördern und dann sehr individuell der Frage nachgehen, welchen Weg Gott mit jedem einzelnen gehen möchte. Natürlich kann sich ein Jugendlicher noch nicht definitiv darauf festlegen, einmal Ordensmann oder Priester zu werden, aber grundsätzlich erwarten wir eine Offenheit gegenüber dieser Lebensform.Die Schule möchte ein Umfeld schaffen, in dem der Same einer möglichen Berufung auf fruchtbaren Boden fallen und aufgehen kann. Viele Eltern haben uns ermutigt, diese Schule zu eröffnen. In dieser Hinsicht sehe ich die konkrete steigende Nachfrage als die beste Antwort auf die Frage, ob es so eine Schule überhaupt braucht.

Frage: Woher kommen die Jungen, die an eine solche „Apostolische Schule“ gehen und die sich unter anderem auf das feste Reglement eines Internatsbetriebs einlassen? Ist es so eine Art „heiliger Rest“, der sich hier einfindet?

Pater Valentin: Es sind in der Regel fast durchwegs Kinder aus Familien, in denen Glaube und Gebet einen hohen Stellenwert haben. Zugleich sind sie gut unter ihren Alterskameraden integriert, betreiben Sport, hören gerne Musik, usw.

Herr Dr. Briemle: Viele der Schüler kennen wir schon, bevor sie ins Internat kommen, etwa aus der Jugendarbeit der Legionäre Christi. In einigen konkreten Fällen kann ich Jungen, die ich früher in Camps kennen gelernt habe, heute in ihrer weiteren Persönlichkeitsentwicklung auf der Schule begleiten. Ein sicheres Merkmal für eine gute Entwicklung ist eine innere Festigkeit, die sie gewinnen und dann nach außen ausstrahlen, eine Gewissheit, wer sie vor Gott sind: Ich selber habe einen Wert, auch ein Ziel, und Gott hat einen Plan für mich, den ich entdecken möchte.

In der Schule können die Schüler durch eine konstruktive Gesprächskultur ein Umfeld der Offenheit und des Vertrauen finden.Frage: Wie gehen Sie mit Krisen und Schwierigkeiten um und wie unterstützen Sie die Kinder und Jugendlichen in solchen Situationen?

Herr Dr. Briemle: Wenn wir im schulischen Bereich einen Leistungsabfall feststellen, gehen wir dem individuell auf den Grund. Wir nehmen dann z.B. möglichen schulischen Druck heraus und versuchen den Schüler zu motivieren, die Herausforderungen dieser Phase konstruktiv anzunehmen, so dass er schließlich sagen kann: „Ich stehe einfach vor Gott da und gebe mein Bestes. Meine Lehrer und Ausbilder zeigen mir Respekt, Rücksichtnahme, Wertschätzung, auch wenn ich nicht immer Höchstleistung in den Fächern bringen kann.“

Pater Valentin: Als Rektor der Schule, der auch Priester ist, bin ich nicht in erster Linie Verwalter, sondern zunächst Seelsorger für die Jugendlichen. Und auch in einem christlichen Internat läuft nicht immer alles nach Plan. So habe ich auch manchmal „Krisengespräche“ zu führen, die bei älteren Schülern schon mal bis in den späten Abend hinein dauern können. Dabei kann es mir nicht nur darum gehen, den einzelnen nur aufzubauen. Ich versuche die Jugendlichen zu motivieren. Krisen können auch Chancen sein, um innerlich zu wachsen. Gerade die Eltern und die eigene Familie sind natürlich besonders in schwierigen Situationen eine wichtige Säule für die Jungen.

Frage: Die „Apostolische Schule“ ist ja auch ein Internat. Sehen die Kinder ihre Eltern nur in den Ferien?

Pater Valentin: Regelmäßig gibt es auch während des Schuljahres Treffen mit den Eltern. Die Elternsprechtage sind immer wertvolle Momente des Austauschs mit den Lehrern, es gibt Vater-Sohn-Wochenenden und auch sonst kommen immer wieder Familien spontan zu Besuch. Ein besonderes Ereignis ist der Muttertag. Da bereiten die Schüler Musik, Theateraufführungen, Spiele und natürlich ein Geschenk für die eigene Mutter vor. Fixe Zeiten für die Heimfahrten sind Weihnachten, Ostern, die Sommerferien, wenigstens drei verlängerte Wochenenden, wichtige Anlässe in der Verwandtschaft sowie Heimfahrten für die Jüngeren.

