Leonhard Maier

Die Erde ist zum Himmel geworden…

Ein besseres Leben als das meine kann ich mir nicht vorstellen. Ich darf so eine Fülle und so ein andauerndes Glück erleben, so eine Vorfreude auf das Heimkommen in die Ewigkeit beim Vater, dass so manch einer mich für verrückt hält.

Meine Kindheit durfte ich behütet im Schoß meiner Familie verbringen. Da war mein Vater, der uns Kindern viele Abenteuer ermöglichte, meine Mutter, die uns zu reifen Menschen zu erziehen versuchte, meine zwei jüngeren Geschwister, mit denen ich eine sehr abwechslungsreiche, interessante und aufregende Zeit erlebte, und schließlich meine Großmutter, die Stütze unseres Hauses, die immer da war, besonders in Krisenzeiten. Die Grundschulzeit war großartig in jeder Hinsicht: Lehrer, Freunde und Klassenkameraden, Ski- und Zeltlager, Ausflüge und Freizeiten.

Erste Prägung in Oberbayern

Auch die kirchlichen Festtage waren ein wichtiges Element. Bis zur dritten Klasse hatten meine Großmutter und mein Vater mich immer zur heiligen Messe mitgenommen. Dann aber überredete mich eines Abends ganz spontan ein Freund, ihm beim Ministrantendienst zu helfen, und so war ich von da an Ministrant, was für mich schnell zu einer großen Leidenschaft wurde und weswegen das kirchliche Leben an Wichtigkeit noch zunahm.

Während meiner zehnjährigen Ministrantenzeit wuchs in mir ganz langsam eine starke Liebe zu Christus und zur Kirche, und zudem brachte mich der Betrieb der nahen Wallfahrtskirche Maria Altenburg in Kontakt mit vielen Gläubigen und Priestern. Die Gymnasialzeit gestaltete sich etwas schwieriger. Doch hatte ich großes Glück mit meinem Firmpaten, der damals Kaplan in meiner Pfarrei war. Er unterstützte mich wie kein anderer und wurde mein bester Freund. Durch ihn traf ich auch eines Tages den irischen Pater Eamon Kelly LC, der 1989 als erster Legionär Christi nach Deutschland gekommen war. Dieser lud mich für Sylvester 1998 ins Noviziat nach Bad Münstereifel ein. Ich fuhr hin und war begeistert: Eine Gruppe junger Männer in Ordenskleidung, die auch noch gut Fußball spielten, gut kochten und schließlich tiefgehende geistliche Exerzitien für Jugendliche abhielten.

Von da an wurde mein geistliches Leben wesentlich stabiler. Die Katechsen für Schüler und Studenten der Legionäre Christi waren mir dabei eine große Hilfe. Wichtige Glaubensimpulse vermittelte mir auch das internationale Zusammentreffen von Legionären Christi und Mitgliedern des Regnum Christi im Jahr 2000 in Rom bei der Feier des 60-jährigen Gründungsjubiläums der Gemeinschaft.

Die Berufung wird klarer…

Auf die Oberstufe folgte schließlich das Abitur. Mir war inzwischen klar, dass ich für etwas leben wollte, das reiche Frucht bringt für Zeit und Ewigkeit. Dafür schien es zwei Optionen zu geben: Priester werden oder eine Familie gründen. Ich hatte allerdings schon das Gefühl, dass mich der Herr auf den Weg zum Priester rief. Da passierte im August 2002 Folgendes: Als ich nach der hl. Messe die Kirche verließ, fragte mich am Kirchenportal eine Frau, was ich nach dem Abitur vorhätte. Ich sagte ihr, welche Möglichkeiten ich sah und schloss mit den Worten: „Aber ich weiß noch nicht, was Gott von mir will.“ Sie hörte mir zu, sah mich an und sagte: „Diese Entscheidung kann dir Gott nicht abnehmen. Du musst dich entscheiden!“ Diese Worte trafen mich ins Herz. Keine Ahnung warum, aber in diesem Moment musste ich mir eingestehen, dass ich schon lange wusste, wohin Gott mich eigentlich führen möchte: zum Priestertum. In diesem Moment beschloss ich, mich auf diesen Weg zu machen. Und noch am gleichen Tag beim Abendessen sagte ich es auch meiner Familie: „Jetzt ist mir klar, dass ich Priester werde.“

Ich war noch nicht sicher ob Diözesanpriester oder Legionär Christi? Deshalb besuchte ich zunächst das Priesterseminar im Erzbistum München. Um auch die Legionäre Christi besser kennen zu lernen und etwas Abstand zum bisherigen Umfeld zu gewinnen und zu sehen, was Christus mit meinem Leben vorhat, machte ich mich auf den Weg nach Mexiko, wo ich ein Jahr als „Coworker“ im Regnum Christi an verschiedenen pastoralen Projekten der Legionäre Christi mitarbeiten durfte.

Von Bayern nach Mexiko und Rom

Die neun Monate, die ich in der mexikanischen Stadt Puebla verbrachte, wurden die bis dahin besten meines Lebens, und ich wurde von Gott in jeder Hinsicht reich beschenkt. Sicher trug auch die herzliche und lockere mexikanische Lebenseinstellung viel dazu bei. Zu Weihnachten 2002 nahm ich mit anderen 30 „Coworkern“ aus aller Welt an einer Pilgerfahrt nach Rom teil. Während der geistlichen Exerzitien in Stille in Rom erkannte ich, wie wichtig das Leben in Gemeinschaft und eine umfassende Ausbildung für einen Priester sind. Der Wunsch, Priester in der Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi zu werden, festigte sich in dieser Zeit.

