P. Carlos Martínez Teuscher, L.C.

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Die Liebe Gottes erfahren

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Wenn ich gefragt werde, wie ich zu meiner Berufung gekommen bin, erinnere ich mich zuerst an das Beispiel meiner Eltern. Mein Vater war in unserer Heimatstadt in Mexiko ein angesehener Arzt, den ich als kleiner Junge sehr bewundert habe. Eines Tages nahm er mich an der Hand mit in eine Kirche und hieß mich dort in einer Bank warten. Ich beobachtete, wie er sich bei einem Priester hinkniete und in der Beichte um Vergebung seiner Sünden bat.

Es hat mich sehr beeindruckt, ihn so demütig zu sehen. Meine Mutter hat sich immer sehr in der Pfarrei engagiert, half Armen und Kranken und auch beim Katechismusunterricht. Als sie mich eines Tages um Hilfe bat, meinte ich in meiner jugendlichen Besserwisserei: „Mama, entspann dich, was soll all der Stress? Wenn du keine Zeit hast, dann sag es doch einfach und dann musst du nicht mehr so viel tun.“ Da packte sie mich fest am Arm und sagte: „Carlos, Gott war immer für mich da! Soll ich Ihm heute sagen, ich hätte keine Zeit für Seine Anliegen?“ Diese Erfahrungen arbeiteten in mir, aber überzeugten mich noch nicht ganz, ich brauchte noch einen Anstoß. Eines Tages begleitete ich einen Freund zu einem Einkehrtag ins Noviziat der Legionäre Christi nach Monterrey, eigentlich nur, weil ich abends in dieser Großstadt noch etwas erleben wollte. Ich traf im Noviziat auf eine Gemeinschaft junger Männer mit einer Freundlichkeit, die ich so noch nicht kannte. Ich dachte, die strengen sich nur heute an, weil Gäste da sind. Aber wann immer ich wiederkehrte, begegneten sie mir auf diese Weise und ich erkannte, dass sie wirklich versuchten, die Liebe Christi zu leben und zu teilen. Damit legte sich eine tiefe Sehnsucht in mein Herz, es ihnen gleich tun zu können. In dieser Sehnsucht bin ich schließlich selbst der Liebe Gottes begegnet, denn Er ließ mich erfahren, wie sehr Er sich nach Einheit mit mir sehnte. Ich antwortete Ihm mit meinem Eintritt in das Ordensleben und Er führte mich treu all die Jahre bis heute zum Priestertum.

Ich durfte einige Tage in der Pfarrei meiner Eltern verbringen und als Diakon dienen. Was mich dort zutiefst berührte war die aktive Gemeinschaft der Gläubigen im Gebet. Sie beten für konkrete Projekte und eines dieser Projekte war tatsächlich mein Priestertum! Die Leute waren über meine Mutter informiert über meine einzelnen Schritte auf dem Weg zur Priesterweihe und haben sie alle im Gebet mitgetragen. Nun waren sie sehr glücklich, mit der Diakonweihe die erste Frucht ihrer Gebete selbst erfahren zu dürfen. Für mich war das auch eine schöne Überraschung zu sehen, wie viele Menschen mich auf dem Weg begleitet haben. Deshalb möchte ich auch Sie ermutigen, im Gebet um Priesterberufungen und für die Seminaristen auf dem Weg zur Priesterweihe nicht nachzulassen.

P. Carlos Martínez Teuscher, L.C.

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