Herr Dr. Briemle: Wir legen Wert darauf, dass jeder Schüler seine Eltern zumindest einmal in der Woche anruft. Meistens sind es die Eltern, die sich melden. Jede Woche rufen auch bei mir zwei oder drei Mütter an. Wenn Eltern Signale bei ihren Kindern am Telefon wahrnehmen, wollen sie mit uns darüber sprechen.

Frage: Wie gehen Sie damit um, wenn Schüler ausgegrenzt werden? Wie werden interne Konflikte der Schüler bewältigt? Gibt es da ein Modell?

Herr Dr. Briemle: So viel wie nur möglich läuft über Motivation. Es gibt beispielweise in der Schule immer auch besondere Auszeichnungen in den verschiedenen Fächern und im sozialen Bereich. Auch das Handeln aus eigener Überzeugung ist uns ungemein wichtig.

Pater Valentin: Wir versuchen, eine konstruktive Gesprächskultur zu fördern. Es gibt möglichst keine Strafen, denn Sanktionierung ist nicht der Ansatz, sondern die „präventive Pädagogik“ wie bei Don Bosco: Es geht um Motivation und auch darum, potentielle Konfliktsituationen vorauszusehen und rechtzeitig zu entschärfen. Ausgrenzung oder gar physische Gewalt habe ich hier noch nicht erlebt. Wäre jemand so uneinsichtig, würden wir ihn wahrscheinlich sehr bald nach Hause schicken.

Frage: Thema Priesterberufung: Wie präsent ist das Thema im Alltag?

Pater Valentin: Die Schüler und Eltern wissen, dass wir eine Schule sind für Jungs, die sich mit dem Gedanken einer möglichen priesterlichen Berufung auseinandersetzen. Dazu gehört dann auch die Offenheit, gegebenenfalls zu einem solchen Ruf „Ja“ zu sagen.

Frage: Wann und wie wird dann die Frage gestellt, kannst du dir vorstellen, Priester zu werden?

Pater Valentin: Die Jungs, die zu uns kommen, hatten in der Regel schon ein altersgemäßes, aber intensives geistliches Leben und konnten auf ihrem Weg auf Rat und Hilfe eines Priesters zählen. Wenn sie den Wunsch äußern, in die „Apostolische Schule“ zu kommen, können sie unter dem Jahr und vor allem im Sommer ein paar Wochen in Bad Münstereifel verbringen und das gemeinschaftliche Zusammenleben, die Unterrichte und das Gebet erleben. Nach dieser Zeit fragen wir sie: Kannst du dir vorstellen, in diese besondere Schule zu gehen? Kannst du dir vorstellen, so zu leben, wie die anderen Jungs hier? Wenn sie das bejahen, ihre Eltern damit einverstanden sind und auch wir die nötigen menschlichen und geistlichen Voraussetzungen im Jungen sehen, können sie kommen. Zu diesem Zeitpunkt fragt niemand, ob sie später tatsächlich Priester werden wollen oder ob sie sich von Gott berufen fühlen. Das ist auch keine Bedingung für die Aufnahme.

Ab der vorletzten Klasse – die Schüler sind dann 16 - 17 Jahre alt –, spreche ich mit ihnen die Frage des weiteren Lebensweges aktiver an. Dabei geht es dann oft auch darum, ob sie eine Berufung zum Priester– und Ordensleben spüren. Das ist sicher eine Gratwanderung: Zu einem gesunden Unterscheidungsprozess gehört es, die Entscheidung der jungen Männer nicht beeinflussen zu wollen. Niemand von uns kann eine Berufung machen! Wir begleiten die Jungen jedoch auf ihrem Weg. Das Wichtigste ist, ein Umfeld der Offenheit und des Vertrauens zu schaffen.

 

Begegnung mit Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Berlin,Frage: Was passiert, wenn die Schüler einen anderen Weg einschlagen wollen?