 „Jetzt bin ich angekommen“

Im Sommer 2003 begann ich zusammen mit sechs anderen jungen Männern die Kandidatur in Vorbereitung auf das Noviziat in Bad Münstereifel. Es war eine super Zeit! Bereits am ersten Abend nach meiner Ankunft kniete ich mich vor das Kreuz in meinem Zimmer und durfte ein jubelndes Glücksgefühl erleben. Ich sagte mir: „Jetzt bist Du da angekommen, wo Du hingehörst!“ Gott schien mich in diesem Augenblick teilhaben lassen zu wollen an seiner Freude, dass ich bis hierher seinem Ruf gefolgt war.

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Die zwei Jahre in unserem Noviziat in Deutschland genoss ich in vollen Zügen. Unter den 24 Mitbrüdern fand ich schnell Freunde, mit denen ich mich seitdem eng verbunden fühle. Es war so eine Lust, sein junges Leben ganz in die Hände Jesu zu legen! So eine Begeisterung, so ein Schwung, so eine Nächstenliebe! Unser Novizenmeister führte uns ein in die morgendliche einstündige Betrachtung der Heiligen Schrift. Täglich zwei Stunden Anbetung, Zeit, um sich vom Heiligen Geist ergreifen zu lassen in der Gegenwart Gottes.

Internationale Gemeinschaft und Theologiestudium

Ich bin ein Gemeinschaftsmensch. Das Zusammenleben und der Austausch mit meinen Mitbrüdern aus aller Welt haben mich vom ersten Tag an bereichert, besonders die Unterschiedlichkeit der Kulturen, Charaktere und Temperamente. Da war Spanien mit 220 Brüdern, Rom mit 475, Wien mit fünf Legionären Christi und fünf „Coworkern“, Bad Münstereifel mit 50 und nun die Generaldirektion mit 100. Es ist schon gewaltig, Brüder und Freunde zu haben, die aus allen Kontinenten kommen!

Studieren wir Legionäre Christi zu viel? Nichts von meinem Philosophie- und Theologiestudium erscheint mir bis heute überflüssig, in jedem Buch fand ich wertvolle Schätze für meinen Dienst als Seelsorger. Dankbar bin ich, dass ich so viele Themen in Ruhe vertiefen konnte, die für meine Arbeit als Priester wichtig sind.

Bevor ich mit dem Theologiestudium den letzten Teil meiner Vorbereitung auf die Priesterweihe abschloss, absolvierte ich einen sehr lebensnahen und grundlegenden Abschnitt meiner umfassenden Priesterausbildung: Das apostolische Praktikum, welches mich zuerst ein Jahr nach Österreich und dann zwei Jahre nach Bayern in die Jugendarbeit führte. Sehr beeindruckt und bereichert haben mich das Lebens- und Glaubenszeugnis der Menschen, die unsere Ordensgemeinschaft im Gebet oder materiell unterstützen. Von ihnen habe ich viel für mein Leben lernen dürfen.

Gerade dieses von Papst Franziskus ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit, dieses letzte Jahr vor meiner Priesterweihe, war für mich ein Segen weil eine ausgezeichnete Vorbereitung auf das, was von nun an mein Dienst sein wird: Allen Menschen ein lebendiges Abbild der barmherzigen Liebe Gottes sein, ein anderer Christus.

Damit Christus in mir lebt!

Sehr dankbar schaue ich auf mein bisheriges Leben zurück, ein besseres hätte ich mir nicht vorstellen können! Überall durfte ich Gott erfahren, in jeder Begegnung und jedem Gespräch, in seiner ganzen Schöpfung, in Freud und Leid, bei all meinen Schwächen und Sünden. Ich habe die große Gewissheit, dass mich Christus zu seinem Priester berufen hat und bin unendlich froh und dankbar dafür! Für mich bedeutet dieser Weg der engen Nachfolge vor allem eins: Dass Christus in mir leben soll!

Leonhard MaierLeonhard Maier LC kam als erstes von drei Kindern am 14. Mai 1982 in Oberbayern zur Welt. Das Feuer für Christus begann zu brennen beim Dienst als Ministrant und bei den Katechesen eines Priesters der Legionäre Christi in der Heiliggeistkirche in München. Nach einer Unterhaltung war der Ruf ins Priestertum klar, doch sollte er ins Priesterseminar oder zu den Legionären Christi? Eine Woche Schweigeexerzitien in Rom gaben ihm die Gewissheit: Gott ruft ihn ins Ordensleben bei den Legionären Christi. Zwei Monate Kandidatur und zweijähriges Noviziat absolvierte er in Bad Münstereifel, humanistische Studien in Salamanca (Spanien), Grundstudium Philosophie in Rom, vier Jahre apostolisches Praktikum in Bayern und Österreich, drei Jahre Grundstudium Theologie (an der päpstlichen Hochschule Regina Apostolorum) und derzeit ist er dabei, sein Lizenziat in Dogmatik abzuschließen (bis Sommer 2017). Zum Diakon wurde er geweiht am 17. April 2016 in der St. Anna- Basilika in Altötting.