Pater Valentin: So frei, wie ein Schüler gekommen ist, so frei kann er auch jederzeit wieder gehen! Es gibt eine sehr enge Absprache und Zusammenarbeit mit den Eltern. Wenn wir z.B. sehen, dass sich Jugendliche in unserer „Apostolischen Schule“ nicht mehr wohl fühlen, sprechen wir das weitere Vorgehen ab und bereiten gegebenenfalls einen Schulwechsel vor. Das ist bisher jedes Jahr vorgekommen und wir konnten die jeweiligen Schüler meist individuell und recht gut auch auf diesem Weg begleiten. Auch für die Abiturienten stehen alle Wege offen. Mit einem unserer Schüler haben wir uns im vergangenen Schuljahr z.B. zwei drei Monate lang nach verschiedenen Möglichkeiten für seinen weiteren Werdegang umgesehen. Ich habe persönlich zu den ehemaligen Schülern auch heute noch ein gutes Verhältnis. Wir bekommen auch regelmäßig Besuch von Schulabgängern.

Frage: Auch wenn die konkrete Berufungsfrage in der Schule nicht abschließend beantwortet werden kann, welches Priesterbild möchten Sie den Jugendlichen vermitteln?

Herr Dr. Briemle: Wenn ich höre, wie die Jungen miteinander kommunizieren und reden, so träumt sich niemand schon in die Soutane. Sie erzählen sich, was sie vor allem auch menschlich bewegt. Sie nehmen Anteil an den alltäglichen Sorgen, etwa der Herkunftsfamilie und sind an gesellschaftspolitischen Themen und Entscheidungen interessiert. Vor allem aber interessiert sie all das, was mit Menschen aus den verschiedensten Berufsgruppen zu tun hat, die uns auch regelmäßig besuchen kommen oder mit denen wir im Rahmen der schulischen Aktivitäten zusammentreffen und mit denen wir uns im Unterricht beschäftigen.

Pater Valentin: Natürlich können wir all die wichtigen Aspekte eines echt priesterlichen Lebens immer wieder ansprechen und ausleuchten: Dass er ein Mann des Gebetes sein muss, ein Mann Gottes, der zuhören kann, ein Mensch, der auf die anderen zugeht etc. An erster Stelle muss jedoch das eigene Beispiel stehen. Jeder weiß, wenn man auf so engem Raum zusammenlebt, bringen salbungsvolle Worte nicht viel. Wenn meine Mitbrüder und ich nicht überzeugend als Priester und Ordensleute leben, verpufft das Ganze.

Frage: Müssen dann nicht doch alle Apostolischen Schüler Legionäre Christi werden?

Pater Valentin (lacht laut): Gott ruft wen, wann und wie er will. Seine Wege sind wunderbar. Wichtig ist, dass die Berufung authentisch ist: Einige werden in unser Noviziat eintreten, einige vielleicht Diözesanpriester werden, sich einer anderen Ordensgemeinschaft anschließen oder weltliche Berufe ergreifen. Wir sind natürlich sehr dankbar für die drei jungen Männer, die jetzt aus der „Apostolischen Schule“ ins Noviziat eingetreten sind. Sie haben diesen Schritt in dem festen Bewusstsein gemacht, den Ruf Gottes im Noviziat weiter prüfen zu wollen. Wir freuen uns jedoch genauso darüber, wenn jemand Diözesanpriester wird oder in eine andere Ordensgemeinschaft eintritt. Unsere größte Freude ist es, wenn alle ihren ganz persönlichen Lebensweg mit Gott finden und ihn mutig gehen.

Das Interview führten Karl-Olaf Bergmann und Markus Schüppen.


Es kommt auf das eigene Beispiel an

Es kommt auf das eigene Beispiel an

Schüler während ihrer Freizeit in der winterlichen Eifel.Die „Apostolische Schule“ in Bad Münstereifel wird derzeit von 33 Schülern besucht. Seit ihrer Gründung 2008 entfaltet diese Schule ihren ganz besonderen Charakter als „Kleines Seminar“, das über die Ordensgemeinschaft hinaus wahrgenommen wird. Die ersten Abiturienten haben das Internat mittlerweile verlassen, drei von ihnen sind im vergangenen September in das Noviziat der Legionäre Christi eingetreten. Die Redaktion hat mit dem schulischen Direktor und dem „geistlichen Rektor” über die Schule gesprochen.

P. Valentin Gögele (geb. 1979), am 24. Dezember 2010 zum Priester geweiht, ist seit September 2011 Rektor der „Apostolischen Schule“ in Bad Münstereifel.

Dr. Eugen BriemleDr. Eugen Briemle (geb. 1955), promovierter Physiker, ist verheirtatet und Vater von vier Kindern. Seit Januar 2009 unterrichtete er die Fächer Mathematik und Physik, seit September 2009 ist er Schulischer Direktor an der Apostolischen Schule.

Frage: Eine „Apostolische Schule“ ist ein „Kleines Seminar“ für Jungen, die möglicherweise einmal Priester werden. Braucht man überhaupt eine solche Schule?

Herr Dr. Briemle: Eine Priesterberufung ist etwas ganz Besonderes. Sie geht über das rein Schulische und Lehrmäßige hinaus. Sie bedarf eines besonderen Raums, in dem sie heranreifen kann. Man kennt besondere Internate auch in anderen Berufsgruppen, wie etwa die Sportinternate, Internate für Chorsänger oder Musiker.

Pater Valentin: Unserer Ordensgemeinschaft geht es bei der „Apostolischen Schule“ nicht um Priesterausbildung im eigentlichen Sinn. Wir wollen unsere Schüler zunächst als Menschen und Christen fördern und dann sehr individuell der Frage nachgehen, welchen Weg Gott mit jedem einzelnen gehen möchte. Natürlich kann sich ein Jugendlicher noch nicht definitiv darauf festlegen, einmal Ordensmann oder Priester zu werden, aber grundsätzlich erwarten wir eine Offenheit gegenüber dieser Lebensform.Die Schule möchte ein Umfeld schaffen, in dem der Same einer möglichen Berufung auf fruchtbaren Boden fallen und aufgehen kann. Viele Eltern haben uns ermutigt, diese Schule zu eröffnen. In dieser Hinsicht sehe ich die konkrete steigende Nachfrage als die beste Antwort auf die Frage, ob es so eine Schule überhaupt braucht.

Frage: Woher kommen die Jungen, die an eine solche „Apostolische Schule“ gehen und die sich unter anderem auf das feste Reglement eines Internatsbetriebs einlassen? Ist es so eine Art „heiliger Rest“, der sich hier einfindet?

Pater Valentin: Es sind in der Regel fast durchwegs Kinder aus Familien, in denen Glaube und Gebet einen hohen Stellenwert haben. Zugleich sind sie gut unter ihren Alterskameraden integriert, betreiben Sport, hören gerne Musik, usw.

Herr Dr. Briemle: Viele der Schüler kennen wir schon, bevor sie ins Internat kommen, etwa aus der Jugendarbeit der Legionäre Christi. In einigen konkreten Fällen kann ich Jungen, die ich früher in Camps kennen gelernt habe, heute in ihrer weiteren Persönlichkeitsentwicklung auf der Schule begleiten. Ein sicheres Merkmal für eine gute Entwicklung ist eine innere Festigkeit, die sie gewinnen und dann nach außen ausstrahlen, eine Gewissheit, wer sie vor Gott sind: Ich selber habe einen Wert, auch ein Ziel, und Gott hat einen Plan für mich, den ich entdecken möchte.

In der Schule können die Schüler durch eine konstruktive Gesprächskultur ein Umfeld der Offenheit und des Vertrauen finden.Frage: Wie gehen Sie mit Krisen und Schwierigkeiten um und wie unterstützen Sie die Kinder und Jugendlichen in solchen Situationen?

Herr Dr. Briemle: Wenn wir im schulischen Bereich einen Leistungsabfall feststellen, gehen wir dem individuell auf den Grund. Wir nehmen dann z.B. möglichen schulischen Druck heraus und versuchen den Schüler zu motivieren, die Herausforderungen dieser Phase konstruktiv anzunehmen, so dass er schließlich sagen kann: „Ich stehe einfach vor Gott da und gebe mein Bestes. Meine Lehrer und Ausbilder zeigen mir Respekt, Rücksichtnahme, Wertschätzung, auch wenn ich nicht immer Höchstleistung in den Fächern bringen kann.“

Pater Valentin: Als Rektor der Schule, der auch Priester ist, bin ich nicht in erster Linie Verwalter, sondern zunächst Seelsorger für die Jugendlichen. Und auch in einem christlichen Internat läuft nicht immer alles nach Plan. So habe ich auch manchmal „Krisengespräche“ zu führen, die bei älteren Schülern schon mal bis in den späten Abend hinein dauern können. Dabei kann es mir nicht nur darum gehen, den einzelnen nur aufzubauen. Ich versuche die Jugendlichen zu motivieren. Krisen können auch Chancen sein, um innerlich zu wachsen. Gerade die Eltern und die eigene Familie sind natürlich besonders in schwierigen Situationen eine wichtige Säule für die Jungen.

Frage: Die „Apostolische Schule“ ist ja auch ein Internat. Sehen die Kinder ihre Eltern nur in den Ferien?

Pater Valentin: Regelmäßig gibt es auch während des Schuljahres Treffen mit den Eltern. Die Elternsprechtage sind immer wertvolle Momente des Austauschs mit den Lehrern, es gibt Vater-Sohn-Wochenenden und auch sonst kommen immer wieder Familien spontan zu Besuch. Ein besonderes Ereignis ist der Muttertag. Da bereiten die Schüler Musik, Theateraufführungen, Spiele und natürlich ein Geschenk für die eigene Mutter vor. Fixe Zeiten für die Heimfahrten sind Weihnachten, Ostern, die Sommerferien, wenigstens drei verlängerte Wochenenden, wichtige Anlässe in der Verwandtschaft sowie Heimfahrten für die Jüngeren.

Herr Dr. Briemle: Wir legen Wert darauf, dass jeder Schüler seine Eltern zumindest einmal in der Woche anruft. Meistens sind es die Eltern, die sich melden. Jede Woche rufen auch bei mir zwei oder drei Mütter an. Wenn Eltern Signale bei ihren Kindern am Telefon wahrnehmen, wollen sie mit uns darüber sprechen.

Frage: Wie gehen Sie damit um, wenn Schüler ausgegrenzt werden? Wie werden interne Konflikte der Schüler bewältigt? Gibt es da ein Modell?

Herr Dr. Briemle: So viel wie nur möglich läuft über Motivation. Es gibt beispielweise in der Schule immer auch besondere Auszeichnungen in den verschiedenen Fächern und im sozialen Bereich. Auch das Handeln aus eigener Überzeugung ist uns ungemein wichtig.

Pater Valentin: Wir versuchen, eine konstruktive Gesprächskultur zu fördern. Es gibt möglichst keine Strafen, denn Sanktionierung ist nicht der Ansatz, sondern die „präventive Pädagogik“ wie bei Don Bosco: Es geht um Motivation und auch darum, potentielle Konfliktsituationen vorauszusehen und rechtzeitig zu entschärfen. Ausgrenzung oder gar physische Gewalt habe ich hier noch nicht erlebt. Wäre jemand so uneinsichtig, würden wir ihn wahrscheinlich sehr bald nach Hause schicken.

Frage: Thema Priesterberufung: Wie präsent ist das Thema im Alltag?

Pater Valentin: Die Schüler und Eltern wissen, dass wir eine Schule sind für Jungs, die sich mit dem Gedanken einer möglichen priesterlichen Berufung auseinandersetzen. Dazu gehört dann auch die Offenheit, gegebenenfalls zu einem solchen Ruf „Ja“ zu sagen.

Frage: Wann und wie wird dann die Frage gestellt, kannst du dir vorstellen, Priester zu werden?

Pater Valentin: Die Jungs, die zu uns kommen, hatten in der Regel schon ein altersgemäßes, aber intensives geistliches Leben und konnten auf ihrem Weg auf Rat und Hilfe eines Priesters zählen. Wenn sie den Wunsch äußern, in die „Apostolische Schule“ zu kommen, können sie unter dem Jahr und vor allem im Sommer ein paar Wochen in Bad Münstereifel verbringen und das gemeinschaftliche Zusammenleben, die Unterrichte und das Gebet erleben. Nach dieser Zeit fragen wir sie: Kannst du dir vorstellen, in diese besondere Schule zu gehen? Kannst du dir vorstellen, so zu leben, wie die anderen Jungs hier? Wenn sie das bejahen, ihre Eltern damit einverstanden sind und auch wir die nötigen menschlichen und geistlichen Voraussetzungen im Jungen sehen, können sie kommen. Zu diesem Zeitpunkt fragt niemand, ob sie später tatsächlich Priester werden wollen oder ob sie sich von Gott berufen fühlen. Das ist auch keine Bedingung für die Aufnahme.

Ab der vorletzten Klasse – die Schüler sind dann 16 - 17 Jahre alt –, spreche ich mit ihnen die Frage des weiteren Lebensweges aktiver an. Dabei geht es dann oft auch darum, ob sie eine Berufung zum Priester– und Ordensleben spüren. Das ist sicher eine Gratwanderung: Zu einem gesunden Unterscheidungsprozess gehört es, die Entscheidung der jungen Männer nicht beeinflussen zu wollen. Niemand von uns kann eine Berufung machen! Wir begleiten die Jungen jedoch auf ihrem Weg. Das Wichtigste ist, ein Umfeld der Offenheit und des Vertrauens zu schaffen.

 

Begegnung mit Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Berlin,Frage: Was passiert, wenn die Schüler einen anderen Weg einschlagen wollen?

Pater Valentin: So frei, wie ein Schüler gekommen ist, so frei kann er auch jederzeit wieder gehen! Es gibt eine sehr enge Absprache und Zusammenarbeit mit den Eltern. Wenn wir z.B. sehen, dass sich Jugendliche in unserer „Apostolischen Schule“ nicht mehr wohl fühlen, sprechen wir das weitere Vorgehen ab und bereiten gegebenenfalls einen Schulwechsel vor. Das ist bisher jedes Jahr vorgekommen und wir konnten die jeweiligen Schüler meist individuell und recht gut auch auf diesem Weg begleiten. Auch für die Abiturienten stehen alle Wege offen. Mit einem unserer Schüler haben wir uns im vergangenen Schuljahr z.B. zwei drei Monate lang nach verschiedenen Möglichkeiten für seinen weiteren Werdegang umgesehen. Ich habe persönlich zu den ehemaligen Schülern auch heute noch ein gutes Verhältnis. Wir bekommen auch regelmäßig Besuch von Schulabgängern.

Frage: Auch wenn die konkrete Berufungsfrage in der Schule nicht abschließend beantwortet werden kann, welches Priesterbild möchten Sie den Jugendlichen vermitteln?

Herr Dr. Briemle: Wenn ich höre, wie die Jungen miteinander kommunizieren und reden, so träumt sich niemand schon in die Soutane. Sie erzählen sich, was sie vor allem auch menschlich bewegt. Sie nehmen Anteil an den alltäglichen Sorgen, etwa der Herkunftsfamilie und sind an gesellschaftspolitischen Themen und Entscheidungen interessiert. Vor allem aber interessiert sie all das, was mit Menschen aus den verschiedensten Berufsgruppen zu tun hat, die uns auch regelmäßig besuchen kommen oder mit denen wir im Rahmen der schulischen Aktivitäten zusammentreffen und mit denen wir uns im Unterricht beschäftigen.

Pater Valentin: Natürlich können wir all die wichtigen Aspekte eines echt priesterlichen Lebens immer wieder ansprechen und ausleuchten: Dass er ein Mann des Gebetes sein muss, ein Mann Gottes, der zuhören kann, ein Mensch, der auf die anderen zugeht etc. An erster Stelle muss jedoch das eigene Beispiel stehen. Jeder weiß, wenn man auf so engem Raum zusammenlebt, bringen salbungsvolle Worte nicht viel. Wenn meine Mitbrüder und ich nicht überzeugend als Priester und Ordensleute leben, verpufft das Ganze.

Frage: Müssen dann nicht doch alle Apostolischen Schüler Legionäre Christi werden?

Pater Valentin (lacht laut): Gott ruft wen, wann und wie er will. Seine Wege sind wunderbar. Wichtig ist, dass die Berufung authentisch ist: Einige werden in unser Noviziat eintreten, einige vielleicht Diözesanpriester werden, sich einer anderen Ordensgemeinschaft anschließen oder weltliche Berufe ergreifen. Wir sind natürlich sehr dankbar für die drei jungen Männer, die jetzt aus der „Apostolischen Schule“ ins Noviziat eingetreten sind. Sie haben diesen Schritt in dem festen Bewusstsein gemacht, den Ruf Gottes im Noviziat weiter prüfen zu wollen. Wir freuen uns jedoch genauso darüber, wenn jemand Diözesanpriester wird oder in eine andere Ordensgemeinschaft eintritt. Unsere größte Freude ist es, wenn alle ihren ganz persönlichen Lebensweg mit Gott finden und ihn mutig gehen.

Das Interview führten Karl-Olaf Bergmann und Markus Schüppen.

 

Interview mit Pater Valentin Gögele und Dr. Eugen Briemle über die „Apostolische Schule“ in Bad Münstereifel

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